Neuer ÖVP-Vorschlag

Mit 65 in Pension: "Damit wird nichts verbessert"

26. Jänner 2012, 17:27

Frauen sollen länger arbeiten, um die Pensionslücke zu schließen - dieStandard.at fragte nach, ob das klappen kann

Bei der ÖVP ist man sich einig: Frauen sollen später in Pension gehen, und zwar schon sehr bald (dieStandard.at berichtete). Die derzeitige Regelung sieht eine schrittweise Anhebung des Pensionsantrittsalters ab 2024 vor, bis 2033 soll diese zur Gänze abgeschlossen sein, und auch Frauen sollen dann wie Männer mit 65 in Pension gehen. Geht es allerdings nach allen sechs Teilorganisationen der ÖVP, soll diese Angleichung des Pensionsantrittsalters bereits 2024 abgeschlossen sein. Sie stellten am Donnerstag ein Modell vor, das die erste Anhebung bereits für das Jahr 2014 vorsieht. Bis 2016 soll die weitere Anhebung um vier Monate pro Jahr erfolgen, ab 2017 jedes Jahr um sechs Monate. Dieser Vorschlag würde die "Einkommenslücken der Frauen in der Pension schließen", hoben die VertreterInnen der Teilorganisationen hervor. Begleitmaßnahmen wurden zwar auch gefordert, mit den Kosten solcher Maßnahmen habe man sich aber noch nicht auseinandergesetzt. 

Umso mehr wandten sich die Reaktionen auf das ÖVP-Modell diesen Begleitmaßnahmen zu - die noch weitgehend zu wünschen übrig lassen, so der Tenor.

"Damit wird nichts verbessert"

"Dieser Vorschlag ist weder ein Beitrag zum Sparen, noch verbessert er die Lebenssituation der Frauen", hieß es in einer ersten Reaktion aus dem Frauenministerium gegenüber dieStandard.at. "Die ÖVP tut so, als würde die Wirtschaft die Frauen mit offenen Armen empfangen", dabei wisse man genau, dass Frauen in einem höheren Alter besonders von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Es sei "schlichtweg zynisch, die frühere Anhebung des Frauenpensionsalters schönzureden".

Auch die Frauensprecherin der Grünen sieht in dem vorliegenden Modell das Problem der Frauenarbeitslosigkeit vernachlässigt. Solange es noch keine Vereinbarkeit der Betreuungsarbeit von Kindern oder Angehörigen mit dem Beruf gebe, seien diese Vorschläge "völlig abgehoben", so Judith Schwentner auf Nachfrage von dieStandard.at.

"Dem Arbeitsmarkt zuwenden"

Doch nicht nur Frauen-PolitikerInnen sehen den von den ÖVP-Teilorganisationen propagierten Vorteil von höheren Pensionen für Frauen durch einen späteren Pensionsantritt nicht. Auch Hilde Stockhammer, Vorsitzende der Frauenabteilung des AMS, kann der früheren Anhebung des Pensionsantrittsalters nichts abgewinnen. "Das Argument ist immer, dass Frauen so mehr Versicherungsjahre zusammenbekommen. Aber das klappt natürlich nur, wenn sie berufstätig sein können und in einem gut bezahlten Beruf arbeiten", gibt sie gegenüber dieStandard.at zu bedenken. Doch weil Frauen über 50 mehr von Arbeitslosigkeit betroffen sind und ihre Löhne ab 55 einen Rückgang verzeichnen, während die der Männer auch jenseits der 50 kontinuierlich steigen, gäbe es keine positive Wirkung diese Modells. Bevor man bei den Pensionen eingreift, müsste man sich dem Arbeitsmarkt zuwenden, so Stockhammer. 

Dem von den ÖVP-Teilorganisationen vorgebrachten Argument, mit dem Vorziehen des Antrittsalters die Kluft zwischen den Frauen- und Männerpensionen schließen zu können, widerspricht auch ÖGB-Bundesvorsitzende Brigitte Ruprecht: "Bis die Einkommenslücke der Frauen in der Pension geschlossen ist, braucht es mehr Zeit als zwei Jahre, wie ein Blick in die Vergangenheit beweist", reagiert sie in einer Aussendung. Es helfe den Frauen nicht weiter, dass hier die Arbeitsmarktrealität verleugnet werde. (beaha, dieStandard.at, 26.1.2012)

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Rosenholzer
20

Mir ist es eigentlich egal ob dadurch etwas besser wird. Ich sehe nicht ein, warum eine Bevölkerungsgruppe die eine längere Lebenserwartung hat früher in Pension gehen darf. Daher gehört das Alter angeglichen und zwar ohne Übergangsregelung sofort.

Alfred Zopf
26
28.1.2012, 08:02

Leider nicht beachtet, dass ein höheres Pensionsantrittsalter auch heißt: Jugend, bitte warten, in Schweden gibt es eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit, von der niemand spricht. Übrigens erinnere ich mich noch an ein Interview mit Bartenstein im Jahre 2002, wo er meinte, dass in Kürze (2004/05) sowieso viel mehr Arbeitskräfte benötigt werden als es ArbeitnehmerInnen gibt, diese Entwicklung ist bisher nie eingetroffen und auch in Zukunft wird die Jugendarbeitslosigkeit in Europa das größte Problem sein, d.h. im Klartext Alte nehmen den Jugenen die Arbeitsplätze weg, eine verkehrte Welt. Solange es Jugendarbeitslosigkeit in diesem hohen Ausmaß gibt sollte das Pensionsantrittsalter nicht mit Druck erhöht werden.

user posted image
22
27.1.2012, 17:28
und wenn wir alle bis 85 hackeln sollen - wirds auch nicht reichen, liebe övp&co kg.

de-xpat
02
27.1.2012, 14:44
Augenauswischerei

es geht überhaupt nicht um wirklich längeres Arbeiten, weder bei Frauen noch bei Männern. Die Realität wird sein, dass viele lieber mit Abschlägen in die "Frühpension" gehen werden, und das ist so gewollt, weil sonst die virtuelle Pensionskasse nicht reicht. Noch vor ein paar Jahren wurde viel über Demographie diskutiert, und dass die wenigen Jungen die vielen Pensionen nicht mehr finanzieren werden können. Geändert hat sich daran ja nix, ausser dass nicht mehr diskutiert wird. Jetzt kommt halt die Massnahmen.

Anton J. Helmreich
22
27.1.2012, 14:08
pensionsantrittsalter angleichen - sofort

tatsächliches pensionsantritsalter an gesetzliches anpassen - ebenfalls sofort.

alle gegenargumente sind durchsichtige scheinargumente und mitunter dem einzelnen zuträglich abe für die gesellschaft gift.

legal eagle
 
01
27.1.2012, 14:04
es ist schelchte österreichische tradition, den völlig dysfunktionalen arbeitsmarkt für ältere arbeitnehmer mit mitteln des pensionsrechts regulieren z wollen.

das allein ist aber kein grund, gerechtigkeitsprobleme im pensionsrecht über jahrzehnte weiter bestehen zu lassen.

und noch was: frauen haben am arbeitsmarkt dieselben altersprobleme wie männer - man nennt das altersdiskriminierung. die setzt bei frauen um fünf jahre früher ein, weil das pensionantrittsalter mit der alterung und der damit einhergehenden leistungseinschränkung gleichgesetzt wird.

schauen wir nach dtl: dort stieg die beschäftigungsquote älterer arbeitnehmerinnen mit steigendem antrittsalter ebenfalls an.

wären spä und gewerkschaftsfrauen nicht vollkommen politikvergessen, würden sie ein ordentliches maßnahmenpaket verhandeln - und zb endlich die schändliche partneranrechnung bei der notstandshilfe wegbringen...

Neuer Nick neues Glück
33
27.1.2012, 12:53

"Frauen sollen später in Pension gehen, und zwar schon sehr bald [...] schrittweise Anhebung des Pensionsantrittsalters ab 2024 vor, bis 2033 soll diese zur Gänze abgeschlossen sein."

Das ist ja wirklich sehr bald...
Diese Ungerechtigkeit gehört mit Stichtag 01.02.2012 abgeschafft.

1000 Kopfläuse können nicht irren
03
27.1.2012, 12:35
Die Antworten aus dem Ministerium sind weniger als "hilflos".

Um auf einige dieser "Argumente" doch einzugehen:
Frauen haben u.a. AUCH wegen der kürzeren Lebensarbeitszeit, welche nicht zuletzt durch das frühere Pensionsantrittsalter bedingt ist, niedrigere Pensionen. Darüber beschweren sich Frauen bereits seit langem, aber wenn endlich einmal konkret etwas dagegen getan wird, ist es auch nicht recht.
Die Statements in diesem Artikel erzeugen bei mir nur ein Kopfschütteln!

Pangea
220
27.1.2012, 11:20
Ich kene kein Argument, warum das Pensionsalter zwischen Männchen und Weibchen unterschiedlich sein soll?

zahnloser Tiger
416
27.1.2012, 11:29
gehns, das ist doch ganz einfach:

- JEDE Frau stöhnt unter der Doppelbelastung von Arbeit und Haushalt! Männer leben im Dreck, darum haben alleinstehende Männer dieses Problem nicht.

- JEDE Frau muss dafür belohnt werden dass sie Kinder bekommen KÖNNTE. Ob sie welche bekommen oder nicht, sie KÖNNTEN ja Jahre ihres Lebens in Kinder investieren und Erziehungsarbeit leisten. Das tun aber NUR FRAUEN. Männer niemals. Die interessieren sich eh nicht für ihre Kinder.

- Frauen sind früher (vor über 30 Jahren) gesetzlich diskriminiert worden. Das reicht als Begründung für ALLES aus. Auch wenns nix damit zu tun hat. Wurst. Frauen wurden benachteiligt, also müssen sie nun privilegiert werden. Daran führt kein Weg vorbei. Zumindest keiner den wir sehen wollen.

alles klar?

Universe
41
27.1.2012, 11:14
Arbeitslosigkeit

Männer 50+ sind von der Unvermittelbarkeit am Arbeitsmarkt fast genauso betroffen, keine Frage. Damit erklärt sich das Durchschnittspensionalter der Männer von selbst. Die Altenpflege bleibt jedoch in erster Linie den Frauen, daher würde mit der Pensionsangleichung dieses Problem massiv verstärkt werden.

Regis 1
00
29.1.2012, 13:41
Männer 50+

inzwischen ist es schon längst 40+ ...

anders and
 
31
27.1.2012, 14:10

Wieviel Prozent der Frauen zwischen 55 und 65 pflegen Angehörige? Ich bezweifle, dass das mehr als 15% sind, wobei in der Hälfte der Fälle die Pflege neben der Arbeit deutlich weniger belastend ist als sich komplett auf die Pflege zu konzentrieren.

Neuer Nick neues Glück
13
27.1.2012, 12:50

Es gab auf derStandard kürzlich einen Artikel zum Thema Pflege in der Familie.
Die Zahl war sensationell, 5 oder 10% werden in der eigenen Familie gepflegt.
Selbst wenn man davon ausgeht, dass das in allen Fällen Frauen sind, sieht man mal, wie gering diese Mehrbelastung tatsächlich ist.

anders and
 
11
27.1.2012, 14:06

Sie haben den Artikel falsch verstanden: 5-10% sagen, dass sie jemanden pflegen,

80% werden zu Hause gepflegt - nicht unbedingt von der eigenen Familie.

Neuer Nick neues Glück
00
27.1.2012, 14:18

Und das bedeutet?

anders and
 
10
27.1.2012, 14:44

könnten Sie die Frage etwas konkreter stellen?

zahnloser Tiger
00
27.1.2012, 11:32
sie meinen wenn Frauen UNBEZAHLTE Pflege leisten (zumeist an anderen Frauen, Männer sterben ja früher) dann nützt das jemandem?

wem genau?

ist ihnen in den Sinn gekommen dass diese alten Frauen auch selbst Pflege brauchen, die von jüngeren ArbeitnehmerInnen geleistet werden könnte?

"verstärkt" wird nur die Armut von Pensionistinnen wenns so weitergeht... die können sich dann keine Pflege leisten... was weniger Arbeit für Pflegekräfte heisst...

also irgendwie stellt sich die Situation für mich genau entgegengesetzt ihrer Schilderung dar.

woran liegt das?

Mirabilis1
18
27.1.2012, 09:15
Wahlmöglichkeit

Als 50-jährige wäre ich von so einer Änderung betroffen. Dennoch würde ich persönlich ein höheres Pensionsantrittsalter bereits vor 2024 befürworten. Nach Studium und der Geburt von drei Kindern bin ich erst mit 39 als Alleinerzieherin voll in den Arbeitsprozess eingestiegen. Sicher, ich bin in der glücklichen Lage, einen guten Job zu haben. Ich arbeite gerne. Dass mir von Gesetzes wegen nicht zugetraut wird, so wie meine männlichen Kollegen bis 65 zu arbeiten und nach dem Selbständig werden der Kinder die Zeit meines Alters finanziell besser abzusichern, ist diskriminierend. Natürlich müssen faire Lösungen für Frauen ohne Job oder schlechter Ausbildung gefunden werden. Doch die Bevormundung durch unsere PolitikerInnen ist unerträglich

lieschen müller4
74
27.1.2012, 10:21

Sie MÜSSEN ja nicht mit 60 in Pension gehen und können freiwillig weiterarbeiten.Es gibt aber sehr viele die sehr wohl mit 60 genug haben und warum sollen die nur deshalb länger arbeiten MÜSSEN weil Sie das so schön finden? Kopfschüttel....

Cerberus303
01
27.1.2012, 14:25
Also wenn ich eine Mitarbeiterin habe...

... die mit 60 in Pension "darf" - dann fällt mir schon was ein, dass sie auch wirklich in Pension geht, schließlich kann ich dann umso eher eine junge billige Arbeitskraft einstellen.

Wenn die Gute aber erst mit 65 in Pension gehen darf, dann hab ich eher schlechte Karten. Jemanden 5 Jahre vor Pension zu kündigen, kann ins Auge geh'n...

Ergo - Pensionsalter rauf, dann sind mit einem Schlag mehrere Bereiche bereinigt

lieschen müller4
10
27.1.2012, 22:08

Die billige junge Arbeitskraft wird sich sicher sehr freuen,dass Ihre Ansicht dazu führt,dass sie dann keinen Arbeitsplatz hat,nicht einmal einen billigen.

Mirabilis1
00
30.1.2012, 08:21
Wo leben Sie?

Wenn Sie nicht (mehr?) arbeiten wollen, können Sie ja auch mit 50 oder 55 aufhören. Das steht Ihnen immer frei.
Überlassen Sie Ihren Arbeitsplatz der billigen jungen Arbeitskraft, sie freut sich über den Job von dem sie vielleicht grad leben kann, Sie haben Ihre Freiheit und der Arbeitgeber hat gespart.
Doch dass Sie denken, dass die Allgemeinheit dieses Arrangement finanzieren muß, ist naiv. Oder glauben Sie, das Geld kommt eh aus der Druckerei.

lieschen müller4
00
30.1.2012, 09:58

Die Frage gebe ich zurück.Sie sollten wissen,dass man nicht so einfach zu arbeiten aufhören kann,es sei denn man kann mit sehr wenig Geld leben.Und ob Sie die über 40 Arbeitsjahre vorweisen können,die ich mit 60 haben werde und für die ich auch immer SV Beiträge (auch für die Pensionsversicherung)einbezahlt habe und damit das System jahrzehntelang finanziert habe,wage ich zu bezweifeln.D.h.ich habe die "Allgemeinheit" finanziert und ich konnte mir das Geld nicht aus der Druckerei holen sondern musste schwer dafür arbeiten. Kopfschüttel....

Mirabilis1
00
30.1.2012, 11:04
Keine Sorge

die 40 Jahre habe ich , da ich mein Studium selbst finanziert habe und gearbeitet habe, wie auch während der Zeit, in der meine Kinder klein waren. Bei einem künftigen Durchrechnungszeitraum für die Pension von 40 Jahren sind viele Jahre nur mit niedrigem Einkommen vorhanden. Der Unterschied zwischen uns ist die Bereitschaft zur Eigenverantwortung für die Finanzierung der eigenen Pensionszeit. Ich weiß, dass die künftige Gereration, meine Kinder steigen in das Berufsleben jetzt ein, das System über kurz oder lang nicht finanzieren kann

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