USA

Cain gibt auf

5. Dezember 2011, 10:46

Nach massiven Vorwürfen sexueller Belästigung stoppt republikanischer Präsidentschaftskandidat seine Kampagne

Atlanta - Nach Vorwürfen sexueller Belästigung und einer angeblichen außerehelichen Affäre hat der US-Republikaner Herman Cain im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei das Handtuch geworfen. Er stoppe seine Kampagne und werde einen anderen Kandidaten unterstützen, sagte der 65-Jährige am Samstag vor AnhängerInnen in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia.

"Falsche Anschuldigungen"

"Ich setze meine Präsidentschaftskampagne wegen der fortgesetzten Ablenkung und der fortgesetzten Kränkung meiner Person und meiner Familie aus", sagte Cain. "Falsche Anschuldigungen haben meine Glaubwürdigkeit beschädigt, den Menschen Lösungen zu unterbreiten." Er wolle sich in Zukunft hinter eine/n andere/n BewerberIn für die Nominierung der/des republikanischen PräsidentschaftskandidatIn stellen, sagte Cain in einer langen Rede.

Die Vorwahlen der Republikaner beginnen bereits am 3. Jänner kommenden Jahres. Cain war der einzige Afroamerikaner im republikanischen Bewerberfeld für die Präsidentschaftskandidatur 2012. In Umfragen hatte der frühere Chef einer Pizza-Kette im Oktober noch Spitzenwerte unter den republikanischen BewerberInnen erzielt; nach den Vorwürfen zu seinem Privatleben und einigen Patzern war seine Zustimmung aber deutlich gesunken.

Seit Anfang November war Cain einem Dauerfeuer von Vorwürfen ausgesetzt. Mehrere Frauen bezichtigten ihn der sexuellen Belästigung. Seine Bewerbung geriet damit unter Druck, auch wenn Cain die Vorwürfe vehement zurückwies. Der entscheidende Schlag kam dann Anfang der Woche: Am Montag erklärte eine Geschäftsfrau aus Atlanta, mit Cain eine 13 Jahre andauernde Affäre gehabt zu haben. Der Politiker räumte ein, die Frau zu kennen, bestritt aber eine sexuelle Beziehung.

"Diese falschen und unbewiesenen Anschuldigungen werden von den Medien immer weiter verbreitet", sagte Cain. Ziel sei es, "Zweifel an mir und dieser Kampagne" zu säen. "Das tut meiner Frau weh, es tut meiner Familie weh, es tut mir weh."

Wissenslücken

In Interviews hatte sich Cain in den vergangenen Wochen auch mehrere Patzer geleistet. Auf die Frage eines Reporters zum Libyen-Konflikt offenbarte Cain erhebliche Wissenslücken und verortete unter anderem die afghanischen Taliban in dem nordafrikanischen Land.

Neuer Favorit

Nach dem Rückzug Cains gelten der ehemalige Präsident des Abgeordnetenhauses, Newt Gingrich, sowie Ex-Gouverneur Mitt Romney als Favoriten bei den Republikanern. Die Präsidentenwahlen finden am 6. November 2012 statt. (APA/Reuters)

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