In Vorarlberger Gemeinden sollen sich künftig Beraterinnen Pflegebedürftiger und Angehöriger annehmen
Bregenz - "Kümmerer" sollen sich künftig in den Vorarlberger Gemeinden um die Anliegen pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehöriger bemühen. Sie werden, so die Absicht von Soziallandesrätin Greti Schmid (VP), "alte Menschen bei der Hand nehmen", für den individuellen Bedarf das beste Pflegeangebot vermitteln und in regelmäßigen Abständen auch überprüfen, ob die Pflege noch adäquat ist.
Die Kümmerer, in Wirklichkeit Kümmerinnen (25 Frauen sind in Ausbildung), sind Teil regionaler Masterpläne, die in Gemeinden und Regionen Pflege- und Betreuungsbedarf ermitteln sollen. Ziel ist die Verschränkung ambulanter und stationärer Einrichtungen. Vorrang soll die ambulante Betreuung haben. Schließlich, so Schmid, möchten mehr als 90 Prozent der Menschen "zu Hause, in ihrem gewohnten Umfeld alt werden". Die Beraterinnen sollen die "wichtigste Säule, die Angehörigen" unterstützen. Pro 30.000 Einwohnerinnen wird ein Vollzeitäquivalent geschaffen. Derzeit beteiligen sich 55 Gemeinden in 15 Regionen am Projekt. Die jährlichen Kosten von 700.000 bis 800.000 Euro teilen sich Land und Gemeinden im Verhältnis 60:40.
Schmid ließ bei der Präsentation des Konzepts am Dienstag keine Zweifel, dass die Landesregierung das Schwergewicht auf ambulante und häusliche Pflege legt. Deshalb werde man auch 2012 den Pflegezuschuss des Landes von 100 Euro monatlich für Pflegestufe 5 bis 7 weiterhin ausschütten. 2010 nahmen diese Unterstützung 1100 Menschen in Anspruch, 15.785 Menschen erhielten Pflegegeld.
Wortkarg gab sich die Landesrätin auf die Fragen nach fehlenden Pflegeplätzen und Personalmangel in den Altenheimen, einem politischen Dauerthema der vergangenen Jahre. Der tatsächliche Bedarf an Heimplätzen für die nächsten Jahre müsse neu erhoben werden, sagte sie. Jährlich brauche man 50 bis 60 Pflegekräfte zusätzlich, zu finden seien sie kaum. Deshalb stocke man ab Herbst die Ausbildungskapazitäten an den Krankenpflegeschulen auf. Grünen-Abgeordnete Katharina Wiesflecker: "So lange die Berücksichtigung im Budget fehlt, ist das ist nur eine Ankündigung der Landesrätin."
Laut Geriatriekonzept gibt es in den sechs Vorarlberger Krankenhäusern "keine ausgewiesenen akut-geriatrischen Versorgungsstrukturen". Schmid: "Für Geriatrie bin ich nicht zuständig, die gehört ins Gesundheitsressort." Dort zerbricht man sich den Kopf, wie man geriatrische Versorgung mit Fachpersonal ermöglichen könnte und das Entlassungsmanagement verbessern. Womit wieder die Kümmerinnen ins Spiel kommen, die auch die Kooperation Spital und ambulante Pflege managen sollen. (jub/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.12.2011)