Unisex-Tarife

Versicherer kalkulieren mit höheren Prämien

28. Dezember 2011, 12:10

Risikolebensversicherung und Autoversicherung für Frauen voraussichtlich teurer - Für Männer weniger Leistung in der privaten Rentenversicherung erwartet

Berlin - Wegen der Einführung sogenannter Unisex-Tarife, also einheitlicher Prämien für Männer und Frauen, ab spätestens Ende 2012, müssen sich die Versicherten in Deutschland nach Branchenangaben auch auf höhere Beiträge einstellen. "Je nach Versicherungsprodukt können sich die Prämien mal für Frauen, mal für Männer erhöhen", sagte Hasso Suliak vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit Blick auf eine jüngst veröffentlichte Studie im Auftrag des Branchenverbands.

Hintergrund für diese sogenannten Unisex-Tarife ist eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom März 2011. Derzufolge dürfen sich Versicherungstarife künftig nicht mehr nach dem Geschlecht richten. Bisher berechnen die Unternehmen die Beiträge nach Risikofaktoren, die sie bei Männern und Frauen zum Teil unterschiedlich einschätzen. Weil Frauen durchschnittlich länger leben, müssen sie zum Beispiel in der Rentenversicherung höhere Prämien bezahlen als Männer.

Geltung nur für neue Verträge

Bereits bestehende Verträge und Tarife sind von der Anpassung ausgenommen. Dies hatte die EU-Kommission in der vergangenen Woche mitgeteilt - dieStandard.at berichtete. So können bei Altverträgen, die sich - wie in Deutschland üblich - automatisch verlängern, auch nach dem Stichtag 21. Dezember 2012 unterschiedliche Prämien erhalten bleiben.

Deutlich nach oben gehen dürfte es nach Angaben des GDV beispielsweise bei den Tarifen von Risikolebensversicherungen für Frauen: In der vom Verband in Auftrag gegebenen Studie des Beratungsunternehmens Oxera muss mit Prämienerhöhungen von mindestens 30 Prozent gerechnet werden. Auch die Kfz-Versicherung, in der Männer bisher mehr als Frauen bezahlen mussten, dürfte für Frauen teurer werden. Hier wird ein Plus von mindestens 11 Prozent erwartet. Bei der privaten Rentenversicherung müssen Männer demnach sogar mit im Schnitt 5 Prozent weniger Leistung rechnen.

Der Bund der Versicherten geht ebenfalls von höheren Beiträgen aus: "Das geht gar nicht anders", sagte der Vorstandschef des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein. Er forderte die Konzerne angesichts der Erfahrung mit Unisex-Tarifen bei der Riester-Rente aber auf, ihre Grundannahmen für die Kalkulation auf den Prüfstand zu stellen. "Bei einem Riester-Vertrag ist es jetzt schon so, dass zum Teil mit einer Lebenserwartung von bis zu 105 Jahren kalkuliert wird." (APA)

pluralis modestatis
10
29.12.2011, 08:02
Gerechtigkeit

Nach Geschlecht zu differenzieren ist diskriminierend.

Nach gesundheitlichem Zustand (Übergewicht, Risikofaktoren, Vorerkrankungen) aber nicht.

WARUM ?

Bustardo
10
29.12.2011, 06:57

Ist ja nicht so, dass das keiner vorher gewusst hätte. Vielen Dank für die unnötigste Regulierung aller Zeiten. Wieder eine Regel mehr mit der der Staat dem mündigen Bürger vorschreibt was er zu tun und lassen hat.

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