Südkoreanerinnen, die im Zweiten Weltkrieg Zwangsprostitution in japanischen Soldatenbordellen überlebten, demonstrierten zum 1000. Mal, aber Tokio bleibt uneinsichtig
Tokio - Die Zwangsprostitution südkoreanischer Frauen in japanischen Soldatenbordellen während des Zweiten Weltkrieges überschattet erneut die Beziehungen zwischen Seoul und Tokio. Der südkoreanische Präsident Lee Myung-bak drängte den japanischen Ministerpräsidenten Yoshihiko Noda am Sonntag bei einem Treffen in der alten japanischen Kaiserstadt Kyoto, die Frage der Entschädigung der Überlebenden der Sexsklaverei mit höchster Priorität anzugehen. Lee forderte Noda laut japanischen Medienberichten auf, "Courage" zu zeigen. Die Angelegenheit sei ein "Hindernis in den bilateralen Beziehungen".
Seit 20 Jahren demonstrieren in Südkorea jeden Mittwoch Überlebende der Zwangsprostitution, die so genannten "Comfort Women/Trostfrauen". Sie wollen, dass sich Tokio für die Sexsklaverei entschuldigt. Bei der 1000. Protestaktion am vergangenen Mittwoch in Seoul riefen betroffene Frauen und mehrere hundert UnterstützerInnen die Regierung des Nachbarlandes zudem dazu auf, den Überlebenden der sexuellen Ausbeutung eine Entschädigung zu leisten.
Dem kommt Japan nicht nach: Noda bekräftigte nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo
Japans unveränderte Haltung, dass die Angelegenheit seit einem Abkommen
aus dem Jahr 1965 zur Normalisierung der bilateralen Beziehungen
abgeschlossen sei. Japan bemühe sich jedoch, die Sache von einem
"humanitären Standpunkt" aus anzugehen, sagte Noda bei seinem Gespräch
mit Lee. Es sei wichtig zu verhindern, dass die Beziehungen beider
Länder Schaden erleiden. Das Thema beherrschte nach südkoreanischen
Angaben das Treffen der beiden Spitzenpolitiker.
Statue als Symbol des Verbrechens
Bei dem Treffen mit Lee drückte Noda sein Bedauern aus über die Errichtung einer Statue gegenüber der japanischen Botschaft in Seoul durch die DemonstrantInnen. Das "Friedensmonument" aus Bronze zeigt ein sitzendes Mädchen in traditioneller koreanischer Kleidung. Die lebensgroße Figur soll nach Angaben einer UnterstützerInnen-Organisation an den Kampf der Opfer der Zwangsprostitution um Gerechtigkeit erinnern. Die japanische Regierung hatte gegen die Aufstellung der Statue protestiert. Noda verlangte erneut, das Denkmal zu entfernen.
Hunderttausende Betroffene
Nach Schätzungen von HistorikerInnen wurden etwa 200.000 asiatische Frauen, überwiegend aus Südkorea, China und den Philippinen, zum Sexdienst in Frontbordellen der kaiserlichen japanischen Armee zwangsrekrutiert. Die koreanische Halbinsel stand von 1910 bis 1945 unter japanischer Kolonialherrschaft. Tokio erkennt zwar die zentrale Rolle der Armee bei der Zwangsprostitution an. Doch betrachtet Japan die Angelegenheit seit dem Abkommen von 1965 als abgeschlossen. (APA)