Mehr Frauen oben bringt denen unten nichts

Alles eine Frage der individuellen Kompetenz: Schwedische Studie zeigt keine Verkleinerung der Einkommensunterschiede, wenn der Frauenanteil im Top-Management größer wird

Wird die Schere zwischen Frauen- und Männergehältern kleiner, wenn mehr Frauen im Management sitzen? Eine neue Studie aus Schweden beantwortet die Frage mit Nein. Das Geschlecht der ManagerInnen wirkt sich laut Studienleiterin Lena Hensvik weder auf die Löhne noch die Einkommensunterschiede aus.

Mehr Frauen oben ist gleich Gewinn für die unten

Die schwedische Einkommensschere liegt - bei einer Berechnungsgrundlage unter Berücksichtigung der Faktoren Alter, Berufserfahrung, Bildungsgrad und Fachbereich - bei vergleichweise niedrigen acht Prozent; Österreich kommt, bereinigt aller Faktoren samt Teilzeitstellen, hier auf zwölf Prozent. 2008 waren rund 36 Prozent der ManagerInnen-Positionen in Schweden mit Frauen besetzt. Dass Frauen damit nach wie vor an Entscheidungsstellen in der Minderheit sind, gilt oftmals mit als Grund für die Tatsache, dass Frauen generell weniger verdienen als Männer. Dieser Logik folgend könnte ein größerer Frauenanteil an der Spitze die Einkommensschere an der Basis insofern reduzieren helfen, als dass weibliche Manager die Löhne für Frauen(arbeit) anheben oder als Role Models in Sachen Karriere fungieren.

Keine Bestätigung der Annahme

Bislang haben viele Studien gezeigt, dass die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern in jenen Arbeitsbereichen und Betrieben kleiner sind, in denen mehr Managerinnen entscheiden. In ihrer aktuellen Langzeitstudie kann Ökonomin Hensvik diesen Zusammenhang allerdings nicht bestätigen. Für die haben sie und ihr Team vom schwedischen Institut für Arbeitsmarktpolitikforschung (IFAU) und der Universität Uppsala die gesamten Arbeitsmarktdaten im öffentlichen Sektor sowie ein repräsentatives Sample aus der Privatwirtschaft zwischen 1996 und 2008 analysiert.

"In der ersten Phase der Studie habe ich festgestellt, dass Frauen mit weiblichen Chefs höhere Löhne erhalten", erläutert die Forscherin. "Als ich auch diejenigen Frauen und deren Gehalt einbezog, die sowohl unter weiblichen als auch männlichen Managern arbeiteten, konnte ich keine signifikanten Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Gruppe ausmachen. Jede Abweichung scheint an der jeweiligen individuellen Leistung zu liegen, und nicht an den ManagerInnen." Ihr Fazit: Mehr Frauen im Management bringen den Arbeitnehmerinnen nicht mehr Geld im Börsel. "Frühere Studien haben zwar Unterschiede zwischen Arbeitsplätzen mit und ohne weiblichen Managern konstatiert, aber die sollten mit Vorsicht betrachtet werden, weil sie die Heterogenität am Arbeitsplatz nicht berücksichtigen."

Auch keine andere Einstellungspraxis

Aber stellen Frauen denn wenigstens mehr Frauen an? Hensvik verneint auch das: Dafür gäbe keine Evidenz. Dass Frauen ihre Geschlechtsgenossinnen Mitbewerbern vorziehen, liegt für Hensvik dann im Bereich des Möglichen, wenn ihre professionelle Performance passt. (red, 22.12.2011)

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