Frauen früher in Pension

Das war nicht der Deal

Kommentar | Beate Hausbichler, 6. Dezember 2011, 07:00
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    reuters/chip east

    Alle erleben Erfüllung in der Arbeitswelt und wollen alles andere als Zwangsruhe inklusive Socken stricken?

Frauen in gut bezahlten, anerkannten Berufen dürfen auch jenseits der 60 arbeiten und sind kein Argument für ein früheres Pensionsantrittsalter für alle Frauen

Ist es nicht schön, wenn sie einen interessanten, gut bezahlten und gesellschaftlich anerkannten Beruf hat? Einen, den sie liebt, und den sie möglichst lange ausüben möchte?

Hat eine Frau das Glück, einen solchen Job zu haben, muss sie nicht mit 60 in Pension gehen. Die österreichische Rechtslage verpflichtet sie nicht dazu, aber wenn sie will, kann sie. Dennoch kommt es vor, dass Menschen gegen ihren Willen in Pension geschickt werden, das passiert Männern wie Frauen. Der Fall einer 60-jährigen Chefärztin machte etwa der Journalistin Sybille Hamann Sorgen. So sehr sogar, dass dieser als Argument gegen die vorzeitige Angleichung des Pensionsantrittsalters von Frauen an das der Männer herangezogen wurde.

Die besagte Ärztin wurde Opfer einer Zwangspensionierung. Nun zieht die 60-Jährige vor Gericht und tritt für ihr Recht ein, weiterarbeiten zu können. Hamann sieht aufgrund dieses Falls dunkle Wolken für Frauen aufziehen. Oder nur für Frauen, die eine sogenannte "Karriere" haben? Die Möglichkeit, mit 60 in Pension gehen zu dürfen, könnte bald in ein "müssen" umschlagen, befürchtet sie. Das niedrigere Antrittsalter würde sie nämlich um lukrative Gehaltserhöhungen bringen und sie aus anerkannten Positionen nonchalant in den Ruhestand befördern.

Gierig wurde die Position der Feministin Hamann aufgegriffen, heilfroh darüber, dass sich nun auch Feministinnen für eine frühere Anhebung aussprechen. Dabei ging allerdings der springende Punkt unter: Dass es sich um eine unrechtmäßige Pensionierung handelte. Hamann befürchtet aber dennoch, dass aus solchen Fällen ein "mit 60 müssen" wird, obwohl die Debatte doch gerade in die andere Richtung geht: Alle Frauen sollen erst mit 65 in Pension gehen dürfen. Das ist vielleicht kein Problem für jene, die dann in Ruhe die "Ernte eines langen, anstrengenden Arbeitslebens" (Hamann) einfahren können. Weniger viel versprechend klingt das allerdings für die viel größere Gruppe von Frauen, die während ihres Arbeitslebens sowohl auf die ökonomische wie auch gesellschaftliche Anerkennung ihres Arbeitslebens verzichten mussten.

Eine unrechtmäßige Zwangspensionierung einer Chefärztin ist kein Argument für die Anhebung des Pensionsantrittsalters für alle Frauen. Dies zu fordern, ist nicht die neue "offizielle" Feministinnen-Position, sondern höchstens Elite-Feminismus. Und der übersieht alle, die in einer weniger beglückenden Arbeitssituation sind.

Ein Teil der Vereinbarung unerfüllt

Die viel häufigere Lebensrealität von Frauen wird zurzeit ebenso gerne vergessen, wie die Begründung des unterschiedlichen Pensionsantrittsalters. Das frühere Antrittsalter wurde Anfang der 90er verankert, weil es ansonsten herzlich wenige Privilegien für Frauen gab und gibt. Keine bei der Entlohnung, die um 24,3 Prozent niedriger ausfällt, keine bei der Teilung der unbezahlten Arbeiten und keine bei der Anerkennung der Berufe, die sie ausüben. Deshalb lautete der Deal: Solange diese Benachteiligungen herrschen, können Frauen fünf Jahre früher in Pension gehen. Unter der Annahme, dass diese Benachteiligungen spätestens 2033 beseitigt seien, wurde festgelegt: Parallel zur zunehmend errungenen Gleichberechtigung soll ab 2024 nach und nach das Pensionsantrittsalter angeglichen werden.

Nun finden wir allerdings eine Situation vor, in der keine dieser Benachteiligungen auch nur annähernd ausgeräumt ist. Trotzdem scheut man Gesetze gegen die Ungleichbehandlung wie der Teufel das Weihwasser. Weder eine verpflichtende Väter-Karenz noch Sanktionen für Unternehmen, die ihre Einkommensberichte nicht vorlegen, stehen ernsthaft zur Debatte. Also bitte der Reihe nach: Zuerst sollen wirksame Maßnahmen gesetzt werden, dann können wir auch gerne über eine frühere Angleichung reden.

Auch das Argument, man würde Frauen mit dem jetzigen Antrittsalter um ihre Pensionsjahre und damit um viel Geld bringen, hinkt. Eine bessere (verpflichtende!) Verteilung der Betreuungsarbeit oder faire Löhne wären da wohl die wirkungsvolleren Ansätze zur effektiven Aufbesserung der Geldbörsel von Frauen. Noch zynischer wäre nur noch die Forderung, Frauen sollen die "Chance" haben, bis 70 zu arbeiten, damit sie annähernd auf die gleiche Pension kommen, die Männer bekommen. Diese liegt derzeit bei durchschnittlich 1.228 Euro, bei Frauen beträgt sie 786 Euro.

Sie geht mit 57, er mit 59 Jahre

Diese Zahlen zeigen deutlich, warum das Problem der 60-jährigen Chefärztin in der Diskussion um ein verpflichtendes früheres Antrittsalter für Frauen vernachlässigbar ist. Denn der Großteil der arbeitenden Menschen erfreut sich weder eines hohen Gehalts noch gesellschaftlicher Anerkennung, für Frauen gilt das noch in größerem Ausmaß. Außerdem gilt für sie der angeblich pensionsimmanente Ruhe- oder Strickzwang nur selten. Denn die unbezahlten Arbeiten im Haus oder in der Pflege fallen für alle jene, die sich dafür keine Hilfskraft leisten können, natürlich weiter an. Den meisten Frauen wird also nach ihrem tatsächlichen Pensionsantrittsalter von 57 Jahren sicher nicht langweilig. (Beate Hausbichler, dieStandard.at , 6. Dezember 2011)

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Elisabeth Jarok
03
12.12.2011, 01:14
Ihr seid im Irrtum.

Wenn eine Frau länger arbeiten will als bis zum 60. Geburtstag, und ihr Arbeitgeber will sie aber gegen eine viel billigere jüngere austauschen, dann wird sie gekündigt mit Erreichen des Pensionsalters. Das ist dann nicht sozialwidrig, weil sie ja einen Pensionsanspruch hat.
Täuscht euch nicht, es gibt immer mehr solche Fälle, wo Frauen im Hinblick auf die Pensionierung spätestens mit 60 Jahren
1. ab 45 keine Karriere mehr machen, nicht einmal mehr Weiterbildungsmaßnahmen bekommen
und 2. ihnen die nach dem österr. Entlohnungnssystem (KV, Gesetze) profitabelsten Jahre schlicht genommen werden.

Lectrice
10

Und wenns ein Pech haben und auch im Ausland einen Pensionsanspruch erworben, bekommen's in Ö nur einen Teil der Pension und müssehn jahrelang auf die aus warten. Vollkommen daneben.

Bluestone
01
15.1.2012, 08:19

Das Problem betrifft Männer genauso-oder nicht?

Lectrice
00
15.1.2012, 15:49

Klar - nur die dürfen auch bis 65 arbeiten. Eine Kollegin, die länger im Ausland als in Ö gearbeitet hat, wurde mit 60 gekündigt, weil sie nicht freiwillig in Pension gehen darf und darf jetzt ein paar Jahre - bis zum rechtlich mögl. Pensionsantritt im anderen Land, hier von der Mindestpension leben.

Sind Einzelfälle, trotzdem zeigen sie schön wie vertrottelt dieses System ist (und vor allem wie nötig eine EU-Politik wäre die solche Schwachsinnigkeiten an- u. dadurch ausgleicht.

Verdammt Coole Schreckschrauwe
20
8.12.2011, 21:48
Ich glaube, Frau Prim. Piza gehört doch eigentlich eh zu den Selbständigen,

weil sie Ärztin ist.
Allerdings hat sie Karriere an einer Uni-Klinik gemacht und muss dort als Frau mit 60 gehen (was nun eh abgelehnt ist). Sie und ihresgleichen Karrieristinnen dürfen also ab jetzt später gehen und werden an die Karrieren der Männer angeglichen.
Dass daraus gefolgert wird, dass alle andren Frauen, Supermarkt-Teilzeit-Kassierinnen und sonstige prekäre ebenfalls länger hackeln sollen, weil das "gerecht" sei... Also auf solch eine Verschärfung kann doch jede Frau verzichten, die heutzutage per Turbo-Backlash in die hintersten Ränge zurückgedrängt und erbarmungslos benachteiligt wird.
Und im übrigen bin ich der Meinung, dass das Geheule und Gequatsche der vereinigten Maskulisten hier im Forum zensuriert gehört -ausnahmslos

Poldi Fesch
00
wen interessieren

Supermarktteilzeitkassiererinnen ?

bluebeard's 8th wife.
00
28.12.2011, 14:30

wie kommen sie auf frau dr. piza?

MFC
25
7.12.2011, 15:10
Männerdiskriminierung und keinen stört es!

Geht eine Frau mit 60 in die Alterspension, so darf sie jede Erwerbstätigkeit ausüben, ohne das die Alterspension durch den Zuverdienst gekürzt wird. Im Klartext bedeutet dies, dass sie die Alterspension und das Erwerbseinkommen ungekürzt erhält.

Geht ein Mann mit 60 in die vorzeitige Alterspension, dann fällt die vorzeitige Alterspension weg, wenn diese Tätigkeit eine Pflichtversicherung in der Pensionsversicherung begründet und das Erwerbseinkommen die monatlich Geringfügigkeitsgrenze von € 372,02 übersteigt. Erst mit 65 gelten die gleichen Grundsätze für Frau und Mann!

Hier liegt eindeutig eine Altersdiskriminierung der Männer vor und keinen stört es. Am wenigsten jene Frauen die immer lautstark ihre Diskriminierung anprangern.

Bluestone
00
15.1.2012, 08:25

Diese "positive Diskriminierung" wird sogar offiziell praktiziert-Frauen müssen zwecks Quotenenerfüllung bei gleicher Qualifikation (praktisch auch bei niedrigerer) den Männern bevorzugt werden.
Interessanterweise gibt es keine Quote bei männerdominierten Hacklerberufen.

Verdammt Coole Schreckschrauwe
11
8.12.2011, 21:49
Es geht nicht ums "Dürfen", sondern ums "Müssen" - auch beim sog. Zuverdienen.

Cerberus303
00
Die einfache Rechnung lautet eben so...

... weil Frauen ab 60 in Pension gehen "dürfen" (rechtlich), "müssen" sie ab 60 in Pension (wirtschaftlich).

Und anstatt das zu erkennen, pochen sie weiterhin auf den achso tollen Vorteil, nicht bis 65 arbeiten zu müssen.

Selber schuld, diese Logik kommt eben von einer vereinfachten S/W-Sichtweise. Wenn Frau darüber nicht hinausschauen kann, dann wird sie auch damit leben müssen, mit 60 ausgetauscht zu werden. Mir solls recht sein, dadurch bekomme ich weiterhin die besseren Jobs...

Minister der Ökomonie
03
7.12.2011, 14:05
Ausgleich

Nun, vom früheren Pensionsantritt profitieren aber auch alle Frauen die keine Kinder haben.

Wenn man sich also auf dieses Argument (Kindererziehung) ausredet, dann wäre folgendes vielleicht fairer:

Männer die Wehpflicht/Zivildienst gemacht haben, können ein Jahr früher in Pension gehen.
Frauen in Karrenz für jedes Kind ein Jahr früher. War der Mann in Karrenz, dann darf er das Jahr früher gehen, nicht die Frau. War keiner wegen dem Kind in Karrenz (Betreuung durch Andere) geht keiner früher in Pension.
Wer keine Kinder hat, geht mit 65. Wer keinen Staatdienst absolvierte, auch.

Verdammt Coole Schreckschrauwe
00
8.12.2011, 21:50
derartige "Argumente" enden dann bei Double Income No Kids.

Denn solche Paare profitieren meist davon, dass sie keine Kinder, aber jedeR einen Job haben...

dreifaches Integral
00
11.1.2012, 17:46

wieso?
genau das ist ja momentan der fall, da frauen ohne kinder gleich behandelt werden wie mütter.

Hafniumcarbid
310
7.12.2011, 11:15
Noch dazu lukrieren Frauen...

...im Lauf ihrer Pensionskarriere knappe 100 000 € mehr als Männer an Gesamtbezügen - durch den früheren Antritt und die höhere Lebenserwartung. In Punkto Transferleistungen sind sie auch während des Arbeitslebens Nutzniesserinnen. Deswegen bin ich sehr stark für das sogenannte "Gender-Budgeting", also die Aufschlüssung von staatlichhen Leistungen nach Geschlecht. Da könnte einiges Interessantes rauskommen.

Jesse Custer
15
7.12.2011, 11:31

zweifellos.

war auch in der schweiz so:
http://frauenfoerderer.bplaced.net/gleichbeh... entor_.pdf

mbli
41
7.12.2011, 10:24
weniger arbeiten heißt eben weniger verdienen und weniger verantwortung haben...................

4simo
21
7.12.2011, 15:00
das ist eben nicht ganz richtung

in der familie tragen die frauen mehr direkte verantwortung.
was nicht nur zum vorteil aller gereicht, weil mütter auch in der beziehungsarbeit intensiver beteigt sind, und daher oft die kinder automatisch nach einer trennung alleine betreuen dürfen/müssen.

ein ausgleich ginge über die aufteilung von familien und erwerbsarbeit (unter sozialer aufwertung der sozialen/familienarbeit). dann haben beide gruppen ähnliche einschränkungen ind er erwerbsarbeit und ähnliche bindungspotentiale zum kind, beides auch im fall einer trennung.

und damit auch automatisch ähnliche iundividuell zu wertende pensionsansprüche

verinus
12
7.12.2011, 16:12

finds immer witzig, dass die finanzielle verantworung für eine familie komplett vernachlässigt wird. wenn der mann arbeiten geht und der frau ermöglicht sich um die kinder zu kümmer trägt er die alleinige finanzielle verantwortung für die familie. da er sich meist auch noch mit um die erziehung kümmert trägt er eine doppelbelastung die nirgends anerkannt wird. da muss man sich als mann schon die frage stellen: wtf?

baroli
21

"Ermöglicht" ist gut.

Engagierens einmal eine 24 Stunden Betreuung samt Haushälterin, dann schaun wir einmal, wie billig ihnen die Partnerin kommt.

4simo
11
7.12.2011, 17:00
wo hätt ich das getan? das war meine antwort auf die vorbehauptung, dass alle die weniger erwerbsarbeit übernehmen (können) selbstevrständlich weniger verdienen, und weniger verantwortung übernehmen

Sie beschreiben das traditionelle rollenbild, dsa ist grundsätzlich ok (wenn auch nicht meine lieblinsglebensform)
aber das hat in der mischform die wir grad leben einfach negative konsequenzen. Für ALLE frauen nachteile im job und in der pension, besonders aber nach einer trennung mit kind
Für ALLE Väter nach der trennung für die beziehung zum kind (ok beides ist sehr stark generalisiert)

je kleiner das kind ist, desto weniger können Sie mit finazieller verantwortung operieren, denn kinder bauen beziehung über den kontakt auf.
daher ist auch mein modell das des (über die egselslchaft gemittelten) ausgeichs zwischen den arbeitenbereichen

The Chaos Path
22
7.12.2011, 10:22

schwache argumentation. niemand ausser die person selbst kann etwas dafür, einen schlecht bezahlten beruf gewählt zu haben. das einzige argument, das man gelten lassen kann in bezug auf niedrigere pensionen, ist die kinderbetreuung. faktum ist, dass frauen mit kindern häufig nur teilzeit gehen, weil sich eben jemand um die kinder kümmern muss. das rechtfertigt aber nicht ein geringeres antrittsalter und sollte anders in die pensionsberechnung einbezogen werden (und dabei nicht nur die offizielle karenzzeit so wie jetzt).

kopfsalat
31
7.12.2011, 09:36
ach, privilegien wollten sie auch haben

damit ists jetzt eh bald vorbei, fuer alle, hoffentlich

verinus
55
7.12.2011, 08:21
das beste argument: gerechtigkeit

für die entscheidung zu schlecht bezahlten berufen/teilzeit ist niemand anders verantwortlich zu machen als das individuum.

wieso jedoch frauen 5 jahre weniger arbeiten müssen als männer erschließt sich mir nicht. das ist schlicht ungerecht, denn eigentlich müssten sie ja aufgrund ihrer höhren lebenserwartung länger und nicht kürzer arbeiten.

zu den tatsächlichen antrittsaltern: müssen hier männer nicht größere abschläge in kauf nehmen als frauen?

Lectrice
01

Schön langsam frage ich mich wie einfach im Geiste man sein muss, nicht die Zuammenhänge zwischen Kinderbetreuungs- u. Schulsituation u. der von Ihnen sogenannten FREIWILLIGEN weibl. Teilzeitsituation, zu erkennen.

Wenn das eh so toll, vorteilhaft und super ist, dann machen Sie es doch. Warum reissen sich Männer wohl nicht drum? Na also - ist halt ein bissl viel Pflicht und wenig Kür.

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