"Familie ist dort, wo Kinder sind"

Immer mehr gleichgeschlechtliche Paare wollen Kinder und gründen eine Regenbogenfamilie - Doch rechtlich sind diese benachteiligt

Der dreijährige Theo geht in den Kindergarten, spielt gern auf dem Spielplatz in der Sandkiste und erzählt seinen Eltern nach dem Abholen begeistert von seinen Erlebnissen. Sein Alltag verläuft wie der vieler anderer Dreijähriger auch - nur, dass Theo statt Mama und Papa zwei Mamas hat. Theo ist ein Regenbogenkind.

Den Begriff "Regenbogenfamilie" gibt es noch nicht lange. Er bezeichnet Familien, in denen ein oder beide Elternteile lesbisch, schwul, bisexuell oder transgender sind. "Regenbogenfamilien sind bei uns ein sehr junges Phänomen. Nach den Errungenschaften der Schwulen- und Lesbenbewegung in den letzten Jahren ist es ganz logisch, dass Familie und Kinder bei homosexuellen Menschen jetzt Thema werden", sagt Familientherapeutin Elisabeth Cinatl, die auch bei der am 10. November in Wien stattfindenden Fachkonferenz zu Regenbogenfamilien referieren wird.

Mama + Mama = Mama + Papa?

Immer mehr Regenbogenkinder würden in eine bestehende homosexuelle Beziehung hineingeboren, die meisten seien jetzt erst im Kindergartenalter oder jünger, sagt Cinatl. Bei einigen Familien bringt eine oder einer der PartnerInnen aber auch Kinder aus einer ehemaligen heterosexuellen Beziehung mit. Womit Regenbogenfamilien in der Gesellschaft zum Teil noch kämpfen, sei das Vorurteil, dass Kinder nur in einer heterosexuellen Partnerschaft mit Mutter und Vater als Eltern optimal aufwachsen können - auch wenn zahlreiche Studien mittlerweile das Gegenteil beweisen: "Nur weil ein Kind zum Beispiel mit zwei lesbischen Müttern aufwächst, heißt das noch lange nicht, dass das Familienumfeld frei von Männern ist", gibt Cinatl zu bedenken.

Viele gleichgeschlechtliche Paare würden sogar ganz gezielt darauf achten, dass das Kind von Anfang an auch andersgeschlechtliche Bezugspersonen hat. In Familien mit Patchwork-Konstellationen ist das oft von vornherein gegeben. "Unser Kind hat vier Onkels und zwei Opas, also gleich mehrere männliche Vorbilder, weil wir wollen, dass es ihm an nichts fehlt", sagt Barbara Schlachter, Obfrau des neu gegründeten Vereins "FAmOs - Familien Andersrum Österreich" und eine Mama des dreijährigen Theo. Für sie ist "Familie dort, wo Kinder sind": "Es geht nicht drum, ob Mama oder Papa - es geht ums Liebhaben", ist sie überzeugt.

Engagierte Eltern

Sowohl Elisabeth Cinatl wie Barbara Schlachter betonen, dass homosexuelle Paare sich meist akribisch auf ihre Mutter- oder Vaterschaft vorbereiten und später besonders engagierte Eltern sind. "Regenbogenkinder sind absolute Wunschkinder, die Eltern haben sich oft jahrelang überlegt, wie sie es bekommen und aufziehen wollen, denn man muss das gut planen", so Cinatl. "Besonders für den sogenannten Co- oder sozialen, nicht-leiblichen Elternteil ist dies oft eine Phase der Rollenfindung. Viele empfinden sie wie ein zweites Coming-out, wo viele homophobe Vorurteile und Ängste wie ‚Kann ich als Lesbe denn eine gute Mutter sein?‘ nochmal hochkommen."

Man könne auch nicht alle Regenbogenfamilien über einen Kamm scheren, sagt die Familientherapeutin: "Abgesehen davon, dass jedes Paar eine andere Möglichkeit wählt, sein Kind zu bekommen, wirft später auch jede Familienkonstellation andere Fragen auf. Ein lesbisches Paar etwa, das sein Baby gemeinsam mit einem schwulen Paar bekommt, lebt anders und braucht andere Regeln als zwei Frauen, die einen anonymen Spender gewählt haben und das Kind alleine großziehen."

Selbstbewusstsein gefragt

Eines gelte jedoch für alle gleichgeschlechtlichen Paare mit Kindern oder Kinderwunsch: "Man muss zu sich und seiner Homosexualität stehen und genug Selbstbewusstsein haben, damit man nach außen sicher auftreten kann", so Cinatl und Schlachter, denn: "Mit einem Kind muss man sich jeden Tag von neuem outen, da kann man nichts verheimlichen." Überall, wo man als Familie auftrete, sei das Thema präsent, von der Schwangerschaftsgymnastik über den Spielplatz bis zu Kindergarten und Schule, berichtet Schlachter aus eigener Erfahrung. "Am besten ist, die Wahrheit gleich zu sagen und auch das Kind altersgerecht mit dem Wissen aufwachsen zu lassen, wie es entstanden ist. Ich weiß nicht, wie oft ich den Satz ‚Theo hat keinen Papa, er hat zwei Mamas‘ schon gesagt habe. Manchmal ist das anstrengend."

Für Kinder in Regenbogenfamilien sei diese Familienform selbstverständlich, obwohl sie den Unterschied zu anderen Familien bereits früh wahrnehmen. "Ich habe keine Angst, dass mein Kind unsere Familienkonstellation in Frage stellt - ich frage mich vielmehr: Wie gehen andere Erwachsene auf unser Kind zu?", spricht Viviane Pernthaller, Mutter einer vier Monate alten Tochter und Organisatorin der im Verein FAmOs integrierten Kinderwunschgruppe, eine der Herausforderungen für Regenbogenfamilien an.

Kein Recht für soziale Eltern

Barbara Schlachter und ihre Partnerin haben im Alltag in Wien bisher nur positive Erfahrungen als Regenbogeneltern gemacht: "Wir erleben viel Akzeptanz von allen Seiten. Sogar als Theo im Krankenhaus war, durfte meine Partnerin bei ihm bleiben und niemand hat das beanstandet." Rechtlich liege für Regenbogenfamilien in Österreich jedoch noch einiges im Argen. So ist es etwa der Partnerin oder dem Partner des leiblichen Elternteils, die/der eine wichtige Bezugsperson des Kindes ist, derzeit nicht gestattet, das Kind von Lebensgefährten oder -gefährtin zu adoptieren, egal ob es einen anonymen privaten Samenspender gibt, die Spende aus einer Samenbank kommt oder ein leiblicher zweiter Elternteil sich mit einer Adoption einverstanden erklärt.

"Im derzeitigen Partnerschaftsgesetz ist die Stiefkindadoption sogar explizit verboten, weshalb viele Paare mit Kindern sich nicht eintragen lassen", sagt Barbara Schlachter. „Wenn mir etwas passiert, hat meine Partnerin zurzeit keinerlei Recht, unseren Sohn weiter bei sich aufzuziehen, obwohl auch sie seit seiner Geburt jeden Tag für ihn da ist. Abgesehen davon, dass es den sozialen Elternteil traurig macht, nirgends als Vater oder Mutter in den Unterlagen des Kindes aufzuscheinen."

Auch im Falle einer Trennung oder wenn der leibliche Vater bekannt ist und plötzlich doch Anspruch auf die aktive Vaterrolle erheben sollte, habe die soziale Mutter keine rechtliche Absicherung. Besonders die Kinder wären da die Leidtragenden, unterstreicht Elisabeth Cinatl: "Der Gesetzgeber müsste dafür sorgen, dass die Bezugsperson für das Kind nicht wegfällt. Es ist das Recht des Kindes, dass auch getrennte PartnerInnen auf Elternebene noch miteinander zu tun haben und dafür braucht es die rechtliche Anerkennung der sozialen Elternschaft."

Männer haben es schwerer

In Österreich gibt es derzeit weit mehr lesbische als schwule Paare mit Kind. Genaue Zahlen oder Studien zu Regenbogenfamilien gibt es hierzulande aber noch keine. Für schwule Männer ist es generell schwieriger, eine Familie ohne die Präsenz eines mütterlichen Elternteils zu gründen, da homosexuelle Paare derzeit auch kein Kind adoptieren dürfen. Auch die - aufgrund des jüngsten Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte wieder aktuell diskutierte - medizinisch unterstützte Fortpflanzung ist homosexuellen Paaren verboten (siehe auch Interview "Stöger will künstliche Befruchtung für Single-Frauen und Homosexuelle").

Eine Möglichkeit, die schwule Paare auch immer mehr beanspruchen, ist, ein Pflegekind zu sich zu nehmen, was derzeit aber nur in Wien, Oberösterreich und der Steiermark geht. Auch die Tiroler Jugendwohlfahrt macht die Pflegeelternschaft nicht von der sexuellen Orientierung abhängig. "Das ist zwar ein positives Signal, es signalisiert aber auch, dass homosexuellen Menschen zwar Pflegekinder, deren Betreuung viel Feingefühl erfordert, anvertraut werden, eigene oder adoptierte Kinder aufzuziehen traut man ihnen aber nicht zu", kritisiert Barbara Schlachter. 

Familie wie jede andere

Mit dem neuen Verein "FAmOs" hoffe man, durch Bewusstseinsarbeit dazu beizutragen, dass sich die rechtliche Situation bald bessert. Neben Networking können sich Betroffene dort mit anderen Regenbogenfamilien austauschen und aktuelle Informationen einholen. "Vor allem aber geht es uns um eines: Regenbogenfamilien in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen und zu zeigen, dass wir genauso Familien sind wie andere, konventionellere Familienformen. Selbst wenn wir derzeit in Österreich rechtlich noch nicht als Familie gelten, sind wir es doch in unserem Alltag." (Isabella Lechner/dieStandard.at, 7.11.2011)

Links:

Verein FAmOs

Rechtssituation

Regenbogenfamilien

Der Begriff "Regenbogenfamilie" definiert Familien, in der sich mindestens ein Elternteil als lesbisch, schwul, bisexuell oder transgender versteht. Die Kinder können aus vorangegangenen heterosexuellen Beziehungen stammen oder in eine lesbische oder schwule Beziehung hineingeboren, adoptiert oder als Pflegekinder aufgenommen worden sein.

Die Bezeichnung "Regenbogenfamilie" bezieht sich auf das internationale schwul-lesbische Symbol der Regenbogenfahne, die auch in vielen Kulturen weltweit als Zeichen der Toleranz, Vielfältigkeit und Hoffnung gilt.

Derzeit gibt es noch keine Zahlen oder Studien zu Regenbogenfamilien in Österreich. In Deutschland wurde 2009 bereits eine erste wissenschaftlich repräsentative Studie dazu verfasst. Dieser zufolge wuchsen dort 2007/08 7.000 Kinder in Regenbogenfamilien auf, davon etwa 2.200 in Eingetragenen Lebenspartnerschaften (ELP). Es gibt jedoch mehr Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern, die entweder nicht mit ihrem homosexuellen Elternteil zusammenleben oder die Väter und Mütter leben ihre homosexuelle Orientierung nicht offen.

Etwa gleich viele Kinder wurden in eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft hineingeboren (48 Prozent) oder stammten aus früheren heterosexuellen Beziehungen (44 Prozent). Nur sehr wenige Kinder kamen in Deutschland als Adoptivkinder (1,9 Prozent) oder Pflegekinder (6 Prozent) in die Regenbogenfamilien.

Quelle mit weiteren Infos:

Studie Rupp, M. (Hrsg.) 2009:
Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften.
Köln, 2009, Bundesanzeiger-Verl.-Ges.

Ergebnisse der Studie im Überblick

Fachkonferenz 10. November 2011

"Regenbogenfamilien - Kinder in gleichgeschlechtlichen Familien"
Herausforderung und mögliche Wege für Gesellschaft, Pädagogik und Community

Veranstalter: Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebewesen
Zeit: 10.11.2011, 9.30 bis 16.00 Uhr
Ort: Hotel Lindner am Belvedere, Rennweg 12, 1030 Wien
Anmeldung: Tel. 01/4000-81449
Teilnahme kostenlos

Link mit Infos und Programm

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Posting 176 bis 225 von 237
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übesetzt vom lateinischen...

...familia ist "hausgemeinschaft" - also auch nicht verheiratete paare ohne kinder wären im sinne des wortes eine familie .... so und jetzt können wir den bogen weiterspannen - gleichgeschlechtliche paare ohne kinder .. sicher ... mit kinder ... eh klar ... mit haustier ... auch!!

aha

man geht so weit zurück in der geschichte, bis man das findet, was einem in dem kram paßt, diesfalls bis zu den alten römern. sind sie dann auch für sklaverei, weil die war damals auch recht en vogue?
aber egal, ich habe nur meine persönliche meinung gepostet. jeder kann familie für sich definieren, wie er will.

weiß nicht ob sie wirklich politisch verfolgt sind oder sie einfach nur was anderes verfolgt...

...aber ich habe weder sie kritisiert, noch ihre ansichten nicht akzeptiert oder der sklaverei gehuldigt. es geht rein um die herleitung des wortes "familie" und meine ansicht, dass es sich bei einer familie nicht um vater, mutter, kind sondern auch um andere konstellationen handeln kann ... wie hier bei gleichgeschlechtlichen paaren mit kindern. aber egal, ich habe nur meine persönliche meinung gepostet. jeder kann familie für sich definieren, wie er will.

obsolet, weil-

sie wissen schon, WER sich in demokratien politisch verfolgt fühlt? und verlangt, dass ALLES gesagt werden darf? solange es gegen das verbotsgesetz verstößt....
schauen sie sich seine sonstigen postings an!

dass hab ich mir auch schon überlegt. wir (nicht verheiratet und hetero) leben zusammen und fühlen uns als familie. ich habe auch zwei sehr enge, langjährige freunde, die ich als "brüder" bezeichne. ich denk hier gehts aber einfach mal darum, dass sie und ich kinder haben dürften und viele andere nicht. und das ist einfach nicht zu argumentieren in wirklichkeit. es ist einfach nur ungerecht.

naja

gerechtigkeit ist nicht der punkt. es geht nicht nur darum, ob es "gerecht" ist, daß sie etwas haben dürfen, was andere nicht haben dürfen oder umgekehrt. es geht auch und vor allem um das, was sie haben oder nicht haben dürfen, die kinder nämlich. deren bedürfnisse dürfen ja vielleicht auch miteinbezogen werden, kinder sind ja keinen gegenstände, die man sich einfach so anschafft.

verstehe, und diese gedanken machst du dir natürlich bei heterosexuellen ganz besonders oder halt, gar nicht? nun, es ist in der tat sehr rücksichtslos gegenüber den kindern, wenn man ihre eltern nicht als ihre eltern anerkennt, wird im artikel ja ganz gut beschrieben, der zweite elternteil hat keinerlei rechte. man stelle sich vor, was das für das kind im ernstfall bedeuten würde, sagen wir, dem einen elternteil stößt etwas zu und dem anderen, der jahrelange bezugsperson war, wird das sorgerecht nicht zuerkannt, das kind würde in so einem fall nicht nur eine, was schlimm genug wäre, sondern zwei, und zwar die zwei engsten, bezugspersonen verlieren.

diese gedanken

mache ich mir immer, denn fast immer, wenn es um irgendwas im zusammenhang mit kindern geht, sind die kinder die letzten, die gehört werden. auch und vor allem zb. bei scheidungsfällen. die erwachsenen schnapsen sich etwas aus und fertig. das finde ich falsch oder besser gesagt nicht ausreichend.

Aber wenn die Väter sich im Büro verkriechen, dann ist das natürlich GANZ normal. Weil es ja eine Hetero-Familie mit Kind ist - ojemine.

keine ahnung

wo sie das herauslesen.

und kinder brauchen zuneigung, gelduld, aufmerksamkeit und ein zuhause, in dem sie geborgen aufwachsen können und gefördert werden.

was steht dem im weg?

und jetzt muss drüber diskutiert werden, ob homos die bedürfnisse die kinder haben, befriedigen können oder nicht? sie stellen das in frage? ernsthaft?

wie ich schon gepostet habe: es gibt keine logische, haltbare oder beweisbare argumentation, dass homosexuelle keine kinder haben sollte. gibts nicht. deswegen ist es ungerecht, dass sie keine haben dürfen.

diese diskussion

wollte ich mir eigentlich nicht antun sondern lediglich darauf hinweisen, daß es bei dem, was manche in diesem zusammenhang wollen oder nicht wollen es sich um wesen handelt, die eigene bedürfnisse haben.

das ist richtig und ich denke auch, dass es notwendig ist den homophoben zu sagen, dass es hier nicht um sie geht, sondern um das wohl der kinder.

skandal, das so etwas möglich ist

Was konkret?
Dass es Männer bei diesem Thema so schwer haben?
Ja, das ist wirklich skandalös.
Oder, dass Menschen mit eingetragener Partnerschaft keine Kinder adoptieren dürfen?
Auch das ist skandalös.
Dass immer noch so viele Menschen glauben, ein Kind benötige unbedingt und außerdem und überhaupt eine Vaterfigur:
Ja, das ist ebenfalls skandalös, wachsen doch viele Kinder glücklich ohne Vater auf.

Na klar, sind das Familien wie alle anderen - glauben manche vielleicht, dass die Vorlieben mit wem man bumst mit den Erziehungsfähigkeiten zusammenhängen?

Und oft muss man sich in Familien ob Mangel so u. so Vorbilder ausserhalb suchen. Gerade an dem Thema sieht man sehr schön was zB die Katholen mit dem jahrhundertelangen "Wasser predigen, Wein trinken" angestellt haben.

Ein sehr guter Artikel in "Aufklärung & Kritik" zu diesem Thema von Joachim Kahl:

http://www.kahl-marburg.privat.t-online.de/kahl_ehe.pdf

Kahl ist Liberaler und Atheist.

das ist 10 jahre alt, steht da.
bitte aktuellere auseinandersetzungen.

Was für ein lächerliches Argument!

naja was homosexualität angeht tut sich grad auf der philo, sozioligie und pädagogik in den letzten 10 jahren viel. es ist noch recht neu, dass zB in ny kinder adoptiert werden können...der diskurs ist da glaub ich recht lebhaft. aber ich bin da nicht eingelesen oder gut informiert.

und bzgl. "atheist" und "liberaler". da frage ich mich aber schon wie es sein kann, dass sich in seiner argumentation das bild von adam und eva einschleicht. philosoph ist er noch dazu und deshalb an und für sich aufgefordert zu verstehen, dass metaphern metaphern sind und keine argumente. besonders dann nicht, wenn sie einer ideologie entspringen.

ich habe beim lesen des artikels versucht bis zu schluss durchzuhalten, nur leider erschien es mir irgendwann leider als absolut wertlos, weil die gesamte argumentation des autors unter einer schlicht falschen voraussetzung stattfindet. er geht davon aus (ohne diese annahme als solche zu kennzeichnen), dass kinder auf grund der von der biologie vorgebenen möglichkeit der fortpflanzung zwischen mann und frau, es schließlich mit diesen als elterteile auch "besser" haben (womit auch immer man dieses "besser" inhaltlich füllt). würde diese these stimmen, wäre seine argumentation schlüssig und ich müsste nicht nur, sondern würde ihm auch recht geben. diese these ist aber unhaltbar und wird mit allen studien und vergleichen entkräftet.

kahl ist offenbar auch sehr unsicher in seinem leben. ansonsten müsste er nicht den verzweifelten versuch starten "familie" zu definieren. da ist ihm alles recht: hausverstand bringt er ein, irgendwelche biologischen studien werden angeführt aber nicht ausgewiesen, alleinerziehende eltern macht er fertig, männerfixiert is er, dekonstruktivismus dürft ihm fremd sein...

das ist halt das lamento eines sich bedroht fühlenden mannes.

"Familie ist, wo Kinder sind" ist auch eine Familiendefinition. Allerdings eine unzureichende.

so ist es. aber die anreicherung des begriffs "familie" den kahl da vornimmt bringts einfach nicht. weil er sich halt auf nix anderes als die biologie berufen kann...und das ist einfach zu wenig.

hier muss ich ihnen recht geben. auch finde diese definition von familie äußerst unzureichend und fragwürdig. dennoch ist es ebenso fragwürdig einen familienbegriff nur dann zu zu lassen, wenn es sich um mann, frau und kind handelt. es gibt unzählige beispiele, die auf etwas völlig anderes hinweisen. darunter auch zum beispiel meine biografie. von 10 menschen, die ich kenne, ist ungefähr einer von so einer "klassischen" familie betroffen, deren qualität jenen modifizierten familien in nichts nachsteht. und ich wage es zu behaupten, dass sich diese erfahrung auch in der sogenannten allgemeinheit wiederspiegelt.

selten so einen pseudo-wissenschaftlichen schwachsinn gelesen!

Ja, ja, "die Wissenschaft" sagt uns, was wir als gute Familien zu betrachten haben. LOL!

Die Pseudowissenschaftlichkeit dürfte ganz auf Ihrer Seite liegen.

ich erhalte reaktionen von ihnen auf meine einträge per mail, die aber leider hier nicht aufscheinen. offenbar hat der server ein problem. sie schreiben folgendes: "CETERIS PARIBUS ist es für ein Kind besser, mit Vater und Mutter und Geschwistern aufzuwachsen, weil hier die entsprechenden Identifikationsfiguren und Interaktionsmöglichkeiten vorhanden sind." genau dies ist die annahme, die in weiteren untersuchungen des sachverhalts so nicht haltbar ist. erstens wird hier davon ausgegangen, dass männer und frauen per se, an das geschlecht gebundene eigenschaften aufweisen, mit denen sich das kind identifizieren kann oder nicht. jede felduntersuchung wird schon allein diese annahme in frage stellen. fortsetzung folgt, leider kein platz mehr

ziemlich off topic-

aber es musste sein: ein heftiges (und völlig ernstgemeintes!) kompliment für ihren versuch mit sachverstand gegen ideologie anzugehen.
ps- quijote ist ihr vorbild?!

ich stimme zu, aber es hat etwas von perlen vor die... eh schon wissen.

vielen herzlichen dank! offenbar bin ich zu selten in solchen foren, ich wusste nicht, dass der versuch sachlich zu argumentieren offenbar einen luxus darstellt.. (das sage ich an dieser stelle, weil das heute schon das zweite dankeschön ist, das ich bekomme)

freut mich jedenfalls sehr so positives feedback zu bekommen!! :)

aber gerne doch...

vielleicht nicht unbedingt, besser geeignet als die religion oder sonstige instanzen, die sich nicht daran orientieren was ist, sondern daran was in ihren augen sein soll, allemal. wenn die pädogogik meint, dass kinder aus regenbogenfamilien keine bessere oder schlechtere entwicklung durchleben als kinder aus klassischen familien dann ist dem eher zu trauen, als instanzen oder menschen, die über ein vorgefertigtes weltbild nicht hinaus schauen können und/oder wollen. die sich nicht an der realität orientieren, sondern an dem was sie gewöhnt sind und lieb gewonnen haben.

(fortsetzung unteres post). es mag in einem ersten schritt einfacher sein, sich mit einem wesen des gleichen (biologischen) geschlechts zu identifizieren, dies ist aber in so fern zu vernachlässigen weil diese begebenheit im vergleich zu all den anderen identifikationsmöglichkeiten, eben nur EINE darstellt, die das kind durchaus auch wo anders findet und meines erachtens nicht wichtig genug ist um zu sagen, mann, frau, kind muss die politische norm sein. das reicht als grund einfach nicht aus. wenn es um identifikation und interaktion geht spielen ohnehin meist ganz andere figuren außerhalb des elternhauses eine viel wichtigere rolle, maßgeblich für die kernfamilie ist es grob gesprochen liebe und geborgenheit zu bieten.

"wenn die pädogogik meint, dass kinder aus regenbogenfamilien keine bessere oder schlechtere entwicklung durchleben als kinder aus klassischen familien ..."

Das "besser" oder "schlechter" hängt von vorwissenschaftlichen, lebensweltlichen Annahmen und Plausibilitäten ab. Insofern sind derartige Studien oft ideologisch grundiert und mit größter Vorsicht zu genießen.

auch hier gebe ich ihnen recht. aber irgendetwas muss man nun mal als grundlage politischer entscheidungen heranziehen und ich glaube, dass wissenschaftliche studien dafür noch am ehesten geeignet sind. zumindest geeigneter als eine philosophische abhandlung, die sich mitunter auf adam und eva beruft und das funktionieren der praxis einfach ignoriert. und ich vermute das tun auch sie. ich habe sie nun schon in drei posts darauf hingewiesen warum die annahme, die ideale familienkonstruktion für ein kind wäre mit mann und frau als elternteile, zu hinterfragen ist, auf dessen argumente sie einfach nicht eingehen. ich möchte nicht zensurieren, ich bin an gegenargumenten interessiert.

genauso wie ihre einstellung mit vorsicht zu genießen ist. schauen sie sich studien aus schulen und kindergärten an. lesen sie interviews mit kindern homosexueller eltern: es gibt keinen unterschied zu kindern von heteros (außer dass sie sich früher gedanken über homosexualität machen). dass ein kind vater und mutter braucht ist ein glaube unserer kultur. genauso wie wir glauben (und eben nicht wissen), dass kinder bis zum 3ten lebensjahr unbedingt bei der mutter sein müssen. das ist auch eine gewachsene überzeugung und nicht "natürlich". was kinder brauchen ist: anerkennung, stabilität, liebe und nochmal stabilität.

ich bin in der position mir das auch privat anschauen zu können :-) das interessiert "uns" alle mehr als die kids.

ganz genau! vielleicht noch ein kleiner zusatzpunkt: wenn kinder probleme aufgrund der sexuellen orientierung ihrer eltern haben, dann weil genau diese vorurteile existieren und gefördert werden. dem argument, dass deshalb homosexuelle keine kinder aufziehen sollten ist vorzuhalten, dass man damit 1. die norm unterstützt, die solche probleme überhaupt erst pflanzt und 2. wäre das so ähnlich als würde man sagen, übergewichtige menschen sollten keine kinder bekommen, weil dies angriffsfläche für die anderen kinder bietet. nur um den gedanken weiterzuspinnen und es außerdem transparent macht, dass homosexuelle wegen der homosexualität diskriminiert werden und nicht, weil es ihren kindern schlechter gehen könnte als anderen mit anderen eltern.

mhmmm also können auch "pseudoliberale" und "pseudoatheisten" homosexuellen-feindlich sein. welch neuartige erkenntnis........^^ was für ein schwachsinniges pamphlet!!!!

Wo ist Kahl "homosexuellenfeidlich"? Über die Aussagen des Textes kann man streiten, aber mit der Homophobiekeule einfach nur niederbügeln, ist mehr als billig.

nein, die homophobiekeule ist hier angemessen, das verstehst du nur nicht, weil du auf der erkenntnisstufe noch etwas hinten nach hinkst.

Homosexualität als wider die natürliche Ordnung zu bezeichnen ist homosexuellenfeindlich - ist doch nicht so schwer zu verstehen, trotz des leeren Gewäschs rundherum.

Ist es "homosexuellenfeindlich" zu behaupten, dass Homosexualität keine generative Funktion hat?

Es haben auch andere Sachen als heterosexueller Geschlechtsverkehr generative Funktion, und der meiste heterosexuelle GV hat keine generative Funktion.

Das mit der Fortpflanzung ernsthaft als Argument zu benutzen, das ist homosexuellenfeindlich.

nein, diese behauptung zeigt nur, dass du es nicht verstanden hast. denn homosexuelle menschen pflanzen sich fort. lies doch den artikel nochmal.

"Der historische Weg von der Ächtung hin zur Achtung der schwul-lesbischen Minderheit ist konsequent zu Ende zu gehen."

Ist das für Sie homosexuellenfeindlich?

offenbar dringen ihre posts nicht auf den server durch, was ich sehr schade finde, deswegen hier was ich per mail als eine ihrer reaktionen bekommen habe:

"Ohne heterosexuelle Paare könnten homosexuelle Paare keine Kinder adoptieren. Insofern gibt es kein gleichrangiges "Recht auf ein Kind". Ein Recht auf ein Kind gibt es ohnehin nur in den Gehirnen von Narzissten. Kinder sind keine Selbstverwirklichungsprojekte."

wiederum meine reaktion darauf, poste ich unten als antwort, sobald dieser eintrag erscheint. ich sehe es als prinzipielles problem hier, dass reaktionen und einträge sehr sehr verzögert und etwas konfus aufscheinen. vielleicht schicke ich mal diesbezüglich eine anregung an "die_derstandard".

ich muss zugeben, ich habe lang gebraucht um dieses argument überhaupt zu verstehen..dieser, ihr satz macht deutlich, dass ihnen die heterosexualität als kriterium völlig genügt, um betreffenden das VORRECHT auf kinder zu lassen. aha. alles andere is also wurscht, es is wurscht wer sie sind, hauptsache sie sind hetero... weil...? wenn kinder zur adoption frei gegeben werden, dann deswegen weil diese heilige heterosexuelle zusammenkunft (für zumindest einen akt) sich beunfähigt fühlt das kind großzuziehen und hofft, dass es andere besser können. muss ich noch mehr dazu sagen? ein verschmolzenes ei mit samen macht noch keine guten eltern aus den zugehörigen dieses eis und samens.

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