Auf Ansuchen der Grünen wurde die Arbeitssituation der Geburtshelferinnen eingehend untersucht: Das Kontrollamt spart nicht mit Kritik
Wien - Das Kontrollamt hat die Arbeitssituation der Hebammen des Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) unter die Lupe genommen - dabei insbesondere im AKH. Denn PrüferInnen wurden auf das Ansuchen der Grünen hin tätig, die im Geburtenbereich von Österreichs größtem Spital Missstände orteten - dieStandard.at berichtete. Das Ergebnis war in einem am Freitag veröffentlichten Bericht zu lesen: Im AKH gab es zwischen 2007 und 2010 eine hohe Zahl an unbesetzten Dienstposten, eine Verdreifachung der Krankenstandstage von 2009 auf 2010 und eine jahrelang ungelöste Führungsproblematik.
Das Kontrollamt wurde auf Ansuchen der Wiener Grünen tätig. Die Vorwürfe der Partei - sie war damals noch in der Opposition - bezogen sich nicht nur auf Mängel bei der technischen und sanitären Ausstattung, sondern vorrangig auf die Arbeitssituation der Hebammen. Eine personelle Unterbesetzung wurde ebenso kritisiert wie der Umstand, dass viele Geburtshelferinnen "ausgebrannt" seien und teilweise in andere Bundesländer abwandern würden.
Unterbesetzt
Um dem Vorwurf der personellen Unterbesetzung nachzugehen, haben die PrüferInnen das jährliche Ausmaß der Nichtbesetzung vorhandener Hebammen-Dienstposten im AKH bzw. in den anderen Anstalten erhoben. Im AKH seien "in allen Jahren durchschnittlich deutlich mehr als vier bis zu rund sieben der für diese Bedienstetengruppe vorgehaltenen Dienstposten" vakant gewesen, hieß es im Bericht. Damit seien im Betrachtungszeitraum im Schnitt zwischen 13 und 20,5 Prozent der vorgesehenen Stellen unbesetzt gewesen. In allen anderen geprüften KAV-Einrichtungen sei der Wert immer unter sechs Prozent gelegen.
Im Bericht wurde jedoch auch darauf hingewiesen, dass man bei diesem Ergebnis nicht außer Acht lassen dürfe, dass vom AKH intern vorgenommene Personalbedarfsberechnungen einen geringeren Bedarf an Hebammen ergeben hätten als Dienstposten vorhanden gewesen seien. Langweilig war es den Hebammen im größten Krankenhaus Österreichs sicher nicht: Bezogen auf sogenannte Vollzeitäquivalente wurde dort die höchste Zahl an Geburten pro Hebamme gemessen.
Verdreifachung der Krankenstandstage
Ins Auge gestochen ist den PrüferInnen der massive Anstieg an krankheitsbedingten Absenzen bei den AKH-Hebammen. Im Jahr 2010 hätte sich die Zahl der Krankenstandstage gegenüber 2009 verdreifacht. Der krankheitsbedingte Ausfall entsprach damals einem Ausmaß von durchschnittlich 4,60 Bediensteten. Bei näherer Betrachtung kam heraus, dass sechs Geburtenhelferinnen besonders häufig krank gewesen seien. Im Wilhelminenspital hingegen halbierten sich die Krankenstandstage 2010 gegenüber 2009 beinahe. Grund dafür war, dass zwei Hebammen, die krankheitsbedingt oft abwesend waren, in den Ruhestand versetzt wurden.
Die hohe Zahl an krankheitsbedingten Abwesenheiten könne sich "sowohl negativ auf die Belastungssituation der übrigen im jeweiligen Bereich tätigen Bediensteten, aber auch insgesamt auf den Dienstbetrieb - bis hin zu temporären Leistungseinschränkungen - auswirken", wurde im Bericht gewarnt. Das Kontrollamt empfahl dem KAV in diesem Zusammenhang, gemeinsam mit den Anstalten diesen Entwicklungen künftig insbesondere präventiv gegenzusteuern.
Gehälter beinahe angeglichen
Auch das Gehalt der Wiener Geburtenhelferinnen wurde unter die
Lupe genommen und mit jenen der Hebammen verglichen, die bei der
Niederösterreichischen Landeskliniken-Holding und der
Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) beschäftigt
sind. Die Einkommenssituation der Wiener Hebammen sei durch die
Schaffung von Zulagen im Jänner 2011 im hohen Maße an die
Einkommenssituation der steirischen Mitarbeiterinnen angeglichen
worden, hieß es. In Niederösterreich sind die Einkommen jedoch nach
wie vor deutlich höher.
Kritisch merkte das Kontrollamt an, dass die Dokumentation der
Arbeitszeiten im AKH nach wie vor handschriftlich erfolge, während
sich die städtischen Spitäler bereits eines "EDV-Dienstplanpakets"
bedienen würden. Die PrüferInnen stellten ausdrücklich unmittelbaren
Handlungsbedarf fest, da die handschriftliche Dokumentation einen
hohen administrativen Aufwand wie auch ein hohes Fehlerrisiko
bedeuten.
Führungsprobleme im Kreißsaal
Kontrollamt-Kritik gab außerdem es am jahrelang ungelösten
Führungsproblem im Kreißsaal des AKH. Seit 2005 war der Posten der
Stationshebamme nicht besetzt. Der Job wurde im Verlauf der Jahre
mehrfach ausgeschrieben, jedoch ohne Erfolg. Der KAV entschied sich
schließlich, den Posten nicht - wie angedacht - zur Oberhebamme
aufzuwerten, sondern vielmehr eine zusätzliche Stelle für eine solche
Führungskraft zu schaffen. Die "Wirtschaftlichkeit und
Zweckmäßigkeit" einer solchen Entscheidung konnte vom Kontrollamt
nicht nachvollzogen werden. Laut KAV hat die Oberhebamme am 2.
November 2011 ihren Dienst angetreten, hieß es einer Stellungnahme im
Bericht.
Während die Verantwortlichen die Führungskraft suchten, gab es
Probleme zwischen den Mitarbeiterinnen und der interimistisch
eingesetzten Stationshebamme. Hier hätten laut Kontrollamt
Konsequenzen gezogen werden müssen: u.a. die umgehende Besetzung der
Leitungsfunktion, Maßnahmen wie Teamtrainings oder auch
möglicherweise notwendige Versetzungen einzelner Hebammen. (APA)