Kaum Trainerinnen und Funktionärinnen, Preisgeldunterschiede eklatant: Heinisch-Hosek und Darabos stellen Initiative für Chancengleichheit von Frauen und Männern vor
Wien - Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Sportminister
Norbert Darabos haben am Dienstag in Wien eine neue Initiative für
Chancengleichheit von Frauen und Männern im Sport präsentiert. Beide
SPÖ-PolitikerInnen sehen in diesem Bereich dringenden Handlungsbedarf.
Der Verein "100% Sport" wird vom Sportministerium finanziert und soll
durch Projekte gezielt Missstände beseitigen. Bisher wurden dafür
750.000 Euro aufgewendet.
Männerdominierter Sport
"Das Ungleichgewicht werden wir auch mit finanzieller Förderung nicht
100-prozentig ausgleichen können", gestand Darabos. "Der Sport ist
männerdominiert. Chancengleichheit ist bei weitem noch nicht erreicht."
Das untermauerte der Minister mit von seinem Ressort erhobenen Daten.
Demnach seien in den heimischen Fachverbänden 95 Prozent der ganztags
beschäftigten TrainerInnen und 88 Prozent der FunktionärInnen männlich.
Nur drei von 60 Verbänden haben Präsidentinnen. 2010 haben Männer 70 Prozent der österreichischen Sportförderung
erhalten, Frauen gerade einmal 30. In den
Sportgremien sowie in den Sportorganisationen stünden 86 Prozent Männern nur 14 Prozent
Frauen gegenüber.
Sportlerinnen für Medien weniger interessant
"Diese Zahlen sind ernüchternd", meinte Darabos. Ein ähnliches Bild zeige der Sportjournalismus, bei dem sich 90 Prozent
aller Berichte auf männliche Sportler beziehen. "Wir haben die Daten,
die die Ungleichstellung eindeutig belegen, akribisch herausgearbeitet",
sagte der Sportminister. Dabei hätten etwa die ÖSV-Damen mit
vier Goldmedaillen gegenüber null der Herren die Bilanz bei der
vergangenen Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen gerettet. "Frauen machen
mindestens genauso gerne und genauso gut Sport wie Männer", betonte er.
"Es ist mehr als notwendig, dass wir hier den nächsten Schritt
setzen", sagte Heinisch-Hosek. Frauen würden im Laufe ihrer Karriere immer die gleichen Erfahrungen machen: "Männer verdienen mehr als sie, und auch wenn sie ausgezeichnete Leistungen bringen, sitzen trotzdem die Männer an den Schalthebeln der Macht. Das gilt für die Frauen in der Wirtschaft und genauso für Frauen im Sport", so die Frauenministerin.
Deshalb werde derzeit im Parlament über ein neues Bundessportförderungsgesetz beraten. Außerdem sei mit dem Verein "100% Sport" ein neues Kompetenzzentrum für Chancengleichheit von Frauen und Männern geschaffen worden.
Preisgeldunterschiede eklatant
Die Initiative "100% Sport" ist in diesem Jahr unter Vorsitz der
ehemaligen EU-Abgeordneten Christa Prets aus dem Verein "WoGoS"
entstanden. Ziel ist es, Geschlechter-Gleichstellung in der Besetzung
von Sportgremien, in der Medienrepräsentation und in der Förderung zu
erreichen. Auch diese laufe laut Heinisch-Hosek zu 70 Prozent in den
Männersport. "Wir sind auf einem Niveau, auf dem das Potenzial noch viel
zu wenig ausgenutzt", meinte die Frauenministerin. Dazu sei der
Unterschied bei den Preisgeldern eklatant.
"Es darf in Zukunft
nicht mehr so sein, dass Frauen vorwiegend jene Positionen einnehmen,
die mit Arbeit verbunden sind, wie Schriftführerin oder Organisatorin
von Festen, von den Hebeln der Macht aber ausgeschlossen bleiben." In
allen Fachgebieten gebe es nun Gender-Beauftragte, die Erfahrungen
austauschen und mit dafür sorgen, dass Ungleichheiten beseitigt würden.
"Wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Heinisch-Hosek.
Rhythmische Gymnastik "reines Frauenereignis"
Projekte hat "100% Sport" bereits in sieben eher männerdominierten
Sportarten durchgeführt, um Frauen den Zugang zu erleichtern, darunter
Radsport und Skispringen. Geehrt wurde im Wiener "Haus des Sports" das
Frauen-Handball-U20-Nationalteam, das im August bei der EM in den
Niederlanden Bronze geholt hatte. Darabos will zudem 2013 die EM in der
Rhythmischen Gymnastik nach Wien holen. "Das ist ein reines
Frauenereignis", erinnerte der Minister. (APA/red)