Nach einem Anschlag auf eine Familie intervenierten Frauenrechtlerinnen - Verdächtige wurden festgenommen und haben die Tat gestanden
Kunduz - In Afghanistan wurde eine ganze Familie von Bewaffneten mit Säure angegriffen, weil eine ihrer Töchter einen Kriegsherren nicht heiraten wollte. Vier Verdächtige wurden festgenommen. "Alle vier Brüder haben die Tat gestanden", sagte der Polizeichef der Provinz Kunduz, Samiullah Katra, am Donnerstag. Die Beamten hätten auch eine Kalaschnikow konfisziert. Die Brüder seien zu weiteren Ermittlungen in die Hauptstadt Kabul gebracht worden, hieß es.
Das Ehepaar und seine drei Töchter waren in der vergangenen Woche von bewaffneten Männern nahe der nordafghanischen Provinzhauptstadt Kunduz mit Säure überschüttet worden. Hintergrund des Angriffs war vermutlich Rache. Die Familie habe sich beharrlich geweigert, ihre älteste Tochter mit einem örtlichen Milizenchef zu verheiraten. Das hatte die Vorsitzende des Provinzdezernats für Frauenangelegenheiten, Nadira Giyah, nach dem Angriff gesagt.
Intervention durch Frauenrechtlerinnen
Die 18-Jährige erlitt nach Krankenhausangaben am ganzen Körper schwere Verbrennungen. Eine Frauenrechtsgruppe schickte das Mädchen Anfang der Woche nach Indien. Die beiden anderen 12 und 13 Jahre alten Töchter sowie die Eltern seien ebenfalls durch Säure am Körper und im Gesicht verletzt worden.
Nach Angaben der Vereinten Nationen ist etwa ein Drittel der afghanischen Frauen körperlicher oder seelischer Gewalt ausgesetzt. Afghanische MenschenrechtlerInnen zählten zwischen März 2010 und März 2011 fast 2300 Fälle von Gewalt gegen Frauen. (APA)