Experimente zeigen, dass Frauenförderung wirkt - An 360 StudentInnen wurde getestet, wie Frauen und Männer auf verschiedene Maßnahmen reagieren
Innsbruck - Gerade zehn Prozent der Aufsichtsratsmitglieder in den
österreichischen Top-200-Unternehmen sind Frauen, in die Vorstände bzw.
Geschäftsführungen schaffen es gar nur 4,4 Prozent - so eine Erhebung
der Arbeiterkammer aus 2011. Dass Quoten und andere, oft umstrittene
Fördermaßnahmen Frauen den Aufstieg auf der Karriereleiter erleichtern
können, haben nun Innsbrucker Wirtschaftswissenschafter in einer im
Fachblatt Science veröffentlichten Studie gezeigt.
Fest steht: Frauen meiden eher als Männer den Wettbewerb um Spitzenjobs.
Wie sich Förderungen auswirken, ist aber weitgehend ungeklärt. "Seriöse
Daten aus der Praxis zu diesem Thema zu gewinnen ist nahezu unmöglich",
sagt Studienautor Matthias Sutter vom Institut für Finanzwissenschaft
der Uni Innsbruck.
Sutter hat daher mit seinem Kollegen Loukas Balafoutas ein Experiment
mit 360 StudentInnen durchgeführt, um zu testen, wie Frauen und Männer auf
verschiedene Maßnahmen reagieren. Dazu wurden Gruppen aus je drei Frauen
und Männern gebildet. Sie mussten möglichst viele Additionen von fünf
zweistelligen Zahlen durchführen. Die Probanden konnten dabei wählen, ob
sie pro richtig gelöster Aufgabe 50 Cent erhalten oder sich in einen
Wettbewerb mit den anderen begeben: Dann bekamen sie 1,50 Euro pro
gelöster Aufgabe, aber nur dann, wenn sie zu den zwei besten im
Wettbewerb zählten.
Das Experiment wurde in fünf Varianten durchgeführt: Gab es keinerlei
Fördermaßnahmen für Frauen, war "die Wettbewerbsbereitschaft der Frauen
nur halb so hoch war wie die der Männer", so die Studie. Bei Variante
zwei musste mindestens eine Frau unter den zwei Gewinnern sein, was
einer Quotenregelung entspricht. In der dritten und vierten Variante
erhielten Frauen automatisch einen bzw. zwei Punkte dazu. Das kommt
einer Bevorzugung bei gleicher oder schlechterer Qualifikation gleich.
Bei den Varianten zwei, drei und vier wählten die Frauen deutlich öfter
die Wettbewerbs-Variante des Spiels. Bei den Männern änderte sich in den
verschiedenen Spielarten nichts. Variante fünf (Wiederholung des
Wettbewerbs, wenn keine Frau unter den Gewinnern war) zeigte keinen
signifikanten Unterschied.
Die Leistung wurde durch die Förderungen nicht beeinflusst. Auch wenn
man die Zusatzpunkte herausrechnet: Die Gewinnerinnen schnitten besser
bzw. gleich gut wie ihre männlichen Kollegen ab. In einem
Koordinationsspiel stellten die Forscher außerdem fest, dass Frauen, die
durch Fördermaßnahmen aufstiegen, später im Team nicht diskriminiert
wurden. (APA, kri, DER STANDARD/Printausgabe 3.2.2012)