Ethnologin untersuchte Alltag von Palästinenserinnen

19. Jänner 2012, 10:58

Dissertation als Buch erschienen: Nicht die politischen Analysen, sondern die tatsächlichen Auswirkungen auf die palästinensischen Frauen sollen im Mittelpunkt stehen

Graz - Eine eben in Buchform erschienene Studie beleuchtet den schwierigen Alltag von palästinensischen Frauen im Westjordanland über den Alltag von Palästinenserinnen. Die Frauen würden nahezu aufgerieben zwischen immer stärkeren patriarchalen Strukturen der eigenen Gesellschaft und den vielfältigen Auswirkungen der israelischen Besatzung auf ihr Alltagsleben, schildert die Grazer Ethnologin und Autorin Martha Tonsern.

Die Publikation versucht eine Lücke in der öffentlichen Wahrnehmung des seit Jahrzehnten anhaltenden israelisch-palästinensischen Konflikts zu füllen: Nicht die politischen Analysen, sondern die tatsächlichen Auswirkungen auf die palästinensischen Frauen, die im Westjordanland und Ostjerusalem leben, stehen im Mittelpunkt des Interesses der Autorin. Sie hat nun die Ergebnisse ihrer Dissertation am Grazer Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie unter dem Titel "Palästinensische Frauen zwischen Besatzung und Patriarchat" als Buch vorgelegt.

Prekäre Wohnsituation

Tonsern interviewte zwischen Februar und Dezember 2008 zwanzig arabisch-palästinensische Frauen aus Ostjerusalem und dem Westjordanland im Alter zwischen 15 und über 70 Jahren und lebte zwei Monate mit einer muslimisch-palästinensischen Familie in Ostjerusalem. Ihre Gesprächspartnerinnen stammten aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten. Hinzu kamen Gruppendiskussionen sowie Interviews mit Psychologinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen und Politikerinnen.

Die Wohnsituation vieler palästinensischer Familien - in vielfach in illegal errichteten Häusern - ist prekär. Angst vor dem Verlust des Heims durch Zerstörung sorgt für eine permanente Stressbelastung, so die Autorin. Der Sperrwall limitiert die Bewegungsfreiheit, die Kontrollen an den rund 100 Checkpoints nehmen viel Zeit in Anspruch und seien auch erniedrigend, der Zugang zu spezialisierten Krankenhäusern ist oftmals nicht mehr möglich.

Religiöser Fundamentalismus

"In den palästinensischen Gebieten sind es die arabisch-palästinensischen Frauen, die die größte Bürde zu tragen haben", ist die Ethnologin überzeugt. "Gleichzeitig verstärkt die israelische Besatzung jene Repressionen, die Frauen in der patriarchalen Gesellschaft generell erfahren", betont Tonsern. Zum einen durch den wachsenden religiösen Fundamentalismus, in dem die Menschen Sinn, Halt und Hoffnung suchen. Zum anderen, weil die Männer aufgrund von Arbeitslosigkeit und Armut ihre traditionelle Rolle als Erhalter der Familie nicht mehr wahrnehmen können und ihre Frustrationen vor allem an den Frauen auslassen. "Die häusliche Gewalt nimmt zu. Therapie- und Zufluchtsmöglichkeiten, wie etwa Frauenhäuser, existieren nicht in ausreichender Form", meint die Ethnologin. (APA)

Info

Martha Tonsern, "Palästinensische Frauen zwischen Besatzung und Patriarchat. Eine kulturwissenschaftliche Analyse", Grazer Universitätsverlag Leykam 2011, ca. 300 Seiten, 29,90 Euro, ISBN 978-3-7011-0213-6

Kommentar posten
11 Postings
Miss Talisker
01
19.1.2012, 23:51
Die Wohnsituation vieler palästinensischer Familien - vielfach in illegal errichteten Häusern - ist prekär...?

"illegal errichtet"? Wer definiert das?
Hmm - wie wohl die illegalen israelischen Siedler im Westjordanland ihr illegales Siedeln auf gestohlenem palästinensischem Boden empfinden?

Kahuna
72
19.1.2012, 22:54
Lauter Neuigkeiten.

Also dass das als Diss durchgeht....

BlackBertl
02
20.1.2012, 08:57
...

...und sie haben ihre Diss über was geschrieben? Sicherlich über eine interessantere, kompliziertere und aktuellere Thematik als oben im Artikel genannte.

Kahuna
20
20.1.2012, 15:47
Yhema verfehlt.

Es geht hier weder um Interessantes noch Aktuelles, sondern um wissenschafltliche Leistung. Der Bericht oder das Aufzaehlen der Leiden dieser zwanzig Frauen hat rein gar nichts mit Wissenschaft zu tun.

BlackBertl
00
20.1.2012, 18:57
...

Und das können Sie so beurteilen? Ohne die Arbeit gelesen zu haben? Unbeachtet dessen, dass auch ihre Kommentare, insbesonders der letzte, indem Sie unterstellen, dass diese Arbeit "rein gar nichts mit Wissenschaft zu tun hat", sehr schön zeigen, dass sie leider mehr mit Kurzsichtigkeit, Voreingenommenheit und Besserwisserei als Intelligenz gesegnet wurden.

subspace99
01
20.1.2012, 16:12

Womit genau beschäftigt sich Ihrer Meinung nach die Kultur- und Sozialanthropologie?

LuFi
30
19.1.2012, 13:58

ethnologie in graz? da gibts nur europäische ethnologie

Rammst
76
19.1.2012, 11:50
20 frauen interviewen und..

2 monate in Ostjerusalem wohnen und ein/e Dissertation bzw. "Buch" schreiben...
kein Kommentar

subspace99
03
20.1.2012, 09:03

Sie haben wohl keine Ahnung, wieviel Aufwand schon in der Aufbereitung eines einzigen qualitativen Interviews steckt (wobei Interview dabei für die Detailanalyse der gesamten Lebensgeschichte stehen kann). Mir fällt z. B. eine Dissertationen ein, die "lediglich" auf 6 Interviews basiert und dabei sicherlich zu den besten Arbeiten auf diesem Gebiet zählt.

BlackBertl
02
20.1.2012, 08:58
...

...zum Glück kein Kommentar. Möchte nicht wissen, mit welch weiteren geistigen Ergüssen sie uns bereichern könnten.

anders and
 
10
20.1.2012, 05:44

War der Text für Sie wirklich so schwierig, dass Sie ihn nur völlig verdreht zusammenfassen können?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.