Ergebnis einer großen Studie: Über drei Embryos erhöhen die Rate der Frühgeburten und Mehrlingsschwangerschaften
London - Bei der In-vitro-Fertilisierung (IVF) sollten ein oder zwei Embryos implantiert werden. Jedenfalls
nicht drei oder gar noch mehr. Andernfalls steigt die Rate der
Mehrlingsschwangerschaften und Frühgeburten. Das ist das Ergebnis
einer großen britischen Studie, die vor wenigen Tagen (12. Jänner)
online in der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" publiziert
worden ist.
Seit Jahren tobt weltweit eine heftige medizinische und
medizin-ethische Diskussion darüber, wie viele Embryonen nach der
Befruchtung der Eizelle im Labor "transferiert" werden sollen.
Zuletzt flammte die Diskussion im März vergangenen Jahres in
Österreich auf, als nach einer Hormonbehandlung der Frau - keine IVF
- im Wiener AKH Fünflinge zur Welt kamen.
"Natürlich ist das keine 'spontan' entstandene
Fünflings-Schwangerschaft. Das ist ein Versagen der
Reproduktionsmedizin", erklärte der Chef der Wiener
Universitäts-Frauenklinik, Peter Husslein, damals.
Offenbar soll durch die Implantierung von mehreren befruchteten
Eizellen bei einer IVF die Erfolgsrate gesteigert werden. Ähnliches
gilt offenbar auch bei der Hormonbehandlung der Frau.
Mehr Probleme bei Schwangerschaften
Doch die Probleme bei Schwangerschaft und nach der Entbindung
nehmen durch ein solches Vorgehen exorbitant zu. Debbie Lawlor von
der Universität von Bristol und die Co-AutorInnen aus Schottland und
Norwegen analysierten die Daten von 128.148 IVF-Zyklen, die zu rund
33.000 Lebendgeburten führten. Bei 83 Prozent war es zu einem
Transfer von zwei Embryos gekommen. Die Lebendgeburtenrate betrug
insgesamt 27 Prozent. Von 32.732 Geburten, bei denen die Daten
(Geburtsgewicht, Schwangerschaftswochen etc.) vorhanden waren, lag
die Rate der Mehrfachgeburten bei 24,3 Prozent.
Die AutorInnen: "Etwa ein Fünftel der Zyklen resultierte in
Frühgeburten und etwa ein Viertel mit einem zu geringen
Geburtsgewicht." Diese Ergebnisse wurden vor allem bei
Mehrlingsgeburten beobachtet. Eine Mehrlingsgeburt erhöhte das Risiko
für eine zu kurze Schwangerschaft um das 9,3-Fache, für eine extreme
Frühgeburtlichkeit um das 5,5-Fache. Weiters kamen die Babys in
diesen Fällen 20,4 Mal häufiger mit einem geringen Geburtsgewicht
(unter 2.500 Gramm) zur Welt. Insgesamt kam es bei 24 Prozent der
Schwangerschaften zu Zwillingsgeburten, bei 109 Zyklen zu Trillingen.
Das ist das Fazit der WissenschafterInnen: "Unsere Resultate
unterstützen den Transfer von zwei Embryonen bei Frauen über 40, weil
bei ihnen die Risiken für eine Frühgeburt und ein niedriges
Geburtsgewicht niedriger sind als bei jüngeren Frauen. Bei älteren
und jüngeren Frauen war der Transfer von zwei Embryonen mit der
größten Geburtsrate verbunden. Eine klare Implikation unserer Studie
ist aber, dass der Transfer von drei Embryonen bei Frauen jeglichen
Alters nicht mehr unterstützt werden sollte." (APA)