Bei einer Podiumsdiskussion wurde der Blick auf die Geschlechter(un)gerechtigkeit in der Wissenschaft gelegt
Wien - Hinsichtlich einer effizienteren Förderung von Frauen in wissenschaftlichen Spitzenpositionen ist "noch einiges zu tun". Darüber waren sich Heinz Engl, Rektor der Universität Wien, und Sabine Seidler, Rektorin der Technischen Universität Wien, Montagabend bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft an der Uni Wien einig.
Der Anstieg der Zahl der Studentinnen sei zwar durchaus positiv zu sehen, so die beiden RektorInnen unisono. Seidler sah im Bereich des universitären Frauenanteils aus Sicht der TU jedoch noch Nachholbedarf: Mit zehn Prozent Professorinnen und etwa einem Viertel Studentinnen sei man unterdurchschnittlich.
"Gesamtgesellschaftliche Gründe"
Positiv sieht Engl die steigende Anzahl von Professorinnen in den Naturwissenschaften an der Uni Wien. Generell sei es "aus gesamtgesellschaftlichen Gründen" notwendig, mehr Frauen zu diesen Fächern zu motivieren. Trotz vermehrter Förderungsmaßnahmen könne aber ein Sinken der Studentinnenzahl in den MINT-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) beobachtet werden.
Hinsichtlich Quotenregelungen zeigten sich die beiden Uni-ChefInnen skeptisch. Während Engl betonte, dass die "Rahmenbedingungen geändert" werden müssten, um "ohne Quoten auszukommen", sah Seidler auch Vorteile und ortete "schon auch eine politische Notwendigkeit". Wichtig sei es, die Gründe für das Ausscheiden von Frauen aus wissenschaftlichen Laufbahnen zu untersuchen: Karriereknicke gäbe es in weiblichen Lebensläufen vor allem nach der Dissertation, Seidler sprach hier von "leaky pipelines", "tropfenden Leitungen".
"Defizitären Ansatz" überwinden
Es gelte daher, bei den sozialen Rahmenbedingungen anzusetzen, so die Rektorin. Hinsichtlich ihrer persönlichen Karriereplanung beschrieb die in der DDR aufgewachsene Werkstofftechnikerin dort eine höhere Akzeptanz weiblicher Werktätigkeit und Angebote kostengünstiger Kinderbetreuung. Sie selbst, so Seidler, musste zu ihrem Glück, also zum Technikstudium, "gezwungen" werden. Aufgrund des wegen geringen Frauenanteils entstandenen "schlechten Rufs" der TU müssen bereits junge Mädchen für Technik begeistert werden. Generell solle man aber den "defizitären Ansatz" - also die Vorstellung, Frauen brauchten Förderung - überwinden. (APA)