Frauenrechtsgruppen kritisieren vorgelegten Gesetzentwurf scharf: Nur zehn Prozent "vollkommen skandalös"
Tripolis - In der künftigen Verfassunggebenden Versammlung Libyens sollen zehn Prozent der Sitze für Frauen reserviert werden. Von den 200 Mandaten der Verfassungsversammlung, die im Juni gewählt werden und ein neues Grundgesetz ausarbeiten soll, sollten 20 Sitze an Frauen vergeben werden, hieß es in einem am Montag veröffentlichten Entwurf eines Wahlgesetzes.
"Vollkommen skandalös"
Libysche Frauenrechtsgruppen übten umgehend scharfe Kritik an dem Vorschlag. Da die libyschen Frauen derzeit mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes stellten, sei "die Idee, ihre Vertretung auf 20 Sitze zu beschränken, vollkommen skandalös", erklärte ein Zusammenschluss der Gruppen. Den Nationalen Übergangsrat, der seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi die Macht im Land ausübt, riefen die Gruppen dazu auf, bei den anstehenden Wahlen die Frauen "nicht auszugrenzen".
Der Gesetzentwurf sieht auch vor, dass KandidatInnen zur Verfassungsversammlung mindestens 25 Jahre und WählerInnen mindestens 18 Jahre alt sein müssen. Zudem dürfen KandidatInnen demnach keine Verantwortung unter Gaddafi gehabt und sich unter seiner Herrschaft nicht bereichert oder anderweitig Vorteile verschafft haben. (APA)