Siemens-Personalchefin Ederer

"Quote hilft Großteil der Frauen nicht"

17. Oktober 2011, 13:31

Elektrokonzern weiterhin gegen gesetzliche Quote: Lieber endlich "von unten" für mehr weiblichen Nachwuchs sorgen

München - Der deutsche Elektrokonzern Siemens lehnt eine gesetzliche Regelung für den Anteil von Frauen in Vorständen oder Aufsichtsräten weiter ab. "Wir halten nichts von einer gesetzlichen Quote", sagte Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Die Österreicherin sitzt seit 2010 als zweite Frau im Vorstand des Dax-Konzerns. Eine Quote für die Führungsgremien helfe dem Großteil der Frauen nicht. "Es geht um eine breite Förderung von Frauen", sagte Ederer.

Für weiblichen Nachwuchs sorgen, der künftig Top-Jobs besetzen kann

Im Gegenteil werde eine gesetzliche Regelung dem wirklichen Problem nicht gerecht. "Was hat eine 30 Jahre alte, gut ausgebildete junge Frau davon, wenn wir eine Quote für den Aufsichtsrat oder den Vorstand beschließen?" Ihr Anliegen sei, endlich "von unten" für mehr weiblichen Nachwuchs zu sorgen, damit dann in Zukunft genügend Frauen in den Firmen seien, die in die Führungsgremien einziehen können. Siemens handele aus Eigeninteresse und könne es sich gar nicht leisten, auf Frauen zu verzichten.

Zwischen verschiedenen Branchen gebe es große Unterschiede. In manchen Dax-Konzernen seien Juristinnen oder Betriebswirtinnen gesucht. "Die findet man auf dem Arbeitsmarkt erheblich leichter als Maschinenbauerinnen oder Elektrotechnikerinnen", sagte Ederer. "Wir kämpfen nicht nur mit dem Problem, mehr Frauen in Führungspositionen zu bekommen, sondern generell mehr Frauen ins Unternehmen."

Da sei eine Quote kaum hilfreich. "Am meisten würde uns helfen, wenn wir gemeinsam mehr junge Frauen für technische Berufe begeistern könnten", sagte Ederer. Dennoch sehe sie die Debatte positiv, erzeuge sie doch öffentlichen Druck, der viele Unternehmen dazu bringen werde, das Thema nachdrücklicher anzugehen. Zudem werde der drohende Fachkräftemangel Firmen dazu zwingen, viel mehr für die Förderung von jungen Frauen zu unternehmen.

Herausforderung 13 Prozent Frauenquote

"Um für junge Menschen in Zukunft überhaupt attraktiv zu sein, muss man als Unternehmen deutlich mehr anbieten, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern." Dazu zählten Kinderbetreuung, aber auch flexiblere Arbeitszeiten. Siemens will in Deutschland bis 2015 den Anteil von Frauen in Führungspositionen von derzeit 10 auf 12 bis 13 Prozent erhöhen. Das klinge zwar nach nicht besonders viel, sei aber angesichts der wenigen Frauen in technischen Berufen eine große Herausforderung, sagte Ederer. Der Konzern hat in seiner Heimat knapp 22.000 übertarifliche MitarbeiterInnen in Leitungsfunktionen. (APA/Ag.)

metalwoman
00
19.10.2011, 17:48

Ich als angehende Diplomingenieurin denke auch, dass die Quote die Frauen eher in Verruf bringt, als dass sie ihnen hilft. Wenn eine Frau nun tatsächlich in eine hohe Position aufsteigt, wird ihr dann unterstellt, nur wegen der Quote so weit gekommen zu sein. Sie wird von allen kritisch beäugt und gerät noch mehr unter Druck, ihre Kompetenz unter Beweis zu stellen, als ohne Frauenquote.
Um weibliche Führungskräfte zu haben, muss man sich selbstverständlich um qualifizierten Nachwuchs kümmern. Wenn dann mehr gut ausgebildete Frauen im Unternehmen sind, werden auch mehr Damen in Führungsgremien sein. Allerdings scheuen manche aus falsche Bescheidenheit auch davor zurück, sich das "anzutun" und glauben, sie seien dafür nicht geeignet.

Von hinterm Mond
 
00
11.11.2011, 22:05
in Verruf?

Die Unterstellung, jemand wäre "nur wegen der Quote" in seine Position gekommen, ist noch immer besser als sonstige Neid- und Haß-Unterstellungen, die betreffende Dame hätte sich "hochgeschlafen", hätte es "nur wegen Vitamin B" (Beziehungen) oder gar "wohl durch Erpressungs-Taktiken" geschafft...

Eine Quote zwingt auch denkfaule durch Gewohnheit und Vorurteile im Bauch gesteuerte entscheidungs-bemächtigte Herren dazu, Frauen überhaupt erstmal in Betracht (!) zu ziehen, sie sich näher anzuschauen, um dann bemerken zu können, daß die Damen "ja doch" was draufhaben... In vielen österr. Firmen reicht es dafür nämlich nicht mal aus, doppelt so fleißig & gut zu arbeiten wie Herren in der gleichen Stellung.

dieWolfsmutter
00
20.10.2011, 05:56
Solange

es keinen Druck gibt, mehr Frauen einstellen zu müssen interessieren sich Ausbildungsbetriebe nur sehr theoretisch dafür Mädchen für technische oder politische oder führende Positionen zu begeistern. Insofern bringen Quoten natürlich was. Verruf? Scheiß drauf. Hier geht vorrangig um Ressourcenverteilung. Na klar schimpfen da diejenigen, denen du was abverlangst. Dachtest du die geben gerne oder freiwillig ab?

okami
00
12.11.2011, 19:35
Seit wann ist es Aufgabe der Ausbildungsbetriebe jemanden für den Job zu begeistern?

CL
02
17.10.2011, 20:14

Es darf auch gesagt werden: Wenn Frau Ederer ín früheren Zeiten nicht parteipolitische Mentoren gehabt hätte, die sie promotet und gehypt hätten, säße sie heute nicht auf diesem Posten.
(... was natürlich nicht heißen soll, dass ich ihr deswegen die fachliche Kompetenz in Abrede stellen will!)

Bremsspur
00
17.10.2011, 13:57

Da gebe ich ihr Recht.

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