Leserbrief

"Auch MANN braucht euch. Ich bin das beste Beispiel"

20. September 2011, 11:31

Was regelmäßige dieStandard.at-Lektüre zu bewegen vermag, schildert Leser Alex Rank

Bevor Sie jetzt denken, was für eine Selbstbeweihräucherung - ja, die muss auch manchmal sein im harten Online-Journalismus-Business. Einer unser Leser, Herr Alex Rank, hat uns an seinem Bewusstwerdungsprozess in Sachen Gleichberechtigung teilhaben lassen, wofür wir ihm herzlich danken. Mit seiner Erlaubnis veröffentlichen wir hier seinen Leserbrief, der uns vergangene Woche erreichte:

Liebes Redaktionsteam von dieStandard.at!

Ich wollte euch einmal - als Mann - für eure ausgezeichnete Arbeit danken. Ich habe vor einigen Monaten begonnen regelmäßig diestandard.at zu lesen.

Ich habe mich immer als liberal denkenden Menschen gesehen, dem Attribute wie "Geschlecht" oder "Herkunft" egal sind, für den Gleichberechtigung "eh klar" ist, und für den Menschen, die gegen diese sind, sowieso nur ein paar Steinzeit-Koffer sind. Politisch in der Mitte angesiedelt, 28, verheiratet mit ganz ganz leichten Tendenzen nach links, waren Emanzipation und Gleichberechtigung für mich "erledigte" Themen, zumindest in unseren Breiten, die restlichen Probleme würden sich spätestens wenn die aktuelle "Chef"-Generation in Pension geht erledigt haben. Binnen-I, Gendern, Frauenräume, Anti-Sexismus etc. etc. habe ich als leicht übertrieben gewertet - schließlich sei ja "eh schon alles gut". Das Binnen-I ist selbst in meinem - eher linken Freundeskreis - oft ein Anlass zu Späßen, und ganz tief in meinem Hinterkopf hat das "hätt sie sich halt nicht so anziehen sollen, dann wär auch nix passiert" Argument ganz plausibel angehört.

DieStandard habe ich eher als Geldvernichtungsprojekt des Standardverlages gesehen. Trotzdem habe ich irgendwann begonnen diestandard zu lesen, zugegeben, ich wurde in erster Linie von den "Zitronen" Artikeln angezogen. Der "erste Kontakt" mit ernsteren Artikeln zu Gendern, Frauenbibliotheken etc. war eher durch Schmunzeln und Belustigung über die Hasstiraden-Kommentare mancher ewiggestriger Männer, die mich nur darin bestärkt haben, dass ich ja "nicht so bin". Das einzige wo selbst ich zum vermeintlichen "Feministen" geworden bin, waren Casting-Shows á la Heidi Klum.

Nach den ersten paar Malen dieStandard-Lektüre habe ich mich selbst dabei ertappt, wie ich bei der Planung für ein neues Unternehmen in einem Excel Sheet unter dem Ausgabenposten Mitarbeiter folgende Punkte eingetragen habe:

- Geschäftsführer
- Mitarbeiter Projektmanagement / Assistent
- Assistentin
- Assistentin

Neben jedem Posten stand eine Gehaltsschätzung, und neben den Punkten "Assistentin" habe ich - sie werden es schon erraten haben - ein Gehalt eingetragen das ca. 30 Prozent unter dem des "Mitarbeiters/Assistenten" gelegen ist. Ich sehe mich selbst als Mensch, der keinen Unterschied nach Herkunft, Religion, Sexueller Orientierung oder Geschlecht macht, umso erschreckender zeigt dieses Beispiel, wie sehr ich selbst in klassischem Rollendenken verhaftet bin, und das obwohl ich nicht der Geschäftsführer des Bauernbundes Hintertupfingbrunn bin. Ohne darüber nachzudenken habe ich die "bessere" Stelle automatisch männlich besetzt und die "niederen" Stellen an Frauen vergeben, bei automatisch niedrigerem Gehalt. Über den Posten "GeschäftsführER" brauchen wir ja gar nicht reden...

Unglaublich, nicht wahr?

Nach diesem Erlebnis, dieser "Selbsterkenntnis" ist mir recht schnell klar geworden, wieviel noch zu tun ist, und dass Gleichberechtigung nicht nur Wahlrecht für Frauen und ein Ende der "Frauen hinter den Herd" Einstellung ist. Hier ist noch sehr, sehr viel zu tun, und die neutrale Sprache ist nur ein kleiner Anfang.

Ich möchte euch für eure toll Publikation danken, sie hat mir nach und nach die Augen geöffnet. Zumindest was mich betrifft, habt ihr euer Ziel erreicht, ich gehe jetzt mit offenen Augen durch die Welt. Weiter so und lasst euch nicht entmutigen, auch MANN braucht euch - ich bin das beste Beispiel.

Beste Grüße,

Alex Rank

 

Kommentar posten
22 Postings
Nathalie Verena
 
00
16.10.2011, 15:21
hier geht's ja rechter zu als bei der krone

alter schwede, seid ihr alle zusammen rechte sexistische wixxer. warum schert ihr euch nicht zur krone??

maxmilgram
014
21.9.2011, 13:16
Gesetzt den Fall dass der Brief echt ist...

Ich schätze einmal dass dieStandard auch kritischere Leserbriefe erhält.
Dass diese nicht veröffentlicht werden, eine Lobeshymne aber sehr wohl spricht, für mein Empfinden, Bände.

Isegrim1
02
21.9.2011, 12:58
Hat der Mann dann der Assistentin das selbe Gehalt wie den Projektleiter gegeben und eine Geschäftsführerin eingestellt?

1000 Kopfläuse können nicht irren
05
21.9.2011, 12:29
Sooo tief muss man "Feministinnen" auch nicht hinten reinkriechen! (C:

"Feministinnen" schreibe ich deshalb, weil sie Frauen nur benutzen, wie andere Verführer auch (Politiker, Manager, etc.). Selbstinszenierung um ihrer Selbst Willen. Ohne Verbündete geht es halt nicht. Im gleichen Atemzug wird dann menschenverachtend schnell ein ganzes Geschlecht verunglimpft. Irgendwann wird dann abgeschwächt ("es gibt ja doch noch...") und ein Leserbrief (?) wie dieser hinterher gereicht. Erinnert mich an das System Jörg Haider&Co.

XerxesIII
12
21.9.2011, 12:20
Sagt ja noch nichts

Haben sie vielleicht vergessen, dass die Assistentin auch um dreißig Prozent weniger arbeiten muss, denn nur weil eine Frau den Job machen soll muss man seine Erwartungen nicht gleich so stark heraubschrauben.

Timagoras
 
16
21.9.2011, 12:14
die reaktionen hier im forum sind ja süß:

.
weil nicht sein kann, was nicht sein darf, kann es so einen leserbrief gar nicht geben (welcher "richtige mann" würde denn ein lob an "diestandard" aussprechen).

;o)

Käptn Hirni
 
010
21.9.2011, 11:41
Lieber Dr. Sommer!

Ich bin jetzt 14.
Nächstes Jahr werde ich 15.
Was soll ich tun?

Richard Ebner
08
21.9.2011, 10:55
Selbst geschriebene Leserbriefe ...

... gibt es sonst nur in der Krone.

Redaktion dieStandard.at1
72
23.9.2011, 10:28

Wenn wir das wirklich nötig hätten, hätten wir das nicht schon öfters gemacht? Und im Gegensatz zu manchen Usern, die mit zwei oder drei Nicks unterwegs sind, fällt uns dafür wirklich die Zeit!
Stets das Ihre,
dieStandard.at

risata
00
15.10.2011, 08:37
"die anderen sind böse, wir aber nie nicht!"

sie löschen wie selbstverständlich und mit dem inneren brüsteton der überzeugung nahezu jedes ihrer meinung widersprechende, kritische posting, aber alle anderen (mit ausnahme des leserbriefschreibers) sind ganz viel böse.
wobei bei dem leserbrief sich doch eher der verdacht aufdrängt, dass sich ein mann einen jux mit den damen aus der redaktion erlaubt hat. schon mal dran gedacht?

red15rose1096
05
25.9.2011, 21:45
"Und im Gegensatz zu manchen Usern..."

Wenn ich bitten darf: dieStandard.at gibt schon bei so manch Kleinigkeiten Zitronen, schreibt, dass Gleichberechtigung schon beim Schreiben anfängt und in die Köpfe der Leute verankert gehört: Bei Ihnen ist das allerdings noch nicht der Fall, den es gibt ja auch UserINNEN? Nur so als kleine Anmerkung. Viel reden (oder besser schreiben), aber schlussendlich auch so wie unemanzipierte Menschen denken.

Rahoul
12
23.9.2011, 23:36
Wenn fällt hätten hätten wirklich !?

Zum nochmaligen Durchlesen der eigenen Postings fällt Euch ebenfalls die Zeit?
Das fehlt mir mittlerweile mehrmals auf :-)

Richard Ebner
03
23.9.2011, 16:51
So, jetzt muss ich noch ihre überaus ...

... listige Frage beantworten:
Ich bin sicher, sie hätten es viel öfter gemacht, aber dafür fällt (sic!) ihnen ja die Zeit.
Wahrscheinlich weil sie alle zuviel Zeit damit verbringen, Postings zu löschen.
Stets der Ihre.
Richard Ebner

Richard Ebner
00
23.9.2011, 10:49
Was für eine listige Frage! Jetzt haben sie mich.

Aber im Ernst:
Zwei Verbesserungsvorschläge:
1. User mit Multi-Nicks abschaffen: Sobald Sie feststellen können, dass eine Person unter mehreren Nicks postet, können sie auch alle bis auf einen lahmlegen.
2. Nicks abschaffen: Wer nicht den Mumm hat unter seinem richtigen Namen zu posten, sollte sich auch an keiner Diskussion beteiligen.
Dann würden sofort antifeministische und männerfeindliche Postings aufhören.

gebt den stevia frei
00
28.9.2011, 02:58

nur weil man sieht, dass hier mehrere multinicker unterwegs sind, bedeutet das nicht, dass man auch jedem multinicker die richtigen nicks eindeutig zuordnen kann.

und realnamen in einem zeitungsforum mit politischen themen zu fordern ist sowieso ein recht konfuser verbesserungsvorschlag. damit würden auch profeministische und männerfreundliche postings aufhören.

silverfinger
01
21.9.2011, 09:30

wenn er als Mann über die Vergenderung zum Feminismus kommt solls mir als Mann recht sein ... allerdings ist das noch lange kein grund alles so hinzunehmen wie es sich die FeministInnen ausschnapsen ...

knurrhoernchen
51
21.9.2011, 08:23
Veranschaulichung der Weiterentwicklung des Bewusstseins, an Hand von Humor

Zum Nachdenken: Uralter "Kellnerwitz", bevor es den Begriff "Kellnerin" und "Homosexuellentoleranz" gab!

"Ein Kellner bewirbt sich in einer Gaststätte und legt seine Zeugnisse vor. Aus denen geht hervor, daß er seine früheren Stellungen wegen Trunksucht, Kleptomanie und abartiger Umtriebe verloren hatte.
"Das eine will ich Ihnen sagen," meint der Wirt.
"Hier wird nicht geklaut und auch nicht gesoffen - so und nun gib Küßchen und dann marsch an die Arbeit!"

Btw. ist das ein sehr guter Leserbrief.

Timagoras
 
02
21.9.2011, 12:13

der witz ist schlecht.

und wo ist die pointe (wenn man homophobie nicht als pointe gelten lässt)?

knurrhoernchen
13
21.9.2011, 12:53
Natürlich ist der Witz heute schlecht

Du solltest die Pointe erkennen, wenn du weißt, dass es bei dem Witz in Wahrheit um eine Kellnerin geht und er hauptsächlich in Männerrunden erzählt wurde.
Andere Zeit, andere Sprache, ... anderer Humor.
Schau dir einfach die alten Filme der 50er, 60er und 70er an und versetz dich in diese Zeit.

dieWolfsmutter
00
20.10.2011, 19:30
Mir reichen

eigentlich schon die heutigen Abgründe, das muss ich doch nicht noch vertiefen.

Sambapati
014
21.9.2011, 05:50
Meinungen

Die Unterteilung sachlicher Themen auf "die"- und "der" standard forciert m.E. engstirniges Denken. Die bewusstseinsbildende Wirkung geht in meinen Augen nach hinten los. Dieser Herr hat in meinen Augen nicht die Argumente erkannt, warum auch ein Mann von allem nachteilig betroffen ist. Zumindest schreibt er über persönliche Betroffenheit nichts, außer einer Erkenntnis in Form "geistiger Erkenntnisse".
Ich bin leider aufrichtig der Ansicht, dass es kontraproduktiv ist und sehe das an den zumeist primitiven Postings beiderlei Geschlechts - auch wenn ein "Normale(r)" zufällig in Artikelrang gehoben wurde.

Völkerball
02
20.9.2011, 14:58
Naja

Wenn ich im Headcount Techniker hinschreibe denke ich weder an Frauen noch an Männer sondern warte was da kommt.

Dann wird verhandelt, nicht per se 30 Prozent weniger budgetiert. 30 Prozent weniger wird es allenfalls, wenn da noch Techniker-Hilfsdienste einzustellen wären. Aber das steht eh auf einem anderen Blatt.

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