63 Prozent der 400-Euro-Jobs werden von Frauen ausgeführt - Es kommt zu einer Verfestigung des Niedriglohnbereichs
Berlin - Mit dem Wirtschaftsaufschwung ist in Deutschland auch die Zahl der MinijobberInnen auf ein Rekordhoch gestiegen. Zur Jahresmitte 2011 gab es nach neuen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) 7,387 Millionen geringfügig Beschäftigte mit einem 400-Euro-Job. Das waren nach einer am Montag vorliegenden Statistik 112.500 mehr als ein Jahr davor. Das ist der höchste Stand seit der Neuregelung der Minijobs im Jahr 2003. Der Anstieg geht vor allem darauf zurück, dass sich immer mehr Menschen mit einem Minijob ein Zubrot zu ihrer Hauptbeschäftigung verdienen. "Das ist ein längerfristiges Phänomen, das nicht an Konjunkturzyklen gebunden ist", sagte eine BA-Sprecherin. Es sei daher ein Zufall, dass Minijob-Rekord und Wirtschaftsboom zeitgleich aufträten.
Die Zahl der ausschließlich in einem Minijob Arbeitenden sei kurz nach der Reform 2003 deutlich gestiegen, seither aber relativ konstant geblieben. "Die Nebenjobs wachsen beständig weiter", sagte die Sprecherin. Die Zahl der im Nebenjob geringfügig Beschäftigten legte innerhalb eines Jahres um rund 135.000 auf fast 2,5 Millionen zu. Die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten fiel dagegen im gleichen Zeitraum um gut 22.000 auf 4,894 Millionen.
Minijobs sind eine Domäne der Frauen: Sie stellen mit 63 Prozent fast zwei Drittel der geringfügig Beschäftigten. Die vier Branchen mit den meisten Minijobbern waren laut BA im Juni 2011 der Handel, wirtschaftliche Dienstleitungen wie Reinigungsgewerbe, das Gastgewerbe sowie das Gesundheits- und Sozialwesen.
Zahl regulärer Jobs stieg stärker
Noch stärker als die Minijobs legten im Zeitraum von Juni 2010 bis Juni 2011 die regulären sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze zu. Ihre Zahl stieg um fast 671.000 oder 2,4 Prozent auf 28,381 Millionen. Maßgeblich dafür war das Wirtschaftswachstum von drei Prozent im vergangenen Jahr.
Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hatte in der vergangenen Woche eine Studie vorgelegt, wonach Minijobs zu einer Verfestigung des Niedriglohnbereichs beitrügen. MinijobberInnen verdienen demnach pro Stunde nur halb soviel wie regulär Beschäftigte. Den ForscherInnen zufolge nutzen es ArbeitgeberInnen aus, dass solche Arbeitsverhältnisse für die ArbeitnehmerInnen von Steuern und Sozialabgaben befreit sind. Mit diesem Argument zahlen die Unternehmen den Minijobbern niedrigere Stundenlöhne. (Reuters)