Quoten-Debatte

"Frauen sind nicht die besseren Menschen"

Interview | 27. Jänner 2012 18:22
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    Foto: tu berlin

    Carmen Leicht-Scholten ist Professorin für Gender und Diversity in den Ingenieurwissenschaften an der Fakultät für Bauingenieurwesen an der technischen Hochschule RWTH Aachen. Sie referierte diese Woche beim Personalentwicklungskongress der Med-Uni Wien.

Warum Quoten "im Kaskadensystem" gerade jetzt notwendig sind und was Frauen von Männern in Führungsrollen nicht unterscheidet

Standard: Wenn es um Geschlechterverteilung in der Führung geht, dann schwingt oft mit, dass Frauen "anders" im Sinne von "besser" führen. Ist das so?

Carmen Leicht-Scholten: Jein. Es gibt ja nicht "die Frauen" und "die Männer", wir sind sozial konstruierte Personen. Wenn wir von Führungsverhalten sprechen, dann haben wir aber noch sehr klar stereotypisierte Vorstellungen von guter Führung: männlich, zeitlich quasi unbegrenzt verfügbar, ungestört von jeglichem Privaten, aufgabenorientiert und an finanziellen Anreizen festzumachen. Frauen sind anders sozialisiert und entsprechen diesem Bild nicht.

Standard: Wäre die Wirtschaftskrise nicht oder anders, wären schon mehr Frauen in den Boards gesessen?

Leicht-Scholten: Wären Boards unterschiedlicher, diverser gewesen - ja. Aber: Frauen sind ja nicht die besseren Menschen.

Standard: Wenn weibliches Führungsverhalten diskutiert wird, dann kommen Zuschreibungen wie "kommunikativ", "Bringt Benehmen und kooperativere Stimmung ins Team" und dergleichen - das sind ja auch Stereotype ...

Leicht-Scholten: Natürlich, aber wenn wir den Bias der Führung als männliche Idealvorstellung im Kopf haben, dann gibt es diese Unterschiede. Tatsächlich ist es selbstverständlich die einzelne Person, nicht ihr Geschlecht, die das Verhalten ausdrückt.

Standard: Spielt das Geschlecht also doch keine Rolle?

Leicht-Scholten: Doch, solange wir diese Stereotype haben, schon. In einer Gruppe von Führungskräften wird eine Frau nicht als Führungskraft, sondern als Frau wahrgenommen - dann beginnt die Quadratur des Kreises, es ist sehr schwierig, diesen Bestand aufzulösen. Letztlich geht es um Vielfalt, die ja allen Studien zufolge höheren ökonomischen Output und höhere Zufriedenheit in Unternehmen und Organisationen bringt. Das Geschlecht ist aber derzeit noch Thema, weil Frauen 50 Prozent der Gestaltungsmacht zustehen, die sie nicht haben.

Standard: Also Quoten?

Leicht-Scholten: Niemand gibt gern die Macht ab. Ich bin absolut für Quoten, und zwar im Kaskadensystem: Es wird keine Rektorinnen geben, wenn es keine Professorinnen gibt. In Unternehmen ist das genauso. Da braucht es Quotenziele mit Anreizsystemen im Sinne von Budgetsanktionen der jeweils verantwortlichen Manager.

Standard: Frauen müssen also konkreter an den Machtsesseln sägen?

Leicht-Scholten: Ja, aber nicht einzelne Männer in Einzelhaft nehmen für ein gesellschaftliches Problem, das wir haben. Es wird gern weichgeredet, aber es geht um Verteilungsmacht, um 50 Prozent des Himmels, der Hölle.

Standard: Ein hohes Maß an politischer Correctness im Sprachgebrauch wär ja schon mal da ...

Leicht-Scholten: Ja, da sind wir ganz gut am Weg, aber wir müssen jetzt weitergehen mit Sensibilisierung auf allen Ebenen, individuell, strukturell, auf organisatorischer Ebene. Frauen wie Männer sind aufgerufen, ihre Rollen zu reflektieren - da ist in der jungen Generation ja auch ein Wandlungsprozess sichtbar. Quoten wären jetzt das probate Mittel, um deutlich zu machen, dass wir ankommen wollen ... und nicht mehr über weibliches und männliches, sondern nur mehr über gutes und schlechtes Führungsverhalten sprechen.

(Die Fragen stelle Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 28./29.1.2012)

Der Kluge
01.02.2012 05:31

"Professorin für Gender und Diversity"

Kein Kommentar

Lilith Boessse
 
09.02.2012 16:59
warum nicht?

Richard Ebner
28.01.2012 19:01
Mit mehr Frauen wäre die Wirtschaftskrise ...

ganz sicher anders gewesen.
Vielleicht noch ein bisschen schlimmer?

http://diestandard.at/126870094... nanzbomben

Thomas Felder1
28.01.2012 21:31

richtig, der falklandkrieg war ja auch mit einer weiblichen Regierungschefin gleich viel sinnvoller und die soldaten sind viel sozialer und empathischer gestorben...

SK26
28.01.2012 16:30
Illudure
29.01.2012 03:02

Ein anderer 9Gagger, Herrlich =)

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