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Hohle Phrase, hohle Figuren: "Nimmst du diese Rose?"
Das hätte es bei der Bohlen-Show "Deutschland sucht den Superstar" nicht gegeben! Eine Frau! Eine Siegerin! Nie und nimmer, nicht mehr seit der Elli in Staffel zwei. Gefühlte hundert, eigentlich aber "nur" sieben Durchläufe später hyped der DSDS-Zampano ausschließlich die schmusigen Kerle, damit der Traum von der großen Liebe bei den kleinen großen Mädchen vorm Bildschirm durch eine Bohlen-Ballade aus dem Mund eines Schablonen-Sänges ein Stückchen erfüllbarer scheint und sie ordentlich kaufen.
Glücklicherweise ist der Dschungel nicht die DSDS-Bühne und hat tatsächlich bereits zum dritten Mal eine Königin: Am Samstag wurde Schauspielerin Brigitte Nielsen beim "Ich bin ein Star - holt mich hier raus"-Finale gekrönt. Damit haben wir mindestens ein Jahr Zwangspause von abgehalfterten Medienmenschen, die gegen recht hohe Gagen im Fernsehen Tiergenitalien essen. Fast schade. Der RTL-Quotenhit ist definitiv die Krönung eines Wusts an Reality- und Castingshows, die im deutschen Privatfernsehen dauerbrennen und eigentlich nur ärgerliche Steilvorlagen an stereotypen Geschlechterbildern liefern, und statt zu unterhalten eine/n ärgern.
Bewertung gehört zum Konzept
Mit dem neu auferstandenen Format "Der Bachelor" - dessen erste Staffel anno 2003 auch vom ORF eingekauft wurde, was die feministischen und um den öffentlich-rechtlichen Programmauftrag besorgten Gemüter zu Recht ordentlich erhitzt hat - gibt es wieder Harem-TV. Diesmal wurden zwanzig Frauen nach Südafrika eingeflogen, damit sich ein richtiger Mann erneut auf der Suche nach der großen, großen Liebe die richtige Frau aussuchen kann. Es geht "echt" um die Liebe, Leute. Wird er sie finden? Findet sie ihn? Wie finden wir das, was wir sehen? Wie die Frauen? Diese Bewertung gehört zum Konzept, und sie fällt durchwegs zu Ungunsten der TeilnehmerInnen aus. Alles Schlampen außer Mutti.
Hohle Figuren
Gerade die Brautschau-Formate machen Kategorisierungen und Stereotypisierungen so einfach wie sie primitiv konzipiert sind. Anders kann die inszenierte Buhlerei nicht bezeichnet werden, und den Zusatz sexistisch verträgt sie auch noch. "Der Bachelor" präsentiert statt Menschen stereotype, hohle Figuren und wedelt dabei mit dem Echtheitszertifikat "Reality", hinter der sich mehr oder weniger lose Drehbücher verbergen, die eine Geschlechterdividende entwickeln, bis keine Luft mehr da ist für Differenziertheit. Na gut, im Punkt Äußerlichkeit schon: Es gibt Rothaarige, Blonde, Brünette, verschiedene Hautfarben, Größen, aber keine unterschiedlichen Gewichtsklassen. Wo kämen wir da hin? Wir wollen keine Sumo-Kämpfe sehen, sondern bitchy Catfights in knappen Outifts.
Gebt ihnen "Zickenkriege"
Und so verharren die Bräute - trotz Jugend und guter Ausbildung - in einer backlashigen Rolle des auserwählt Werdens und da sind sie alle gleich. Ihre individuellen Charaktere werden heruntergebrochen auf unterschiedliche Gangarten bei der Anmache in obligaten sexy Outfits und Balzritualen. "Zickenkriege" machen die Vorstellung komplett: Schließlich wollen die rund drei Millionen ZuschauerInnen allein in Deutschland nicht nur luxuriösen Liebeszauber unterm südafrikanischen Himmel aufs Auge gedrückt bekommen. Da muss Drama her. Merke: Es ist nur echter Trash, wenn sich die Frauen gegenseitig so richtig fertig machen.
Chauvinistische Sicht
RTL lässt sich bei allem Fake echt nicht lumpen, auch was sein Angebot an weiteren derartigen Formaten anbelangt. "Der Bachelor" ist ja nicht das einzige Eisen im Quotenfeuer. "Traumfrau gesucht" oder "Schwiegertochter gesucht" spielen sich nicht im Luxus ab, sondern stellen auf das mehr der weniger triste Leben der TeilnehmerInnen ab. Kein Glamour, nur "echte" Verzweiflung, endlich, endlich nicht mehr allein sein zu müssen. Wie bei "Bauer sucht Frau" - inzwischen auch ein RTL-Zugpferd - werden da nun Figuren mit Schicksal aufgeladen - harte Arbeit, harte Umwelt, harte Zeiten. Beim "Bachelor" fällt das in der steril-künstlichen Kulisse weg, und macht es dadurch leichter, zu erkennen, dass die "Reality" weit, weit weg ist. Bei den anderen Sendungen - "Traumfrau gesucht" ist vergleichbar mit ATVs "Geschäft mit der Liebe" - tritt die Inszenierung stärker in den Hintergrund. Und leistet gleichzeitig einer chauvinistischen ZuschauerInnen-Sicht Vorschub. Auch das wird als Unterhaltungsfaktor kultiviert.
Dass sich diese "Lovetainment"-Formate über die Jahre nicht selbst den Garaus mangels ZuschauerInnen gemacht, sondern an Quantität und Quoten noch zugelegt haben, nimmt kein großes Wunder. Bei immer mehr Menschen verlängert sich die PartnerInnensuche, weil im Gegensatz zu den starren Rollen im Trash-TV die in der echten Welt brüchiger geworden sind. Und "echte Schlampen" wie im Fernsehen gibt's gar keine, Mutti. (bto/dieStandard.at, 31.1.2012)
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also ich habe bisher nur in div. zeitungen über diese sendung gelesen, jedoch ist nicht alles so negativ wie es auf den ersten blick scheint. diese sendung ist wohl eine der größten weiterbildungskampagnen europas, welcher bachelorstudent nimmt hier nicht sofort wieder das studium auf um den master zu machen?
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