Gender und Diversity

"Gleichbehandlung bedarf harter Fakten"

Interview | 16. Dezember 2011, 17:26

Bewusstseinsbildung sei wichtig, harte Fakten zu schaffen aber auch, sagt Martin Adam, der ehemalige Gender- und Diversity-Beauftragte der FH St. Pölten

Standard: Sie waren bis vor wenigen Wochen Gender- und Diversity-Beauftragter der FH St. Pölten. Insgesamt haben Sie sich über fünf Jahre lang dieser Aufgabe gewidmet. Wenn Sie heute rückblickend Ihre Arbeit gewichten, was war das Wichtigste überhaupt?

Martin Adam: Die Bewusstseinsbildung! 2006 waren wir hier alle in einer Aufbauphase, das Thema war in den Köpfen überhaupt nicht präsent. Als sich die Geschäftsführung dazu entschlossen hat, zwei Beauftragte für Diversity und Gender zu installieren, haben sich viele gefragt: Wofür brauchen wir die überhaupt?

Standard: Wie sind Sie an die Aufgabe herangegangen?

Adam: Wir haben ein ganzes Konzept von Maßnahmen entwickelt, die wir umsetzen wollten. Ein Kernstück des Katalogs war ein Sprachleitfaden, der dann auch 2008 von der Geschäftsführung und dem Kollegium beschlossen wurde.

Standard: Worum geht es darin?

Adam: Wir wollten, dass in der Kommunikation, etwa im E-Mail-Verkehr oder bei Pressetexten, auf geschlechtsneutrale Formulierungen geachtet wird, sie sollte einfach zur selbstverständlichen Kultur werden. Wir haben verschiedene Schreibweisen vorgeschlagen. Jeder konnte sich für die eine oder andere Variante entscheiden, sollte aber dann bei "seiner" Lösung konsequent bleiben. Das hat anfänglich zu einigen Widerständen und auch Missverständnissen geführt.

Standard: Inwiefern?

Adam: Um ein Beispiel zu nennen: Im Englischen gibt es nur den Begriff "user". Wir hatten in unserem Leitfaden User und Userin normiert. Manchen ist die Unterscheidung lächerlich erschienen, die sagten: Dann schreiben wir zukünftig unsere Arbeiten gleich nur mehr auf Englisch, das ist unkomplizierter.

Standard: Wozu es aber nicht gekommen ist.

Adam: Nein. Heute muss man jeden Forschungsantrag, sei es auf EU-Ebene, sei es im Inland, geschlechtsneutral formulieren. Die Kritiker mussten schnell erkennen, dass unsere Vorgaben Sinn machen.

Standard: Sie haben auch versucht mehr Frauen für die technischen Studiengänge zu interessieren. Ist das gelungen?

Adam: Wir haben etwa Summercamps veranstaltet, die es jungen Mädchen ermöglichen, bei uns in die Technik hineinzuschnuppern. Sie sind sehr gut angenommen worden. In einigen Studienlehrgängen hat sich die Anzahl der Frauen tatsächlich massiv erhöht, und zwar in jenen, bei denen stark gestalterische Elemente im Vordergrund stehen. Jene Studienrichtungen, die IT-lastig sind, finden allerdings immer noch keine sehr große Resonanz, nicht nur hier, sondern auch sonst. Gesellschaftliche Realitäten können wir auch an der FH nicht verändern.

Standard: Heute sind Sie zwar nicht mehr Gender-Beauftragter, aber als Leiter für Personal und Recht dem Anliegen der Gleichbehandlung immer noch sehr verpflichtet.

Adam: Das bin ich, und das erwartet die Geschäftsführung auch von mir. Jetzt geht es mir darum, für die Gleichstellung von Mann und Frau im Recruitingprozess zu sorgen. Gleichbehandlungsbeauftragte müssen in den Auswahlprozess einbezogen werden, bei dem Verfahren ihren fixen Platz haben.

(Die Fragen stellte Judith Hecht, DER STANDARD, Printausgabe 17./18.12.2011)

Martin Adam begann 2004 seine Tätigkeit an der FH St. Pölten als Assistent der Geschäftsführung. 2006 wurde er zum ersten Diversity- und Gender-Beauftragten dieser FH. Heute ist er Leiter für Personal und Recht.

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18 Postings
CrapBuster
01
19.12.2011, 17:39

"Adam: Nein. Heute muss man jeden Forschungsantrag, sei es auf EU-Ebene, sei es im Inland, geschlechtsneutral formulieren."

bitte WAS?!?

stimmt das? ein forschungsantrag muss also in einer reinen phanatsiesprache abgefasst werden?
ich dachte immer deutsch wäre da das probante medium?

ich glaubs einfach nicht - aufgrund welcher grundlage sollte dies geschehen? gender"gerechte" sprache existiert nicht - weder in realität noch in den köpfen der binnen-I verhunzer.

am besten auf klingonisch verfassen denn DAS gibt es wenigtsens ...

der gärtner
16
18.12.2011, 20:51

genderbeauftragter:

im Sinne der feministischen Gendermainstreaming-Doktrin hat er die politische Erziehung der Mitarbeiter zu gewährleisten. Er stellt sicher, dass die Mitarbeiter stets als „gender-sensible Persönlichkeit“ agieren und ein „klares Bekenntnis zur Frauenförderung“ abgeben.

vgl.
http://de.wikipedia.org/wiki/Politoffizier

Peda
01
19.12.2011, 11:51

Sie würden sich wunder wie Recht Sie haben!

http://www.bmlv.gv.at/ausle/kfo... hp?id=3501

The Chaos Path
40
19.12.2011, 09:28

ja, ist ja echt schlimm, wenn man mädchen/frauen für technikstudien begeistern will. andererseits: was hättet ihr noch gross zu jammern, wenn frauen in die hochlohnbereiche vordringen...

m3a
01
18.12.2011, 20:03

userIn? dümmer gehts wohl nimmer...

Queequeg
01
18.12.2011, 12:18

Wiklich tolle Erfolge von der Fh-St. Pölten sind zu berichten. Man kann echt stolz sein auf unsere Forschungseinrichtungen. Weiter so.

Der User und die Userin
trinken Sekt bei
Pummer wie auch Pummerin.

Niemand & Keiner
211
17.12.2011, 16:24

Die gefährlichsten/tödlichsten Berufe werden fast ausschließlich von Männern ausgeübt. Wie wäre es da zur Gleichbehandlung mal mit ner Quote, statt nur bei den Rosinentätigkeiten?

The Chaos Path
00
19.12.2011, 09:30

eine quote kann man ja einführen, nur ob sich deswegen mehr frauen bewerben werden, ist eher fraglich. es sei denn, du bist für zwangsarbeit - da kommt man dann recht einfach auf 50% frauen ;)

Dagmar Rehak Wien
 
14
18.12.2011, 07:17

Und ebenso in Berufen mit Kindern.
Ich fordere schon lange eine mindestens 40%ige Männerquote unter Hebammen, Kindergärtnerinnen und Volksschullehrerinnen.

Niemand & Keiner
23
18.12.2011, 11:14

Hätte nix gegen mehr Männer auch in solchen Berufen. Nur müsste dann der diskriminierende "Generalverdacht" geächtet werden.

Thomas Felder1
13
17.12.2011, 19:23

das entspräche nicht dem matriarchat

Richard Ebner
011
17.12.2011, 14:40
Wenn der Sprachleitfaden schon das ...

... Kernstück war, möchte ich lieber nicht wissen, wie verzichtbar die anderen Massnahmen waren.

Wastl Steinbeisser
09
17.12.2011, 12:50
schwere und tödliche Arbeitsunfälle:

davon betrofffen sind zu 99% Männer - also eine eindeutige Genderschieflage. Bitte auch hier harte Fakten schaffen!
Welche Maßnahmen werden in diesem Bereich von Herrn Adam vorgeschlagen?

The Chaos Path
20
19.12.2011, 09:33

wenn ich mir anseh, wie leichtfertig (in österreich) mit sicherheitsbestimmungen umgegangen wird, nicht weiter verwunderlich. und wenn dann auch noch der unter (vor allem jungen) männern übliche coolnessvergleich kommt, dann wunderts noch weniger. man muss nur die autounfallstatistik von 18-30 jährigen männern und frauen vergleichen. hat alles seinen grund, weshalb die versicherungen von männern höhere beiträge verlangt haben ;)

j.h.k.
72
18.12.2011, 15:32
sollten wir tun!

aber vielleicht warten wir noch, bis gleich viel männer wie frauen bei der geburt des stammhalters sterben...
ps- ein großes kompliment zu ihrem posting! selten etwas dämlicheres außerhalb der krone gelesen!

Count Saurüssel
00
21.12.2011, 18:51
"aber vielleicht warten wir noch, bis gleich viel männer wie frauen bei der geburt des stammhalters sterben... "

Keine Sorge. Diese Diskrepanz wird locker dadurch ausgeglichen, dass mehr männliche als weibliche Säuglinge nach der Geburt getötet werden.

Mac Smith
01
19.12.2011, 17:00
Ähem

1. mir ist neu, daß Frauen nur bei der Geburt männlicher Kinder sterben.

2. wie hoch ist denn aktuell die Müttersterblichkeit in Österreich?

ChesneyB
16
18.12.2011, 15:59

"ps- ein großes kompliment zu ihrem posting! selten etwas dämlicheres außerhalb der krone gelesen!"

Warum?

Lautet nicht die Überschrift dieses Artikels "Gleichbehandlung bedarf harter Fakten"? Daß weit über 90% der tödlichen Arbeitsunfälle männlich sind, ist eine solche Tatsache! (Ebenso übrigens, daß Genus nicht gleich Sexus ist, um auf den Schwachsinn mit der Sprache einzugehen.)

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