Israel

Ultraorthodoxe wollen Geschlechtertrennung erzwingen

Ben Segenreich aus Tel Aviv, 27. Dezember 2011, 17:36

In Israel eskaliert der Konflikt zwischen ultraorthodoxen und säkularen Juden um die Diskriminierung von Frauen im öffentlichen Raum

Sogar der Staatspräsident rief dazu auf, Dienstagabend zur Demonstration nach Bet Schemesch zu kommen: "Wir alle müssen das Wesen des Staates Israel gegen eine Minderheit verteidigen", sagte Shimon Peres, "die sollen selbst den Gehsteig wechseln, kein Mensch hat das Recht, ein Mädchen oder eine Frau zu bedrohen." Die Debatte über die "Ausgrenzung der Frauen" war am Wochenende durch einen Fernsehbericht angefacht worden, der zeigte, wie fanatisch-religiöse Juden in der Stadt Bet Schemesch bei Jerusalem sogar ein achtjähriges Mädchen terrorisierten. Die kleine Naama Margulese, die ohnehin religiös ist, fürchtet sich vor dem Schulweg, auf dem sie bespuckt wurde, weil sie nicht "züchtig" genug gekleidet sei. Auf einer Straße war auch ein Schild mit der Anweisung angebracht, dass Frauen den einen Gehsteig benützen sollten und Männer den anderen.

Das Schild wurde von der Stadtverwaltung abgesägt, aber von den Extremisten wieder montiert, es gab Tumulte, als die Polizei Ultraorthodoxe verhaftete, und mehrmals wurden Fernsehteams attackiert. Das Thema, wie Religiöse und Nichtreligiöse im jüdischen Staat zusammenleben sollen, beschäftigt Israel seit seiner Gründung, war aber in den vergangenen Wochen wieder besonders heiß geworden. Ein Auslöser war etwa der Versuch von Religiösen zu verhindern, dass Soldatinnen bei militärischen Zeremonien im Chor mitsingen - nach einer religiösen Auslegung ist es nämlich unmoralisch, wenn Männer den Gesang von Frauen hören.

Medien berichteten, in Jerusalem würden auf Reklametafeln nur Männer und keine Frauen zu sehen sein, Geschäfte, in denen viele streng Religiöse einkaufen, würden keine Frauen anstellen, und Frauen wären aufgefordert worden, aus Rücksicht auf religiöse Männer das Training im Fitnessclub abzubrechen. Es ist außerdem üblich, dass in Bussen, die streng religiöse Viertel von Jerusalem durchqueren, Männer vorn sitzen und Frauen hinten. Vor zehn Tagen gab es aber viel Aufsehen, als eine junge Frau schon bei der Abfahrt im fernen Aschdod von einem Ultraorthodoxen aufgefordert wurde, nach hinten zu wechseln - die 28-jährige Tanya Rosenblit wurde zu einer Art Volksheldin, weil sie sich nicht einschüchtern ließ und vorn neben dem Fahrer sitzen blieb.

Die Vorfälle in Bet Schemesch haben nun quer durch die politischen Lager das Gefühl ausgelöst, dass eine Grenze überschritten wurde. "Wir werden jeden festnehmen, der handgreiflich wird", sagte Premier Benjamin Netanjahu. (Ben Segenreich/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.12.2011)

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12 Postings
Beobachter zweiter Ordnung
00
31.12.2011, 00:37
Alle auf einer Insel gemeinsam einsperren!

Radikale Juden, Taliban, christliche Fundamentalisten, Ewiggestrige von rechts und links, Opus Dei.....für die wird sich doch eine Insel finden, auf der sie dann friedlich diskutieren können, wer die Wahrheit besitzt und daher die anderen beherrschen darf!

Pygar
 
10
31.12.2011, 22:31

Das Problem dabei ist, dass die genannten sich keine Insel suchen, sondern alle anderen Menschen mit ihrem Wahn infiltrieren wollen.

Sollen sie sich eine Insel suchen und die anderen Menschen in Ruhe lassen!

Liebe Augustine
02
28.12.2011, 09:12

Fanatische Narren, wie ihre islamischen Glaubensbrüder und-in abgeschwächt diskriminierender Form- die römisch katholische Kirche.

Pygar
 
40
28.12.2011, 01:55
'Unwritten rule' bars women's signing in Knesset

http://www.ynetnews.com/articles/... 63,00.html

Das zieht Kreise. Die Diskussion zeigt allerdings, dass es absolut inakzeptabel ist, das überlegene Geschlecht auszugrenzen.

Timagoras
 
13
28.12.2011, 14:46
"das überlegene Geschlecht"

.
blanker (und peinlicher) sexismus!

Pygar
 
10
31.12.2011, 22:29

Einfach nur die Wahrheit.

too small to bail
10
28.12.2011, 12:31
?

da gehts doch um die ausgrenzung von frauen.

Pygar
 
40
28.12.2011, 01:28

Ich glaube, dass die Frauen aus Israel sich das nicht länger bieten lassen und diese Monotheisten in die Schranken gewiesen werden.

Sogar Bibi hat sich da schon eingeschalten, was ich ihm hoch anrechne:
http://www.botschaftisrael.de/2011/12/2... minierung/

Man muss das nämlich auch immer wieder klar aussprechen, obwohl es theoretisch auch im Gesetz steht, dass man eine Diskriminierung von Frauen nicht duldet!

paulina m
10
29.12.2011, 03:32
Gottesstaat

Allein, Israel ist ohne diese Religion nicht vorstellbar, es ist nun mal als völkischer Religionsstaat gegründet. Beides mit verheerenden Folgen.

Pygar
 
20
30.12.2011, 00:39

Nun, ich empfehle einen Besuch in Israel. Danach vielleicht auch noch im Iran, wer es immer noch nicht versteht. Dort gibt es einen "Gottesstaat".

paulina m
00
31.12.2011, 18:30
Ja, besoders Jerusalem ist auch insoweit sehensert

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