Wie der "Erotisierung von Frauenmorden" den Garaus machen?

Sandra Ernst Kaiser, 22. September 2011, 11:36
  • Was soll frau da noch sagen?
    foto: derstandard.at/buerger

    Was soll frau da noch sagen?

Bei "Regendering-Media" wurden stereotype Geschlechterrollen in den Medien hinterfragt und mögliche Gegenstrategien ausgelotet

Sei es die sexistische Darstellung von Frauen durch Bilder, das Ausblenden der weiblichen Bevölkerungsgruppe durch Sprache, das "Frauenthema" Vereinbarkeit oder das überdurchschnittlich hohe Vorkommen von Männern, wenn es um Expertisen geht: Die Beispiele der gängigen Geschlechterzuschreibungen, die durch Medien transportiert werden, ließe sich fortsetzen. Was es braucht, um Klischees und Sexismus aufzulösen, oder wie zumindest eine breitere Infragestellung erreicht werden könnte, darüber diskutierten Mittwochabend, unter der Moderation von Andrea Klement, Kerstin Kellermann (freie Journalistin), Lea Susemichel (Journalistin an.schläge), Beate Hausbichler (Journalistin dieStandard.at und derStandard.at) und Hansel Sato (Bildender Künstler) im Rahmen der Werkzeug-Gespräche initiiert von "Soho in Ottakring". 

Grundsätzliches kam bei "Regendering-Media" gleich eingangs von Susemichel zur Sprache: MedienmacherInnen sind weniger Spiegel, denn ProduzentInnen der Wirklichkeit. "Welche Themen werden überhaupt als relevant definiert und vor allem von wem? Wo werden sie in Zeitungen positioniert? Und: Warum befragt die "Zeit im Bild"-Redaktion keine feministische Ökonomin zur Krise?" Medien orientieren sich sehr stark aneinander, so der Befund von Beate Hausbichler. "Es existiert eine problematische Zirkulation an Themen, ExpertInnen und Darstellungsformen und MedienmacherInnen haben nicht den Mut, sich aus diesem Zirkel rauszunehmen." Am Beispiel des Sprachgebrauchs - also der mehrheitlichen Verweigerung, Sprache zu gendern und damit Frauen sichtbar zu machen - ist das ganz offenkundig. "Die KollegInnen entscheiden sich ganz bewusst gegen das Binnen-I oder eine andere Form geschlechtergerechter Sprache. Es ist haarsträubend wie unflexibel Menschen sind, die täglich beruflich mit Sprache zu tun haben", so Hausbichler.

Die Macht der Bilder

Kellermann diagnostizierte, ein unreflektiertes Einsetzen von Bildern, denen sie gleichzeitig eine enorme Macht zuschreibt. Während in "Die Presse" mehrheitlich Männer, vorwiegend in Anzügen, kühl und geschäftig vorkommen, zeigt sich in ihrer "Krone"-Analyse, ein umgekehrtes Bild: Es sind vorwiegend blonde Frauen die, ohne Bezug zu den Texten, dekorativ eingesetzt werden. Tendenziell aber ortet sie einen Wandel hin zur Thematisierung von relevanten Themen wie Abtreibung, Lohnschere oder Frauenquoten auch in Massenblättern. Besonders problematisch ist für die freie Journalistin die "Propaganda bei Gewaltverbrechen. Es kommt zu einer Erotisierung von Frauenmorden", indem neben Berichten über Gewalt an Frauen unpassende Bebilderung stattfindet.

Charta ohne Konsequenzen

Was also tun? Der Bildende Künstler, Hansel Sato, strebt eine Sensibilisierung durch eine Plakataktion an, bei der Männer in für sie untypischer Situation gezeigt werden sollen. Sowohl Susemichel als auch Hausbichler finden die "Charta für rollenbildneutrale Mediendarstellung" (dieStandard.at berichtete) geeignet, eine Sensibilisierung zu fördern, wiewohl die Charta nicht kritiklos bleibt: "Ohne Konsequenzen und nur auf berufsbezogenen Geschlechterrollen zu pochen, zeigt wie wenig ernst gemeint das ist", so Susemichel. Beate Hausbichler schwenkt ein: "Bei so einer Charta sexistische Werbung völlig außen vor zu lassen, ist jedoch bitter. Gegenüber AnzeigenkundInnen hört der gute Wille anscheinend schnell auf." Dennoch, so der Tenor, ist diese Charta ein Anfang. (eks, dieStandard.at 22.9.2011)

Info

Die Plakataktion von Hansel Sato startet am 6. Oktober 2011 im Wiener Resselpark.

Link

Hansel Sato

an.schläge - Das feministische Magazin

Kerstin Kellermann

Soho in Ottakring

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12 Postings
Erotisierung von Frauenmorden

interessant wäre in dem Zusammenhang, warum Frauen, die selbst Morde begangen haben, in den Medien immer als geheimnisvoll-verführerisch dargestellt werden (siehe der aktuelle Fall der Eissalon-Besitzerin) ... auch eine gewisse Verzerrung, oder?

Warum wird in der ZIB nicht über das BGE diskutiert?
Wiese gibt es keine Päpstin statt einem Papst?

Ich finde übrigens Frauen/Mädchenleichen im TV geil. Echte Leichen brauche ich werder weiblich noch männlich aber wenn sie da so nackt und bläulich blässlich puppenhaft am Seziertisch liegen...

Zumindest ein Punkt stimmt...

Die Krone bebildert den Mord an einem Callgirl gern völlig unpassend mit einem sexy Foto derselben.

Beim Rest ist viel Schwachsinn dabei. Eine feministische Ökonomin soll zu wort kommen? Da könnten die Anarchisten, Verschwörungstheoretiker, Weltuntergangsprophezeihler, Tierrechtler oder Kommunisten mit demselben Recht das Gleiche fordern - im Gegensatz zu den FeministInnen wissen die aber meistens dass das Quatsch ist.

So viele MörderInnen, ausbeutende KolonialistInnen und VergewaltigerInnen auf dieser Welt ...

ok, dann steht da bei Ihnen also:
So viele Mörder, ausbeutende Kolonialist und Vergewaltiger auf dieser Welt.

Dadurch, dass bei "Kolonialist" das "en" fehlt, werden Sie trotzdem dran erinnert, dass da mal ein -Innen war :-D

Freut mich.

Das Addon ist tatsächlich intelligent geschrieben

das "en" ist erhalten.

Respect to the coder.

wow! respekt!

Dieses Addon ... kaum getippt, schon ist das "Innen" weg ..

jetzt bräuchten wir nur noch ein addon, das beiträge über das addon verschwinden lässt.

Zensur und Unterdrückung unliebsamer Meinungen

sind legitime Werkzeuge?

warum wundert mich das nicht, dass ausgerechnet SIE der/die sie sich nachweislich für geschlechtliche Diskriminierung aussprechen (jedoch stets den Geschlechtsbezug leugnen obwohl sie ihn selbst einbringen) sich in der faschistoiden antidemokratischen Ecke wiederfinden?

können sie nicht argumentativ agieren oder so viel Toleranz aufbringen dass sie ihnen nicht zusagende Kommentare nicht ignorieren oder zumindest AKZEPTIEREN können?

haben sie solche Tugenden nicht not?

das passt zu ihnen.

das posten des 456.beitrags zu dem ewig gleichen addon stört sie nicht.

aber wenn man mal ungestört kommentare lesen will, ohne die 456 themenfremden kommentare lesen zu müssen - optional durch ein addon, nicht durch zensur des forums - begehrens gleich auf.

wo bleibt das pro-binnen-i-addon für derstandard.at?? es wird sich doch immer wieder beschwert, dass auf derstandard.at nicht gegendert wird. was für eine doppelmoral.

die Charta ist ein Hohn

solange auf bestimmten Medien wie dem "Standard" vorsätzlich das Gendering negativ besetzter Nomen ausbleibt

und so lange die einseitige Publikation von Gewalttaten konsequent jegliche Form weiblicher Gewaltanwendung ausspart um ein einseitiges Bild von Gewalt in unserer Gesellschaft zu unterstützen

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