Video einer Vergewaltigung durch Friedenshüter aus Urugay gibt Ausschlag für Ermittlungen gegen UN-Truppen
Port-au-Prince - Der haitianische Präsident Michel Martelly hat eine mutmaßliche Vergewaltigung eines 18-Jährigen durch UN-Truppenmitglieder aus Uruguay verurteilt. Das Verbrechen erhitzt die Gemüter der HaitianerInnen seit seinem Bekanntwerden via Internet, wo ein Handyvideo davon kursierte. Die Behörden des krisengeschüttelten Landes und die UN-Mission in Haiti haben mittlerweile Ermittlungen eingeleitet. Die vier der Vergewaltigung Verdächtigten wurden festgenommen und der zuständige Einsatzleiter ausgetauscht.
In seiner Erklärung forderte Martelly die Behörden und die UN-Missionsleiter zu einem raschen Treffen auf, um künftigen Machtmissbrauch und Gewalt durch UN-Truppen zu verhindern. Der Präsident teile die "Emotionen aller HaitianerInnen" und versprach, dass dieses Verbrechen nicht unbestraft bleiben werde.
Aussagen zur Gruppenvergewaltigung vereidigt
Das mutmaßliche Opfer und seine Mutter berichteten im Radio von der Gruppenvergewaltigung durch uruguayische Marineinfanteristen. "Zwei hielten mich fest und zwei vergewaltigten mich. Sie schlugen mich mehrmals", sagte der 18-Jährige. Danach hätten die Soldaten mit seiner Mutter verhandelt, damit sie die Tat vertuscht, aber diese alarmierte die Behörden und zeigte sie an, erzählte er. "Mein Sohn wurde vergewaltigt. Das ist ein Verbrechen und soll bestraft werden. Wir verlangen Gerechtigkeit und Wiedergutmachung", so die Mutter im Radio. Vor einem Richter in Port-Salut wurden ihre Aussagen vereidigt.
Ermittlungsergebnisse abwarten
Die UN-Friedensmission in Haiti, MINUSTAH, nimmt den Fall laut Sprecherin Eliane Nabaa "sehr ernst": "Zur Zeit können wir nicht sagen, ob es Vergewaltigung war oder nicht", erklärte sie gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Das würden die noch andauernden Ermittlungen bald zeigen. Sollte die Anschuldigung wahr sein, würden die Vereinten Nationen, "die eine Null-Toleranz gegenüber solchem Verhalten hat", sicherstellen, dass notwendige Schritte gegen die Täter eingeleitet würden, so Nabaa.
Vorwürfe nicht neu
Vorwürfe gegen die Blauhelme in Haiti sind nicht neu. Den nepalesischen UN-Truppen wurde vorgeworfen, Cholera eingeschleppt zu haben, was letztes Jahr zu Aufständen der Bevölkerung gegen das
12.000 Mann starke UN-Kontingent geführt hat. Der Cholera fielen seit Oktober über 6.200 EinwohnerInnen zum Opfer. Das Land erholt sich nur langsam von dem zerstörerischen Erdbeben 2010, bei dem laut Regierungsangaben über 300.000 Menschen starben. Internationale ExpertInnen, darunter jene eines eigens formierten UN-Ausschusses, halten das Nepalesen-Camp als Quelle der Cholera für wahrscheinlich, aber nicht sicher.
Neudefinition der Blauhelme gefordert
Die aktuelle UN-Friedensmission in Haiti läuft seit 2004 und sollte vor allem der unterbesetzten und schlecht ausgestatteten Polizei des Landes zur Seite stehen, besonders während von Bestechung und Gewalt geprägten Wahlen. Martelly, der im März die letzten Wahlen gewonnen hatte, sieht nach wie vor die Notwendigkeit der Blauhelme im Land, setzt sich aber für eine Neudefinition ihrer Rolle und den Aufbau einer eigenen haitianischen Sicherheitstruppe ein, die sie langfristig ersetzen soll. (Reuters/red)