Statistik Austria: Auf 100 Teilzeitarbeiterinnen kommen 75 vollzeitbeschäftigte Frauen - Branchen mit niedrigem Auslastungsgrad durch hohe Teilzeitquoten und hohen Frauenanteil geprägt
Wien - In Österreich waren im Vorjahr 4,03 Millionen Erwerbstätige beschäftigt, die inklusive Überstunden und Nebentätigkeiten ein Arbeitsvolumen von 6,97 Mrd. Stunden leisteten. Umgerechnet auf Vollzeitbeschäftigte gab es im Vorjahr 3,54 Millionen Erwerbstätige (Vollzeitäquivalente), geht aus einer erstmals auf Daten der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung durchgeführten Berechnung der Statistik Austria hervor. Teilzeitarbeit ist vor allem Frauensache: Der Frauen-Anteil an den Erwerbstätigen lag bei 45 Prozent bei einer Pro-Kopf-Betrachtung, umgerechnet auf Vollzeiteinheiten betrug er aber nur mehr 39 Prozent.
Die aktive Erwerbstätigenquote - Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis 64 Jahre) ohne Personen in Elternkarenz - lag 2010 bei 70,5 Prozent. Umgelegt auf potenzielle Vollzeitbeschäftigte waren es 62,5 Prozent. Der Unterschied beträgt 8,0 Prozentpunkte.
Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse betrug 4,187 Millionen.
Bei Männern lag die aktive Erwerbstätigenquote mit 76,6 Prozent leicht um 0,5 Prozentpunkte unter der Erwerbstätigenquote in Vollzeitäquivalenten (77,1 Prozent). Bei Frauen stand der Erwerbstätigenquote von 63,9 Prozent eine Quote in Vollzeitäquivalenten von 48,5 Prozent gegenüber. Die Differenz zwischen Männer- und Frauen-Quote umgerechnet auf Vollzeit lag bei 28 Prozentpunkten. Bei einer Pro-Kopf-Betrachtung betrug dieser Gender-Gap in der Erwerbstätigenquote nur 13 Prozent.
Kaum Männer in Teilzeit
Das durchschnittliche Beschäftigungsausmaß von Frauen entsprach drei Viertel einer Vollzeitstelle: 100 beschäftigten Frauen standen 75 Vollzeitbeschäftigte Frauen gegenüber. Bei Männern waren es 98 Prozent. Die Gründe für die Unterschiede zwischen Männern und Frauen "sind neben der
unterschiedlichen Bedeutung der Teilzeitbeschäftigung auch in der
unterschiedlichen Verteilung von Überstunden und Nebentätigkeiten" zu
finden, heißt es in der Pressemitteilung der Statistik Austria von
Montag. Im Durchschnitt entsprach das Beschäftigungsausmaß einer Person inklusive Überstunden und Nebentätigkeiten 88 Prozent einer Vollzeitstelle.
Innerhalb der verschiedenen Wirtschaftszweige gebe es deutliche Unterschiede bei Teilzeitquoten bzw. Auslastungsgrad eines durchschnittlichen Arbeitsplatzes. Im Durchschnitt lagen die Vollzeiteinheiten je 100 Stellen bei 85 Prozent. Die Branchen mit dem höchsten Beschäftigung seien Produktion (Herstellung von Waren), Bau, Verkehr und Logistik sowie öffentliche Verwaltung. Ein Beschäftigungsausmaß mit Werten unter 80 Prozent wurde im Gesundheits- und Sozialwesen, bei der Erbringung sonstiger wirtschaftlicher Dienstleistungen wie etwa Reisebüros sowie "Kunst, Unterhaltung und Erholung" registriert. Unter dem Durchschnitt lagen auch Beherbergung und Gastronomie sowie der Handel. Deutlich erkennbar sei folgendes Muster: "Branchen mit einem niedrigen Auslastungsgrad sind durch hohe Teilzeitquoten und einen hohen Frauenanteil geprägt."
Die Pro-Kopf-Teilzeitquote in Österreich liegt in Österreich derzeit bei rund einem Viertel der Erwerbstätigen. Im Jahr 2000 betrug die Teilzeitquote erst 16,4 Prozent, Anfang der 1990er Jahre sogar noch unter 10 Prozent. (APA)