Diät-Buch für Kinder

Schlanke Mädchen mag man eben

20. Jänner 2012, 17:27
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    foto: buchcover maggie goes on a diet/amazon

    Maggie mag so gerne das rosa Kleidchen anziehen, aber das kann sie nur, wenn sie endlich abnimmt. Denn dicke Mädchen in rosa Kleidchen mag niemand sehen. Oder?!

"Maggie Goes on a Diet" nimmt seine LeserInnen in die Pflicht, abzunehmen: Denn Dicksein macht unglücklich und unbeliebt

Darauf haben wir nicht gewartet, aber geschrieben wurde es trotzdem: Der hawaiianische Autor Paul Kramer serviert uns ein bunt bebildertes Diät-Kinderbuch, das sich an Mädchen richtet. In "Maggie Goes on a Diet" (Maggie macht eine Diät) erzählt er die Geschichte einer übergewichtigen 14-Jährigen, die in den Illustrationen eher wie ein Kleinkind aussieht. Und diese Maggie hat klarerweise Probleme mit ihrem Körper: Keine/r mag sie, weil sie dick ist. Von MitschülerInnen wird sie grausam verspottet, und nächtens tröstet sie sich mit Essanfällen am offenen Kühlschrank darüber hinweg.

Erfolgsgeschichte

Das 44-Seiten-Büchlein hat auch gleich einen Rat parat, wie sie sich selbst aus ihrer misslichen Lage befreien kann: Nimm ab, meine Kleine, denn Schlanksein heilt alle seelischen Wunden. Also lässt Kramer Maggie fleißig abnehmen, und siehe da: Sobald 25 Kilo unten sind, klappt es auch mit dem schulischen wie sportlichen Erfolg, dem rosa Kleidchen, das sich eine dicke Maggie nie anziehen hätte können, und mit den Jungs.

Imperfektion unter die Mädchennasen gerieben

Die Botschaft des Kinderbuchs ist und bleibt so unmissverständlich wie problematisch, auch wenn der Autor nach heftiger internationaler Kritik in Mama-Foren, auf Twitter oder mittels Aufrufen auf Facebook den Titel in "Maggie Eats Healthier" (Maggie isst gesünder) abgeschwächt hat: Schlanksein ist die Vorraussetzung für Glücklichsein und willst du von deinen Mitmenschen geliebt werden, sei besser schlank, denn schlank ist besser.

ExpertInnen wie aufgebrachte Eltern sahen durch das Buch schon vor dessen Veröffentlichung letzten Oktober die Gesundheit derjenigen bedroht, denen es eigentlich helfen wolle: Die der Mädchen. So hoch gingen die Wellen, dass die Kontroverse in einem Wikipedia-Eintrag festgehalten wurde. Der Tenor: Mädchen die "Imperfektion" ihres (zu dicken) Körpers unter die Nase zu reiben, würde sie nicht zu gesundheitsbewusster Ernährung bringen, sondern krank machen. Verhindert hat die öffentliche Debatte allerdings nicht, dass das Diät-Kinderbuch Ende Februar frisch umbenannt erneut erscheinen wird.

Epidemie "sich zu dick fühlen"

Dass der Autor seiner jungen Zielgruppe - empfohlen wird das Buch auf der deutschen Amazon-Seite ab sechs Jahren - die Verantwortung über ihre äußere Erscheinung überträgt, ist schon ein starkes Stück, vorallem vor dem Hintergrund der zunehmenden psychischen Belastungen der Heranwachsenden aufgrund ihres Aussehens. Es ist schon längst nicht mehr so, dass die Kleinen unbekümmert ob Körpernormen Kind sein können. 40 Prozent der Mädchen in Westeuropa zwischen 11 und 19 fühlen sich "zu dick" - und sind dabei unter- bis normalgewichtig. Zwischen 14 und 17 Jahren haben über die Hälfte der Jugendlichen in Wien bereits mindestens ein Mal eine Diät hinter sich, weil sie ich als übergewichtig sehen.

Erster Schritt in Richtung Essstörung

Aber auch tatsächlichen jungen Schwergewichtern bringt die Botschaft des Buches mehr Schaden als Nutzen, meint Bewegungsanalytikerin Gabriele Haselberger vom Therapiezentrum "intakt" gegenüber dieStandard.at: "Nur zu sagen, nimm ab, dann geht's dir besser, kann nicht funktionieren." Denn: "Die Aufmerksamkeit auf 'gutes' und 'schlechtes' Essen zu lenken, ist der falsche Ansatz." Ein so reduziertes Essverhalten kann laut Haselberger, die seit dreizehn Jahren mit Betroffenen arbeitet, tatsächlich ein erster Schritt in die Essstörung sein. Sie rät: Finger weg vom Buch und sich wenn schon in einem Gesamtzusammenhang - unbeeindruckt von der Diätindustrie - mit dem Thema Gewicht auseinandersetzen. (red, dieStandard.at, 20.1.2012)


Link

intakt - Therapiezentrum für Menschen mit Essstörungen

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 271
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TL1985
00
Und die Burschen?

Das wirkt wieder so als ob nur kleine Mädchen anfällig für Fressattacken und Fettsucht sind. Selbst wenn man es umtitelt und den Fokus auf gesundes Essen lenkt (was ich für eine gute Idee halte weil der Trend dort liegt das man die Kinder zum MCDoof schickt weil die Chicken Nuggets zuhause ausgegangen sind) wird Übergewicht mal wieder nur als Frauenproblem dargestellt. Das die Gesellschaft einfach so gepolt ist das nur dicke Frauen bekrittelt werden und Männer für den Bierbauch gelobt werden... usw

Lord Chaos
00
30.1.2012, 14:02

Das Buch mag zwar gut gemeint sein, arbeitet aber mit völlig falschen Methoden und Argumenten.
V.a. der Ansatz 'Nimm ab, dann hat Dich jeder lieb.' ist nicht nur falsch sondern geradezu gefährlich.
Wesentlich sinnvoller wäre es, die tatsächlichen Vorteile eines gesunden Lebensstiles mit den tatsächlichen Nachteiel darzustellen. Und dabei sollte man nicht vergessen vor Magersucht zu warnen.

LuFi
53
23.1.2012, 09:38

Dicke Menschen habens schwerer.

Sie passen nicht in Sitze
Sie finden nichts zum anziehen
Sie leben ungesünder
Sie sterben früher
Sie haben 100 kleine Probleme im Alltag

Und das sind jetzt nur ein paar. Kinder müssen vor der fettsucht geschützt werden!

Tethys
13
23.1.2012, 12:18

"Sie passen nicht in Sitze"
Kommt auf den Sitz und den Grad des Übergewichts an.

"Sie finden nichts zum anziehen"
Kann an den "Traumfrauen" der Modelabels liegen, die keine wie auch immer geartete Körperrundung haben oder am Grad des Übergewichts.

"Sie leben ungesünder"
Wie kommen sie darauf? Was verstehen Sie unter "gesund leben" und lebt jeder Nicht-Dicke automatisch gesund? Ist der Trend zu Diät und Modelmaß "gesund"?

"Sie sterben früher"
Verglichen mit wem? Menschen mit wieviel Übergewicht? Sterben Menschen mit Untergewicht nicht häufiger? Kommt darauf an würde ich sagen.

"Sie haben 100 kleine Probleme im Alltag "
Naja, die haben wir alle. What's your point?

zahnloser Tiger
03
23.1.2012, 10:05
also zwischen "dick" und "fettsüchtig" liegen Welten

Kinder müssen eher vor Menschen wie ihnen geschützt werden, die von Dingen faseln die sie weder verstehen, noch nachvollziehen können.

zahnloser Tiger
08
23.1.2012, 08:59
also ich bin kein Verteidiger des Schönheitsdiktates

ich frage mich allerdings ob der "hawaiianische" Author nicht vielleicht unter Berücksichtigung lokaler Einflüsse gelesen werden sollte.

Fast der gesamte Pazifikraum kämpft mit Adipositas, speziell Hawaii und Samoa sind hier als negative Aushängeschilder zu sehen. Übergewicht wird hier nicht als Problem gesehen.

besonders in diesen Kulturkreisen wäre es also sicherlich wünschenswert auf die Gefahren von Adipositas früher hinzuweisen, und auch bei KINDERN ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen.

Das wird mit diesem Buch sicherlich nicht gelingen. Es erklärt aber vielleicht die Motivation ein solches Buch zu schreiben.

Tethys
21
23.1.2012, 11:27
Übergewicht wird hier nicht als Problem gesehen.

Doch wird es.

Bewohner des Pazifikraumes, die polynesisches Erbgut in sich tragen, sind besonders anfällig für Adipositas. Das betrifft Hawaiianer, Maori etc. Diese Fettleibigkeit steht im engen Zusammenhang mit moderner Industrienahrung, ebenso wie die Folgeerkrankung Diabetes. "Diät" in dem Sinn würde nichts bringen, wohl eher eine radikale Ernährungsumstellung und ein Bewegungsprogramm. "Schönheit" ist auch nicht der ausschlaggebende Faktor für das Überdenken von Ernährung, sondern eine inflationäre Zunahme von Erkrankungen.
Betrifft Kinder UND Erwachsene, aber bei Kindern schon mit "Schönheit" zu argumentieren ist mehr als fragwürdig.

zahnloser Tiger
02
23.1.2012, 13:53
sagens könnten sie nicht ein wenig genauer lesen?

ich schrieb dass gerade im Pazifikraum das Bewusstsein für die Problematik der Adipositas fehlt, nicht dass diese kein Problem WÄRE.

ihre Argumente gehen am Ziel vorbei, ich stimme ihnen auf jeden Fall zu dass die Argumentation "Schönheit" sicherlich die falsche ist.

Es bleibt nur eines anzumerken:

auch wenn es FALSCH ist, aber leider schildert das Buch genau jenen Sachverhalt den hier einige sehr unverblümt hinausplerren:

Dicke Mitmenschen sind weniger angesehen und werden stigmatisiert.

Warum allerdings die Feststellung dieser extrem oberflächlichen und - meiner Meinung nach - unsinnigen allgemeinen Ansicht so böse sein sollte müssten sie bitte erklären.

Es ist leider WIRKLICH so, dass ein Großteil der Menschen oberflächlich sind.

Tethys
31
23.1.2012, 14:01

Bevor Sie andere anblaffen, sollten Sie sich die Frage stellen, ob Sie deren Posting richtig verstanden haben oder ob Sie jemandem gerade mit dem Allerwertesten ins Gesicht fahren, der Ihrem Gedanken nicht widerspricht, sondern ihn weiterführt.

Vielleicht schaffen Sie das irgendwann.

Das bin doch ich!
02
23.1.2012, 00:00

Also, ich bin absolut dagegen, Kindern oder Jugendlichen einzutrichtern, sie wären nur dann liebenswert oder "schön", wenn sie schlank sind, abe rich bin auch nicht dafür, die ungesprochene Botschaft "friss bis zu platzt, das ist völlig wurscht" in den Raum zu stellen!
Vielleicht eher den jungen Menschen klar machen, dass Dicksein auf Dauer einfach zu körperlichem Unwohlbefinden, Krankheiten, Unbeweglichkeit usw. führt, aber niemals dieses "Schlank ist schön" hochzuhalten, was ich für ausgmachten Blödsinn halten. Auch wenns Menschen gibt, die nur schlanke Menschen lieben können, sollte man früh lernen, dass diese Menschen eben nicht das Gelbe vom Ei sind bzw. eben oberflächlich-äußerlichkeitsbezogen.

Feuergeist
 
00
23.1.2012, 08:04
Das ist nicht nur auf die Ernährung zurück zu führen.

Es kommt auch von einem eklatanten Mangel an Bewegung (Playstation-Tennis erfordert dann doch weniger Laufarbeit), eine weiter Möglichkeit ist einfach die genetische Veranlagung. Diesen Kindern aber eine "einsame Zukunft" vorher zu sagen ist aber falsch. Es gibt genug erfogreiche dicke Menschen (Otto Fischer oder Rosie O'Donell zB, beim Sport: naja, wenn ich mir da den durchschnittlichen Kugelstoßer/Hammerwerfer ansehe...., auch bei den Schweratlethen sind etliche dabei). Und vor allem für Frauen gilt, das es viele Männer gibt die auf mollige bis dicke Frauen stehen.
Und in diesem Zusammenhang muß auch das Argument des körperlichen Unwohlseins betrachtet werden. Der Mensch muß sich in seinem Körper wohl fühlen, nicht die anderen

Lord Chaos
00
30.1.2012, 14:05

Es stimmt, dass manche Menschen eher zu Dicksein neigen als andere, es gibt zb sogar auch genug welche darum kämpfen ein paar Kilos zuzulegen...
Aber die Kombination viel Bewegung und dabei adipös habe ich noch nie erlebt. So gesehen schützt Bewegung sicher und zuverlässig vor Adipositas.

Das bin doch ich!
00
23.1.2012, 10:05

Ja, stimme ich zu! Aber ich halte es halt für besser, Menschen als Grundmeinung mitzugeben, dass Bewegung ihnen guttut und dass Junkfood nicht das Leckerste ist etc. Es muss ja gar nicht so weit kommen, dass ein Mensch extrem übergewichtig wird bzw. man kann die Notbremse ziehen und was für sich tun, wenns zu arg wird. Doch den Schlankheitswahn halte ich für genauso dämlich wie irgendwelche Schönheits-OP. "Veranlagung" zum Dicksein haben wohl am meisten die, die am liebsten Essen und Bierchen trinken. Ich habe keine Veranlagung, doch ich bin trotzdem zu fett, weil ich halt zuuuu gern esse und trinke. Fühle mich nicht wohl, weil schon etwas zu unbeweglich, wenn auch nicht extrem adipös.

bibliothekar
00
23.1.2012, 09:24

Als gerade Otto Fischer ist ein schlechtes beispiel. Der muss offensichtlich für zuneigung zahlen ;)

FinalDestinati0n
98
22.1.2012, 22:50

"Schlanke Mädchen mag man eben"

Yessir.

Fett sieht einfach ekelig aus.

LuFi
21
23.1.2012, 09:39

recht habens!

dieantagonistin
42
23.1.2012, 08:14

Ekeliger Kommentar. Du Würstel.

niewieder nett
 
11
23.1.2012, 13:37

ein frauenfeind halt

Cynicism
02
22.1.2012, 22:35
Ich bin zwar normal auch der Meinung,

dass im Zweifel ein zwei-drei Kilo mehr sind als ein paar zu wenig, aber dass Übergewicht ein ausuferndes Problem unserer Gesellschaft ist, kann niemand leugnen.

flotter denker
156
22.1.2012, 15:11
Ein lauter Aufschrei allenthalben. Dabei ist das doch einfach die Realitaet

Wer heutzutage was werden will, der muss schlank sein. Fette sind
- erstens haesslich. Wer will die denn schon dauernd anschauen?
- zweitens, bei Maennern gehts ja noch einigermassen, aber wenns Frauen sind, dann ist das ueberhaupt eine Katastrophe
- drittens - gsund ist es sicher nicht, extremes Uebergewicht zu haben. Also - abnehmen, Leute!

Nemi
10
23.1.2012, 08:51

SIE finden "Fette hässlich"

Bitte nicht gleich auf alle schließen!!!! Bitte jedem seinen Geschmack selber überlassen!!!

Nevim
11
23.1.2012, 06:25

Ihnen nehm ich gar nix ab.

Lilith Boessse
 
30
22.1.2012, 23:09
das ist GENAU wie mit dem lustig machen über "unterschichten namensgebung"

WIR sind es, die leute diskriminieren, be- und abwerten, ausspotten, verurteilen, nicht anstellen, weil wir denken, - ja was auch immer wir denken ...

IMMER nur WIR! oder wer sonst ist die gesellschaft?

mut braucht es. mut!
nicht nur den, zu sich selbst zu stehen. auch den, sich nicht immer nach den stärkeren zu richten, sondern sich den schwächeren zuzuwenden!
WIR bestimmen, ob zu dick sein in unser schönheitsideal passt, oder nicht!

WIR sind die GESELLSCHAFT!

flotter denker
00
23.1.2012, 18:29
Jo eh - WIR sind die Gesellschaft

Es ist Ihnen ja unbenommen, schoen zu finden, wen oder was auch immer sie wollen. Und Vielleicht werden barocke Figuren ja wirklich mal in.
Waer aber schad. Denn die Schlanken sind halt so viel aparter ...

bibliothekar
02
23.1.2012, 09:09

Sie wollen, dass dick sein als schön gilt und dass es mehr übergewichtige gibt? Wieso wäre das mutig? Und wieso wäre das besser als die gegenteilige forderung?

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