Polen

Totales Abtreibungsverbot nur knapp verhindert

1. September 2011, 14:11

Mit einer Mehrheit von nur sechs Stimmen ein völliges Abtreibungsverbot abgelehnt - Abstimmung wurde durch BürgerInnenitiative ins Parlament gebracht

Warschau - Die Abstimmung im Parlament am Donnerstag fiel zwar äußerst knapp aus, die polnische Kompromisslösung bei den Abtreibungsregelungen bleibt aber unverändert. Mit einer Mehrheit von nur sechs Stimmen lehnte der Sejm (Unterhaus) ein völliges Abtreibungsverbot ab, das durch eine Bürgerinitiative ins Parlament gebracht worden war. Die oppositionelle rechtskonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), fast die gesamte bäuerliche Regierungspartei PSL und die liberal-konservative oppositionelle Partei "Polen ist am wichtigsten" (PLN) und auch 15 Abgeordnete der rechtsliberalen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) stimmten für das Projekt.

Zugleich wurde eine Liberalisierung des Gesetzes über den Schwangerschaftsabbruch, die vom Bündnis der Demokratischen Linken (SLD) gefordert wurde, abgelehnt. Den SLD-Vorschlag unterstützten bei der Abstimmung nur 31 Abgeordnete der Partei. Dagegen stimmten 369 andere Abgeordnete.

Halbe Million Unterschriften

Ein Bürgerkomitee hatte im April rund eine halbe Million Unterschriften für einen Gesetzentwurf dem Parlament übergeben. Ziel der Initiative war ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen auch bei schweren Missbildungen des Fötus, nach einer Vergewaltigung sowie bei Gefahren für die Gesundheit oder das Leben der Mutter. Diese Initiative begrüßte der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Jozef Michalik.

Eine Antwort darauf war der Vorschlag der SLD, das Abtreibungsrecht zu liberalisieren. Der SLD-Text sah das Recht auf Abtreibung auf Wunsch bis zur zwölften Schwangerschaftswoche, kostenfreie Abtreibung und pränatale Untersuchungen vor. In der Novelle möchte die Linke auch einen Ausbau der Sexualerziehung in den Schulen, die Rückerstattung von Kosten für Verhütungsmittel und die Förderung von künstlicher Befruchtung verankern.

Restriktive Regelung

Die derzeitige Regelung für Schwangerschaftsabbrüche in Polen gehört zu den restriktivsten in Europa. Eine Abtreibung ist in Polen nur nach einer Vergewaltigung, bei schwerer Behinderung des Fötus oder einer Bedrohung der Gesundheit oder des Lebens der Mutter gestattet. Laut Schätzungen der Föderation für Frauen und Familienplanung werden in Polen pro Jahr bis zu 190.000 illegale Abtreibungen durchgeführt. Legale Eingriffe gibt es nach offiziellen Statistiken rund 500 pro Jahr. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 37
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Kantinenessen
00
Schlimm und widerlich.

Aber ob eine solche Regelung Bestand hätte?
Es sind ja nicht alle Polen bigotte Kerzerl-Schlucker, und ich bin mir sicher, es hätte sich bald jemand gefunden, der dagegen beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geklagt hätte.
Denn dass hier Menschenrechte mit Füßen getreten werden, ist ja wohl klar.

www.lightyear2000.tumblr.com
22

77 % der abtreibungsgegner_innen sind männer.
100 % von ihnen wird niemals schwanger werden.

es ist ihr körper und somit hauptsächlich auch ihre entscheidung.

http://bit.ly/qEgEsH

BlackAdder
02

Vielleicht könnten ja auch mal die befürworter dieser lösung hier ihre meinung kundtun anstatt wie gewohnt bloß feige aus dem hinterhalt rote striche zu verteilen ?

Also, wie kann man ein solch menschenverachtendes verhalten argumentieren ?

Stefanxy
00
Ich nehme an,

wenn man (aufgrund religiöser Überzeugung) einen Fötus für ein vollwertiges menschliches Leben hält, kann man nicht aus.

BlackAdder
03

Und die frau, die man krepieren lässt bevor man einen abbruch zulässt, die ist kein vollwertiges menschliches leben ?

Black Widdow
02
Gar nicht

drum sind die ja so schweigsam :-P

René Herndl
310
Und was unternimmt die EU ...

... gegen diesen frauenfeindlichen, klerikalfaschistischen Staat? Nichts! Sanktionen!

Stefanxy
10
Dank der EU,

können die Polinnen die Abtreiben wollen problemlos in die Nachbarstaaten reisen.

Mr.Blue
13

Sanktionen gegen eine Bürgerinitiative? Wie faschistisch ist denn der Gedanke?

BlackAdder
12

Steht doch klar da:

"gegen diesen frauenfeindlichen, klerikalfaschistischen Staat"

jokergirl
00

Der Staat hat aber eh dagegengestimmt. Die Bürgerinitiative wollte das.

BlackAdder
21

Wenn bloß 4 gekippte stimmen eine solche menschenverachtende regelung erzwungen hätten ist das wahrlich kein ruhmesblatt für einen staat.

Freigeistin1
50

Sorry, aber menschenverachtend ist schon was anderes!
Menschenverachtend ist zB wenn so manchem die Fristenlösung zu wenig ist und manche eine völlige Freigabe der Abtreibung (also bis zum errechnetem Geburtstermin) fordern. Das ist menschenverachtend!

Tethys
02

Es ging um eine Abstimmung zum absoluten Abtreibungsverbot - dieses Verbot wurde abgelehnt. Die Liberalisierung von Abtreibungen wurde übrigends ebenfalls abgelehnt.

Bleiben wir also bitte beim Thema, es geht nicht um die Freigabe der Abtreibung bis kurz vor der Geburt. Diese wäre ein anderes Thema, weil sie andere Ursachen hat.

BlackAdder
03

Sie meinen also es wäre nicht menschenverachtend eine frau einfach so kaltlächelnd krepieren zu lassen weil man ihr einen lebensrettenden abbruch verweigert ?

Freigeistin1
00

Ich gebe zu, ein Abbruch sollte möglich sein, wenn das Leben der Frau real in Gefahr ist.

BlackAdder
00

Und nach einer vergewaltigung ?

Freigeistin1
10

Meiner persönlichen Meinung nach - sehr sensibles Thema - das Kind kann nichts dafür.
Wir haben in Ö die Fristenlösung - somit ist dieses Thema bei uns zumindest, erledigt und braucht eigentlich nicht weiter diskutiert werden, oder?

baroli
01

Was diskutiert wird, haben nicht Sie zu bestimmen.
Zum Glück.

Tethys
01

Die Frau auch nicht.

pinker Sand
79

"Ziel der Initiative war ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen auch bei schweren Missbildungen des Fötus, nach einer Vergewaltigung sowie bei Gefahren für die Gesundheit oder das Leben der Mutter."
Einfach nur Frauenverachtend! Unglaublich, dass sowas mit nur 6 Stimmen abgelehnt wird. Ich weiß nicht welchen der drei Punkte ich schlimmer finde. Jeder von ihnen zeugt von null Empathie. Die Abgeordneten sollen mal darüber nachdenken, ob sie ihre Töchter so einem Schicksal ausliefern würden. Aber ich habe ja vergessen: ist ja alles Gottes Wille :(

j.h.k.
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polen sollte aus der eu austreten und eine personalunion mit dem vatikan gründen!

pox vobiscum
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Waren die Polen eigentlich schon immer solche Hardcore-Knier oder wurde das durch Wojtyla noch verstärkt?

j.h.k.
02

mein vater, ein protestantischer pfaff, hatte die wahl damals so kommentiert: "um gottes willen. ein papst aus polen."
dem war nichts hinzuzufügen, denke ich.

BlackAdder
24

Ich würde sagen JA und JA.

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