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Weltmeisterin Daniela Iraschko kann ab sofort im Weltcup für Skispringerinnen abheben.
Standard: Mögen Sie den kleinen Lysgards-Bakken in Lillehammer?
Daniela Iraschko: Ja, das letzte Mal war ich im vergangenen Sommer hier und habe beide Springen gewonnen. Die Schanze taugt mir, weil sie eine ganz feine Schanze ist, weil sie keine speziellen Tücken, dafür einen rhythmischen Fluss hat.
Standard: Sie beginnen die Saison als Weltmeisterin. Was hat der Titel von Oslo verändert?
Iraschko: Es erkennen mich einfach mehr Leute, aber wirklich verändert hat sich an meinen Leben nichts. Ich mache das Gleiche wie vorher. Im Winter, mit ÖSV-Outfit, ist der Wiedererkennungswert höher, aber sonst kann ich im Privaten weiter locker undercover unterwegs sein - kein Nachteil.
Standard: Auf den Schanzen waren Sie in der Vorsaison erfolgreich. Wie sieht die Bilanz der Torfrau von Wacker Innsbruck aus?
Iraschko: Wir hatten einen guten Herbst, sind momentan Vierte in der Tabelle, wollen aber auf Platz drei. Bis zu meiner Verletzung und der Meniskusoperation vor drei Wochen habe ich auch alle Spiele bestritten, ich war also Stammtorhüterin. Das Einserleiberl musste ich mir nach der WM aber erst wieder erkämpfen.
Standard: Was ist gefährlicher, das Skispringen oder der Fußball?
Iraschko: Ach, wenn es sein soll, kann überall etwas passieren. Wirklich schlimme Verletzungen hatte ich weder da noch dort, obwohl ich in den vergangenen Jahren dreimal operiert wurde.
Standard: Könnten Sie wegen des Risikos den Fußball aufgeben?
Iraschko: Das Skispringen ist wichtiger, aber der Nutzen des Fußballs ist für mich höher als das Risiko, weil es ein guter Ausgleich ist, Abwechslung bringt und die Kombination aus Einzel- und Mannschaftssport spannend ist.
Standard: Fühlen Sie sich eher als Amateur- oder als Profisportlerin?
Iraschko: Man versucht, unabhängig vom Verdienst immer professionell zu arbeiten. Finanziell musste ich immer etwas nebenbei machen, aber beim Springen denke ich nicht ans Geld. Es ist sicher nach wie vor so, dass ich davon nicht leben könnte, obwohl wir für einen Sieg jetzt 2450 statt vielleicht 300 Euro kassieren.
Standard: Sie waren auch vor dem WM-Titel in Oslo gesundheitlich angeschlagen. Ist das ein gutes Omen?
Iraschko: Das kann man insofern nicht vergleichen, als ich vor der WM eine ganze Saison auf hohem Niveau durchspringen konnte, also sehr viele Sprünge auf Schnee hatte. In der Vorbereitung auf diese Saison gab's nur Mattensprünge.
Standard: Wie bewältigen Sie die Umstellung von Matte auf Schnee? So einfach wie Thomas Morgenstern, der das mit dem Wechsel vom Hallen- ins Freibad vergleicht?
Iraschko: Es kommt auf die Bedingungen an. Wenn es recht warm ist und die Spur etwas schiebt, ist es schwieriger als mit Eisspuren, die den Bedingungen auf den Porzellanspuren im Sommer ähnlich sind. Man muss sich an den Schnee gewöhnen, ich muss Vertrauen ins verletzt gewesene Knie gewinnen. Beides geht mit wenig Schnee eben schlecht. Aber runterkommen werde ich wohl.
Standard: Hat die Aufwertung des Frauenskispringens zu einer Weltcupserie für Sie abseits von finanziellen Besserstellungen Relevanz?
Iraschko: Es ist schon feststellbar, dass das Interesse und die Anerkennung viel größer sind. Auch wenn der Kontinentalcup früher die höchste Klasse war, hat es doch zweitrangig geklungen. Gesamtweltcupsiegerin und Gesamtkontinenalcupsiegerin, das ist gar kein Vergleich.
Standard: Wird durch die Aufwertung auch die Konkurrenz stärker?
Iraschko: Die Nationen haben durch die Einführung des Weltcups sicher mehr Geld zur Verfügung. Aber um mich mit der Konkurrenz zu beschäftigen, habe ich selbst viel zu viel um die Ohren. Ich muss beim ersten Sprung top sein. Zum Glück ist die Qualifikation unter die besten 50 bei uns noch nicht so schwierig.
Standard: Es wird im Weltcup auch gemeinsame Teamspringen von Männern und Frauen geben. Ist das mehr als ein PR-Gag?
Iraschko: Nein, das wird insofern besonders interessant, weil andere Nationen vorne mitmischen werden. Frankreich, Slowenien oder Japan haben im Verhältnis stärkere Frauen als Männer. Österreich braucht sich aber auch bei gemischten Springen keine Sorgen zu machen, wir Frauen werden da nicht abfallen.
Standard: Sie springen seit 1994. Hat es seither Phasen gegeben, in denen Sie nicht mehr daran glauben konnten, dass das Frauenskispringen je ernstgenommen wird?
Iraschko: Ich habe schon immer geglaubt, dass früher oder später erkannt wird, dass wir lässigen Sport bieten. Aber dass es jetzt so schnell gegangen ist, freut mich sehr. Die Gedanken aufzuhören waren da, aber ich habe auch finanziell schwierige Zeiten überstanden. Weil mir das Springen einfach einen Haufen Spaß macht.
Standard: Und jetzt gibt es auch die olympische Perspektive mit den Spielen in Sotschi 2014.
Iraschko: Eben, aufzuhören wäre geradezu blöd gewesen. Vielleicht trete ich dort am Höhepunkt ab.
(Die Fragen stellte Sigi Lützow, DER STANDARD, Printausgabe 3./4.2011)
Daniela Iraschko, seit Februar (Oslo) Skisprungweltmeisterin, gewann 43 Konkurrenzen im Kontinentalcup und sprang 2003 als bisher einzige Frau 200 Meter (Kulm). Die Eisenerzerin ist Polizeischülerin, lebt in Innsbruck und hütet nebenbei das Tor der Damen von Wacker Innsbruck.
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