Vorarlberger Studie

Wiedereinsteigerinnen straucheln

5. Dezember 2011, 12:17

Je jünger das Kind, desto schwieriger die Rückkehr in den Beruf: Betreuungsplätze fehlen - Niederqualifizierte Frauen tun sich besonders schwer

Bregenz - Die Arbeiterkammer Vorarlberg (AK) und das Arbeitsmarktservice Vorarlberg (AMS) sehen hinsichtlich des Wiedereinstiegs von Frauen in die Arbeitswelt nach einer Babypause dringenden Handlungsbedarf in den Bereichen Kinderbetreuung, Bildung und Arbeitszeitmodelle.

Eine repräsentative Befragung von Wiedereinsteigerinnen, die im Frühjahr 2011 beim AMS vorgemerkt waren, habe "besorgniserregende Ergebnisse" erbracht, so AK-Präsident Hubert Hämmerle und AMS-Geschäftsführer Anton Strini am Montag. Vielen Frauen sei zudem nicht klar, welche finanziellen Nachteile eine längere Teilzeitarbeit für die künftige Pensionshöhe habe.

Brachland bei Kinderbetreuung für Unter-Dreijährige

423 Mütter wurden im AMS befragt, davon schafften 237 den Wiedereinstieg. Das Alter der Kinder spiele dabei eine wesentliche Rolle. So waren 60 Prozent der Frauen mit Kindern, die bis zu drei Jahre alt sind, nicht erwerbstätig. War das jüngste Kind zwischen vier und sechs Jahre alt, standen bereits 60 Prozent der Mütter wieder im Beruf. Der Grund für diese rasante Steigerung liege vor allem an der Kinderbetreuung: 43 Prozent der befragten Frauen machten das fehlende oder nicht passende Angebot für das Scheitern ihres Wiedereinstiegs verantwortlich. 

Kostenfrage

Auch die Kosten für die Kinderbetreuung spielten eine wesentliche Rolle. "Wiedereinsteigerinnen brauchen Angebote, die tageszeitlich flexibel und ganzjährig zur Verfügung stehen. Sie müssen finanziell leistbar sein, damit sich das Arbeiten auch lohnt", so Studienautorin Eva Häfele. Besonders für Alleinerzieherinnen sei die Situation schwierig.

Nur Hälfte der Niedrigqualifizierten schafft Wiedereinstieg

Ohne oder nur mit Pflichtschulabschluss bestehe eine geringere Chance für den Wiedereinstieg. Auch Frauen, die in niedrig qualifizierten Tätigkeiten arbeiteten, schafften nur zu 50 Prozent den Sprung zurück, in höheren Tätigkeiten stieg der Anteil auf 64 Prozent. Fast 80 Prozent aller erfolgreichen Wiedereinsteigerinnen arbeiteten in Teilzeit bis zu maximal 25 Stunden pro Woche. Die ungünstigen Arbeitszeiten, die nicht mit jenen der Kinderbetreuung korrelieren, zählten laut den befragten Frauen zu den größten Hindernissen. Zudem zeigten viele Betriebe wenig Bereitschaft, Teilzeitstellen anzubieten. 74 Prozent der Befragten gab an, den Verdienst als Beitrag für das Familieneinkommen dringend zu benötigen.

Ausweitung der Kinderbetreuung nötig

AK-Präsident Hämmerle forderte flächendeckend Ganztagsschulen sowie längere Öffnungszeiten in Spielgruppen und Kindergärten. In Vorarlberg entsprächen weniger als zehn Prozent der institutionellen Einrichtungen für Ein- bis Zweijährige bzw. Drei- bis Fünfjährige dem Vereinbarkeitsindikator Beruf und Familie, so Hämmerle. Land und Bund müssten sich bei der Finanzierung stärker einbringen, es dürften nicht nur die Gemeinden zur Kasse gebeten werden. 

Niedrigste Frauenpension in ganz Österreich

Mit einer Kampagne will die AK zudem die Frauen über die Folgen einer längeren Auszeit bzw. Teilzeitarbeit für die Pensionshöhe aufklären. Die Einbußen seien teils beträchtlich. Das mittlere Jahreseinkommen einer Vorarlberger Pensionistin sei mit 11.080 Euro das niedrigste in Österreich. Der Betrag liege um 52 Prozent unter dem durchschnittlichen Einkommen eines männlichen Pensionisten.

AMS will Angebot optimieren

Um die Väter stärker an der Kindererziehung zu beteiligen - im August 2011 waren nur 2,4 Prozent der Männer in Väterkarenz - brauche es ein verpflichtendes Pensionssplitting, forderte Hämmerle. Schon wegen des demografischen Wandels sei es außerdem vonseiten der Unternehmen nötig, flexiblere Modelle für Wiedereinsteigerinnen schaffen. Frauen seien bei der Jobsuche wegen der Notwendigkeit, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, so AMS-Chef Strini. Er will nun die Studie nützen, um das AMS-Angebot für Wiedereinsteigerinnen zu optimieren. (APA)

Ndugu
01
8.12.2011, 07:47
Was ist hier neu, bitte???

"Dringenden Handlungsbedarf" in Sachen Kinderbetreuungsplätze haben wir seit 30 Jahren, und nicht nur in Vorarlberg, ditto die ewige Diskussion um Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und ditto die wiederholten, aber nie eingehaltenen Versprechen diverser PolitikerInnen, sich dafür einzusetzen, dass das endlich besser wird.

der gärtner
00
5.12.2011, 21:16
nein, das ist der falsche weg

wenn man teilzeit-möglichkeiten und wiedereinstiegshilfen nur für frauen schafft, ist das für betreuende männer nur wieder ein weiteres hindernis und die weniger verdienende mutterrolle der frau wird so weiter einzementiert.

und pensionssplitting würde den frauen erst recht wieder die motivation zum vollzeit-arbeiten nehmen.

nZee
02
5.12.2011, 20:07
Familienfreundlichere Arbeitsrechte gehören her, wenn Betriebe auf Stur schalten und immer nur auf die Konkurrenz in China hinweisen!

Siehe Dänemark! Die allermeisten haben um 17 Uhr Feierabend, trotz Vollzeit und Konkurrenzbetriebe im Ausland!

Mann40
00
5.12.2011, 14:48

in Vorarlberg heissen nahezu alle "Hämmerle", da macht die Textpassage "Land der Hämmer(le)..." wirklich Sinn :-)

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