Selbstverteidigung, aber bitte mit Stil

Beate Hausbichler, 30. November 2011 07:00
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    Foto: werbefolder von "ila"

    Ängstlich und leicht bekleidet auf dunklen Straßen.

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    Foto: werbefolder von "ila"

    Klischeebilder davon, wie, wo und durch wen sich Gewalt abspielt, werden hier einbetoniert.

Modeaccessoires mit Alarmfunktion und niedlichem Dekor. Hier werden nicht Sicherheiten geboten, sondern Klischees einbetoniert

Es passiert in dunklen Parks oder in der finsteren Straßenecke, die Opfer sind jung, schön und meistens leicht bekleidet. Gegen dieses trügerische Bild von Schauplätzen und Betroffenen von Gewalt arbeiten Frauenberatungseinrichtungen, Interventionsstellen oder GewaltschutzexpertInnen seit Jahren. Doch angesichts eines Regals in der Drogeriekette "Bipa" stellt sich die Frage: Kommt davon auch nur irgendetwas in der Mehrheitsgesellschaft an?

"Sicherheitsprodukte mit Stil"

Auf den ersten Blick vermutet frau den üblichen Parfümerie-Schnickschnack wie kitschige Haarspangen oder Armreifen. Das Schlagwort "Sicherheit" lässt vielleicht noch auf fröhlich aufgemachte Kondombehälter schließen. Tatsächlich handelt es sich aber um Alarmgeräte, die als "Sicherheitsprodukte mit Stil" von der Firma "Ila" auf den frauenspezifischen Markt geworfen werden. Auswählen kann das potentielle Opfer Frau zwischen einem niedlich betupftem Schlüsselanhänger, dem fesch gemusterten Taschenanhänger und einem roten oder schwarzen Türstopper. Gemeinsam haben alle drei Produkte ihre Alarmfunktion, die es in sich hat. Der 130 dB laute Alarm "verjagt Angreifer!" verspricht der Werbefolder, der von den Selbstverteidigungsaccessoires überzeugen will. Vor Angreifern scheint sich auch die junge Frau auf dem Prospekt zu fürchten: In einem luftigen weißen Kleidchen schaut sich die junge Frau, die abends unterwegs ist, wie ein ängstliches scheues Rehlein um.

Kein Klischee ausgelassen

Die Produkte, wie auch ihre Bewerbung lassen keinen Mythos über Gewalt und insbesondere sexualisierte Gewalt aus. Sowohl der Taschenanhänger, der mit lautem Frauengeschrei Alarm schlägt, als auch der Schlüsselanhänger böten sich als Selbstverteidigungsinstrumente deshalb an, weil frau sie draußen immer dabei hat. Und auch der alarmschlagende Türstopper soll den fremden, in die Wohnung oder das Hotelzimmer einbrechenden Täter in die Flucht schlagen.

Es passiert, dass Frauen von völlig Fremden angegriffen werden, keine Frage. Doch viel öfter sind es Partner, Ex-Partner, Verwandte, Freunde oder Bekannte. Der Frauennotruf in Wien wertete Beratungsgespräche aus den letzten 15 Jahren aus. Daraus ging hervor, dass 76 Prozent der Frauen die Täter persönlich kannten.

Gewalt, die ins Bild passen muss

Und genau hier liegt die Crux begraben: Es gibt ein klassisches Bild von Gewalt und sexualisierter Gewalt gegen Frauen. Entspricht ein Übergriff nicht dieser beschränkten Vorstellung, wie sie auch die Werbelinie für die "Sicherheitsprodukte mit Stil" transportiert, wird den Opfern oft nicht geglaubt.

Selbstverteidigungsutensilien auf die Zielgruppe "junge Frauen" einzuschränken, die Angst eines Mädchen zu ästhetisieren, der Subtext, Frauen als jederzeit gefährdet darzustellen und alle Männer, die nachts unterwegs sind, zu potentiellen Tätern zu machen - die Liste, warum diese Produkte samt ihrer Präsentation problematisch sind, ist lang.

Übersehen hat die Firma auch, dass laut einer UNO-Studie über Gewalt mehr Männer im öffentlichen Raum Opfer von Gewalt werden, Frauen hingegen eher im privaten Raum. Auf die Idee, Männern Selbstverteidigungshilfen in niedlicher Verpackung anzudrehen, kommt man dennoch nicht. Da hält man sich lieber an das Opfer Frau, hier fällt Angstmache offenbar auf lukrativeren Boden. (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 30. November 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 175
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prusiner
30.11.2011 23:43
Taschenlampe

eine geeignete, nicht zu leichte, kräftige Taschenlampe ist auch keine schlechte Idee;

kann einen Angreifer blenden und so Zeit zur Flucht verschaffen, ist mit ein wenig Übung auch als Schlaginstrument gut nutzbar und ist auch in der ganz normalen Eigenschaft als Taschenlampe z.B. auf schlecht beleuchteten und dunklen Wegen nützlich.

Und vor allem ein unverfängliches Teil z.B. bei Taschenkontrollen bei Lokaleingängen

metall81
01.12.2011 07:58
eine geeignete, nicht zu leichte, kräftige Taschenlampe ist auch keine schlechte Idee;

Es sei denn der Angreifer entreisst Ihnen das Ding und haut Ihnen damit auf den Kopf. Nochmal für alle zum Mitschreiben: Das Tragen einer Waffe verhilft außerhalb diverser Hollywoodstreifen und Fernsehserien keinem unausgebildeten Laien zu mehr Sicherheit!

Erstversuch
01.12.2011 11:14
Ist das aus dem Buch

"Wozu Krebs operieren in 30% der Fälle ist es eh erfolglos?"

Wie bereits einmal gepostet. Die Wahrscheinlichkeit von einer Kompanie ehemaliger Speznaz angegriffen zu werden ist sehr gering. Ein wenig Widerstand führt häufig dazu dass der Angriff abgebrochen wird.
Eine Tetschn ist auch für den geilsten Freund Zeichen genug daß heute nichts geht.

metall81
01.12.2011 11:24
Hab ich irgendwo geschrieben,...

...man solle sich überhaupt nicht verteidigen? Nein oder?

Erstversuch
01.12.2011 12:01
Implizit ja.

Wenn Sie nämlich den Täter als vorsätzlich und kühl plandenden Profi darstellen, der sich

-weder von irgendeiner Gegenwehr abschrecken lässt
-trotz gesehener Waffe angreift und tatsächlich um diese kämpft und gewinnt weil er dazu ( wo denn) besser trainiert ist als Sie.

Was ich in der Zeitung lese sind Täter die, nachdem der allererste Versuch erfolglos gewesen ist, schnellstens die Flucht ergreifen.

metall81
01.12.2011 12:10
Wenn Sie in meine Postings unbedingt Dinge reininterpretieren....

...wollen, die gar nicht drinstehen, kann ich Sie schwerlich daran hindern.

Ich habe geschrieben: Waffen mitzuschleppen bringt nix, und gereicht im Extremfall zum Nachteil. Nicht mehr und nicht weniger. Und ich glaube damit auch durchaus mit den meisten polizeilichen Beratungsstellen übereinzustimmen.

Erstversuch
01.12.2011 12:47
Wenn für sie eine Taschenlampe und ähnliche Alltagsgegenstände bereits

Waffen sind. Ich erinnere. prusiner beschreibt als Beispiel eine taschenlampe mit der man sich wehren kann. Sie sind es der sofort den statistischen Ausnahmefall zitiert Marke " Is eh olles umsonst" und Sofort den Konnex zum Waffentragen herstellt. Was ist den für Sie alles ein Waffe?

metall81
01.12.2011 12:56
Ein einigermaßen klar denkender Angreifer,...

...wird Ihnen keine Zeit lassen, in der Handtasche nach irgendetwas herumzukramen (weswegen ich auch das Piepserl für eher entbehrlich, und allenfalls zum Herstellen eines subjektiven Sicherheitsgefühls für geeignet halte). Aber ich schau mir gern an, wie ein leicht betrunkenes 16-jähriges 40-Kilo-Mädel geistesgegenwärtig innerhalb von drei Sekunden eine Taschenlampe herauskramt, einen erwachsenen Mann damit gekonnt blendet und dann mit Ihren Higheels die Flucht ergreift, und ihn für den, statistischen Ausnahmefall, dass er Sie doch überwältigt, dann mit ebendieser Taschenlampe verprügelt.

Erstversuch
01.12.2011 13:36
Kleiner Irrtum

der statistische Ausnahmefall ist der plötzliche Überfall auf die Frau ohne Vorzeichen aus dem Nichts heraus. Nicht die erfolgreiche Gegenwehr.

metall81
01.12.2011 13:39
Wozu dann eine Waffe tragen,...

...wenn das Problem, das sie lösen soll eh nicht existiert?

Erstversuch
01.12.2011 13:54
Wer sagt denn daß ich eine Waffe tragen will;-)

Ausserdem ist der statistische Ausnahmefall der plötzliche Überfall wo wahrscheinlich eine Schusswaffe nichts hilft. Die große Mehrheit der Gewaltverbrechen haben eine Vorlaufzeit:

Der Ehegatte der an der Tür hämmert und schon wochenlang gedroht hat.

Der Einbrecher den Sie schon am Gartentürl hören.

Der Standardposter der einen Lynchmob " gegen Gewalt" organisiert und vorher schnell noch ein paar Scheiben eines Bioladens einhaut (antikapitalistisches Shopping) ;-)

Der Unkurze
01.12.2011 13:16

leicht angetrunken, 40kg, hohe schuhe, eventuell vorhandene behelfe in der handtasche... da nützt NICHTS mehr

aber sie haben sicher einen vorschlag was man tun könnte ;)

Phryx Sodalis
02.12.2011 11:04

Wie bereits beschrieben hat ein Alarmgerät einen großen Vorteil: man braucht es nur zu betätigen und es funktioniert dann unabhängig von Reaktionen des Opfers. Einen Täter mit einer Maglite blenden, ned bös sein, das ist Schwachsinn. Klar, in der Hand von (trainierten) Männern ist das eine Waffe, nur reden wir hier ja von "Opfern". Ein weiterer Vorteil des Alarmgeräts ist, dass manche Geräte nicht einfach wieder abgestellt werden können, wenn man den Mechanismus nicht kennt. Die wichtigste Frage aber ist, ob das Gerät leicht zerstört werden kann, dann ist es natürlich keine Hilfe.

Selfdefense
01.12.2011 08:49
Das einzig wirksame Verteidigungsmittel

das ohne jahrelanges Training und von Menschen fast jedes Alters erfolgreich eingesetzt werden kann, ist die Schußwaffe.

Nur diese macht selbst eine 50 Kilo Frau (oder einen 80jährigen Opa oder ein 11 jähriges Kind) zu einer echten Gefahr auch für mehrere 100 Kilo Männer.

Leider sind aber nur bestimmte Menschen in den Augen der Behörde "wertvoll genug" um sich so verteidigen zu dürfen.

Stabilo13
01.12.2011 12:12

oh mein gott, die waffennarren lobby treibt sich auch überall herum. da wird kein thema ausgelassen.

Erstversuch
01.12.2011 12:53
Schön, und was ist das Gegenargument?

Stabilo13
01.12.2011 13:47

zitiere einen vorposter: "Das Tragen einer Waffe verhilft außerhalb diverser Hollywoodstreifen und Fernsehserien keinem unausgebildeten Laien zu mehr Sicherheit!"
dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, ausser dass es auch "ausgebildeten laien" nicht hilft...

Erstversuch
01.12.2011 14:07
Folgerichtig ist auch für Polizisten dieses sinnlose Anhängsel

unnötig oder?

Stabilo13
01.12.2011 14:28

polizisten würd ich dann doch nicht als laien ansehen, aber wenn sie meinen....

Erstversuch
02.12.2011 10:15
Was kann denn der "ausgebildete Laie" nicht was der ausgebildete Polizist kann?der

Erstversuch
05.12.2011 11:24
D.h. Sie halten jemand der wöchentlich 2x mit der Waffe übt

für weniger kompetent im Umgang damit als jemand der 2x jährlich übt?

Und zum genannten Effekt bitte ich den dritten Satz des Artikels zu lesen:

"In der psychologischen Fachliteratur spielt sie bislang kaum eine Rolle, wohl aber in Publikationen außerhalb der Psychologie[2][3][4] sowie in Blogs und Diskussionsforen des Internets."

Ausserdem war vom ausgebildeten Laien die Rede.

Bob Kelzo
01.12.2011 11:55

Ja, wer träumt nicht von einer Welt in der jeder stets eine halb geladenen Waffe bei sich hat.

keywords
01.12.2011 11:34

genau. eine schusswaffe.

weil kein ehemann/freund/partner/ex irgendwas merkt, wenn die frau wochenlang am schiesstand übt. und sich auch nix dabei denkt, dass sie eine waffe im kastl hat.

noch weniger wundert er sich, wenn er sie vergewaltigt hat, dass sie in aller ruhe die waffe lädt.

und sie sich auch nicht, dass sie sich dann wegen eines verbrechens verantworten darf.

oder meinen sie eh, dass man das am besten im tascherl mithaben soll um jemanden zu erschiessen, der einem zu nahe kommt?

Spaceman Spiff
01.12.2011 10:48

Ich glaube Sie haben diesen Artikel nicht richtig verstanden. In diesem Artikel geht es um Klischees, die von diesen Produkten ausgehen, naemlich, dass die Taeter hauptsaechlich Fremde seien. Aber das stimmt laut Artikel nicht. Und was machen Sie? Sie verbreiten weiterhin dieses Klischee.
Erklaeren Sie mal, was einer Frau eine Schusswaffe bringt, wenn sie von ihrem eigenen Mann verpruegelt wird. Das erste was der naemlich macht ist, ihr die Schusswaffe wegzunehmen.

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