Laut Studie große Ablehnung von Frauenförderprogrammen - Polizistinnen als Dienst-Kolleginnen unbeliebt
Wien - Frauen haben es in der Polizei nach wie vor nicht leicht. Der Weg zur Gleichberechtigung sei noch weit, folgerte die Tageszeitung "Die Presse" (Mittwoch-Ausgabe) aus einer Studie, die GfK Austria im Auftrag des Innenministeriums durchgeführt hatte. Der Anlass der Untersuchung: Seit 20 Jahren gibt es in Österreich Polizistinnen. Die Politessen davor waren für die Überwachung des ruhenden Verkehrs zuständig. 9.680 BeamtInnen beiderlei Geschlechts wurden für die Studie befragt.
Frauenförderung bei Beamten kaum akzeptiert
Laut "Presse" meinen die BeamtInnen, dass sich die Gleichberechtigung in der Theorie zwar langsam in Polizeiinspektionen bis hinauf ins Innenministerium durchsetzt, die Hierarchien in der Praxis nach wie vor männlich dominiert seien. Die Akzeptanz frauenfördernder Maßnahmen war bei den männlichen Beamten nur in sehr geringem Ausmaß vorhanden, vor allem wenn es um Führungspositionen oder Sondereinheiten wie WEGA, Cobra, Alpin- und Flugpolizei geht. Über die im Innenministerium laufenden Gleichstellungsprogramme sind männliche Polizisten besser informiert als ihre Kolleginnen.
Polizistinnen als Kolleginnen unbeliebt
Darüber hinaus gaben sowohl Polizisten als auch Polizistinnen an, dass sie lieber mit männlichen Kollegen ihren Dienst versehen. Nicht einmal jede/r hundertste BeamtIn sagte, dass er/sie lieber mit einer Kollegin zum Dienst eingeteilt ist.
Unterschiedliche Interessen
Polizistinnen interessieren sich besonders für die Bereiche Prävention, Jugendarbeit und Kriminaldienst. Sensible Befragungen empfinden sie interessanter als ihre männlichen Kollegen. Männer kommen laut der Studie häufiger in die Lage, von der Waffe Gebrauch machen zu müssen. Sie empfinden solche Situationen als weniger gefährlich als Polizistinnen.
In der Studie wurde auch auf die Antwort eines Beamten hingewiesen. Dieser meinte: "Grundsätzlich haben Frauen nichts bei der Polizei verloren." Das sei zwar nicht mehr repräsentativ für das heutige Meinungsbild in der Exekutive, meint Studienautorin Angelika Kofler, Abteilungsleiterin bei der GfK Austria für Sozial- und Organisationsforschung, in einem Artikel im "Siak-Journal - Zeitschrift für Polizeiwissenschaft und polizeiliche Praxis". Aber vieles sei noch "hartnäckig veränderungsresistent" geblieben. (APA)