Was die "Töchtersöhne" dazu sagen

13. September 2011, 18:09

Auch Österreichs Jugend beschäftigt die Debatte rund um die Änderung der Bundeshymne

Wien - "Es ist eine Schande, wenn man als Österreicher die Hymne nicht kann. Man sollte stolz auf sie sein." Magda (14) kann aber, wie sie offen zugibt, selbst nur die erste Strophe der Bundeshymne. Auch ihre Freundin Nico (15) ist nicht in der Lage, das gesamte Lied vorzutragen. Sie fühlt sich beim Hören der Bundeshymne "ein wenig patriotisch". Die geplante Änderung, die am 21. September beschlossen werden soll, empfindet sie als unnötig, aber "wenn man schon etwas ändern muss, dann soll es nur etwas Kleines sein".

Es ist Montagnachmittag, und das Museumsquartier ist voller Jugendlicher. Angesprochen auf die Änderung der Textzeile "Heimat bist du großer Söhne" in "Heimat großer Töchter, Söhne", zeigen sie sich ziemlich gesprächig.

Kaum eine/r der Befragten hat sich bis jetzt mit der Hymne auseinandergesetzt. Nur ein/e Einzige/r der elf Teenager weiß, dass die Melodie von Mozart stammt; die Texterin Paula Preradović kennt niemand. Die Hymne hat für die meisten kaum Bedeutung, gehört aber "zu Österreich dazu wie das Wiener Schnitzel", sagt Michael (16). Er meint, der 1947 verfasste Text solle gleich bleiben.

Yayra (19) und Kelly (20), die aus Ghana stammen, begrüßen es, dass sich Österreich um Gleichberechtigung bemüht. "Es ist gut, dass das Land ein Zeichen setzt." Interessant ist, dass viele die Hymne mit der Schule in Verbindung bringen. Metka etwa muss beim Hören der Hymne an ihre Volksschulzeit denken, wo "alle in einer Reihe standen und sangen".

Ein komplett neuer Text, wie ihn etwa Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autoren, vorschlägt, stößt bei den Jugendlichen eher auf Ablehnung. Auch auf Facebook wird derzeit heiß diskutiert, wobei sich hier die ÄnderungsgegnerInnen in der Überzahl befinden.

Laut Sprachwissenschafter Franz Patocka von der Uni Wien ist die geplante Änderung sowieso "grammatikalisch grenzwertig", da man statt "Töchter, Söhne" das Kompositum "Töchtersöhne", also die von der Tochter geborenen männlichen Enkel verstehen könnte. Er wünscht sich eine andere Lösung, hat aber keine konkreten Vorschläge - dies sei auch nicht seine Aufgabe. Bleibt noch die Frage: Wessen Aufgabe ist das eigentlich? (Alexander Huber, Isabella Kitzwögerer, Nikolaus Trimmel/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2011)

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14 Postings
Moist von Lipwig
01
21.9.2011, 15:16
Verhunzung.

Heimat bist du großer Menschen, Volk begnadet ohne Grenzen

Wäre mMn immer noch die schönste Variante gewesen, da hierbei vor allem auch das Versmaß erhalten bleibt. Aber sei's drum, ich halte eh herzlich wenig von so nationalem Kram.

zahnloser Tiger
00
16.9.2011, 15:34
warum fragt man die betroffenen Menschen immer erst wenns eh schon zu spät ist?

gibts eigentlich einen statistischen Wert über die Anzahl der ÖsterreicherInnen, die diese Änderung in der Hymne befürworten?

ich höre nämlich nur stets: "ist mir doch egal, ich sing die eh nicht und wegen mir hätte die niemand ändern müssen"

wenn ich also hauptsächlich daran garnicht interessierte Personen treffe, wo sind dann die Unmengen von ÄnderungsbefürworterInnen, die Heinisch-Hosek den Auftrag kommuniziert haben diese Änderung zu verlangen?

oder hat das am Ende garnix mit praktischem Sinn und Anwendung zu tun, und dient eigentlich nur der Profilierung der beteiligten Frauenministerin OHNE praktischen Nutzen?

obibiber
00
17.9.2011, 12:33

na, wenn sie im artikel lesen, dass in der volksschule mit der hymne gebrainwashed wird und dadurch selbstverständlich nur österreichs söhne relevant sind, dann sollte ihnen das schon zu bedenken geben, spätestens, wenn sie vater einer tochter werden, die damit und mit andren sachen schon mal symbolisch entwertet ist... nicht umsonst wählen väter von töchtern eher links, weil sich links anscheinend eher um gleichberechtigung kümmert.
offensichtlich müssen manche aber erst töchter kriegen, um aus eigener betroffenheit dann mal dinge zu schnallen.

zahnloser Tiger
00
22.9.2011, 12:47
um aus eigener betroffenheit dann mal dinge zu schnallen.

was ändert das daran dass sie aus eigener Betroffenheit heraus befangen und sexistisch argumentieren?

ich sehe wirklich nicht ein warum ich mich von ihnen mit den Patriarchen aus der Generation meiner Väter gleichsetzen lassen soll, bloß weil ich jenes Geschlecht habe das sie aufgrund ihrer Ideologie zum Feindbild haben?

glauben sie wirklich ÜBER der Subjektivität zu stehen und das Recht zu haben ihre sexistischen Zuweisungen von Schuld oder Verständnis rechtfertigen zu können?

obibiber
00
23.9.2011, 10:23

sie meinen irgendwer wäre neutral, das würde ich nicht behaupten.
als sexistisch zu bezeichnen, dass menschen, denen aufgrund dessen, dass sie emotional an ihre töchter gebunden sind und folgedessen erkennen, wie es diesen im vergleich zu söhnen ergeht, entbehrt jeder grundlage.
suchen sie sich studien, die belegen, dass väter mit töchtern eher links wählen. die bezeichnen sie allerdings wohl auch als sexistisch, weil ihnen das ergebnis nicht passt, obwohl diese auf angaben von vätern aufbaun...

cs2410
00
14.9.2011, 10:05
Mozart?

Sorry, aber dass die Melodie des "Bundesliedes" aus der Freimaurerkantate, dessen Melodie die Bundeshymne folgt, wohl nicht von Mozart ist, sondern von Johann Holzer, einem Logenbruder Mozarts, sollte schon bekannt sein. Aber Hauptsache den befragtem Jugendlichen Unkenntnis vorwerfen.

Völkerball
00
15.9.2011, 15:19
Neu hier?

chucky1991
00
14.9.2011, 09:27
es klingt zwar...

...irgendwie komisch aber: "Heimat bist du großer Menschen" oder "Heimat bist du großer Leute"

auch wenn ich in jedem Fall für gleichberechtigung bin, finde ich dass die Hymne nicht geändert werden sollte...bzw. bin ich mir nicht ganz so sicher...so oft sing ich die Hymne nicht (wobei ich alle 3 Strophen kann^^)
aber ja...schwieriges Thema...es geht ja ned um nen Radiosong bei dem man ein Schimpfwort weg-piepsen muss...

die rote baronin
02
14.9.2011, 11:09
Die Hymne ist uns heilig.

Warum eigentlich? Es gibt zig Radiosongs die nicht nur öfter gesungen werden, sondern viel mehr in Menschen auslösen (positive Gefühle z.B.). Vor etlichen Jahrzehnten hat irgendwer, irgendwas gedichtet, andere habe das abgesegnet - und nun soll das für alle Zeit so stehen bleiben? Das ist engstirning.

chucky1991
00
14.9.2011, 13:01

ich sagte ja: ich bin mir nicht sicher...ich würde auch Faust nicht umschreiben oder irgendein Gedicht von Nietzsche...

es is halt a heikles Thema, über das man sich Gedanken machen soll/kann...ich muss meine Gedanken hierzu noch "ordnen" und vl kann ich mich dann für etwas entscheiden...

aber wie gsagt... "Leute" oder "Menschen" wär wenigstens unisex...

und zum Thema "die Hymne ist uns heilig": einigen ist sie das mit Sicherheit

knurrhoernchen
01
14.9.2011, 15:47
Jaja, da seid ihr euch einig

"Hauptsache keine Frauen bzw. Töchter erwähnen! Die Frau gehört unter die sprachliche Burka!" :)

chucky1991
00
14.9.2011, 15:54

tja da ich selbst ne Frau bin, find ich das ned...und i weiß a dass du das eher sarkastisch meinst

aber wenn sich 80% der ÖsterreicherInnen darüber aufregen, dass es nicht Töchtersöhne oder was auch immer heißen soll, wäre das gleichberechtigungstechnisch am klügsten

wenn sie hin und wieder ein Kommentar von mir gelesen haben, werden sie sehen, dass ich so und so IMMER alles gendere und sehr viel Wert darauf lege ;)

aber wenn man als Frau gleichberechtigt sein will, muss man auch den Männern 50% des Platzes zugestehen....sonst hätten wir ein Matriarchat...und wieder keine Gleichberechtigung ;)

obibiber
00
17.9.2011, 12:35

es fordert ja niemand, die söhne zu streichen.

knurrhoernchen
50
14.9.2011, 09:10
Wen interessiert die Meinung von Patocka?

Der soll seine Sprachwissenschaften in den akadamischen Burschenkuschelvereinen betreiben und das gebildete/moderne Volk in Ruhe lassen.

Hörnchens Frage an eine potenziell, große Tochter, die sich für eine leitende Position bewirbt: "Großer Töchter, Söhne? Ja? ... Nein? ... Weiß nicht?"
Sagt sie etwas anderes als "Ja!", dann ...
"Abflug Baby! Wenn du Selbstbewusstsein getankt hast, darfst du dich wieder melden!" :)

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