Blog: Mama's Digest

Der Krippe-Effekt

Blog | 23. Dezember 2011, 07:00
  • Artikelbild
    foto: apa/klaus vyhnalek

    Fordert das Immunsystem ganz schön: die erste Krippe-Zeit.

Sie haben schon richtig gelesen, es geht nicht um den Grippe-Infekt, obwohl der leider auch einer ist

Neulich habe ich erfahren, dass es so etwas wie einen "Krippe-Effekt" gibt. Aha, war mein erster Gedanke, die Entlastung der Eltern durch die Krippe hat jetzt also einen Namen. Oder ist damit etwa der Umstand gemeint, dass fremdbetreute Kinder im Winter ständig schniefen, husten und mit Infekten kämpfen? Auch das nicht:  der Krippe-Effekt drückt aus, dass Kleinkinder von einem Krippe-Besuch angeblich später schulisch profitieren, wurde mir erklärt.

Ob Kleinkinder überhaupt in eine Krippe gehören, ist ja in Österreich und im deutschsprachigen Raum immer noch nicht so einheitlich geklärt. Die Eva Hermanns und "hurchzuas" dieser Welt, denen ein Krippen-Kind tendentiell "leid" tut, weil es in der Fremdbetreuung jegliche mütterliche Nestwärme vermisst und letztendlich emotional nur Schaden nehmen kann, sind noch längst nicht ausgestorben.

Ich bin keine Pädagogin und der Papa auch nicht, aber ein Spezialwissen ist auch gar nicht nötig, um zu sehen, wie sehr das Kind von der Krippe profitiert. Dass ältere Kinder es fesseln und beeindrucken und zwar auf viel substantiellere Weise als Erwachsene das tun, ist uns schon aufgefallen, bevor es in die Krippe kam. Und unser Verdacht hat sich in den letzten Monaten nur bestätigt.

Allein schon, wie Kleinkinder in der Gruppe mit Konflikten umgehen (und da geht es manchmal hart zu) können wir ihr nicht bieten. Wir sind wie die meisten anderen Eltern, die wir kennen, eher gewährend im Umgang und räumen dem lieben Einzelkind im Prinzip fast alle Verteilungskonflikte aus dem Weg. Das heißt nicht, dass es alles bekommt, was es will, aber wir haben zum Beispiel noch nie mit ihm darum gestritten, wer den Gummiball in Händen halten darf.

In der Krippe gibt es solche Kämpfe. Und das finde ich gut, neben vielen anderen Dingen, die wir dem Kind in den eigenen vier Wänden nicht bieten können. Wenn BildungsforscherInnen nun Anzeichen dafür sehen, dass Krippen-Kinder in ihrer weiteren Bildungslaufbahn bessere Schulleistungen erbringen und eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, aufs Gymnasium zu gehen, und zwar auch unabhängig von der sozialen Herkunft der Eltern, ist das ein weiterer Krippen-Effekt, der für mich zwar nicht entscheidend in der Krippen-Frage war, den ich aber auch gern mitnehme. (dieMama, 23.12.2011)

Mama's Digest macht Urlaub und meldet sich im neuen Jahr wieder!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 395
1 2 3 4 5 6 7 8 9
metalwoman
00

Die Kinderkrippe ist heute vielleicht so etwas wie die Großfamilie früher: sie fordert und fördert das Immunsystem und das soziale Verhalten.

Spucks
04
26.12.2011, 16:46
"dass Krippen-Kinder in ihrer weiteren Bildungslaufbahn bessere Schulleistungen erbringen"

In Daenemark wurde die Theorie, dass Kinder, die frueher fremdbetreut werden (ab unter 2 oder 3 Jahre) schulische Vorteile gegenueber denen haben, die erst spaeter fremdbetreut wurden, vor einigen Jahren widerlegt. Der Vorteil besteht nur gegenueber den Kindern, die NIE im Kindergarten waren.

Und selbst wenn eine Korrelation bestehen wuerde, koennten nicht auch automatisch Rueckschluesse auf eine Kausalitaet gestellt werden. "Kinder, die in der Krippe waren, sind besser in der Schule" bedeutet nicht "Die Krippe fuehrt zu besseren Schulerfolgen". Es KANN natuerlich so sein, es kann aber auch andere Gruende geben (z.B. "Kinder von hoeher gebildeten gehen eher in die Krippe" und "Kinder von hoeher gebildeten haben bessere Schulerfolge").

Zwischenton
11
26.12.2011, 10:55

Ich glaube, wenn Kinder Geschwister haben, lernen Sie dieses miteinander Streiten zur Genüge, verhätschelte Einzelkinder tun sich möglicherweise später tatsächlich schwerer, wenn es darum geht, sich gegen "Gleichgesinnte" zu behaupten. Aber muss man sie gleich von zu Hause weg geben, damit sie das fürs Leben Notwendige lernen? Ist die Verfasserin dieses Textes so eine Karrieremami, die alles drum gibt, damit das Kinder-von-anderen-erziehen-Lassen salonfähiger wird?

Spucks
11
26.12.2011, 15:14
"verhätschelte Einzelkinder"

Wieso wird immer so selbstverstaendlich davon ausgegangen, dass Einzelkinder verhaetschelt sind?

Zwischenton
03
26.12.2011, 21:37

Weil es sehr oft so ist! :-)

Spucks
51
28.12.2011, 12:26

Vermutlich genauso oft wie verhaetschelte Geschwisterkinder. Ich kenne genug Familien mit Kindern - Einzelkinder und Geschwister. Manche sind total verhaetschelt und verzogen, manche werden streng erzogen, manche irgendwas dazwischen. Eine Korrelation zwischen dem Erziehungsstil und der Anzahl der Kinder konnte ich zumindest in meinem Freundes- und Bekanntenkreis nicht erkennen.

Zwischenton
03
28.12.2011, 13:07

Ich vermute jetzt einfach mal, dass Sie selber keine Geschwister haben, liege ich damit richtig? Meine nur, weil es so scheint, als ob Sie sich von der Einzelverhätschlungstheorie so angerührt zu fühlen scheinen...

Spucks
10
30.12.2011, 10:38

Falsch - ich bin eines von 4 Kindern. Angerührt bin ich bei derartigen Verallgemeinerungen deshalb, weil meine Tochter ein Einzelkind ist und weil ich es als beleidigens empfinde, wenn häufig völlig selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass Eltern mit nur 1 Kind unfähig sind und dieses zu verzogenen und asozialen Gfrastern machen.

Das bin doch ich!
01
30.12.2011, 10:49

Wer redet denn von verzogenen, assozialen Gfrastern??? Ich glaube nur, dass ein Einzelkind eben mehr Aufmerksamkeit kriegt, weil - logischerweise - bei vier Kindern die Aufmerksamkeit durch vier geteilt werden muss. Doch wenn Eltern absolut unfähig sind, kriegt wohl auch ein einzelnes Kind viel zu wenig Aufmerksamkeit bzw. viere noch weniger....
Ich persönlich halte es halt für besser, wenn Kinder Geschwister haben, schon um "Gleichgesinnte" in der Familie zu haben, nicht nur die Eltern eben. Und wie sollte man sich gegen die Eltern "verbünden", wenn man das einzige Kind ist. :-) Meine ich ernst, sowas ist gar nicht unwichtig für soziales Lernen!

Spucks
10
30.12.2011, 10:56

Ich habe bewusst übertrieben bei meiner Formulierung ;)

Aber im Endeffekt kommt es doch so rüber - Einzelkinder sind verzogen, kriegen was sie wollen, ihnen werden keine Grenzen gesetzt und weil sie keine Geschwister haben sind sie unfähig im Sozialverhalten.

Das mit dem Verbünden ist nur fair - ich bin alleinerziehend und kann mich auch mit niemandem gegen mein Kind verbünden. Jetzt ists 1 gegen 1, das ist gerecht :D

again and again
00
30.12.2011, 13:26
Ein Erwachsener, Erziehungsberechtigter

gegenüber einem Kind. Das nennen Sie 1 gegen 1 und gerecht?

Aber in einem Punkt haben Sie recht, Einelternfamilien sind ein Mangelerscheinung, vor allem für das Kind, weil es keinen zweiten (gleichberechtigten) Elternteil hat, bei dem es sich beklagen kann, Trost suchen, wenn es sich ungerecht behandelt oder vernachlässigt fühlt, ...

Spucks
10
30.12.2011, 15:20

Ohje, mein armes Kindchen. Keine Geschwister mit denen sie sich gegen mich verbünden kann und keinen zweiten Elternteil, bei dem sie sich bei mir beschweren kann. Das Leben kann schon hart sein.

again and again
02
26.12.2011, 15:29
Das ist einfach erklärt.

Weil Eltern dann nur ein Kind zu versorgen haben, sie dann mehr Zeit und mehr Geld für ein Kind zur Verfügung haben und das meist auch so machen. Weil ihnen ihre Sachen alle alleine gehören und sie sich nichts mit Geschwistern teilen müssen.

Es wird nicht selbstversändlich davon ausgegangen, aber es ist eben überwiegend so.
Bei "Nachzüglern" ist das meistens genauso.

Spucks
21
26.12.2011, 16:39

Zeit: Man verhaetschelt ein Kind nicht, wenn man Zeit fuer es hat. Ausserdem ist die Zeit, die Eltern ihren Kindern widmen, so unterschiedlich, dass man im Allgemeinen sicher nicht sagen kann, dass Einzelkinder mehr Zuwendung von den Eltern erhalten, das waere nur dann der Fall, wenn alle Familien gleich waeren.

Geld: deto. Haetten alle Familien gleich viel Geld, haetten Einzelkindeltern in der Tat mehr Geld pro Kind. Die Realitaet ist aber nicht so.

Teilen: Dazu braucht man keine Geschwister, das lernt man auch so, falls man nicht von der Welt abgeschottet wird.

AlBundyFan
 
00
wenn man davon ausgeht, daß die anzahl der kinder ziemlich gleichverteilt ist unabhängig von der finanziellen situation

dann muß es zwangsläufig statistisch bzw. mathematisch dazu führen, daß im schnitt einzelkinder mehr geld zur verfügung haben als kinder mit geschwistern.

wenn man jetzt noch dazunimmt, daß einzelkinder, je höher der bildungsgrad und damit eine finanziell gute situation der eltern, statistisch signifikant häufiger anzutreffen sind, ist es noch eher wahrscheinlich, daß für ein einzelkind mehr geld zur verfügung steht.

verhätschelt ja/nein ist hier aber nicht die frage sondern einfach blose statistik.

again and again
01
26.12.2011, 22:04
Das stimmt, was Zeit betrift, ist verhätscheln nicht ganz der richtige Ausdruck.

Klar ist das unterschiedlich, aber neben all diesen Unterschieden bleibt eine Tatsache, die Eltern widmen alles was sie sonst zwei oder mehr Kindern widmen eben nur einem Kind. Das trift sowohl auf Zeit, Aufmersamkeit und Geld zu.
Das ist genauso wie bei jeder Tendenz, nicht der Vergleich des oberen Levels einer Situation mit den Vergleich des unteren Levels der anderen Situation zählt. Siche können 5 Kinder von reichen Eltern mehr bekommen, als ein Kind von armen Eltern.

Seltsam, bei der Behauptung, Krippen- und Frembeteuungskinder hätten bessere schulische Erfolge, macht man aber genau diese Aussage, die Sie bei mir gerade relativiert haben.

Dabei handelt es dann mehr um herborgen als um teilen.

Spucks
10
28.12.2011, 12:30

"Seltsam, bei der Behauptung, Krippen- und Frembeteuungskinder hätten bessere schulische Erfolge, macht man aber genau diese Aussage, die Sie bei mir gerade relativiert haben."

???? Welche Aussage meinens jetzt?
Uebrigens gehoere ICH sicher nicht zu denjenigen, die behaupten Krippe ist so wichtig und gut fuer den Schulerfolg.

again and again
00
28.12.2011, 16:36
Die Aussage, warum Einzelkinder meist "verhätschelter" sind.

Ich habe auch nicht geschrieben, dass Sie das behauptet haben. Hier im Artikel wird - einmal mehr - so getan, als würden Kinder die in der Krippe bzw im Kindergarten waren, deutlich besser in der Schule sein.

Ein einzelnes Kind kann man dahingehend wohl nicht vergleichen, weil es nicht beides gleichzeitig sein kann. Also vergleicht man den Durchschnitt und Tendenzen. Nichts anderes habe ich bezüglich Einzelkinder gemacht.

Zwischenton
00
26.12.2011, 21:39

Ich kann nur von mir sprechen, ich war kein Einzelkind, doch meine Eltern haben sich gegenseitig nix gegönnt, deshalb auch meine Schwester und ich einander nie nichts (Nachahmung!), mein Mann war ein Einzelkind und dessen Eltern waren liebevoll zueinander, haben immer geteilt, deshalb konnte er das erst mal um eine deutliche Ecke besser als ich! Ich wars einfach nicht gewöhnt... Mit den Jahren habe ich aber gelernt, dass Teilen viiiiel schöner und erfüllender ist als alles für sich zu raffen, heute teile ich gerne! :-)

auweh mit e
00
26.12.2011, 12:30

dann wird eben das geschwister für die streitereien missbraucht.

extrovertiertes geschwister vs. introvertiertes geschwister.

ein ungleicher und sinnloser kampf - für beide.

Zwischenton
01
26.12.2011, 21:36

Genauso wie in Schule und Kindergarten auch und ich vermute, in der Kinderkrippe fängts schon an: Die Schwächeren werden gemobbt, getriezt, die Stärkeren setzen sich durch... Doch zu Hause können in Ungleichheitsfällen noch die Eltern eingreifen, weils eben die eigenen Kinder sind, deren Details einem bestimmt wichtiger sind als es irgendeiner Krippentante sein wird, die sich um etliche Zwutschgerln zugleich kümmern muss. Ungleich sind kindliche "Machtkämpfe" IMMER, egal wo! Die von Erwachsenen übrigens auch.

Spucks
00
28.12.2011, 12:33

Oft haben auch Eltern ihre Favoriten (wir waren z.B. 4 Kinder - Schuld war prinzipiell immer ich), die sind kein Garant fuer Gerechtigkeit. Im Kindergarten waeren natuerlich kleinere Gruppen hilfreich ... aber das wird ja aus tausenden von Gruenden seit jahren gepredigt, nur tut keiner was.

Zwischenton
01
28.12.2011, 13:10

Ja, das gibts natürlich auch, dass Eltern völlig unfähig sind bzw. ungerecht zu ihren Kindern. Aber die Chance ist immer noch größer als in einem anonymen Hort, Internat oder ähnlichem, dass auf die einzelnen eingegangen wird.
Und überhaupt: Wozu wollen sich die Leute noch vermehren, wenn sie ihre Kinder dann so schnell wie möglich loswerden möchten, frage ich mich? Wieso nicht gleich kinderlos bleiben, wäre doch viel einfacher, oder nicht?

Spucks
00
30.12.2011, 10:35

Wie sehr auf das einzelne Kind eingegangen wird/werden kann hängt wohl hauptsächlich von der Lehrerdichte ab. Bei meiner Tochter war/ist das Verhältnis meist sehr gut, und da merke ich auch durch die halbjährigen Berichte, die dazugehörigen Elterngespräche und durch Gequatsche zwischendurch, dass die auch wirklich eine Ahnung von meinem Kind haben. Und zwar nicht nur was das Technische betrifft, sondern auch was ihr Wesen und ihren Charakter betrifft.

Zu Ihrem 2. Absatz: Sich fortzupflanzen ist ein Menschenrecht, dafür muss sich niemand rechtfertigen. Viele halten es für gut, wenn die Kinder früh fremdbetreut werden, viele nicht.

Das bin doch ich!
00
30.12.2011, 10:46

Dass es ein "Menschenrecht" ist, sich fortzupflanzen, ist eh unbestritten, ich verstehe nur den Sinn nicht, wenn jemand gar keine Lust auf Kinderbetreuung und -erziehung hat... Aber es ist wohl auch mitunter ein UrTRIEB, sich vermehren zu wollen, ob sinnvoll oder -los? Vielen "passiert" es eben einfach, dass sie schwanger werden, was ich jedoch anprangere, denn in unserer Zeit, wo jeder sich Verhütung leisten kann, auch darüber informiert ist, sollte es sowas nicht geben bzw. nur bei gaaaanz dummen Menschen!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 395
1 2 3 4 5 6 7 8 9

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.