Auch Österreichs Jugend beschäftigt die Debatte rund um die Änderung der Bundeshymne
Wien - "Es ist eine Schande, wenn man als Österreicher die Hymne nicht kann. Man sollte stolz auf sie sein." Magda (14) kann aber, wie sie offen zugibt, selbst nur die erste Strophe der Bundeshymne. Auch ihre Freundin Nico (15) ist nicht in der Lage, das gesamte Lied vorzutragen. Sie fühlt sich beim Hören der Bundeshymne "ein wenig patriotisch". Die geplante Änderung, die am 21. September beschlossen werden soll, empfindet sie als unnötig, aber "wenn man schon etwas ändern muss, dann soll es nur etwas Kleines sein".
Es ist Montagnachmittag, und das Museumsquartier ist voller Jugendlicher. Angesprochen auf die Änderung der Textzeile "Heimat bist du großer Söhne" in "Heimat großer Töchter, Söhne", zeigen sie sich ziemlich gesprächig.
Kaum eine/r der Befragten hat sich bis jetzt mit der Hymne auseinandergesetzt. Nur ein/e Einzige/r der elf Teenager weiß, dass die Melodie von Mozart stammt; die Texterin Paula Preradović kennt niemand. Die Hymne hat für die meisten kaum Bedeutung, gehört aber "zu Österreich dazu wie das Wiener Schnitzel", sagt Michael (16). Er meint, der 1947 verfasste Text solle gleich bleiben.
Yayra (19) und Kelly (20), die aus Ghana stammen, begrüßen es, dass sich Österreich um Gleichberechtigung bemüht. "Es ist gut, dass das Land ein Zeichen setzt." Interessant ist, dass viele die Hymne mit der Schule in Verbindung bringen. Metka etwa muss beim Hören der Hymne an ihre Volksschulzeit denken, wo "alle in einer Reihe standen und sangen".
Ein komplett neuer Text, wie ihn etwa Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autoren, vorschlägt, stößt bei den Jugendlichen eher auf Ablehnung. Auch auf Facebook wird derzeit heiß diskutiert, wobei sich hier die ÄnderungsgegnerInnen in der Überzahl befinden.
Laut Sprachwissenschafter Franz Patocka von der Uni Wien ist die geplante Änderung sowieso "grammatikalisch grenzwertig", da man statt "Töchter, Söhne" das Kompositum "Töchtersöhne", also die von der Tochter geborenen männlichen Enkel verstehen könnte. Er wünscht sich eine andere Lösung, hat aber keine konkreten Vorschläge - dies sei auch nicht seine Aufgabe. Bleibt noch die Frage: Wessen Aufgabe ist das eigentlich? (Alexander Huber, Isabella Kitzwögerer, Nikolaus Trimmel/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2011)