Buben habe Probleme beim Lesen, Mädchen in Naturwissenschaften - Grüne Judith Schwentner fordert geschlechtersensible Bildungsstrategie
Wien - Die unterschiedlichen Chancen von Frauen und Männern
am Arbeitsmarkt haben ihren Anfang im Bildungssystem: Die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsmarkt hat ihren Anfang im Bildungssystem: Aus dieser Überzeugung heraus fordern die Grünen gemeinsam mit dem "Volksbegehren Bildungsinitiative" eine geschlechtersensible Bildungsstrategie als Teil einer "lang überfälligen Schulreform". "Dass Buben laut PISA Lesedefizite haben und Mädchen sich nicht für naturwissenschaftliche Fächer interessieren, ist nichts Naturgegebenes", so die Grüne Frauensprecherin Judith Schwentner bei einem Pressegespräch am Donnerstag. "Hier muss man im Bildungssystem bewusst ansetzen und entgegenwirken."
Wie die internationalen Bildungsvergleichsstudien PISA und TIMSS (zu Mathematik und Naturwissenschaften in der Volksschule) zeigten, haben in Österreich Buben häufig Probleme beim Lesen, während Mädchen sich in Naturwissenschaften und Mathematik schwertun, so Schwentner. In anderen Ländern gäbe es hier keine signifikanten Erfolgsunterschiede, "in Österreich dagegen werden geschlechtsspezifische Unterschiede durch das Bildungssystem verstärkt".
Fokus auf einzelne SchülerInnen
Um hier entgegenzuwirken, müsse sich der Unterricht an sich ändern - von Trennung der Schüler in technisches und textiles Werken für Mädchen und Buben bis hin zur "Wahrnehmungstrübung" von LehrerInnen, die Mädchen "noch immer seltener aufrufen als Buben" und sie tendenziell besser benoten, so die ehemalige AHS-Direktorin und Bildungsvolksbegehren-Unterstützerin Heidi Schrodt. Sie fordert neben phasenweisem geschlechtshomogenen Unterricht die Abschaffung der Ziffernnoten und die Überarbeitung von Schulbüchern, die "Frauen und Männer noch immer stereotyp darstellen".
"Wir müssen weggehen von einer zweigeschlechtlich gedachten Schule", so Schrodt, "und den Fokus auf den einzelnen Schüler legen." Konkret könnten laut Schrodt Schritte wie die Abschaffung des Frontalunterrichts, die Erhöhung des Personals in den Klassen und eine reflektierte Unterrichtsmethode dazu führen, Mädchen und Buben dieselben Chancen im Bildungsverlauf zu gewähren. "Wie ein Fach unterrichtet wird, stellt bereits die Weichen, wie dieses später rezipiert und verfolgt wird."
Gendersensible Fachdidaktik
Um das zu gewährleisten, gilt es laut Schwentner, bei der Lehrer-Ausbildung anzusetzen. Derzeit sei Gender-Mainstreaming als Querschnittsmaterie nur in vier der acht staatlichen Pädagogischen Hochschulen (PH) implementiert. "Im Regelfall können angehende Lehrer ihre Ausbildung absolvieren, ohne jemals das Gender-Thema zu streifen." Statt der Möglichkeit, sich diesem Thema freiwillig zuzuwenden, müsse gendersensible Fachdidaktik und Pädagogik verpflichtend verankert werden. (APA)