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Wien - Mit sexueller Gewalt an Mädchen, Buben und Jugendlichen befassen sich derzeit ExpertInnen bei einer zweitägigen Fachtagung in Wien. Internationalen Schätzungen zufolge werden 20 bis 25 Prozent aller Vergewaltigungen und 30 bis 40 Prozent des sexuellen Missbrauchs durch Kinder oder Jugendliche begangen, hieß es am Montag in einer Pressekonferenz anlässlich der Tagung.
Zum Tagungsauftakt haben im Wiener Rathaus internationale ExpertInnen und der Wiener Verein Limes, der jugendliche Täter behandelt, zu Vorträgen geladen. Diskutiert wurden vor allem Präventionsansätze und Behandlungsmöglichkeiten, denn: "Täterarbeit ist Opferschutz", betonte Psychotherapeutin Christine Bodendorfer. Der Kongress wird vom Wiener Netzwerk, Limes und der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien (KJA) organisiert.
Tabuisiertes Thema
Was die oft noch jungen Täter betrifft, werde ein Großteil gar nicht gefasst, da dieses Thema nach wie vor tabuisiert werde. Um nun vor solchen sexuellen Übergriffen besser schützen zu können, müsste mit vorbeugenden Programmen rechtzeitig begonnen werden, sagte Psychotherapeut Peter Wanke von der KJA. "Sexualtäter entwickeln bereits im Jugendalter ein abnormes Verhalten", berichtete Bodendorfer.
Der Verein Limes arbeitet bereits seit 13 Jahren mit jugendlichen Sexualtätern im Alter zwischen 14 und 21 Jahren. Auffällig ist dabei, dass die Anzahl der betreuten Personen mehrheitlich männlich ist. Sexuelle Übergriffe von Frauen gebe es nur sehr selten, versicherte Bodendorfer. Wichtig bei der Behandlung sei vor allem, verzerrte sexuelle Fantasien aufzuheben: "Bei diesen Jugendlichen dreht es sich sehr rasch um Sexualität und über das Masturbieren werden bereits potenzielle Opfer ausgewählt, die dann in der Realität geprüft werden", erklärte die Psychotherapeutin. So könnte beispielsweise nur das Sich-auf-den-Schoß-setzen als Verführung interpretiert werden und einen Übergriff implizieren.
Abgeschobene Schuld
Bei den jungen Tätern handle es sich meist um Jugendliche, die über wenig Selbstwertgefühl verfügen und sich daher nicht trauen, mit Gleichaltrigen oder Älteren in Kontakt zu treten, so Wanke. Jüngere würden sich daher als Opfer anbieten. Zudem hätten viele der Burschen große Probleme im Umgang mit der Verarbeitung von Aggression und Wut. Die Schuld werde immer auf andere geschoben.
Der Verein Limes betreut derzeit elf Jugendliche. Der große Unterschied zu anderen Ländern - wie etwa den Niederlanden - ist, dass es keine fix implementierten Vorbeugungsprogramme in Österreich gibt. "Wir haben seit kurzem die Stop-it-now-campaign eingeführt", sagte Ruud Bullens, Professor an der Universität Leiden in Amsterdam. "Im Zuge des Programmes können sich potenzielle Täter anonym an uns wenden, sobald sie bemerken, dass sie eine sexuelle Neigung gegenüber Kindern entwickeln." In Zusammenarbeit mit der Polizei und Experten könnten somit Übergriffe rechtzeitig durch frühe Behandlungen verhindert werden, erklärte Bullens. "So was wünsche ich mir heuer vom Christkind für Österreich", sagte Wanke.
Die Fachtagung "Sexuelle Übergriffe - Straftaten männlicher Jugendlicher" dauert noch bis morgen, Dienstag. Am zweiten Kongresstag wird vom Rathaus ins Europahaus in der Linzer Straße gewechselt. Dort gibt es neben Vorträgen sieben Workshops zu Themen wie "Ist Sex ein Gefühl oder etwas anderes", "Rollenbilder und Identitätssuche von männlichen Jugendlichen" oder "Therapie im Gefängnis". (APA)
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