Blogrundschau

So wird das nix mit der Liebe

1. Februar 2012, 07:00
  • Artikelbild
    foto: thomas robertello gallery / lilly mcelroy: lilly, 2006

    Lilly McElroy springt ins Leere.  

Eine Künstlerin bespringt fremde Männer und Bloggerin Antje Schrupp versucht alternative Herangehensweisen an die Liebe

Sie wirft sich Männern an den Hals. Manche der Zwangsbeglückten heben etwas hilflos die Arme, um die auf sie zufliegende Frau aufzufangen, manche stehen nur wie paralysiert da und warten, was als Nächstes passiert. Was da genau auf den Fotos der Künstlerin Lilly McElroy vor sich geht, erschließt sich nicht gleich auf den ersten Blick. Auf die bereits im Jahre 2006 produzierte Fotoserie machte kürzlich mädchenmannschaft.net aufmerksam. Von wegen schnelllebiges Internet.

Die Künstlerin Lilly McElroy interessierte sich mit ihrer Serie "I Throw Myself at Men" für das Bedürfnis, Beziehungen rasch entstehen zu lassen, die gleichzeitig auch noch intensiv und dauerhaft sein sollen. Um diesem Thema ästhetisch nachzuspüren, begab sich McElroy in diverse Bars und sprach dort fremde Männer mit der Bitte an, sich doch dabei fotografieren zu lassen, wie sie sich ihnen mit einem kräftigen Sprung in die Arme wirft. In meist ziemlich abstoßend aussehenden Bars - jenen Orten, die in Prä-Internet-Zeiten die erste Wahl für eine fokussierte Beziehungsanbahnung waren - nahm sie mit Hilfe anderer FotografInnen ihre Aktionen auf. Zuvor versuchte die Künstlerin, Männer über eine Dating-Webseite zu finden, die sich mit ihr für ein Blind Date treffen und auch gleich für die Fotos zur Verfügung stehen sollten. Zwar meldeten sich interessierte Männer, so McElroy im Interview mit mädchenmannschaft.net, sie ging dann aber doch dazu über, die Männer ohne große Abmachung im Vorfeld direkt zu kontaktieren.

Beängstigend unbeschwert

McElroys Rückzug von Dating-Webseiten passt gut zum Ergebnis der Fotoserie. Diese wirkt nämlich nicht nur als Position zu Geschlechterrollen, was McElroy mit ihrer Arbeit auch beabsichtigte, sondern vor allem als Kommentar zu einer sterilen Datingkultur, wie wir sie aus zahllosen US-amerikanischen romantischen Komödien, Serien und Liebesfilmen kennen. Diese geregelte Form des sich Näherkommens (mit dem einzigen Ziel: eine Beziehung) erreichte durch Dating-Webseiten noch einmal eine andere Dimension des ohnehin schon sehr weitreichenden Prinzips der Kalkulierbarkeit. Ein Phänomen, dem die Soziologin Eva Illouz schon 2003 in ihrem Buch "Der Konsum der Romantik" nachging und das McElroy in ihrer Fotoserie ins genaue Gegenteil kehrte. Keine Worte über Kompatibilität oder Zukunftsvorstellungen werden verloren, es gibt auch keine geschönten Angaben über das Äußere. Stattdessen fliegt sie blind in die Arme des anderen, "wie ein Projektil", wie es die Künstlerin selbst beschreibt. Den Boden unter ihren Füßen hat sie verlassen, die Reaktion des anderen schreckt sie nicht ab. Eine beängstigende Unbeschwertheit hat Lilly McElroy mit ihrer Fotoserie da eingefangen.

Liebe mal anders

Zwischen zahlreichen Blogs mit endlosen Hochzeitsfotoserien, Gedichten und "Liebe ist ..."-Sprüchen versucht sich auch Antje Schrupp im Netz mit alternativen Abhandlungsversuchen zum Thema Liebe.

In ihrem Liebesblog fragt sie sich, ob es denn stimmen kann, dass Liebe kein Geschlecht kennt, und wundert sich, warum US-amerikanische weibliche Teenager vor Jungs angeekelt die Nase rümpfen, wenn sie die gleichen niedlichen Fernsehserien (etwa "My Little Pony", eine Art rosafarbene Zeichenfilmidylle, wie Schrupp die Serie beschreibt) konsumieren wie sie selbst. "Warum errichten sie (die Mädchen, Anm.) solche Hürden, mit denen sie sich doch selbst schaden, weil sie niemals in den Genuss einer Beziehung zu einem Mann kommen werden, der zwar rosa Pferdchen mag, aber ansonsten toll im Bett, ein super Gesprächspartner, idealer Kindsvater oder was auch sonst immer sein könnte?"

Gute Frage, und noch viele mehr gäbe es in Sachen Liebe, die sich in Blogs verhandeln ließen. Aber nein: Es müssen unzählige Fotos von Sonnenuntergängen, "Liebe ist ... "-Sprüche und endlose "Wie stelle ich es an, damit es klappt"-Fragen an die Community sein. (beaha, dieStandard.at, 1.2.2012)

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Hefeweizerlbier
03
Natürlich alles nur im Rahmen der Kunst

So wie der hier:
http://www.youtube.com/watch?v=rXOtYPcC4tQ

crusius
00

die Frage ist doch eher: wie cool muss ein Mann sein, wenn er rosa Pferdchen toll findet, und trotzdem Erfolg bei Frauen hat :)

SchneckenChecker27cm
00

Wie kann man Ponys NICHT mögen?

Robert Schein
01
wenn man nicht auf leberkässemmeln steht

Neuer Nick neues Glück
10

Der wichtigste Satz:

"sprach dort fremde Männer mit der Bitte an, sich doch dabei fotografieren zu lassen, wie sie sich ihnen mit einem kräftigen Sprung in die Arme wirft"

Sie springt die Kerle also nicht einfach so an, die wissen vorher, was auf die zukommt.
Insofern finde ich die Idee niedlich.

Schade nur, dass die Fotos absolut miserabel sind.

Pygar
 
10

Verstehst halt nichts von Kunst.

Natürlich muss sie das den Kerlen vorher mitteilen, denn sonst weichen die ja zurück ...

Neuer Nick neues Glück
12

Kunst?
Das sind technisch absolut miserable Fotos, mit einem Kamerablitz geschossen oder zumindest dem Blitz auf der Kamera befestigt. Das tut man einfach nicht.
Aber ich nehme mal an, dass du von Fotografie wie von allen anderen Dingen keinerlei Plan hast.

Antagonist1
11
PLANLOS -

ja, so kann ES recht gut beschrieben werden.....

Pygar
 
20

Gerade der Blitz ist die Artifical Expression der Künstlerin. Sie will die Bilder genau so, als geht jemand nach der Arbeit in die Bar und macht ein paar Bilder mit einer Digitalkamera.

Aber nützt ja nichts, wenn ich dir das erkläre, richtig?

Neuer Nick neues Glück
12

Abgesehen davon, dass artificial expression auch korrekt geschrieben kein Begriff aus der Kunst ist...

Nein, sie kann es einfach nicht.
Einige der Ideen sind wirklich gut, siehe auch die Serie "Places" auf ihrer Seite. Aber leider gehört sie scheinbar zu jenen Künstlern, die glauben, die Idee alleine reiche, man müsse dann keine Utensilien bedienen können.

Während ihr bei ausreichend Licht ("available light", um mal einen korrekten Fachbegriff zu verwenden) wirklich gute Bilder gelingen, merkt man sofort, dass sie sich mit dem Thema Fotografie nicht ausreichend auseinandergesetzt hat, um gute Fotos mit Blitz machen zu können.

Pygar
 
10

Das Fragezeichen (= ?) hat eine offensichtlich rhetorische Frage abgeschlossen.

Du wolltest meine richtige Feststellung nochmals bestätigen. Auch gut, obwohl völlig überflüssig, denn dein Gelaber langweilt. War gerade kurz vor dem Einschlafen ...

Antagonist1
11
ABER WARUM

postest du ständig während deiner REM-Phase?

Cynicism
10
Weil seine Frau

es ihm so vorschreibt. Er darf halt nur fünfzehn Minuten pro Tag an den Rechner und wenn das genau mit der Tiefschlafphase zusammenfällt...

again and again
11
Die wird schon wissen

warum sie sich so ein folgsames lila Püdelchen zugelegt hat. :-)

Pygar
 
10

Ob in der REM Phase oder ausserhalb - es gibt keinen Unterschied. Und wenn, würdest du ihn nicht bemerken, Dummerchen.

Antagonist1
10
Außerhalb? Unterschiede?

Natürlich keine, denn deine REM-Phase dauert täglich ja 24 Stunden.....

Antagonist1
11
AHAaa...

Das hier ist also Kunst, die Pissmuscheln in einem anderen Thread, in dem du dich auch wichtig machst, sind's aber nicht....

Cynicism
02
Pygar darf halt nur seiner Frau Recht geben.

... und wenn die etwas doof findet, findet er's halt auch doof. Muss er ja, sonst müsste er ja Eier haben. ;)

Antagonist1
00
ES

hat eine Frau?
Aber statt der Eier eher Eierstöcke...

Antagonist1
00
ES

hat eine Frau?

Pylorus
14

ich würd ausweichen

Graph Bobby
02
Vorurteile darueber, dass nur ein "richtiger Kerl" der wahre Partner sein kann...

...einschliesslich einer stereotypen Beschreibung, wie so ein "richtiger Kerl" auszusehen hat und sich zu verhalten hat, sind nicht nur bei US-Teenagern weit verbreitet, sondern auch hierzulande - und nicht etwa nur bei Maedchen, denen man derartig oberflaechliche Betrachtungen - ebenfalls mittels Vorurteil - zuschreiben wuerde, sondern auch bei den selbsternannten "Alternativen", die sich trotzdem selbst fuer "moderne Frauen" halten.

Die Anzahl der Menschen, die tatsaechlich kein Problem damit haetten, einen rosa-Pferdchen-liebenden Mann als Partner zu akzeptieren, schaetze ich meinen Beobachtungen nach als ausserordentlich gering ein. Rollenbilder kritisieren tun viele, sie selbst ueberwinden leider nur extrem wenige.

Arbeit für den Zensor
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"Eine Künstlerin bespringt fremde Männer " --> ist das jetzt sexuelle Belästigung, für die hier die Werbetrommel gerührt wird ?

Cynicism
13
Jop.

... wobei's sicher ganz witzig wäre, dann im letzten Moment einen Hüpfer zur Seite zu machen und ihr breit grinsend beim Hinfallen zuzuschauen. ;)

Shanajio
00

Zu Beziehung die rasch entstehen sollen, intensiv und dauerhaft sind, empfehle ich eine Zeile von Peter Cornelius: " ... junges Feuer brennt so hell, aber es verbrennt auch schnell ... " :)

Und Jungs die auf rosa Pferdchen stehen, sind lt. allgemeinem Vorurteil nicht gut im Bett und keine auch guten Kindsväter ...

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