Online-Gehaltsrechner mit Fehlern?

11. Oktober 2011, 10:37

In manchen Fällen spuckt der Gehaltsrechner des Frauenministeriums weniger Gehalt aus, als der Kollektivvertrag vorsieht

Wien - Der Gehaltsrechner von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist erst wenige Tage online (dieStandard.at berichtete) und schon gibt es Einwände gegen das Online-Tool. Der Rechner wurde dafür entwickelt, interessierten Personen per Mausklick darzulegen, welche Löhne sie in einem Job bzw. einer Branche zu erwarten haben. Die Grünen monieren nun, dass die berechneten Ergebnisse zum Teil nicht völlig korrekt sind.

Durchschnittslöhne unter Kollektivvertrag

Sie haben mit dem Gehaltsrechner mehrere Tests durchgeführt. Und dabei kam heraus, dass das ermittelte Durchschnittsgehalt in einigen Fällen unter dem Kollektivvertrag lag, betonte die Grüne Frauensprecherin Judith Schwentner am Dienstag im Ö1-Morgenjournal.

Sie verweist auf das Beispiel einer HAK-Absolventin, die als Fremdsprachensekretärin bei einem Chemiekonzern arbeitet und somit nach dem Kollektivvertrag der chemischen Industrie entlohnt werde. "Nach dem Gehaltsrechner würde sie 1.826 Euro brutto verdienen. Wenn sie aber im Kollektivvertrag richtig eingestuft wird, dann würden 2.091,89 Euro herauskommen," so Schwentner. Auch in anderen Fällen sei das errechnete Gehalt unter den kollektivvertraglichen Bestimmungen gelegen.

Teilzeitstunden niedriger berechnet

Die Grüne Frauensprecherin kritisiert außerdem, dass das Online-Tool Teilzeitstunden mitunter niedriger einstufe als Vollzeitstunden. Arbeitsrechtlich dürfe dies nicht sein, so Schwentner. Sie rät interessierten Frauen, den Gehaltsrechner nur als oberflächliche Orientierung zu betrachten, für eine genaue Bestimmung des zu erwarteten Gehalts sei jedoch weitere Recherche in den jeweiligen Kollektivverträgen notwendig, so Schwentner.

Heinisch-Hosek: "Angaben basieren auf realen Löhnen"

Das Frauenministerium verweist in Reaktion auf Schwentners Vorwürfe darauf, dass der Gehaltsrechner keine Auskunft über Kollketivverträge darstelle, sondern eine Orientierungshilfe, die auf realistischen Löhnen in den einzelnen Branchen basiert. Der Gehaltsrechner verwende hierfür die Daten der Statistik Austria aus dem Mikrozensus sowie der Lohnsteuerstatistik (siehe Methodik). Abschließend meinte Heinisch-Hosek: "In den letzten Tagen wurden bereits 235.000 Berechnungen auf dem Gehaltsrechner durchgeführt. Es ist bedauerlich, dass man bei einem Erfolgsprojekt wie diesem scheinbar so lange sucht, bis man das Haar in der Suppe gefunden hat." (red, dieStandard.at, 11.10.2011)

  • Berechnen Sie Ihren Brutto- oder Netto-Lohn mit dem Gehaltsrechner von derStandard.at/Karriere
Kommentar posten
12 Postings
das ganze ist leider ziemlich fatal. die ausrede mit den "realistischen verhältnissen" gilt nicht,

schon weil sich die wirtschaft nicht unterstellen lassen will, dass sie keine mindestlöhne zahlt. statistik austria hat keine kv-löhne eingegeben, obwohl sie die daten für die meisten branchen hat. update erst in zwei jahren (!).

beispiel: jugendliche/r mit lehrabschlussprüfung einzelhandelskaufmann/frau hat lehre in anderem betrieb absolviert, 20 jahre alt, arbeitet im zweiten berufsjahr vollzeit in wien. gehaltsrechner: zu erwartendes bruttoeinkommen zwischen 1.163 und 1.227 €.

einstufung nach kv handelsangestellte in beschäftigungsgruppe 2, gehalt 1.300 € brutto.

fazit: der gehaltsrechner errechnet ein massiv unter dem kv-lohn liegendes gehalt. q.e.d.

hab grad das gehalt fuer meinen neuen job ausrechnen lassen

das ergebnis war um 20% niedriger, als das, was ich gerade augehandelt habe.

Langsam glaube ich...

...das Tool dient nur zur Unterstützung von Lohndumping. Ich verdiene vergleichsweise (mit meinem Bekanntenkreis mit ähnlicher Ausbildung, ähnliche Jobs, gleiche Branche) eher wenig. Zugegeben, das will nicht viel heißen, das Sample ist zu gering.

Verdienen tu ich aber doch noch ein Eck mehr, als ich laut Rechner zu erwarten hätte.

Ein zukünftiger Arbeitgeber könnt jetzt hergehen und sagen: "Schaun S', laut Rechner hätten S' weit weniger zu erwarten..." und das quasi vom Ministerium abgesegnet.

Wer die methodischen Anmerkungen zum Gehaltsrechner liest,...

braucht sich nicht mehr wundern, wie diese widersprüchlichen Ergebnisse zustandekommen. Der Gehaltsrechner bildet die Realität ab, nicht irgendwelche Kollektivverträge. Genau DAS ist seine Stärke, weil man dann eine kleine Ahnung davon bekommt, welche Schweinereien in der Arbeitswelt abgehen.
Die Grüne Frauensprecherin könnte sich mal fragen, ob in den Unternehmen was schief läuft, anstatt es dem Gehaltrechner anzulasten, dass Frauen teilweise unter KV bezahlt werden.

Macht der Staat da mit...

...oder wie erklären sich dann die Unterschiede im öffentlichen Dienst?

Nur durch die Erhebungsmethode? Weil im Mikrozensus (un)absichtlich falsche Angaben gemacht wurden?

Korrigieren Sie mich, wenn ich mich irre, aber im öffentlichen Dienst als Lehrer bekommen Frauen wie Männer unter gleichen Voraussetzungen auch das gleiche Gehalt. Spuckt der Rechner einen Unterschied aus, dann behaupte ich: die Datenbasis ist falsch.

Wenn die Datenbasis falsch ist für den Lehrerberuf, warum sollte sie dann überall anders richtig sein? Sind da Zweifel nicht berechtigt? Bei ein paar prozent darf man wahrscheinlich nicht jammern, meien Abfrage ergab aber 12%.

Stimmt das jetzt wirklich und warum, oder stimmt es nicht und warum nicht?

Als Ferndiagnose würde ich sagen,...

dass Männer mehr Überstunden machen. Wenn der Gehaltsrechner Bruttoeinkommen als Basis hat, sind Überstundenbezüge ja enthalten. Oder dieverse "Nebengsch´äftl" wie zum Beispiel Unterricht am Abend (Kolleg) - fällt wahrscheinlich auch unter Überstunden. Diverse Zulagen etc...
Ich nehme an, auch im öffentlichen Bereich gibt es zahlreiche Dinge, die das Einkommen auffetten und die in verstärktem Ausmaß von Männern gemacht werden. Soll aber kein Lehrerbashing sein, ich geh mal davon aus, dass den höheren Bezügen männlicher Lehrer auch entsprechende Arbeitsleistung gegenübersteht (z.B. Überstunden)

Obwohl mir gerade einfällt...

...Überstunden kann man ja in den Rechner eingeben und auch aus den Steuerunterlagen müssten diese hervorgehen... Also irgendwas muss es da noch geben.

Ich möcht jetzt nicht falsch verstanden werden, ich glaube sehr wohl, dass in vielerlei Hinsicht gerade bei der Entlohnung Frauen benachteiligt werden, ein Rechner, der aber nicht nachvollziehbare Werte liefert, wird an der Situation nichts verbessern, eher im Gegenteil.

Eine mögliche Erklärung

Trifft sie auch nur Teilweise zu, dann ist diese "Erfolgsgeschichte" für A und F, es würden gerechtfertigte Mehrbezüge als unfaire Ungleichbehandlung dastehen.

Und ich hab nicht lange gesucht...

...das war die zweite Abfrage, nachdem ich abgefragt habe, wie es in meiner Branche aussieht...

Lustig finde ich HH's...

.... Definition von Erfolgsprojekt. Es haben also viele Menschen angeklickt = Erfolg.

Ob der Inhalt was taugt ist nebensächlich... Die ist ganz schön oberflächlich die Gute, hm?

Was? Wirklich?

Es gibt in Österreich Firmen die ihre Mitarbeiter unterkollektivvertraglich beschäftigen? Ein Skandal! Oder ist das nicht schon längst die Regel?

Was mich auch interessieren würde:

Ich dachte, im öffentlichen Dienst gibt es das Gleiche für m und w.

Falle ich da einem Irrtum anheim oder wie erklärt sich ein 12% Unterschied, den der Rechner ausspuckt?

Gleiches Alter, Dienstalter, Qualifikation, Position usw... wie kann das sein?

Ich hab auch BauhilfsarbeiterInnen verglichen. Gibt es da tatsächlich eine aussagekräftige Datenbasis? Ich zweifle.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.