Blimlinger, Hammerschmid, Neuper und Seidler über "Gaukeln, Seiltanzen und undankbare Aufgabe" als Role Models
Wien - Lange waren Frauen an der Spitze der österreichischen Universitäten nicht vertreten, ab 1. Oktober gibt es gleich vier Rektorinnen. Zum ersten Mal traten Eva Blimlinger (Akademie der bildenden Künste), Sonja Hammerschmid (Veterinärmedizinische Uni), Christa Neuper (Uni Graz) und Sabine Seidler (Technische Uni Wien) Montag Abend gemeinsam an die Öffentlichkeit, sprachen über "Gaukeln" und den "Gewinn an Lebensqualität" an der Spitze einer Hochschule und zeigten sich vorsichtig bis ablehnend gegenüber dem koalitionären Streitthema Studiengebühren.
Skepsis gegenüber Studiengebühren
Einig waren sich die vier Rektorinnen bei der vom Klub der Bildungs- und WissenschaftsjournalistInnen und dem Netzwerk Bildungsarchitektinnen veranstalteten Diskussion darin, dass Studiengebühren nur in einem Gesamtpaket betrachtet werden dürften. Und sie müssten mit der Einführung eines umfassenden Stipendiensystems Hand in Hand gehen. Deshalb bezeichnete Seidler Gebühren als "im günstigsten Fall kostenneutral" und Neuper fragte sich, ob "das unter dem Strich was bringt". Die TU-Rektorin erinnerte zudem daran, dass bei der Einführung der Studiengebühren 2001 das Uni-Budget um den entsprechenden Betrag gekürzt worden sei. Für Blimlinger machen Gebühren keinen Sinn, solange nicht klar ist, wie die Unis finanziert werden.
Einzig Hammerschmid sieht in den Studienbeiträgen ein "Steuerungsinstrument, das etwas bewirken kann", etwa "erhöhte Verbindlichkeit der Studenten". Unisono ablehnend zeigten sich die Rektorinnen bei der von Seidler als "zynisch" bezeichneten Vorstellung, für bestimmte Fächer unterschiedlich hohe Gebühren zu verlangen.
Für Zugangsbeschränkungen
Sowohl Neuper als auch Hammerschmied befürworteten Zugangsregelungen, etwa um Lehre und Ausbildung zu verbessern. Diese seien wegen kürzerer Wartezeiten im Studium auch für die Studierenden selbst "sozial gerecht". Blimlinger sprach sich genereller dafür aus, die Rolle der Matura zu hinterfragen, falls flächendeckende Zugangsbeschränkungen eingeführt werden sollten.
Vorsicht, heiß
Als "heißes Thema" wird das Uni-Budget gesehen. Die "Drohung" des Ministeriums, das Budget aus 2011 fortschreiben zu wollen, ließe die Frage offen, wie unter diesen Bedingungen eine Uni geführt werden könne, sagte Seidler. Die von den RektorInnen verlangte Erhöhung des Uni-Budgets um 300 Mio. Euro sei eine "reine Forderung nach Betriebsmittel, da geht es um kollektivvertragliche Erhöhungen und Mietindexanpassungen und nicht um neuen Gestaltungsspielraum in Richtung Zukunftsfelder", so Hammerschmid.
Aber auch die Universitäten selbst hätten zur Verbesserung ihrer Lage beizutragen: Bessere Kommunikation der Relevanz von Forschung sei gefragt, "die Universitäten haben bisher zu wenig kommuniziert, was sie für die Gesellschaft leisten", betonte Hammerschmid.
"Role model undankbare Aufgabe"
In Anspielung auf eines ihrer bisherigen Forschungsfelder unterstrich Blimlinger ironisch, dass sich "Gaukeln und Seiltanzen" bezahlt machten: "Gaukeln gehört zum Job einer Rektorin". Eher technisch dagegen sieht Seidler ihren Weg an die Spitze der TU, wohin sie vor allem "Energie" gebracht habe. Und Hammerschmid, die bereits seit einem Jahr an der Spitze der Vetmed Uni steht, sieht in der Möglichkeit, als Rektorin "Dinge wirklich letztentscheiden zu können, einen Gewinn an Lebensqualität". "Role model" zu sein, ist für Seidler eine "undankbare Aufgabe", dennoch sei die "Beispielwirkung" wichtig. (APA)