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Am 1. Juli 2011 eröffnete Eva Trimmel ihr neues Lokal "Fett und Zucker" in der Wiener Hollandstraße.
vergrößern 700x467"Ich wollte eine Art Kuchentreff für den Nachmittag im Berliner Stil aufbauen, wo ich mich wie zu Hause fühle, klein, alternativ und queer. ...

... So wie man sich am Abend im Beisl gemütlich auf ein Bier trifft", sagt die gelernte Architektin.

Verkauft werden Blechkuchen aus Zutaten, die der Kuchenbäckerin selber schmecken, wie Brownies mit Erdnussbutter,...

... Mohnkuchen mit Vanillepudding, ...

.. oder ihr derzeitiger Lieblingskuchen, Banana Bread.

Für ihre queer-feministischen Aktivitäten bleibt Eva Trimmel alias IiF jetzt kaum mehr Zeit.
"Ich bin eines Morgens aufgewacht und wollte Kuchen backen - das Bedürfnis hatte ich vorher noch nie", schmunzelt Eva Trimmel. "Ich mochte Kuchen nicht einmal so gerne essen." Das war vor dreieinhalb Jahren. "Keine Ahnung, was passiert ist, dass sich das so verändert hat!" Seit 1. Juli jedenfalls schiebt sie in ihrem Wiener Espresso "Fett + Zucker" jeden Morgen Kuchen ins Backrohr, täglich fünf bis sechs verschiedene.
"Ich wollte eine Art Kuchentreff für den Nachmittag im Berliner Stil aufbauen, wo ich mich wie zu Hause fühle, klein, alternativ und queer. So wie man sich am Abend im Beisl gemütlich auf ein Bier trifft", sagt die gelernte Architektin. "Ich biete Blechkuchen an, die einfach sind und super schmecken, alles andere wäre 'too much'." Manche Leute seien enttäuscht, dass sie keine verzierten Cupcakes oder Torten mit viel Schnick-Schnack habe, aber: "Das passt nicht zu mir - liebliche Kuchen machen andere."
Schaumig gerührt
Der Name "Fett und Zucker" sei ganz zufällig entstanden: "'Fett und Zucker schaumig rühren' war das erste, was ich beim Brainstormen in einem Rezept gelesen habe - diese ernährungstechnisch ganz bösen Sachen sind einfach in jedem Kuchen drinnen", sagt die Lokalchefin schmunzelnd. Auch ihre eigenen Kreationen enthalten reichlich davon: Genussbomben wie saftiger Cheese Cake, Brownies mit Erdnussbutter, Mohnkuchen mit Vanillepudding oder Bananenbrot stehen zur schwierigen Auswahl.
Hausgemachtes aus Omas Garten
"Ich verkaufe nur Sachen, die mir selber gut schmecken", sagt Trimmel, die auch vegane Kuchen und, als salzige Abwechslung, Quiche anbietet. Ihr eigener Lieblingskuchen wechsle von Mal zu Mal: "Im Moment steh ich total auf Bananenbrot!" Gerne probiert sie auch Neues aus, mit regionalen wie hausgemachten Zutaten, manches ergibt sich saisonbedingt: "Wenn bei der Oma grad die Zwetschken reif sind, gibt es Streuselkuchen, wenn die Wohnungskollegin Lust auf Haselnusskuchen hat, back ich halt den. Und im Herbst möchte ich was mit Walnüssen machen, weil meine Eltern und die Oma so viele im Garten haben." Auch die Getränke im Lokal sind ganz auf ihrer Linie: Tee und Kaffee natürlich, Leipziger "Industriebier", Weine aus ihrem Heimatort Neckenmarkt und besondere Limos wie Club-Mate Cola oder Hollersirup von der Mama.
Raus aus der Unzufriedenheit
Ausschlaggebend für Eva Trimmels Geschäftsidee war die wachsende Unzufriedenheit mit ihrer alltäglichen Arbeit im Architekturbüro: "Zwei Prozent davon waren kreativ, der Rest Administration. Das hat mich auf Dauer frustriert. Für mich war irgendwann klar: Ich mag das nicht mein Leben lang machen, sonst werde ich ein ganz unglücklicher Mensch."
Ein Jahr hat sie sich Zeit lassen, um nachzuspüren, "ob die Idee auch wirklich bleibt". "Ich bin eine, die gerne Sachen auf die Beine stellt. Mir war aber klar, dass da beinharte Arbeit dahintersteckt - ich wusste: Das wird die Hölle." Die Lokalsuche habe sich "ziemlich lange gezogen". Ursprünglich wollte sie nicht in den "Bobo-Bezirk" Leopoldstadt, dann habe sich das Lokal in der Hollandstraße, in der Nähe des Karmelitermarktes, angeboten. "Auf den ersten Blick war es okay, auf den zweiten jedoch ziemlich desolat." Freunde und Freundinnen halfen ihr, nach und nach aus der Baustelle ihr Wunschlokal zu machen.
Überforderung
Natürlich habe sie zwischendurch auch immer wieder am Projekt gezweifelt. Der private Freundeskreis habe sie zwar sehr unterstützt, "Bekannte aus der Gastronomie hingegen sagten fast unisono: 'Mach es nicht!'" Nach der Eröffnung habe sie sich auch kurzzeitig total überfordert gefühlt: "Die ist sehr gut gelaufen, es waren viele Leute da - aber so viele, dass ich es ohne Hilfe von Freunden nicht geschafft hätte. Da dachte ich: 'Wenn die mir nicht mehr helfen, was mach ich dann?'" Schließlich stehe sie aus Kostengründen derzeit noch alleine im Lokal und mache "alle Tätigkeiten selbst, von der Geschäftsführerin bis zur Putzfrau". "In der Renovierungsphase habe ich gedacht: 'Bist du komplett wahnsinnig? Wieso tust du dir das an?'"
Zufriedene Quereinsteigerin
Mittlerweile sei sie mit dem Ergebnis ihrer Anstrengungen jedoch sehr zufrieden. Von Mittwoch bis Sonntag ist das "Fett und Zucker" von elf bis sieben offen, das Geschäft laufe. Montag und Dienstag ist verschobenes Wochenende. Es gibt auch Tage, wo die Quereinsteigerin um neun Uhr ins Geschäft kommt und erst um zehn Uhr abends wieder geht. "Das hat auch damit zu tun, dass ich grade erst anfange und vieles noch lernen muss. Das wird mit der Zeit besser werden."
Für ihre queer-feministischen Aktivitäten bleibt Eva Trimmel - die als langjähriges Mitglied des DJ-Kollektivs "Quote" auch unter dem Namen IiF bekannt ist und auch schon das erste Ladyfest mitorganisierte - im Moment kaum Zeit. Dafür sind ihre Kuchen in der Szene schon länger bekannt und beliebt, konnte man diese doch schon bei diversen Veranstaltungen wie am "Identities"-Filmfestival probekosten.
Kalkuliertes Risiko
Wenn sich der Betrieb eingespielt hat, kann IiF sich vorstellen, ihr Angebot auf der Karte auszudehnen: "Frühstück am Wochenende würde ich zum Beispiel gerne anbieten." Die Sorge, sich von den Einnahmen aus dem Espresso erhalten zu müssen, hat sie im Vorfeld in allen nur erdenklichen Worst-Case-Szenarien durchgespielt: "Ich bin ein risikofreudiger Mensch, aber mit kalkuliertem Risiko. Bei Sachen, die ich nicht einschätzen kann, stelle ich mir vor, was das Schlimmste wäre, was passieren kann - und wenn ich damit klarkomme, dann mach ich es." Was wäre im jetzigen Fall das Schlimmste? "Dass ich alles, was hier herinnen steht, wieder verkaufen muss, aus dem Mietvertrag aussteigen muss und die nächsten fünf Jahre in einem Architekturbüro wieder Pläne zeichne, um meinen Kredit zurückzuzahlen. Aber dann sitz ich mit 65 wenigstens nicht da und sage: 'Hätt ich nur ...'." (Isabella Lechner/dieStandard.at, 15.9.2011)
Fett + Zucker
Hollandstraße 16, 1020 Wien
Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag, 11.00 bis 19.00 Uhr
Link:
www.fettundzucker.at
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Die Kuchen sehen in der Tat ziemlich lecker aus. Da kann man oder frau schon mal auf Zucker und Fett und die darin versteckten Kilokalorien pfeifen..! Wer genießen will, sollte das auch tun - mit süßen Bröseln rund um den anarchistischen Grinser im Gesicht. Das Café fährt mit seinem Namen dem lustfeindlichen Gesundheitswahn mit je einem Fuß seiner zwei Lieblingsfeinde ins Gesicht. Gut so - genauso wie das unaufgeregte Design. PS: Wieso ist der Anteil an "Administrativem" beim Lokal-Betreiben niedriger als beim Architektinnen-Dasein? Ist "Putzen", "Backen", "Geld Kassieren" etwa nicht "administrativ"? Oder geht es darum, die eigene Chefin zu sein? Das wiederum leuchtet mir ein wie das Lamperl im Backrohr. Ad vitam longam et dulcem..!
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