Mehr Frauen oben bringt denen unten nichts

22. Dezember 2011, 07:00

Alles eine Frage der individuellen Kompetenz: Schwedische Studie zeigt keine Verkleinerung der Einkommensunterschiede, wenn der Frauenanteil im Top-Management größer wird

Wird die Schere zwischen Frauen- und Männergehältern kleiner, wenn mehr Frauen im Management sitzen? Eine neue Studie aus Schweden beantwortet die Frage mit Nein. Das Geschlecht der ManagerInnen wirkt sich laut Studienleiterin Lena Hensvik weder auf die Löhne noch die Einkommensunterschiede aus.

Mehr Frauen oben ist gleich Gewinn für die unten

Die schwedische Einkommensschere liegt - bei einer Berechnungsgrundlage unter Berücksichtigung der Faktoren Alter, Berufserfahrung, Bildungsgrad und Fachbereich - bei vergleichweise niedrigen acht Prozent; Österreich kommt, bereinigt aller Faktoren samt Teilzeitstellen, hier auf zwölf Prozent. 2008 waren rund 36 Prozent der ManagerInnen-Positionen in Schweden mit Frauen besetzt. Dass Frauen damit nach wie vor an Entscheidungsstellen in der Minderheit sind, gilt oftmals mit als Grund für die Tatsache, dass Frauen generell weniger verdienen als Männer. Dieser Logik folgend könnte ein größerer Frauenanteil an der Spitze die Einkommensschere an der Basis insofern reduzieren helfen, als dass weibliche Manager die Löhne für Frauen(arbeit) anheben oder als Role Models in Sachen Karriere fungieren.

Keine Bestätigung der Annahme

Bislang haben viele Studien gezeigt, dass die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern in jenen Arbeitsbereichen und Betrieben kleiner sind, in denen mehr Managerinnen entscheiden. In ihrer aktuellen Langzeitstudie kann Ökonomin Hensvik diesen Zusammenhang allerdings nicht bestätigen. Für die haben sie und ihr Team vom schwedischen Institut für Arbeitsmarktpolitikforschung (IFAU) und der Universität Uppsala die gesamten Arbeitsmarktdaten im öffentlichen Sektor sowie ein repräsentatives Sample aus der Privatwirtschaft zwischen 1996 und 2008 analysiert.

"In der ersten Phase der Studie habe ich festgestellt, dass Frauen mit weiblichen Chefs höhere Löhne erhalten", erläutert die Forscherin. "Als ich auch diejenigen Frauen und deren Gehalt einbezog, die sowohl unter weiblichen als auch männlichen Managern arbeiteten, konnte ich keine signifikanten Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Gruppe ausmachen. Jede Abweichung scheint an der jeweiligen individuellen Leistung zu liegen, und nicht an den ManagerInnen." Ihr Fazit: Mehr Frauen im Management bringen den Arbeitnehmerinnen nicht mehr Geld im Börsel. "Frühere Studien haben zwar Unterschiede zwischen Arbeitsplätzen mit und ohne weiblichen Managern konstatiert, aber die sollten mit Vorsicht betrachtet werden, weil sie die Heterogenität am Arbeitsplatz nicht berücksichtigen."

Auch keine andere Einstellungspraxis

Aber stellen Frauen denn wenigstens mehr Frauen an? Hensvik verneint auch das: Dafür gäbe keine Evidenz. Dass Frauen ihre Geschlechtsgenossinnen Mitbewerbern vorziehen, liegt für Hensvik dann im Bereich des Möglichen, wenn ihre professionelle Performance passt. (red, 22.12.2011)

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Falsche Ansätze führen zu falsche Massnahmen

Der Ruf nach mehr Frauen in Führungspositionen wurde durch falsch verstandene Statistiken laut.

Die feministisch geprägten Damen und Herren haben im Gender-Pay-Gap eine Diskriminierung der Frauen vermutet, ohne der Sache auf den Grund zu gehen.

Es ist wohl kaum einem aufgefallen, dass die Frauen ein höheres Einkommen als die Männer haben.

In den alten Ländern DE's haben erwerbstätige Frauen ein um 5% höheres Einkommen als die erwerbstätigen Männer: http://tinyurl.com/cb3qgsx

Das ist z. Teil den irre hohen Unterhaltszahlungen zu verdanken.

Würde man in der Statistik auch das Einkommen der Ehemänner oder die Unterhaltszahlungen der Ex-Ehegatten einbeziehen, wäre der Gender-Pay-Gap restlos erklärt und die ganze Diskussion überflüssig.

Wieder mal' zeigt sich, das soziale Verhalten ergibt sich nicht aus den Geschlechtsorganen sondern aus der sozialen Situation. Anders ist das natürlich beim Geschlechtsverkehr, aber der wurde in dieser Studie offensichtlich nicht untersucht.

Das ist doch kein Wunder. Selbst hier konnte man immer wieder - von Frauen (!) - lesen, dass Frauen in Top-Positionen keine anderen Frauen fördern, sondern eher noch deren Aufstieg verhindern. Das klassische Frauen-Konkurrenzdenken, sprich "Zicken-Krieg".

Die ganze Herumplärrerei nach Quoten bringt nur den Schreierinnen etwas. Die gehören aber in den seltensten Fällen zu den tatsächlich Benachteiligten: Müttern.

Dazu wäre keine Studie nötig gewesen. Das ist logisch. Freilich nur, wenn wir davon ausgehen, dass Frauen nicht die besseren Menschen sind.

oho...frauen sind auch nur menschen und nicht die lösung für jedes problem dieser erde, wer hätte das gedacht...

welcher schwachmath kommt denn auch auf die idee,

das Geschlecht der ManagerInnen wirke sich auf die Löhne oder die Einkommensunterschiede aus?

ob fr. ederer bei siemens ganz oben sitzt oder nicht, ändert doch nix daran, daß die friseurin nicht ingenieur sein mag

Hier geht es um die Problematik, dass eine Frau, bei der selber Ausbildung, den selben Arbeitsjahren, einfach der selben Qualifikation = der selbe Lebenslauf, wo nur das Geschlecht unterschiedlich ist, für den Beruf, den der Herr ausübt, und nicht wie sie meinen eine Friseurin wird mit dem Ingenieur verglichen, einfach um durchschnittlich 12% weniger verdienen.
Und wenn Sie denken das kann nur eine Frau geschrieben haben - mein Tipp, lesen Sie den ersten Satz des Artikels nochmals

es ist auch nicht ehrlich, wenn man behauptet, dass die Benachteiligung von Frauen dadurch aufgehoben ist, indem alle Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzt werden. So wie es ist, kann die Gleichberechtigung nur erreicht werden, wenn sich alle Männer in ein Winkel verkriechen und sich nicht mehr mucksen und das ist es nicht wert, dass man noch weiter an einer politischen Diskussion teilnimmt.

*gerade* wenn sie in einer politischen diskussion nicht zustimmen müssen sie sich daran beteiligen, und zwar in der opposition

"Österreich kommt, bereinigt aller Faktoren samt Teilzeitstellen, hier auf zwölf Prozent"

tatsächlich _aller_ faktoren bereinigt (alter, arbeitsinhalt, ausbildung, berufserfahrung)? eine solche studie ist mir noch nicht untergekommen ....

wie auch immer ist das ergebnis der oben zitierten studie auch nicht wirklich weltbewegend.

"Jede Abweichung scheint an der jeweiligen individuellen Leistung zu liegen"

na gott sei dank ist das so!

"Dass Frauen ihre Geschlechtsgenossinnen Mitbewerbern vorziehen, liegt für Hensvik dann im Bereich des Möglichen, wenn ihre professionelle Performance passt."

hier gilt selbiges.

Welch Wunder!

Wer glaubt, dass die Frauen der Elite, wegen ihres Geschlechtes plötzlich ihre Klassenzugehörigkeit vergessen und ihren Mitarbeiterinnen mehr zahlen, lebt in einer Phantasiewelt.

Um solche Irrtümer zu beseitigen hilft die Lektüre des guten alten Karl Marx, der ja aschon passend beschrieben hat, warum ein Bourgeoise keine andere Wahl hat und die Löhne drücken muss, um konkurrenzfähig zu bleiben. Ob er/sie will oder nicht.

Die Forderung nach mehr Frauen in den Aufsichtsräten ist und war schon immer eine Forderung von Frauen der Oberschicht, die sich mit solchen Mitteln bessere Chancen auf einen guten Job versprechen.

Den hunderttausenden Wenigverdienerinnen bringt soetwas rein gar- nichts!

abgesehen....

...von reinen einkommenfragen ist mir sowieso auch schon aufgefallen, dass weibliche führungskräfte oft - warum auch immer - ausgerechnet weiblichen angestellten besonders gern das leben schwer machen

Mehr Frauen oben ohne, bringt schon etwas....

ja, momentan einen ziemlichen haufen frierende menschen.

Fuer mich ist das wenig ueberraschend

es gibt keine Maenner- oder Frauensolidaritaet, weil es kuenstlich ist, alle Maenner oder alle Frauen zu einer Gruppe zusammenzufassen. Die Gruppen, die auf natuerliche Weise gemeinsame Interessen haben, sind die armen Maenner und Frauen auf der einen Seite, und die reichen Maenner und Frauen auf der anderen.

Natuerlich (im Sinne von der Gegebenheit der Welt vorgebenen) waers, wenn sich arme Maenner und Frauen nebst deren Sympatisanten zusammen fuer eine gerechte Welt fuer alle einsetzen wuerden.

tatsaechlich

na wer haette das gedacht...

ich finds gut

wenn meine frau oben ist!

schau' einer an, nur mehr 12%

der "Equal Pay Day" spricht noch von 27%: http://www.equalpayday.at/index.php?id=10

tatsächlich ist es nun mal so, daß kein Unternehmer einem Mann freiwillig für die gleiche Arbeit mehr zahlt, nur weil er ein Mann ist. Einige Männer müssen aber wohl Überstunden schieben, um Familie zu erhalten und ein paar alte Unbelehrbare, die meinen, Frauen mit Geld kaufen zu können, arbeiten wohl auch Extraschichten. Das war's aber auch schon. Von systematischer Benachteiligung keine Spur.

Diese Studie

stimmt mit meinen persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen überein. Eine (oder mehrere) Frauen im Management verhalten sich (leider) oft wie Männer und jene Frauen, die sich nicht im Management befinden, haben dadurch keine Vorteile, keine Chancen und keine gerechte Bezahlung. Daran gehört noch gearbeitet!

falsch!! sie verhalten sich nicht wie "männer", sondern wie "managerInnen"!!

Klassismus & Kapitalismus war und ist eben größere Problem als Sexismus und Patriarchat.

Die bürgerliche (pseudo-) Linke und bürgerliche FeministInnen negieren diese Tatsache nur aus eigenen Interessen.

im kapitalismus gibts 99% frauen

und nur 1% männer
betrachtet man den "zugriff auf die welt"

Interessant, wie in der Überschrift eine angebliche Tatsache formuliert wird, aber im Text steht dann, dass es jetzt EINE Studie gibt, die im Widerspruch zu bisher VIELEN steht. Naja...

Abgesehen davon ist die Fragestellung schon falsch. Der Weg zu mehr Frauen im Management kann nur sinnvoll von unten nach oben gehen: durch Mitarbeiterentwicklung, flexible Arbeitszeiten, Abschaffung alltäglicher Diskriminierung etc.

Eine Quote kann nur als Zielvorgabe funktionieren, aber nicht indem man (von woher auch immer) Frauen im Topmanagement platziert, ohne dass der Frauenanteil von unten nach oben quer durch alle Managementebenen "wächst".

Wie kann die Fragestellung falsch sein?

Es scheint mir, als ob Sie mit dem Artikel auf Konfrontation gehen, obwohl Sie diesen sogar für ihren Standpunkt verwenden könnten, falls ich Sie richtig verstanden habe.

Eine Kleinigkeit haben Sie aber (glaub ich) missverstanden. Die VIELEN älteren Studien vergleichen Managements OHNE und MIT Frauen. Diese EINE neue Studie vergleicht aber nur Managements mit Frauen, aber mit unterschiedlichen Anteilen.

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