Indien

Langzeitexperiment Frauenquote zeigt Wirkung

28. Dezember 2011, 07:00

Seitdem es einen fixen Prozentsatz für Volksvertreterinnen auf lokaler Ebene gibt, werden mehr Verbrechen gegen Frauen angezeigt

Der Zuwachs von Frauen in der kommunalen Politik hat zu einem signifikanten Anstieg der registrierten Verbrechen gegen Frauen in Indien geführt. Und das ist eine gute Nachricht, sagen die AutorInnen der Untersuchung, die zu diesem Ergebnis gekommen ist: Denn nicht die Zahl der Gewalttaten an sich ist gestiegen, sondern die Bereitschaft, sie zu melden.

Indien Pionierin im Bereich Quote

Die Studie des Centre for Competitive Advantage in the Global Economy (CAGE) an der britischen Universität von Warwick, der Harvard Business School und des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat die Auswirkungen der 1993 in Kraft gesetzten Panchayati Raj-Reform untersucht, die eine Frauenquote für diese kommunale Regierungsform festlegte. Seitdem müssen die lokalen Politgremien zu einem Drittel mit Frauen besetzt sein. Damit ist das Panchayati Raj eines der größten und langlebigsten Experimentierfelder für die Quote weltweit.

Die StudienautorInnen haben für die Post-Reform-Zeit bis 2004 festgestellt, dass die dokumentierten Verbrechen an Frauen im Durchschnitt um 44 Prozent gestiegen sind, sobald Volksvertreterinnen ihre Arbeit aufnahmen. Bei Vergewaltigung gab es einen Anstieg um 23 Prozent, bei Entführungen um 13 Prozent. Bei Verbrechen wie Diebstahl und anderen, die nicht geschlechtsspezifisch Frauen betrafen, konnten die ForscherInnen dagegen keinen signifikanten Anstieg verzeichnen.

Polizei nimmt Gewalt gegen Frauen ernster

Sie nehmen daher an, dass es zwei Gründe für den festgestellten Zuwachs gibt. Erstens: Mehr PolitikerInnen machen der Polizei mehr Druck, Gewalt gegen Frauen ernst zu nehmen. Seit Einführung der Quoten ist auch die Zahl der Verhaftungen gestiegen, speziell in Kidnapping-Fällen von Frauen. Zweitens: Weibliche Opfer, die engagierten weiblichen Verantwortlichen begegnen, trauen sich eher, Vergehen anzuzeigen, weil sie mit Unterstützung rechnen.

"Unsere Daten lassen den Schluss zu, dass das Mehr an Politikerinnen einen motivierenden Effekt auf die Polizei hat, Gewalt gegen Frauen ernster zu nehmen", erklärt Anandi Mani, Ökonomin am CAGE. Das könnten die ForscherInnen anhand der gestiegenen Zahl von Verhaftungen sowie anhand von Aussagen betroffener Frauen feststellen, deren Zufriedenheit mit der Polizei dort gestiegen ist, wo Handlungsmacht an Frauen übertragen wurde, so Mani.

Basisarbeit Stimme geben

"Entsprechend unserer Hypothese zeigte sich in den Gebieten, in denen schon länger Lokalpolitikerinnen tätig sind, ein Rückgang der Gewalt gegen Frauen." Die Quote habe insofern auch eine abschreckende Wirkung. Gerade die Präsenz von Frauen an der Basis und nicht in Führungspositionen weiter oben in der Polithierarchie habe diesen wirkmächtigen Effekt. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Präsenz von Frauen in den untersten Ebenen der Politik, wo sie den potenziellen Gewaltopfern näher sind, wichtiger ist als ihre Präsenz in Toppositionen, wenn es darum geht, den Frauen eine Stimme zu geben." (red, dieStandard.at, 28.12.2011)

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