Wahlfreiheit my ass

Kommentar | Ina Freudenschuß
21. Dezember 2011, 07:00
  • Mütterbilder wie diese sind aus der Öffentlichkeit fast verschwunden. Doch sie prägen offenbar immer noch unsere Vorstellungen von guter Mutterschaft.
    foto: apa/alois litzlbauer

    Mütterbilder wie diese sind aus der Öffentlichkeit fast verschwunden. Doch sie prägen offenbar immer noch unsere Vorstellungen von guter Mutterschaft.

Mit der Forderung, die beliebteste Kinderbetreuungsvariante zu streichen, hat die Frauenministerin Mut bewiesen

Es ist noch gar nicht lange her, da schimpfte die Frauenministerin mit Österreichs Familien. Als konservativ und kinderfeindlich bezeichnete sie die österreichische Gesellschaft ausgerechnet in einem "Heute"-Interview. Im gleichen Stück ließ sie auch noch mit dem Vorschlag aufhorchen, die Langzeitvariante des Kinderbetreuungsgeldes (30 plus sechs Monate in etwa 436 Euro) in den nächsten drei Jahren abschaffen zu wollen.

Wie hier berichtet hörten sich ihre Forderung im darauf folgenden Gleichbehandlungsausschuss dann nicht mehr so radikal an, doch in der Tendenz wiederholte sie ihren Vorstoß, wohlwissend, dass er in breiten Teilen der österreichischen Bevölkerung nicht gut ankommen wird. Ist die Langzeitvariante beim Kinderbetreuungsgeld mit 49 Prozent doch immer noch die beliebteste Variante bei den Eltern (und die Väterbeteiligung im Übrigen die Geringste).

Mär von der Wahlfreiheit

Die Retourkutsche der selbsternannten Familienparteien und ihren anverwandten Organisationen ließ nicht lange auf sich warten. Geht es nach der ÖVP, so sollen Mütter selbst entscheiden, wie lange sie zuhause bei ihren Kindern bleiben, auch wenn es die Erwerbs- und Karrierechancen von Frauen nachhaltig schadet. Dass sie in späteren Jahren aufgrund mangelnder finanzieller Unabhängigkeit dann aber leider nicht mehr "wählen" können, ob sie sich von ihrem Partner trennen wollen, auf Urlaub fahren oder ein neues Zahnimplantat anschaffen wollen, steht auf einem anderen Blatt, das die ÖVP in Sachen "Wahlfreiheit" gerne zur Seite legt.

Aber vermutlich nicht nur ÖVP und FPÖ, die gar von einem radikalfeministischen Angriff auf die Familien im Land sprach, würden eine solche Änderung als Bevormundung kritisieren, sondern auch die Familien. Laut einer Wertestudie des market Instituts in diesem Jahr gaben etwa 48 Prozent der Frauen an, dass Mütter mit Kindern unter sechs Jahren ganztägig zu Hause bleiben sollten, wenn es finanziell möglich ist.

Angesichts dieser vorherrschenden Einstellungen ist es schon ein gewagter Schritt, der ÖsterreicherInnen liebstes Kinderbetreuungsmodell in Frage zu stellen. Er deckt sich im übrigen auch mit der Forderung der Grünen, die darauf hinweisen, dass die Langmodell-BezieherInnen weniger werden, seit es die Kurz-Varianten gibt: Von 60,5 Prozent im Jahr 2009 auf 49,6 Prozent 2011. Das ist ein kleines Zeichen, dass sich zumindest irgendetwas bewegt.

Damit es weitergeht

Zwar ist es nichts Neues, dass BürgerInnen Gesetze gegen ihre Interessen aufgedrückt werden. Die durchwegs unpopulären Sparmaßnahmen, die jetzt in sämtlichen EU-Ländern durchgepeitscht werden, sind ein omnipräsentes Beispiel dafür. Der Unterschied bei der Forderung der Frauenministerin besteht aber darin, dass er ausnahmsweise nicht aus reinem Sparzwang entwickelt wurde, sondern gesellschaftspolitischen Gestaltungswillen atmet, der weit in die nächste Frauengenerationen hineinreicht. Man könnte ihn als Beispiel für politische Vernunft und Weitsicht sehen, die wir aktuell so sehr in der politischen Klasse vermissen.

Solange wir in einem System leben, in dem die Erwerbstätigkeit von Menschen die zentrale Voraussetzung für eine eigenständige soziale Absicherung bedeutet, kann eine verantwortungsvolle Politik Frauen nur dazu animieren, möglichst lang und möglichst viel in die entsprechenden Sicherungssysteme einzuzahlen. Das Gegenteil davon ist, Frauen in ihrem fortpflanzungsfähigen Alter Wahlfreiheit vorzugaukeln, nur um sie dann in allen anderen Lebensbereichen jenseits der Familienarbeit im Regen stehen zu lassen. (dieStandard.at, 21.12.2011)

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ich glaub, die neandertaler waren fortschrittlicher

als die ö mehrheiten.

na dann verschwindet sie doch dann hoffentlich bald aus der politik.

Ich würde überhaupt einen Schritt weiter gehen und nur mehr das einkommensabhängige Modell fortführen, dafür in einer verlängerten Version, z.B. ein Jahr für jeden Elternteil. Das Kinderbetreuungsgeld sollte ausschließlich ein Ersatz für entgangenes Erwerbseinkommen werden - also nur für Menschen, die tatsächlich erwerbstätig sind oder einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben.

2 jahre, halbe halbe fänd ich als grundmodell gut.#
einkommensabhängig, aber bitte beschränkt auf jene, die es brauchen, berufssöhen und töchter mögen sich die zeit von ihren familien zahlen lassen.
versicherungsleistung schließt jene aus, die bereits schulverlierer oder studenten sind.

Dann lebt der Rest von Sozialhilfe u. dgl. Kommt dem Staat nicht billiger, stigmatisiert aber die Betroffenen.

Ein Lob der Frauenministerin und diestandard

die Langzeitvariante war seit ihrer Einführung eine Falle für Frauen und gehört abgeschafft. Einkommensbezogene Varianten sind die Varianten der Zukunft. Dann gehen auch Männer in Karenz; dann kann man auch noch mehr darauf drängen , dass Frauen besser (und gleich) bezahlt werden.

Die Karenz- und Kinderbetreuungsgeldvarianten sollten auch viel flexibler sein: So wie in Schweden, da kann man auch stundenweise auf Karenz gehen. Und es schreie niemand, die Wirtschaft verkrafte das nicht: Die schwedische Wirtschaft funktioniert sehr gut.

Dass es umfassende Kinderbetreuungsangebote braucht und Kinder schon von klein auf von geschultem (!) Personal betreut werden sollen, ist mittlerweile in ganz Europa als Standard anerkannt.

"Kinder schon von klein auf von geschultem (!) Personal betreut werden sollen"

Also dann sollte man das schon konsquent durchziehen.
Es kann ja nicht angehen, dass gerade Säuglinge von Laien versorgt werden und man muss Säuglinge ab der Geburt an von diplomierten SäglingsbetreuerInnen betreuen lassen.

Genauso kann es nicht angehen, dass Kinder nach dem Kindergarten bzw nach der Schule ungeschulten Personen übergeben werden und diese dort sogar übernachten müssen.

Somit gehören Kinder von Geburt an in professionelle Erwachsenmacheinrichtungen, die Genährende steht sofort wieder für ihren Job zur Verfügung und Karenz ist somit überhaupt kein Thema mehr, weder für Frauen noch für Männer.

Einfach ein Bedingungsloses Grundeinkommen und jeder und jede ist abgesichert. Das Kindergeld wird natürlich erstatzlos gestrichen.

Auch bei einem 1 Jahresmodel können Frauen doch so lange zuhause bleiben wie sie wollen. Wo ist das Problem?

genau

der letzte Artikel sagt es schon. Das Problem ist eben, dass nur erwerbsbezogene Arbeit honoriert wird. Es müsste keine Arbeitslosen geben, denn Arbeit gibts genug. Man denke an die immer grösser werdende Seniorengeneration, Kinderbetreuung, Krankenpflege zu Hause etc. Gäbe es ein Grundeinkommen, könnte sich viele ohne weiteres dieser Arbeit hingeben, ohne "offiziell" als arbeitslos, vermittellos etc zu gelten. Humankapital, das einfach brach liegt. Welch Verschwendung

das problem ist, dass das auch irgendwer zahlen muss...

Das Problem ist dass es wohl auch die zahlen müssten die unverhältnismäßig viel haben.

alles muss von irgednwen bezahlt werden
die banken, die beamten, die merfachbeziehenden politiker, die eurofighter..
und alle bezahlen das auch, zumindest mit der mwst

all die reaktionär-konservativen stimmen hier im forum kommen jedenfalls über ein wahrheit nicht hinweg: leben kostet geld, besser leben kostet mehr geld.

mann könnte, wenn man wollte, drüber streiten, ob frauen tatsächlich eigenes geld brauchen, um sich als vollwertige mitglieder des systems zu fühlen.

aus meiner sicht ist das ein no brainer, solange das system ein kapitalistisches ist (was es hoffentlich der gegenwärtigen krise zum trotz bleiben wird, weil es kein anderes system mit dessen freiheitsgarantien aufnehmen kann).

nun ist es aber so, dass, wer eigenes geld will und nicht ausreichend geerbt hat, dafür arbeiten muss. und es ist so, dass männer ihre arbeitskraft besser verwerten (können), weil ihnen frauen den rücken freihalten.

und es ist so, dass kinder den männern genauso gehören wie den frauen, dass männer aber wesentlich weniger "kinderarbeit" leisten.

kinder gehören keinen. aber beide elternteile sind für selbige verantwortlich

vieles davon stimmt. trotzdem hat die politik in einem freien land nicht das recht, menschen das traditionelle ehemodell zu verbieten oder sie dafür finanziell massiv zu bestrafen. zweifelsohne hat das traditionelle modell seine risken, aber das hat autofahren, fussballspielen oder schweinsbratenessen auch. man kann aufzeigen, informieren...aber am ende bleibt es einer höchst private entscheidung.

die leute, die du da mal so einfach als reaktionär-konservativ bezeichnest, wollen nur, dass sich der staat nich anmasst, diese entscheidung vorzugeben. ich würde das als liberal bezeichnen.

im moment wird das traditionelle system noch gefördert. es hat auswirkung auf die rollenbilder, auf die berufsfelder, die unsere kinder wählen, auf gehaltsvorstellungen und einstufungen (frau wird schwanger, daher wird gleichguter mann bevorzugt)
die nachteile der väter zeigen sich danne rst nach der trennung in der nichtragenden/nicht gewollten beziehung zum kinde.

auch ein abschaffen der langzeitvariante ist kein verbot, es wird nur beschlossen dieses modell zu unterstützen. ist bei den alleinerziehern auch nicht der fall, denn auch wenn da der vater nicht will/kann/ was auch immer kann sie nur 30 monate im karenz gehen.

warum soll eine förderung eines egalitären weltbildes per se zwingender sein, als eines traditionellen?

Wo genau wird das traditionelle System gefördert? Die Nachteile für Väter zeigen sich deswegen nach der Trennung, weil Väter nach der Trennung weiterhin ihre Pflichten haben, aber keine Rechte mehr.

Weil sie nach der Trennung vollkommen aus der Familieförderung herausfallen, aber trotzdem weiterhin ihre Unterhaltspflich leisten müssen und eigene Wohnung und Umgang noch zusätzlich finanzieren müssen.

Aber warum jammern dann die Alleinerzieherinnen ständig, dass es ihnen nach der Trennung schlechter gehen würde?

Das Abschaffen der Langzeitvariante bedeutet, die beliebteste Variante ab zu schaffen. Das klingt doch mehr nach Verarsche, als nach Familienpolitik.

Warum sollte eine Alleinerzieherin auch die Karenz des Vaters dazu bekommen, damit sich dann gleich jede Mutter als Alleinerzieherin deklariert?

in amiland nennt man menschen, die wie sie und "freigeistin" denken "social conservatives" - und auch die können wirtschaftlich drucaus liberal sein.

wer wird für das "traditionelle ehemodell finanziell massiv bestraft"?

sollten sie auf individual- vs. familienbesteuerung anspielen: von mir aus soll eine familienbesteuerung kommen, aber nur, wenn im gegenzug alle anderen bar- und sachtransfers für familien gestrichen werden.

zb wären alle krankenversicherungsträger hochweis, wenn sie die leistungen für die beitragsfreie mitversicherung von angehörigen nicht tragen müssten.

wenn wie also bereits sind, die angemessenen kv-beiträge für ihre kinder zu zahlen...

so hab ich mir das noch nicht überlegt - die streichung aller transfers für familien im austausch gegen eine familienbesteuereung könnte, insbesonders bei mehrkindfamilien durchaus auf ein nullsummenspiel hinauslaufen.

sie sehen das falsch!

das traditionelle ehemodell ist bei uns mit vielen vorzügen im gegensatz zu alternativen modellen gesegnet...

wenn diese vorzüge eingeschränkt werden kann man ncoh lange nciht von einer benachteiligung sprehcen...trotzdem bekommen die mehr kohle vom staat als alle andren (MINDESTENS genauso viel!!!)

kurz gesagt: nennen sie mir ein modell, dass vom staat besser behandelt wird!?

Welche Vorzüge wären das?

AlleinerzieherInnen(Familien) werden bevorzugt.

Eine Familie bekommt NUR dann Alleinverdienerabsetzbetrag, wenn tatsächlich nur einer Geld verdient. -> AlleinerzieherInnen bekommen immer AlleinerzieherInnenabsetzbetrag, auch dann wenn beide Eltern Geld verdienen, auch dann wenn sie kein Geld verdient und zusätzlich werden noch die Alimente von der Steuer abgesetzt.

Geförderte bzw (geplante) Gratiskinderbetreuung ist Familienfördergeld, um das eine Familie, die selbst die Kinder betreut gänzlich umfällt.

Wenn einer der verheirateten Partner langzeitarbeitslos ist, dann ist der Andere unterhaltspflichtig und der Staat spart sich Geld bei der "mindestsicherung". Auch hier wird weniger Kohle für Familien ausgegeben.

Gegenbeispiele?

alleinerzieher leben per definition alleine, das heisst das was der partenr verdient hat mit der ausnahme des kindsunterhalts keine auswirkung auf das familieneinkommen der alleinerzieherfamilie, ausser es handelt sich nicht um alleinerzieher,

dann ist es aber doch etwas, das in richtung betrug geht, und muss bewiesen werden.
gratiskinderbetreuung ist für manche die möglichkeit sich die kinderbetreuung zu leisten, da nicht ausreichend geld vorhanden ist. uU könnte man das wieder einkommensabhängig machen.

entweder es handelt sich um alleinerzieher oder es handelt sich nicht um solche, wenn jemand alleineerzieht hat er niemanden, der ihn finanziell unterstützt. wenn er jemadnen hat, aber es nicht angibt, hat das was mit förderung von alleinerziehern zu tun? oder damit dass information nicht entsprechend weitergegeben wird?

Was haben Sie denn nicht verstanden?

Familien bekommen nur dann Alleinverdienerabsetzbetrag, wenn tatsächlich nur einen Alleinverdiener gibt. Wenn beider Eltern berufstätig sind, gibt es weder Alleinverdiener noch Alleinerzieher Absetzbetrag.

Was ist daran nicht zu verstehen?

Sehen Sie, Gratiskinderbetreuung richtet sich eben ganz genau nicht nach einem tatsächlichen Bedarf, sonder ist Steuergeldausschüttung mit der Gießkanne. Genau das ist der Punkt dabei.

Wieso hat die/der AlleinerzieherIn niemanden der sie/ihn finanziell unterstützt? Die gesammte Familienbeihilfe, die sonst beiden Eltern zugute kommt, steht ihr alleine zur Verfügung und Unterhalt für die Kinder (ca 20% vom Lohn des Vaters) bekommt sie auch.

Es geht im artikel darum, dass die ministerin das lange modell streichen will, um frauen schnell zurueck in die arbeit zu bringen. Das ist unzulaessige einmischung in private entscheidungen.

Das klassische ehemodell wird benachteiligt, weil eine familie weniger steuer zahlt wenn beide arbeiten, als eine anderer familie mit dem gleichen einkommen, in Der einer arbeitet und einer bei den kindern bleibt. Zusaetzlich wird fremdbetreuung gefoerdert, heimbetreuung nicht.

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