Prostitutionsgesetz

Keine Debatte wert

Kommentar | 14. November 2011, 10:00

In Schweden heißen "Freier" "Tunfische" - was so viel bedeutet wie "Loser"

Verbote bringen nichts, sagen jene, die das "schwedische Modell" in Sachen Prostitution ablehnen. Auch in Schweden gebe es Prostituierte, die Dunkelziffer sei hoch, und viele schwedische Männer besteigen eben ein Schiff, um Sex von geschleppten, unter elenden Bedingungen arbeitenden Frauen zu kaufen. Stimmt alles.

Trotzdem: Schweden hat eine Grundsatz-Entscheidung getroffen - und das ist in Zeiten weitverbreiteter politischer Mutlosigkeit erwähnenswert. Prostitution gilt als unvereinbar mit dem Grundsatz der Gleichstellung. Seit 1999 gibt es das Gesetz, das den Kauf sexueller Dienstleistungen unter Strafe stellt - und seither hat sich einiges geändert. Schwedische Männer geben nicht gerne zu, dass sie bei einer Prostituierten waren. Die "Freier" heißen "Tunfische" - was so viel wie "Loser" bedeutet.

Die wichtigste Veränderung freilich ist, dass, laut schwedischer Polizei, der Frauenhandel stark zurückgegangen ist. Global operierenden Menschenhändlern ist das nordische Land mit den strengen Gesetzen viel zu kompliziert. Also weicht man lieber auf liberalere Länder aus - Finnland etwa, Deutschland oder auch Österreich.

Insofern ist es erstaunlich, dass es offenbar keine Debatte wert ist, wie Österreich künftig mit Prostitution umzugehen gedenkt. Viele meinen, man könne die Ausbeutung von Frauen und Kindern nur auf europäischer Ebene wirksam bekämpfen. Schon klar - und eine bequeme Ausrede. (Petra Stuiber, DER STANDARD, Printausgabe 14.11.2011)

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13 Postings
Count Saurüssel
12
14.11.2011, 19:05
"Prostitution gilt als unvereinbar mit dem Grundsatz der Gleichstellung."

Auch gleichgeschlechtliche Prostitution?

Werden in Schweden die Kunden von Strichern genauso strafrechtlich verfolgt, und wenn ja, mit welcher Begründung? Die üblichen feministischen Argumente laufen da schließlich ins Leere.

Außerdem soll es ja auch Frauen geben, die die Dienste von Gigolos in Anspruch nehmen. Das wird zwar im Vergleich zur "normalen" Prostitution sehr selten vorkommen, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Fragestellung.

peter schmidt
 
03
14.11.2011, 14:52
Kennt noch jemand das COmputerstrategiespiel "Democracy"?

Ich spiels manchmal recht gerne. Es geht darum unter gewissen engen Parametern (Budget, Gegensatz liberaler und konservativer Wünsche, Beamtenwünsche, Familienwünsche etc.) eine WIederwahl zu erreichen.

Dabei gibts je nach Loyalität von Gruppen Handlungsspielräume.

Mir gehts bei dem Spiel ganz gleich wie den Poltikern. Am Ende habe ich nur noch wenig Geld und muss aber trotzdem dringend was machen. Was tue ich also : Ich erfinde Regelungen und Verbote die nichts kosten und wo ich mich wichtig machen kann: Rauchen, Alkohol, Drogen, Prostitution und Regeln für Ausländer sowie ein Staatsbürgerschaftstest sind dann der sichere Bringer für die Wiederwahl.

Der Bürger mag sowas.

zahnloser Tiger
03
14.11.2011, 11:09
Viele meinen, man könne die Ausbeutung von Frauen und Kindern nur auf europäischer Ebene wirksam bekämpfen.

indem man H&M enteignet und in der EU verbietet...

styx12
06
14.11.2011, 10:48

"...unvereinbar mit dem Grundsatz der Gleichstellung..." - find ich ja lustig.

Wie ist das mit dem unterschiedlichen Pensionsantrittsalter von Männern und Frauen in Österreich, oder mit der Wehrpflicht, die Frauen begünstigt? - Ahso, das ist natürlich vereinbar mit Gleichstellung, da in diesem Fall Frauen im Vorteil sind.

Also wenn Gleichstellung, dann bitte richtig und gerecht.

rr772
52
14.11.2011, 11:40
Was hat Prostitution

mit Gleichstellung zu tun ??? Das ist ein komplett anderes Thema, nicht einmal Äpfel mit Birnen usw.

zahnloser Tiger
15
14.11.2011, 10:14
frau sollte nicht vergessen dass Schweden nun gleichzeitig jenes Land mit der höchsten Zahl an Vergewaltigungen

unter allen genannten ist...

da stellt sich die Frage ob die Grundsatzentscheidung informiert getroffen, oder nur schnell gehudelt wurde...

so wie ein schwedischer Textilhandelskonzern systematisch Frauen und Kinder ausbeutet ist halt auch bei der Prostitutionsgesetzgebung nicht alles gut was aus Schweden kommt...

vor allem dann nicht, wenn die Probleme weiterhin bestehen bleiben... In Schweden werden nach wie vor Frauen gehandelt, gehen nach wie vor Frauen anschaffen.

da stellt sich die Frage ob das Problem bekämpft wird oder ob nicht nur Symptome überdeckt werden.

vielleicht wäre es sinnvoller eine Lösung zu suchen die Prostitution unnötig macht?

metall81
01
14.11.2011, 15:21
Relevant ist in diesem...

...Zusammenhang nicht die Zahl der Vergewaltigungen in Schweden im internationalen Vergleich, sondern lediglich die Zahlen in Schweden vor und nach dem Verbot der P.. Mit dem Herstellen eines Zusammenhangs zwischen Freiertum und Vergewaltigungen wäre ich zudem vorsichtig. Unterstellen Sie damit doch den Freiern skrupellose Lustmolche zu sein, die jederzeit bereit sind sich den Sex "halt anders" zu holen.

zahnloser Tiger
10
14.11.2011, 16:13
vorsichtig? wieso?

ich unterstelle garnichts

wenn das IHRE Schlussfolgerung ist solltens drüber nachdenken wie sie andere wahrnehmen

"Wie der Schelm denkt..."

wenn SIE auf diese Vermutung kommen, dann wohl weil das schon länger ihre Meinung sein dürfte

metall81
01
14.11.2011, 16:58
SIE haben die Zahl...

...der Vergewaltigungen in die Diskussion eingebracht und SIE haben im Lichte dieser Zahl die Richtigkeit der schwedischen Lösung diskutiert.

Welchen anderen Schluss darf der geneigte Leser denn ziehen, als den, dass Freier zu Vergewaltigern werden, wenn man ihre Gewohnheiten illegalisiert? Ich warte gespannt auf Ihre Antwort.

Zelvik
00
14.11.2011, 13:25

Statistiken sind mit Vorsicht zu genießen. Erklärungsansätze warum die Rate in Schweden so überproportional höher ist gibt es ja einige.

1. Die Bereitschaft Vergewaltigungen anzuzeigen ist anscheindend deutlich höher

2. Fälle in denen über längere Zeit sexuelle Übergriffe stattfinden, werden in Schweden nicht als "ein Fall" in die Statistik aufgenommen, sondern als multiple Fälle.

3. Wie der Assange Fall zeigt, ist die Definition von Vergewaltigung breiter als im Rest Europas.

Ob diese Ansätze ausreichen um den Unterschied vollkommen zu erklären ist strittig, aber jedenfalls erklärt er einen sehr großen Teil der Diskrepanz. Vergewaltigungen, kommen auch bei uns häufiger vor, als sie in der Kriminalstatistik zu finden sind.

zahnloser Tiger
00
14.11.2011, 14:11
seien sie mir nicht böse

aber der Anteil der dadurch erklärbaren Diskrepanz ist von ihnen willkürlich bestimmt worden

aus diesem Grunde ist der Umfang der erklärbaren Diskrepanz mit Vorsicht zu geniessen.

so als kleines Zuckerl lesen sie doch mal nach wie jemand anders einen großen Anteil dieser Differenz zu erklären versucht. Und das sogar relativ schlüssig...

rr772
10
14.11.2011, 10:33
Auf die Lösung bin ich gespannt!

Details bitte...

zahnloser Tiger
02
14.11.2011, 11:08
ich auch, aber es ist auf jeden Fall konsequenter eine zu suchen

als sich mit halbgaren Ansätzen zufriedenzugeben

wenns in Schweden genausowenig funzt, warum sollte man dann deren Blödsinn nachmachen?

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