"Große Töchter": Rhythmisch, hymnisch

22. Dezember 2011, 11:33

Bundespräsident Heinz Fischer unterzeichnete am Donnerstag das Bundesgesetz zur Textänderung - Ab 1. Jänner 2012 werden die Töchter offiziell besungen

Wien - Dem hymnischen Besingen der "großen Töchter" Österreichs steht nun nichts mehr im Wege. Bundespräsident Heinz Fischer hat am Donnerstag das Bundesgesetz über die neue Textierung der österreichischen Bundeshymne unterschrieben. Das Gesetz wird am 1. Jänner 2012 in Kraft treten, teilte die Präsidentschaftskanzlei mit.

Als erste könnten damit die österreichischen SkispringerInnen und SkifahrerInnen Gelegenheit haben, vom SiegerInnenpodest aus den geänderten Text bekannt zu machen. Statt "Heimat bist du großer Söhne" heißt es in Strophe eins dann "Heimat großer Töchter und Söhne". In der dritten Strophe - zu der die SportlerInnen wohl kaum vordringen werden - werden die "Bruderchöre" durch "Jubelchöre" ersetzt. (APA)

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zahnloser Tiger
00
28.12.2011, 10:47
naja zur Erreichung einer tatsächlichen Gleichstellung

müsste wohl im Kanon gesungen werden, damit nicht das eine Geschlecht vor dem anderen hymnisch gelobt, und somit das zweite herabgewürdigt wird....

denn die Reihenfolge wurde ja mit "Heimat bist du großer Töchter, Söhne" bewusst gewählt.

da also eine frühere Nennung durchaus auch eine höhere Wertigkeit impliziert (XYZ und ich, "der/die EselIn nennt sich selbst zuerst") besteht ja nun erst recht keine Gleichbehandlung

also liebe Töchtersöhne, strengt euch an und singt im Kanon, sonst war alles umsonst. Denn nur wenn Töchter und Söhne auf gleicher Augenhöhe - also gleichzeitig - genannt werden ist wirklich alles "gleich"

aber wir wissen es ja: "gleich" wollens die "Töchter" eh net... sie sind halt einfach "gleicher" als die "Söhne"

maxmilgram
00
23.12.2011, 22:26
Gut dass das endlich erledigt ist!

Und jetzt bitte wieder an die Arbeit!

Amy4
10
23.12.2011, 18:21
österreichs töchter auch sprachlich sichtbar machen

ich kenne viele frauen, die mit dem zusatz `töchter` sehr zufrieden sind. ein wort, das frauen auch sprachlich sichtbar macht, und schon hagelt es an beleidigungen.
es ist ähnlich wie zu beginn der frauenbewegung, als die suffragetten u.a. für das frauen-wahlrecht kämpften, das ihnen die `brüder` bis dato versagten. wie wichtig, daß die sache des feminismus jeden tag neu erkämpft werden muß. österreichs töchter auch sprachlich sichtbar machen ...
http://www.renner-institut.at/frauenmac... rgesch.htm

desperado joe
00
26.12.2011, 16:04
absolut meinungsfrei - reine fakten

ja, es gibt viele frauen und auch männer, die mit dem zusatz "Töchter" sehr zufrieden sind, ich kenne auch einige. das ändert aber nichts daran, dass die überwältigende mehrheit der männer und frauen trotzdem dagegen sind.

mika33
02
23.12.2011, 11:30
Unnötig²

Ich habe noch niemanden getroffen - insbesondere auch keine Frau - der diese Änderung auch nur irgendwie für sinnvoll gehalten hat.

Danke Rauch-Kallath ....

... aber ich sing sowieso den alten Text.

W . H .
21
23.12.2011, 10:05
PräsidentInnenkanzlei

Wenn schon, dann ordentlich...

Außerdem wäre es jetzt auch endlich an der Zeit die pösen männlichen Monatsnamen zu gendern, ab jetzt bitte nur mehr JännerIn...

hurchzua
20
23.12.2011, 09:26
Damit ist eine GEMEINSAME Hymne gestorben

Der größte Teil wird weiterhin die alte Version singen.

Wie in der 1. Republik, als das Absingen der Hyme in Schreiduellen endete. Die einen sangen zur alten Haidenmelodie die Kaiserhymne, die anderen das "Deutschlandlied" und nur der verbleibende rest den offiziellen Text ("sei gesegnet ...").

Eine völlig unnötige Aktion gegen den Willen der überwiegenden (schweigenden) Mehrheit.

die rote baronin
10
23.12.2011, 11:49
Ich denke, die meisten Menschen können die Hymne ohnehin nicht einwandfrei singen.

Ein paar Zeilen, ein paar Wörter - mehr nicht.
Warum auch. Vor Jahrzehnten hat irgendwer beschlossen dass ein Text getextet von irgendwem nun als Hymne verwendet wird. Und das soll für alle Zeit - zumindest solange Ö besteht - gesungen werden (müssen)? Die Mehrheit ist auch damals nicht gefragt worden. Ist doch egal - ist nur irgendein Lied.

zahnloser Tiger
00
28.12.2011, 12:35
ein Text "getextet von irgendwem"

wollen sie damit etwa Paula v. Preradovic unsichtbar machen?

wieso können sie als Frau die Leistung dieser großen Tochter unsrer Nation nicht anerkennen?

NEID?

Freigeistin1
11
23.12.2011, 09:02

Na zum Glück kann jeder den Text singen (wie oft kommt man schon in diese Verlegenheit, vielleicht mal beim Fussball Spiel ;-) wie er möchte.
Ich bleibe natürlich bei der "alten Variante".

Quintus Beckloeffel
22
23.12.2011, 06:55

Hymnen für Staaten sind ohnehin anachronistisch. Ich singe ja auch meinem Netzwerkbetreiber oder meiner Sozialversicherungsanstalt keine Hymnen.

hurchzua
30
23.12.2011, 09:31
So sehe ich das nicht

Ein Staat funktioniert auch aus dem Zusammengehörigkeitsgefühl seiner Bürger.

In der ersten Republik gab es das nicht - das Ende ist bekannt.

Seit damals hat sich ein österreichisches Nationalgefühl entwickelt. Ein "Anschluss" ist erst dadurch undenkbar geworden.

Ein kleines Stück der Elemente, die dieses Zusammenghörogkeitsgefühl ausmachen - die gemeinsame Hymne - hat man jetzt beseitigt.

die rote baronin
00
23.12.2011, 11:52
Wäre mir die Hymne so wichtig, würde ich mich über die Textänderung freuen.

Denn die nur-Söhne haben mich immer schon gestört. Das ist das gleiche, wenn der Bundespräsident das Volk mit "meine sehr geehrten Herren" anspricht. Von wegen Zusammengehörigkeitsgefühl!
Und der "Anschluss" ist erst durch das Anschlussverbot undekbar geworden.

desperado joe
00
26.12.2011, 16:09
das anschlussverbot gabs für de 1. republik auch schon

hat am tatsächlichen anschluss nichts geändert.

der grund, warum heute ein anschluss undenkbar ist, ist das gefühl der bürger, eine eigenständige nationalität zu sein. um das zu entwickeln, war das erneute anschlussverbot sicher auch bedeutsam, genauso wie die opferrolle und einiges anderes.

Quintus Beckloeffel
10
23.12.2011, 11:49
Staaten sind pragmatische Zusammenarbeitsprojekte. Da gibt es keine metaphysische Zusammengehörigkeit.

Schließlich pflegen Staaten ja alle paar Jahrzehnte ihre Grenzen nicht unbeträchtlich zu verändern. Neue Staaten entstehen, alte hören auf zu bestehen. Na und?

Eine auf objektiven kulturellen Verwandtschaftsbeziehungen beruhende Zusammengehörigkeit ist z.B. auf regionaler, nationaler oder europäischer Ebene gegeben. Aber keine dieser Gemeinschaften deckt sich ja territorial mit Staatsgebieten, die ihre Gestalt ja lediglich historischen Kuhhändeln verdanken und nicht einer kulturellen Maßschneiderarbeit.

Wieso soll also z.B. das Bestehen einer selbständigen österreichischen Republik apriori erstrebenswert und ein Anschluss (an welche andere Staaten auch immer) apriori verdammenswert sein?

hurchzua
00
23.12.2011, 12:27
sie wollen also wirklich behaupten,

dass sich Amerikaner nicht als Amerikaner, Frtanzosen nicht als Franzosen, Spanier nicht als Spanier und Österreicher nicht als Österreicher fühlen?

Sie Verwechseln Sein und (ihr angenommenes) Sollen.

Logisches Denken etwas knapp entwickelt...

Quintus Beckloeffel
11
23.12.2011, 14:45

Das bestreite ich doch gar nicht. Genausowenig wie ich bestreite, dass sich die Inkas als direkte Abkömmlinge des Sonnengottes gefühlt haben.

Das ändert aber nichts daran, dass die Inkas keine Abkömmlinge des Sonnengottes waren und dass die Österreicher keine über die bloße politisch-pragmatische Zweckgemeinschaft hinausgehende metaphysische Einheit bilden.

Und noch leichter als sich solche politischen Zweckverbände gründen, ändern oder auflösen lassen, lassen sich Zusammengehörigkeitsgefühle bilden, ändern oder auflösen. Das gehört zu den leichtesten Übungen der sozialpsychologischen Manipulation.

hurchzua
00
23.12.2011, 20:30
schon wieder den Unterschied zwischen Sein und Sollen mißachtet

Zusammengehörigkeitsgefühl ist etwas gutes.

Und auch nicht falsch- Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte, die damit einhergehende gemeinsame Erfahrungswelt und Kultur sind etwas Echtes und kein bloßes Konstrukt.

Quintus Beckloeffel
00
23.12.2011, 20:41
Sie gehen von Fantasieprämissen aus

Kein Staatsterritorium Europas kann eine "jahrhundertelange gemeinsame Geschichte" seiner Bewohner vorweisen.

Staatsgrenzen ändern sich, wie gesagt, alle paar Jahrzehnte. Beispiel: Salzburg hat den allergrößten Tel seiner Geschichte nicht in einem österreichischen Staatsverbund verbracht. Vorderösterreich hingegen war um Jahrhunderte länger bei Österreich als Salzburg und ist es heute nicht mehr.

Die Wahrheit ist, dass das "Bewußtsein" von Menschen, auf dem ihr "Zusammengehörigkeitsgefühl" basiert, in aller Regel überhaupt nichts mit ihrer Geschichte zu tun hat (von der die meisten ohnehin keine Ahnung haben), sondern von der jeweils aktuellen politideologischen Propaganda.

desperado joe
00
26.12.2011, 16:17

es ist richtig, dass eine solche verbundenheit nicht zwangsläufig innerhalb von staatsgrenzen abläuft, aber innhalb von nationen.

dass sich staatsgrenzen ändern können ist bekannt, aber das ändert nichts daran, dass zum ist-zeitpunkt eine stärkere verbundenheit der menschen innerhalb des staatsgebildes bzw einer nation vorherrscht als mit jenen außerhalb davon.

bspw. lehnten die freiburger (vorderösterreich) ihre abtrennung ab und wollten zurück zu österreich. es ist unbestritten, dass viele südtiroler auch nach fast 100 jahren eine tiefere verbundenheit mit österreich haben als mit italien.

desperado joe
00
26.12.2011, 16:19
letztes bsp.

wenn mit dem geld der wiener und vorarlberger im waldviertel bzw im burgenland infrastruktur geschaffen wird oder zur kompensation von kärntner misswirtschaft, ist das für die meisten eine selbstverständlichkeit bzw. akzeptabel.

wenn dieses geld aber bspw für griechenland verwendet wird, dann trägt das so gut wie niemand mit.

das bedeutet, dass der zusammenhalt innerhalb des gebildes, bzw der nation, ein anderer ist als mit personen außerhalb

hurchzua
00
24.12.2011, 21:52
Das kollektive Gedächtnis

ist dank Massenmedien stärker ausgeprägt als je zuvor.

Gemeinsame Myten verbinden. Und die haben wir Österreicher , wie alle anderen Völker in großer Zahl: das sind historische Ergeinisse wie der Staatsvertrag, aber auch etwa sportliche Erlebnisse wie "Cordoba" oder Franz Klammers Olympiasieg, oder auch gemeinsame Traumata wie Anschluss und Krieg.

Dazu kommt eine gemeinsame Erlebens- und Erfahrungswelt, die heute etwa auch durch die nationalen Printmedien, Radio und Fernsehen gemacht werden.

Nationen sind so keineswegs etwas nicht Reales.

WLG
01
22.12.2011, 21:04

Wenn das 'und' wenigstens durch einen Beistrich ersetzt werden würde, damit der Text zur Melodie passt...
Aber wie wadif schon schreibt: Eine zeitgemäße Hymne wäre viel interessanter gewesen.

wadif
12
22.12.2011, 19:09

Das wäre eine Gelegenheit gewesen, für eine neue, zeitgemäße Bundeshymne.

Chien de Pique
00
23.12.2011, 01:15

Besser eine möglichst zeitlose - Landschaft und so.

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