"Enormes Ausmaß" häuslicher Gewalt

22. November 2011, 11:19
  • Artikelbild
    foto: ap/dapd/miguel tovar

Erste Gewaltprävalenz-Studie vorgestellt: Männer erfahren Gewalt meist im öffentlichen Raum, Frauen im engen sozialen Nahraum

Wien - 56,8 Prozent der Österreicherinnen haben bereits körperliche Gewalt erfahren, 85,6 Prozent psychische Gewalt und jede dritte ist am Arbeitsplatz schon schikaniert worden. Das sind Auszüge aus den Ergebnissen der ersten Gewaltprävalenz-Studie in Österreich, die im Auftrag des Familienministeriums vom Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF) durchgeführt und am Montag in Wien präsentiert wurde. "Ich bin schockiert über das enorme Ausmaß an Gewalt," sagte Konsulentin Monika Schröttle zu den Ergebnissen der Untersuchung mit dem Titel "Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld".

Insgesamt waren bereits 85,6 Prozent der österreichischen Frauen psychischer Gewalt ausgesetzt. 39,8 fühlten sich dadurch bedroht. Psychoterror haben 24,1 Prozent bereits erlebt, 54,8 Prozent empfanden diesen als Angst auslösend. Auf "verletzende Art lächerlich gemacht" fühlten sich 51,9 Prozent (31,7 Prozent) der Frauen und "wiederholt beleidigt" 51,8 Prozent (47,5). Ungewollt kontaktiert wurden 28 Prozent, wobei 35,6 Prozent dies auch als bedrohlich empfanden.

Körperlicher Gewalt ausgesetzt waren 56,8 Prozent der Frauen. 29,6 Prozent sahen dabei ein bedrohliches Ausmaß der Gewalt. Jede Dritte Frau hat schon einmal eine leichte Ohrfeige bekommen, fünf Prozent wurden verprügelt. 

30 Prozent waren schon Opfer sexueller Gewalt

Sexuell belästigt fühlten sich 74,2 Prozent der Frauen, 29,2 Prozent im bedrohlichen Ausmaß. Jede Zehnte wurde mit sexuellen Absichten verfolgt. 42 Prozent der Frauen wurde nachgepfiffen und 35,9 Prozent sahen das als bedrohlich an. 30 Prozent waren schon Opfer sexueller Gewalt, sieben Prozent wurden vergewaltigt, bei 8,9 Prozent wurde das versucht. Ein Viertel wurde intim berührt, ohne das zu wollen.

"Männer sind weniger 'häusliche' Opfer"

"Männer werden eher in der Öffentlichkeit oder am Arbeitsplatz zu Gewaltopfern (definiert auch im Sinne von Belästigung, Anm.) als Frauen, die grundsätzlich massivere Folgen der Gewalt erleben. Männer sind weniger 'häusliche' Opfer", erklärte Schröttle. "Die Zusammenhänge der Gewalt an Frauen sind mannigfaltiger und sie werden auf mehr Ebenen zu Opfern als Männer."

Umfassende Studie mit Geschlechtervergleich

Befragt wurden 2.334 ÖsterreicherInnen zwischen 16 und 60 Jahren. Die Studie ist die erste in Europa, die "einen Geschlechtervergleich aufsetzt", sagte Mit-Autor Olaf Kapella. "Erhoben wurde auch die psychische Gewalt wie Mobbing, da diese in den letzten Jahren im Ansteigen begriffen war." Untersucht wurde in vier Bereichen: psychische und körperliche Gewalt sowie sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt. Dazu wurde erhoben, inwiefern eine Gewalthandlung (außer bei sexueller Gewalt) als bedrohlich empfunden wird.

Die Studie zeigte, dass Frauen und Männer von Gewalt betroffen sind, diese aber unterschiedlich wahrnehmen. Frauen sind öfter im engsten sozialen Umfeld von Gewalt betroffen und kämpfen mit schlimmeren sowie längeren Nachwirkungen als Männer, bei denen sich Gewalt (in der Opferrolle) tendenziell eher öffentlich abspielt. Frauen werden eher in der Partnerschaft und in der eigenen Wohnung zu Opfern - "primär im engen sozialen Nahraum und in der Partnerschaft", so Kapella.

Mädchen erfahren doppelt so oft sexuelle Gewalt

Getrennt abgefragt wurden in der Studie Gewalterfahrungen von ÖsterreicherInnen in der Kindheit bis zum 16. Lebensjahr. Drei Viertel der befragten Personen haben psychische und/oder körperliche Gewalt erlebt. Dabei zeigten sich kaum Unterschiede zwischen Frauen und Männern - außer bei der sexuellen Gewalt: Mit 27,7 Prozent Nennungen waren mehr als doppelt so viele Mädchen sexuellen Übergriffen ausgesetzt als Burschen (zwölf Prozent).

Männliche Opfer: "Noch viel zu forschen"

Männer wurden im Studienschnitt bereits zumindest einmal in ihrem Leben zu 78,4 Prozent Opfer psychischer und zu 61,4 Prozent von körperlicher Gewalt. Bedrohlich empfanden dies 30 beziehungsweise 27,9 Prozent. 27,2 Prozent wurden schon sexuell belästigt (5,6 Prozent) und 8,8 Prozent sahen sich bereits sexueller Gewalt ausgesetzt.

Als "erstaunlich" analysierte Schröttle die männlichen Opfer-Daten sexueller Gewalt. "Hier ist noch viel zu forschen. Wir gehen davon aus, dass Männer eher dazu tendieren, sozial erwartete Antworten zu geben." Fühlen sich Männer etwa von Frauen sexuell belästigt, würden sie davon sprechen, die Frau zurückgewiesen zu haben - aus Desinteresse: "Als hätte der Mann alleine die Kontrolle", so Schröttle. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 46
1 2
pick up artist - experte für genderfragen
01
5.12.2011, 12:14
Weibliche Gewalt ist allgegenwärtig

Aber:Aufgrund der zu 90% (geschätzt) unterlegenen Körperkraft im Vergleich zum Partner gar nie zu einem Gewaltdelikt.

Wenn ein Mann einen Auszucker hat wird das nicht einfach so von der Partnerin "abgefangen" wie umgekehrt.

stefan peter
 
01
24.11.2011, 14:00

sexulle belästigung ist oft eine standpunktsache des betroffenen und auch die wertung der gesellschaft.
wenn ich auf weihnachtsfeier bin und die schon angetrunkenen kolleginen mir nachschreinen ich soll meinen "süßen arsch bewegen", und die nächste schreit dann gleich "ausziehen" und der rest stimmt mit einen kreischen und grölen ein, dann find ich es unangenehm. als junger mann hatte ich schon einige eindeutige angebote von frauen, die ein nein nicht sofort akzeptierten und sich ran schmießen und versucht haben mich zu küssen. der einzige unterschied ist der, dass ich als mann mich körperlich wehren kann und ich daher keine angst vor einem übergriff habe. trotzdem fühle ich mich in solchen sit. nicht wohl.

Vintageologist
 
00
12.12.2011, 22:07

Sehe ich genauso.
Wenn mich ein Mädel anmacht, das mir nicht zusagt, dann denk ich mir halt "Wäh... sicher nicht..." und fertig.
Bei einigen Frauen ist schon ein unangenehmer Mann, der sie anflirtet "sexuelle Belästigung".

again and again
13
24.11.2011, 15:03
"dass ich als mann mich körperlich wehren kann"

Aber nur dann, wen die Frau schwächer ist, es nicht mehrere Frauen sind und die Frau keine Möglichkeit hat, Sie anders unter Druck zu setzen (Nötigung).
Und abgesehen davon, dass dann der Mann als Gewalttäter gilt, sobald die Frau ein blaues Fleckerl vorweisen kann.

Nein, darin liegt nicht der Unterschied. Als Mann haben Sie das zu ertragen. Eine Frau die sexuell aufdringlich wird, will Ihnen ja nur Gutes zukommen lassen, wärend im umgekehrten Fall der Mann der Frau ja Böses antun will.

Darin liegt der Unterschied.

58 Prozent der Frauen wurde nicht nachgepfiffen. Wieviele das wohl als beängstigend epfundeb haben?

dieWolfsmutter
11
24.11.2011, 15:20
Blödsinn

Das hat niemand zu ertragen oder sich gefallen zu lassen, Chauvi.

again and again
23
24.11.2011, 17:01
Sehen Sie, so weit klaffen Wunsch und Realität eben auseinander.

Der junge Bursche wird ja von der reiferen Frau in die Liebe eingewiesen. Umgekehrt findet frau dann aber ganz ander Worte dafür.

Eigentlich gibts da nur zwei Möglichkeiten. Entweder man, oder frau, wird angebaggert - von derb bis elegant - oder eben nicht.

Manchen Frauen wird eben nachgepfiffen (sinnbildlich geschrieben) und anderen Frauen nicht bzw nicht mehr. Was welche Frau letztendlich tatsächlich mehr stört bleibt ungeklärt. ;-)

Die Frage WIE "angebaggert" wird - von derb bis elegant - ist dabei meist wesentlich weniger ausschlaggebend, als die Frage WER anbaggert. ;-)

noirc80
10
24.11.2011, 21:30

lies doch nochmal, was wolfsmutter in der realität geschrieben hat und vergleiche das mit deinem post.

zahnloser Tiger
01
25.11.2011, 14:25
tja, was hat sie geschrieben?

einen persönlichen Angriff...

also so läuft das also in feministischen Kreisen mit der Argumentation?

und wo ist denn eigentlich die zweite Hälfte der Wolfsmutter hingekommen? Streit in der Wölfinnenhöhle?

vor oder nach dem Besuch vom Verfassungsschutz?

again and again
13
24.11.2011, 22:24
Die Realität ist

dass der Mann als Opfer (gerade bei sexuellen) nicht wahrgenommen wird. Die Realität ist, sobald er sich wehrt, er sich in der Täterrolle wiederfindet.

Tethys
30
25.11.2011, 10:29

Ob diese "Realität" auch in anderen Ländern vorherrscht? Was meinen Sie?

Ist schon eine witzige Sache die "Realität" - sie ist für jeden Menschen anders.

zahnloser Tiger
00
25.11.2011, 14:26
die Realität wie er sie beschrieben hat ist leider überall gleich...

dass sie einen Teil davon ausblenden weil er ihnen nicht passt ist das einzig subjektive....

zu schwer für sie zu verstehen?

Tethys
00
25.11.2011, 15:00

"dass der Mann als Opfer (gerade bei sexuellen) nicht wahrgenommen wird. Die Realität ist, sobald er sich wehrt, er sich in der Täterrolle wiederfindet"

Im islamisch geprägten Raum sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.

Die Lage der Frau bei sexueller Gewalt ist völlig unabhängig davon, was "mir persönlich passt oder nicht". Die Realität der Frauen dort ist ebenso "real" wie Ihre Realität hier in Österreich. ICH blende nichts aus, scheint eher, dass Sie hier einiges nicht verstanden haben. Also vielleicht sollten Sie von der persönlichen Schiene runtersteigen und nochmal nachdenken.

again and again
00
25.11.2011, 16:47
Ich zitiere die ersten Zeilen des Artikels.

"Wien - 56,8 Prozent der Österreicherinnen haben bereits körperliche Gewalt erfahren, 85,6 Prozent psychische Gewalt und jede dritte ist am Arbeitsplatz schon schikaniert worden."

Ich lese in dem Artikel kein Wort von "islamisch geprägten Raum".

Tethys
00
28.11.2011, 16:25

Posting nicht verstanden?

"Die Realität" sieht für JEDEN anders aus.

again and again
00
28.11.2011, 16:40
Nicht die Realität

Persönliche Befindlichkeiten sehen für JEDEN anders aus.

Ermordet ist ermordet und jeder Ermordete ist tot unabhängig von den eigenen Befindlichkeiten. Dinge die nur in der eigenen Phantasie passieren sind nicht die Realität. Gut dass unsere Gesetze nur reale und bewiesene Straftaten ahndet und keine Phobien.

Vintageologist
 
00
12.12.2011, 22:12

Leider geht es gerade bei "sexueller Belästigung von Frauen" mittlerweile schon in letztere Richtung.

Was früher ein gescheitertet Anbaggerungsversuch war steht heute schon mit einem Bein als potenziell gewaltbereiter Sexualstraftäter im Gefängnis.

Es wäre ja eigentlich zum lachen, wenn es dank unserer "Feministinnen" und kurzgliedrigen männlichen Politiker, die sich nichts dagegen zu sagen trauen, nicht der Realität entsprechen würde.

Heutzutage ist es ja in der Wahrnehmung von "Feministinnen" (um nicht den negativeren Ausdruck zu verwenden) schon ein Skandal, wenn ein "Vergewaltigungs"verfahren wegen Mangel an Beweisen eingestellt wird. Aus Sicht dieser Leute sollte die bloße Klage durch die Frau schon zur Verurteilung führen.

totp2 original
11
23.11.2011, 15:08
Sorry aber ich kann mir einfach

nicht vorstellen, dass Männer eine Belästigung durch Frauen ähnlich empfinden können wie umgekehrt. Einer Frau ist, wenn auch unbewusst, immer klar, dass die Belästigung eskalieren und bis zu einer Vergewaltigung gehen kann. Vielleicht haben Frauen zu viel Angst; aber dieser Gefahr sind Männer einfach nicht ausgesetzt.

Vintageologist
 
00
12.12.2011, 22:14
Hey...

ich wurde im betrunkenen Zustand, als ich mich nicht wehren konnte ( :P ) auch schon von Frauen "vergewaltigt".

Naja, kann man nichts machen. Haha...

R.M. S.
00
25.11.2011, 09:59

"Einer Frau ist, wenn auch unbewusst, immer klar, dass die Belästigung eskalieren und bis zu einer Vergewaltigung gehen kann."

Es kommt ganz darauf an in welchen Verhältnis die Frau zu dem Mann steht. Wie soll ein Mann reagieren wenn es die Vorgesetzte ist? Eine Abweisung kann reale und weitreichende Konsequenzen haben, ein bekannter von mir wurde bedroht mit "Ich sage es deiner Frau, wenn Du weiter so zickig bist, wem wird sie wohl mehr glauben?"

Wenn eine Frau "Sexuelle Belästigung" sagt wird ihr überwiegend geglaubt, wenn ein Mann dies behauptet wird er nur als 'Spinner' angesehen.

again and again
01
24.11.2011, 01:26
Das bedeutet aber praktisch

dass diese Studien nicht die tatsächlich stattgefundene "Gewalt" zeigen, sondern subjektive Empfindungen, was passieren hätte können.

dieWolfsmutter
10
24.11.2011, 15:23
Gewalt

ist nicht einvernehmliche Grenzüberschreitung. Deswegen ist das auch immer subjektiv. Objektiv lässt sich jede Grenze durch einfaches Fragen klären.

again and again
01
24.11.2011, 17:06
Also wenn sich jemand von etwas bedroht fühlt

was nur in seiner eigenen Phantasie passiert, dann kann niemand sonst etwas dafür.

Sie haben mir einfach so, ohne mich zu Fragen, geantwortet. Also ich fühle mich jetzt bedroht.

dieWolfsmutter
00
26.11.2011, 22:58
Wenn

das umstrittene Territorium (Grenze) der eigene Körper ist, liegt der phantastische Irrglaube auch eindeutig und objektiv beim Anderen.

Diese "Phantasien" können Kerle sehr gut einschätzen, sie wissen darum und benutzen sie.

again and again
01
27.11.2011, 00:18
Kerlinnen können das auch sehr gut einschätzen.

Darum wollen sie, dass Männer bereits dafür angeklagt werden, was nur in ihren eigenen Phantasien existiert.

Sagt ja schon Alice Schwarzer:
"Sind Frauen die besseren Menschen? Nicht unbedingt. Sie sind nur ohnmächtig, und deshalb nimmt ihre Gewalt über andere meist psychologische Formen an."

Besonders solche Frauen, die in der Heterosexualität schon mal grundsätzlich "Gewalt" sehen oder aufgrund ihrer eigenen Veranlagungen mit Heterosexualität nicht klarkommen. ;-)

dieWolfsmutter
20
27.11.2011, 22:42
Ah, verstehe.

Deine homophoben Phantasien sind das Kriterium?

Keine dieser Frauen, die nix mit Heterosexualität am Hut haben, werden das Territorium deines Körpers auch nur im Mindesten beeinträchtigen. Und das steht im krassen Gegensatz dazu, was Frauen von Kerlen tatsächlich immer wieder angetan wird. Deswegen spricht man in diesem Fall auch von Phobie. Und im anderen von Angst.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 46
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.