Sex - Alles bio?

Interview | Ina Freudenschuß
29. September 2011, 07:00
  • Dr. Heinz-Jürgen Voß ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Geschichteund Ethik der Medizin an der Martin-Luther-Universität in Halle.
Von dem Biologen sind mehrere Publikationen erschienen: u.a. "Making Sex Revisited. Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive" im Transcript Verlag 2010 und der Einführungsband "Geschlecht. Wider die Natürlichkeit" im Schmetterling Verlag
 
    foto: privat

    Dr. Heinz-Jürgen Voß ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Geschichte
    und Ethik der Medizin an der Martin-Luther-Universität in Halle.

    Von dem Biologen sind mehrere Publikationen erschienen: u.a. "Making Sex Revisited. Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive" im Transcript Verlag 2010 und der Einführungsband "Geschlecht. Wider die Natürlichkeit" im Schmetterling Verlag

     

Biologe Heinz-Jürgen Voß ist der Ansicht, dass sich die menschlichen Geschlechter jeweils individuell entwickeln. Damit stellt er nichts weniger als die polare Geschlechterordnung in Frage

Die Einteilung von Menschen in männlich und weiblich hat einen Bart. Zwar ist der noch nicht so lang, wie mensch vermuten würde*, aber doch schon so zottelig, dass es Zeit für ein neues Styling wäre. Das Konzept der "Zweigeschlechtlichkeit" ist zum einen intersexuellen Menschen, die hinsichtlich ihrer Chromosome, Hormone, Keimdrüsen und Geschlechtsorgane nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können, ein Dorn im Auge, zum anderen auch einigen Feministinnen, die in der Polarität der derzeitigen Geschlechterordnung die Ursache ihrer Hierarchisierung entlarvt haben.

Heinz-Jürgen Voß ist Biologe und hat seine Doktorarbeit zur biologischen Geschlechterentwicklung auf soziologische Beine gestellt. Seine These: auch das biologische Geschlecht, also sex, ist in seinen Merkmalen und Bedeutungen gesellschaftlich hervorgebracht. Um seine These zu untermauern hat er sich auf die Erkenntnisse der Geisteswissenschaften gestützt, die schon vor längerer Zeit ideengeschichtlich nachgewiesen haben, dass naturwissenschaftliche Erkenntnisse jeweils stark mit den dominanten Geschlechterbildern der Gesellschaft zusammenhängen. Voß liefert nun den Nachweis für die biologische Vielbeschaffenheit von "Geschlecht": Die Ausformung des Geschlechtstraktes von Menschen ist seiner Meinung nach weder gott-, natur- noch gen-gegeben, sondern individueller Art. Was darunter zu verstehen ist, erklärt der 31-Jährige im dieStandard.at-Interview:

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dieStandard.at: Sie sind Biologe und Judith Butler-Fan. Da liegt es doch eigentlich nahe, sich auch noch dem letzten Stück Determinismus in der Geschlechterdebatte, dem biologischen Geschlecht sex, dekonstruktivistisch zu nähern.

Voß: Also mein Zugang ist eigentlich ein anderer. Ich habe zuerst Biologie studiert und bin erst später zu Queer-Theorien gekommen bzw. habe sie getrennt von meinen Studien gesehen. In der Biologie herrschen sehr einfache Geschlechtertheorien vor. Wir haben in der Genetik z.B. von einem schwulen Gen geredet, usw. Es herrscht die Annahme vor, dass komplexe Verhaltensweisen genetisch determiniert seien. Das war mir aber zu einfach. Ich wollte dann aus diesen Beobachtungen heraus ein Forschungsprojekt realisieren, das sich mit der Frage auseinandersetzen sollte, welche Auswirkungen es auf das Forschungsergebnis hat, wenn wissenschaftliche Untersuchungsgruppen gleich im Forschungsdesign - also schon vor Ermittlung der Messdaten -  immer schon in weiblich und männlich eingeteilt werden.

dieStandard.at: Sehr interessant. Und was kam dabei heraus?

Voß: Erst einmal, dass es niemand betreuen wollte. Ich habe 12 ProfessorInnen angefragt, ob sie diese Arbeit betreuen wollen und alle haben abgelehnt. Deshalb handelt meine Dissertation jetzt von der gesellschaftlichen Konstruktion des biologischen Geschlechts. Sie ist angesiedelt in der Soziologie mit Zweitbetreuung in der Biologie durch Sigrid Schmitz, die jetzt auch Professorin in Wien ist.

dieStandard.at: Die Kategorie Geschlecht scheint im Forschungsdesign unhintergehbar zu sein.

Voß: Sie ist in der Gesellschaft so dominant, dass sie erstmal nicht hinterfragt wird - das gilt auch für Studierende und später Forschende in der Biologie. Finanzierungsmöglichkeiten spielen auch eine Rolle. Die Forschungslandschaft ist darauf angelegt, dass Studien gut publizieren werden können, die zu signifikanten Unterschieden gelangen. Um erfolgreich zu sein, müssen ForscherInnen also stets an bestehenden Unterteilungs- und Diskriminierungsformen in ihren Arbeiten festhalten.

dieStandard.at: In ihrer Arbeit stellen Sie in Frage, dass es sich bei einer Person, die eine Gebärmutter hat, tatsächlich um eine biologische Frau handelt ...

Voß: Ich mache deutlich, dass die Kategorien Mann und Frau tatsächlich gesellschaftlich hergestellt sind. Das bedeutet, dass die Organe, die geschlechtlich gelesen werden, immer erst in einer gesellschaftlichen Perspektive zu dieser Bedeutung gelangen.

Bis heute gibt es übrigens Bereiche in der Biologie, die mit Annahmen von Gleichheit bzw. Ähnlichkeit der Geschlechter arbeiten - z.B. die Entwicklungsbiologie. Dort geht man davon aus, dass Embryonen erst im Lauf ihrer Entwicklung Differenz hinsichtlich der Geschlechtlichkeit ausbilden. Das bedeutet, dass jede befruchtete Eizelle das Potential hat, sich sowohl weiblich auch als männlich zu entwickeln. Das wird vielfach ausgeblendet.

dieStandard.at: Es stimmt also nicht, dass das Geschlecht eines Menschen durch den Samen des Mannes bestimmt wird?

Voß: Nein, diesen einfachen Gendeterminismus gibt es in diesem Bereich nicht. Die Entwicklungsbiologie geht davon aus, dass die Entstehung des Genitaltraktes nicht festgelegt ist, sondern dass es sich um einen Prozess handelt, in dem bestimmte Gene angeschaltet werden. Sie betont die Prozesshaftigkeit von Genen in Bezug auf ihr Umfeld.
Allgemein lässt sich sagen: Systembiologie hat entgegen einem einfachen Gendeterminismus ganz viele Komponenten der Zelle im Blick. Sie stellt die Frage, wie die einzelnen Zellen untereinander kooperieren und kommunizieren und wie sie im Organismus eingebunden sind.

Ein gutes Beispiel dafür, dass gesellschaftlich geprägt ist, was wir biologisch denken, ist die Gentechnik des 20. Jahrhunderts. Man war permanent darauf erpicht herauszufinden, was denn den Mann so besonders gegenüber der Frau macht, ganz nach der Annahme, dass nur die männliche Entwicklung "aktiv" erfolge, mit mäßigem Erfolg. Erst seit den 1980er Jahren war auch weibliche Entwicklung im Blick. Dieser Androzentrismus wurde feministisch kritisiert - und es zeigt sich hier deutlich, wie gesellschaftliche Vorstellungen Forschungsfragen bestimmen.

dieStandard.at: Aktuelle Forschung wird dann aber doch immer als ideologiefrei gewertet. Reicht es, auf die historischen Widersprüche einer Disziplin wie der Biologie hinzuweisen, um diese Dominanz zu brechen?

Voß: Der Glaube an Geschlechterdifferenz ist sehr breit in der Gesellschaft verankert. Insofern fallen biologische Studien, die Geschlechterdifferenz nachweisen, auf gläubigen Boden. Komplexere Betrachtungen in die Diskussion einzubringen, ist da ungleich schwieriger. Wir wissen z.B. heute, dass nach ihrem äußeren Erscheinungsbild als Männer identifizierte Menschen weibliche Chromosomen haben können. In der Genetik wurden inzwischen so viele Gene identifiziert, die bei der Entwicklung von Geschlecht beteiligt sein könnten, dass es schwer glaubhaft ist, dass diese sich nur in zwei Richtungen (männlich, weiblich) entwickeln sollen. Die Überlappung von männlichen und weiblichen Entwicklungswegen wird am Gen Dax1, das regelmäßig auf dem X-Chromosom zu finden ist, deutlich. Inzwischen geht man davon aus, dass diesem Gen, auch für die Herausbildung von befruchtungsfähigen Spermien relevant ist.

Auch die Vorstellung, dass z.B. in weiblichen Individuen ein Gen abgelesen (also verwendet) würde und bei den Männern nicht (z.B. das Dax1 Gen), stimmt nicht: Es geht um ein Weniger und Mehr Ablesen und diese Unterschiede zeigen sich eher individuell als geschlechtlich. Innerhalb einer Gruppe - also z.B. in der Gruppe der männlichen Individuen - kann der Unterschied des Ablesens beispielsweise 1000 Prozent betragen. Warum das so ist, interessiert aber in der Biologie nicht weiter. Wenn hingegen ein Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Individuen herausgefunden wird, der viel kleiner ist, wird er aufgrund des ideologisch geprägten Erkenntnisinteresses gleich als wesentlich betrachtet.

dieStandard.at: Wenn sich der Genitaltrakt eines Menschens individuell entwickelt, warum sieht dieser dann beim Großteil der Menschen quer über den Globus gleich aus und hat auch dieselben Funktionen?

Voß: Also, bei den Menschen sehen wir ja gar nicht den Genitaltrakt, sondern meistens nur die Kleidung. Wir denken uns die Genitalien bei als männlich und weiblich identifizierten Menschen einfach dazu. Bei genauerer Untersuchung zeigt sich, dass diese Merkmale doch nicht so eindeutig sind. Z.B. wissen wir, dass fünf bis 15 Prozent aller Frauen medizinisch behandelt werden, weil sie angeblich zu viele Androgene besitzen, also männliche Geschlechtshormone. Das ist schon eine ganze Menge.

Das gleiche können wir auch über die Fortpflanzung sagen: Über 15 Prozent der fortpflanzungswilligen heterosexuellen Paare in Deutschland suchen medizinische Hilfe, weil sie über einen längeren Zeitraum keinen Fortpflanzungserfolg hatten. Es kann also nicht behauptet werden, es sei 'natürlich', fruchtbar zu sein. Diese Behauptung lässt sich individuell nicht halten. Anders gesagt: Es kann eine Vielfalt an Genitalien ausgebildet werden, ohne dass es hier zu einer Artgefährdung kommen würde. (Die Fragen stellte Ina Freudenschuß, dieStandard.at, 29.9.2011)

*Der US-amerikanische Wissenschaftstheoretiker Thomas Laqueur beschreibt etwa, wie bis ins 18. Jahrhundert in Europa von einem „Ein-Geschlecht-System" ausgegangen wurde, mit dem Effekt, dass die Frau als biologisch mangelhaftes Exemplar des Mannes galt.

Link:

www.heinzjuergenvoss.de

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Nur so als Querverweis:

http://diestandard.at/130868077... forumstart
Die nehmen das mit dem Geschlecht aber ziemlich ernst.

"Innerhalb einer Gruppe - also z.B. in der Gruppe der männlichen Individuen - kann der Unterschied des Ablesens beispielsweise 1000 Prozent betragen. Warum das so ist, interessiert aber in der Biologie nicht weiter. Wenn hingegen ein Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Individuen herausgefunden wird, der viel kleiner ist, wird er aufgrund des ideologisch geprägten Erkenntnisinteresses gleich als wesentlich betrachtet."

Nicht neu, aber immer wieder wichtig, wider die gängigen groben Vereinfachungen fundiert zu argumentieren.

yin und yang
was haben sich nur die taoisten dabei gedacht, zweigeschlechtlichkeit in einem zu konstruieren?
;-))

Mann Frau

Ein Männchen ist ein Lebewesen, dass männliche Keimzellen bildet.
Eine Weibchen (Frauchen wenn sie so wollen) ist ein Lebewesen, dass weibliche Keimzellen bildet.
*sofern sich die Keimzellen dieser Art in diese Kategorien einteilen lassen.
Bildet etwas beide arten von Keimzellen ist es eben sowohl männlich als auch weiblich (zwittrig, transgender, bla bla bla).

Alles was weder weibliche noch männliche Keimzellen bildet ist nicht fortpflanzungsfähig und daher fortpflanzungsbiologisch irrelevant.

Was ansonsten noch an anatomischen Merkmalen auftritt ist sekundär und lässt sich höchstens fuzzy logisch in weiblich und Männlich einteilen.

Was weiblich oder männlich soziologisch heißt ist uninteresssant.

Das mag für Sie uninteressant sein. Das können Sie sich aber nur 'leisten', weil Sie - so mutmaße ich mal - in der privilegierten Situation sind, perfekt in das biologische Schema zu passen und nicht von gewalttätigen Übergriffen seitens Ärzten, Staat, Mitmenschen etc. betroffen sind. Meiner Meinung nach, sollte man sich so einen Luxus nicht erlauben, denn wir sind alle Menschen und Teil einer Gesellschaft. Und spätestens in der sozialen Praxis hört für mich die Toleranz gegenüber theoretischer Blindheit/Uninteresse auf, denn dann wird es gewalttätig - und Gewalt beginnt nicht erst beim körperlichen Übergriff, sondern viel früher, z.B. indem man einen Menschen zwanghaft in ein Schema presst.

Die vielen Abweichlge (unfruchtbar, männliche Hormone etc.)

könnten aber durchaus auch etwas mit unserer Ernährung bzw. dem Hang zur Medikamenteneinnahme oder sonstigen Dauerschädigungen durch zivilisatorisch begründetes Leben begründet sein.

Dies müsste man mit dem Tierreich verifizieren, um eine klare Aussage tätigen zu können.

Transgender-Elefant*Innen?

No na ned ist die Zweigeschlechtlichkeit eine normative Zuschreibung an die Wirklichkeit. Nur, was wäre nach diesem weiten Verständnis k e i n e angreifbare Konstruktion?

Heißt das, es gäbe so etwas wie einen zuschreibungsfreien, uninterpretierten Urzustand der Realität gibt? Und wenn ja, welchen Erklärungswert hätte das?

In diesem Sinne ist a l l e s konstruiert (Stichwort Die Welt als Wille und Vorstellung), damit verliert jedoch die Identifikation einer Zuschreibung als Konstruktion - wie jeder fundamentale Skeptizismus - ihren Erklärungswert.

In meinen Ohren klingt es absurd, die (Zwei)Geschlechtlichkeit als Fortpflanzungsfunktion der Natur in Frage zu stellen. Norm iSv Regelfall ergibt sich eben aus statistischer Häufigkeit.

"Heißt das, es gäbe so etwas wie einen zuschreibungsfreien, uninterpretierten Urzustand der Realität gibt? Und wenn ja, welchen Erklärungswert hätte das?"

Die Frage stellt sich wohl in diesem Zusammenhang gar nicht, weil es hauptsächlich darum geht mit einer anderen Konstruktion und einer anderen Ideologie bei der Beschreibung derselben Zustände zu anderen Ergebnissen und Wertungen zu kommen.

Radikale Kritik am bisherigen System gehört zum kulturellen Wandel dazu, in dieser etwas fragwürdigen und wahrscheinlich absichtlich provozierenden Form wird es sich nicht durchsetzen. Die Biologie liefert oft die Grundlage für gesellschaftliche Diskussionen, aber umgekehrt wirken diese Diskussion auch wieder (hinterfragend) auf die Biologie ein. Ich halte das nicht für absurd, sondern für einen normalen und integralen Teil von Wissenschaft.

es stimmt aber nicht per se, dass "männer" und "frauen" sich fortpflanzen können, sondern lediglich MANCHE m+f.
denn alle unter 13 bzw. über 50 fallen da schon mal raus. alles was nicht heterosexuell ist oder sein möchte.
alle die keinen sex haben wollen (zölibat).
alle unfruchtbaren menschen.

natürlich klingt es absurd, die ZGK zu hinterfragen, es wird uns ja indoktriniert, dass alles, was davon abweicht 1. nicht sein darf und 2. krankhaft ist.

vortag von dr. voß: http://vimeo.com/20880395
viel spaß beim nachdenken!

Oh danke, ich habe Spaß am Denken, obwohl ich grundsätzlich aus einer anderen Ecke komme. Maße mir daher auch kein fachmännisches Urteil an. Aber nicht jedes Flugzeug fliegt,

nicht auf jeder Schreibmaschine lässt sich schreiben, nicht jedes subjektive Recht ist zwangsweise durchsetzbar. Und zwar ohne dass sie ihre Eigenschaft als Flugzeug, Schreibmaschine und Recht verlieren würden. Ohne gedankliche Bilder lässt sich weder sprechen noch denken (vgl Urbild-Abbild-Theorie oder auch die Typik). Ausnahmen bestätigen die Regel, aus welcher sich wiederum der Sinn eines gedanklichen und sprachlichen Ausdrucks ergibt.

Natürlich: Alles lässt sich zerfieseln, bis man keinen Wald, sondern nur noch Bäume hat. Aber die Begriffe verlieren dann ihre Erklärungs- und Abgrenzungsfunktion, man weiß überhaupt nichts mehr.

Veränderungsbedürftig ist nicht die ZGK per se, sondern allenfalls der Umgang mit Abweichungen von ihr.

unfassbar, was heute alles an dissertationen abgenommen werden
nennt man das jetzt spekulative soziobiologie oder transzendente mythogenese?

http://vimeo.com/20880395

schau dir den vortrag an, oder lade vor bis
01:02:31. ab hier erklärt voß, warum es sogar biologisch FALSCH ist, von lediglich 2 ausprägungen zu sprechen. da gehts dann nicht mehr um soziale konstruktion, sondern um biologische, "harte" fakten, wenn du so willst.

Kommentar auf TheOnion

...zu der "konstruierten Geschlechter"-Debatte:

http://www.theonion.com/articles/... sex,18395/

Hoffentlich ist Ironie in diesem Thema auch erlaubt.

ja, ist so auch das richtigste. was du daran so absurd findest, versteh ich nicht.

#Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in#

*ROFL* Unglaublich.

ha, das ist wieder lustig, wenn wir was nicht verstehen und vorher noch nie so gehört / gelesen haben, gell?

was ist daran so absurd? dein nickname ist übrigens grammatikalisch falsch, im gegensatz zu dem, was du bei voß so lustig findest.

Es ist halt schon ein groteskes Minderheitenprogramm, als erwachsener Mann (sic) die eigene Geschlechtlichkeit in Frage zu stellen. Etwa so wie: Ich bin drei Jahre alt und habe Mama und Papa, bin deshalb aber noch lange kein Kind.

Woher wollen Sie denn darüber urteilen können, was Heinz-Jürgen Voss für eine Geschlechtsidentität hat?

Monty Python bringt es wie immer schön auf den Punkt:

"Ist es ein Junge oder ein Mädchen?" "Na na, wir wollen doch nicht so früh beginnen, ihm irgendeine Rolle aufzudrängen!"

Unsere Erkenntnisgrundlagen sind immer unvollständig und unsicher, das Subjekt ist ein schillerndes Kaleidoskop verschiedener Identitäten. Trotzdem dürfen und müssen wir in Kategorien sprechen und denken, wollen wir nicht in Schweigen verfallen.

Und daher ist es auch legitim, an objektive Kriterien anzuknüpfen, um die (geschlechtliche) Identität auszudrücken. Geschieht beim Elefantenbullen, Fötus und Ficus nicht anders. Scheint allemal gescheiter, als sich und andere zu Tode zu relativieren.

Wo wird der Herr Voß auf einer öffentlichen Toilette wohl hineingehen?

Herr Vo? geht dann aufs 'Transgenderklo' oder aufs 'undefined'.

Aufs 'undefined' dürfen auch Frauen gehen, wenn die Warteschlange am Frauenklo zu lange wird.

...betrachten. Eine Biologie, die zwischen Norm & Krankheit differenziert, tritt auch als Gewalt gegen Menschen auf. Das äußert sich zum Beispiel in Säuglingen, denen die für das normierte Bild zu großgeratene Klitoris einfach nach der Geburt auf die Normgröße reduziert wird - egal, ob damit jegliche Empfindungsfähigkeit verloren geht. Wird dieser Fall jedoch nicht als Krankhaft verstanden, sondern als Ausdruck eines biologischen Spektrums zwischen Männlich & Weiblich, das auch gesellschaftliche Anerkennung fände, müsste dieser Mensch nicht sein Leben lang unter dieser Normsetzung leiden.
Jede Norm, jede Differenzierung schafft auch Hierarchisierung. DAS greift Queer an, indem es Klassifikationen in ihrer Entstehung und Wirkung hinterfragt.

Wenn man sagt, es gäbe (im Prinzip) zwei Geschlechter, sagt man damit noch nicht, dass sich Männer in dieser, Frauen in jener Weise verhalten müssten. Mir scheint, das Bedürfnis, die Geschlechtlichkeit als primär biologischen Umstand zu leugnen (mögen auch zweifelhafte Einzelfälle vorkommen und kulturelle Verstärkungen oder Relativierungen häufig sein), steht im Bann jenes Konstrukts, das sie dekonstruieren möchte.

Konkret wird da auch oft ganz ernsthaft viel harrsträubender Nonsens erzählt, wie der, dass das Konzept der Geschlechter erst mit dem Ende des Mittelalter aufgekommen sei.

Mag sein, dass Bioplogie nicht zwischen gesund und krank differenzieren muss

Krebs ist ja auch nur Zellwachstum. Aber irgendwo gibt es dann schon die Ebene, wo ich für mich ganz gerne hätte, dass Krankheit erkennbar und damit auch behandelbar ist.

Zur Auswirkung von Normen: ich stimme zu, dass das herumschnippeln an Körperteilen die nicht der Norm entsprechen, besonders gegen den Willen der Betroffenen, bedenklich ist. Aber kosmetische und Schönheitsoperationen finden auch wegen irgendeiner Vorstellung statt.

Bezogen auf Genitalkorrekturen kann die Lösung aber nicht sein, die vorhandene Geschlechtlichkeit für ungültig zu erklären. Die Lösung muss sein, Eingriffe gegen den Willen des Betroffenen abzustellen.

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