Homosexuellen-Mahnmal Berlin

Kussszene nun auch mit Frauen

23. Jänner 2012, 10:46
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    foto: ap/michael sohn

    Rudolf Brazda, Überlebender des Holocaust, am Berliner Homosexuellen-Mahnmal.

Nach Protesten wird jetzt auch lesbischer Frauen gedacht - Das neue Video soll am Donnerstag vorgestellt werden

Berlin - Das Video mit einem sich küssenden Männerpaar am Homosexuellen-Mahnmal in Berlin wird mit fast zweijähriger Verspätung ausgetauscht. Künftig zeigt der Film zur Verfolgung während der NS-Zeit nicht nur zwei Männer beim Kuss, sondern verschiedene gleichgeschlechtliche Paare - junge und alte, Männer und Frauen. Am Donnerstag wird das neue Video der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Mahnmal am Berliner Tiergarten erinnert an die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. In dem Steinblock, der die Stelenform von Peter Eisenmans nahe gelegenem Denkmal für die ermordeten Juden Europas aufnimmt, wird seit der Einweihung im Mai 2008 in einer Endlosschleife das Video mit der männlichen Kussszene gezeigt. Küsse zwischen Männern waren in der NS-Zeit strafbar.

Kritik von Alice Schwarzer

Die von Alice Schwarzer herausgegebene Zeitschrift "Emma" hatte den Film schon vor der Eröffnung als einseitig kritisiert, weil er die weiblichen Opfer ausschließe. Das dänisch-norwegische Künstlerduo Michael Elmgreen und Ingar Dragset schlug daraufhin vor, das Kuss-Video alle zwei Jahre neu gestalten zu lassen.

Ursprünglich sollte es den ersten Wechsel schon 2010 geben. Der Wettbewerb um die neue Präsentation habe jedoch länger gedauert als geplant, sagte Stiftungssprecherin Felizitas Borzym. Die Neugestaltung stammt nun von den Künstlern Gerald Backhaus, Bernd Fischer und Ibrahim Gülnar.

Umstritten war, ob der lesbischen Frauen genauso gedacht werden sollte wie homosexueller Männer. Weil in dem neuen Wettbewerb nicht ausdrücklich eine männliche Szene gefordert wurde, hatten die LeiterInnen mehrerer KZ-Gedenkstätten in Deutschland im März 2010 vor einer "Verfälschung der Geschichte" gewarnt. Im Nationalsozialismus seien nur homosexuelle Männer verfolgt worden, schrieben sie in einem offenen Brief. Liebe unter Frauen sei zwar verpönt gewesen, aber kein Grund zur Verfolgung.

Opfer gezielter Mordaktionen

Der Lesben- und Schwulenverband, Mitinitiator des Denkmals und Mitglied der Auswahljury, ist mit der jetzt gefundenen Lösung einverstanden. Das Mahnmal habe auch den Sinn, ein Zeichen gegen aktuelle Diskriminierung zu setzen, hatte Bundessprecherin Renate Rampf während der Ausschreibung gesagt. "Wir finden es schön, wenn das Mahnmal beweglich ist und einem Prozess unterliegt."

Während der NS-Zeit wurden rund 50.000 Männer wegen ihrer Homosexualität verurteilt. Teilweise konnten die NS-Behörden die Kastration Verurteilter erzwingen. Mehrere tausend Schwule wurden in Konzentrationslager verschleppt. Ein großer Teil von ihnen überlebte die Lager nicht. Sie starben wegen Hunger, Krankheit und Misshandlung oder wurden Opfer gezielter Mordaktionen. (APA)

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19 Postings
Nennt mich Loretta
 
00
26.1.2012, 12:56
http://www.dailymotion.com/video/xez... n-kon_news

ab 5:05

Zitat einer Aktivistin: "Auch schwule Männer sind halt nur Männer."

Pygar
 
11
25.1.2012, 21:59

Es ist schon bezeichnend, dass man erst immer und überall gegen die Diskriminierung von Frauen ankämpfen muss. Zuerst wird das dann herunter gespielt, dann rechtfertigen sich die Patriarchalen und nach langen, ermüdenden Debatten lassen sich Logik und Vernunft nicht mehr ignorieren.

Ich wünsche mir, dass auch Projekte, die von Männern initiiert werden, den Focus nicht nur auf Männer begrenzen!

MareTranquil
13
26.1.2012, 10:40

Es könnte natürlich auch daran liegen, dass homosexuelle Frauen im Gegensatz zu den Männern nicht verfolgt/ermordet wurden.

Aber ich denke mal, solche kleinen Details fallen für Sie in den Bereich "lange, ermüdende Debatten".

Episteme
34
23.1.2012, 19:15

Mei muss das Leben anstrengend sein, wenn man sich ständig ausgegrenzt fühlt und sich mit Ellenbogen zum Wühltisch vordrängen muss.
Manche Sachen, die FeministInnen anprangern sind sicherlich gut. Aber bei den meisten Dingen frag ich mich, ob es nicht einfach am nicht vorhandenen Selbstbewusstein und Selbstwertgefühl liegt.

Amy4
510
23.1.2012, 14:56
gedemütigt und stigmatisiert als lesbe und frau

lesben wurden unter dem nazi-regime als `asozial, triebhaft` diffamiert. vor allem, weil sie sich dem `heterror` widersetzten und nicht als gebärmaschinen d. regime zur verfügung standen. viel jüdische frauen waren lesben und wurden in die konzentrationslagern inhaftiert, ermordet. eine damalige starke frauenbewegung, in der viele lesbische frauen wirkten, wurden von den nazis zerschlagen. lesbische frauen wurden zwar nicht unter dem artikel 175 kriminalisiert, hatten aber - soweit sie als arische frauen anerkannt wurden - eine bevölkerungspolitische aufgabe zu erfüllen, kinder zu bekommen - sie wurden als lesbe und frau gedemütigt, stigmatisiert...
http://www.anjaroehl.de/lesben-di... aschismus/

Pygar
 
11
25.1.2012, 22:03

Die Diktion der Nazis war, dass schwule Männer für die Fortpflanzung verloren waren, da sie "krank" sind. Sie kamen in ein KZ oder Gefängnis. Bei den Frauen setzen die Nazis aber auf pure Gewalt und wollten sie so wieder auf nationalsozialistische Linie bringen.

Man sollte auch nicht vergessen, dass jedes KZ ein Bordell hatte, wo Frauen (bevorzugt Lesben, falls bekannt) wie am Fliessband vergewaltigt wurden.

Kawummm !
53
23.1.2012, 14:27
geh bitte

was soll das ? keine lesbe wurde ermordet und trotz dem muss man ihnen gedenken ? gehts noch ??

Jürgen Rembremerding
01
23.1.2012, 18:04
Gedenken ist mit dem 2. Fall!

Gedenke dessen!

Cerulean Warbler
16
23.1.2012, 13:49
Hab ich das richtig verstanden:

Lesben wurden unter dem Nationalsozialismus NICHT verfolgt, dennoch muss ihrer gedacht werden???

Pygar
 
21
25.1.2012, 22:05

Das hast du nicht verstanden. Obwohl ich mich frage, wie dumm man sein kann, um nicht zu verstehen?

Jürgen Rembremerding
15
23.1.2012, 18:07
Daran siehst Du die Perfidie des Dritten Reichs!

Die Na.zis haben den nachgeborenen Aktivistinnen den Opferstatus vorenthalten.

noirc80
58
23.1.2012, 14:46
nein, hast du nicht.

das ist kein denkmal, sondern ein mahnmal. es soll also nicht nur an verfolgte und ermordete erinnert werden, sondern mahnend in der gegenwart wirken, was angesichts der diskriminierung von homosexuellen nach wie vor aktuell ist.

was die verfolgung in der nazizeit angeht: glaubst du ernsthaft, lesbische frauen konnten offiziell verkünden: ich bin lesbisch und das ist meine freundin? die unterdrückung ist hier eine andere als die aktive verfolgung von schwulen und ergibt sich vermutlich aus der geringschätzung von frauen allgemein.

Pygar
 
12
25.1.2012, 22:05

Zuviel der Ehre für einen widerlichen Kerl, der nicht verstehen WILL.

4simo
01
23.1.2012, 14:34

im zusammenhang eines denkmals, das an eine definierte geschichte erinnern will/soll ist es widersinnig.

ich find das reduzieren auf diesen teil der geschichte schon widersinnig, weil die mechanismen, die dazu geführt haben sich nicht auf den nationalsozialismus reduzieren lassen, und sich auch nicht durch das ablehenen der nazis alleine nicht zerstört werden.

nach hinten gerichtet, kann man die welt nicht verbessern.

ein denkmal für toleranz von homosexualität find ich sinnvoll(er) da betrifft wiederum beide.

noirc80
50
23.1.2012, 14:59
deswegen ist es ja auch ein MAHNmal!!! und nicht ein denkmal.

lesen hilft.

4simo
00
23.1.2012, 16:13

ja stimmt, lesen hilft

hätten Sie sich doch nur selbst daran gehalten...

Tethys
11
23.1.2012, 14:12

Die Sachlage ist etwas komplizierter: Homosexualität war strafbar und wurde verfolgt. Warum der Fokus auf männlicher Sexualität? Nun, Gesellschaften, die stark auf "Männlichkeit" fixiert sind, sehen in Homosexualität natürlich ihren größten "Feind". Frauen wurde zu Zeiten der Nazis nicht wirklich eine eigenständige Sexualität zugestanden (diese eigene Sexualität ist erst ein paar Jahrzehnte alt) - daher war es ihnen schlicht egal, ob Frauen Lesben sind oder nicht. Männer hingegen, die nicht der "Norm" entsprachen, wurden verfolgt und getötet. Frauen, die einander zugetan sind, lösen des weiteren bei vielen Männern "Phantasien" aus, Männer die dasselbe tun, lösen bei ihnen Ekel aus. Frauen hatten keine "Sexualität", weder hetero- noch homo-.

Mac Smith
12
23.1.2012, 12:44
Eine treffende Reaktion auf Schwarzer's Aktion damals..

..erschien im Schwulenblog "gay west".

http://gaywest.wordpress.com/2007/06/0... d-pervers/

noirc80
52
23.1.2012, 14:58
gewohnt oberflächlich...

gedenken und mahnen sind zwei verschiedene sachen.

außerdem ist diese sichtweise auch ein bisschen beschränkt. dass homosexualität bei frauen oft nicht als so bedrohlich angesehen wird wie bei männern liegt daran, dass die sexualität von frauen nicht ernst genommen wird, woraus nicht unbedingt folgt, dass sie, nur weil es keinen paragraphen gibt, der dazu benutzt wird, sie zu verfolgen, in paradiesischen zuständen leben würden bzw. gelebt hätten.
die quellenlage ist hier sehr dürftig, auch das ist eine folge dessen, dass frauen nicht ernst genommen wurden/ werden, aber es gibt hinweise darauf, dass es correctiv rape gab.

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