Feministische Perspektiven zum Nationalsozialismus

In der männerdominierten Holocaust- und NS-Forschung etablieren sich mittlerweile feministische und queere Ansätze

Studierende der "Internationalen Entwicklung" nehmen das 20. Jahrhundert oft nur in seiner "entwicklungsgeschichtlichen" Dimension wahr. Dabei wird den Ereignissen vor 1945 wenig Bedeutung beigemessen. Die AG Geschlecht und Nationalsozialismus (das sind Isabelle Garde, Matthias Klampfl, Franziska Kusche, Stefan Pierer, Massimiliano Sanit und Julia Stranner) will sich daher mit einer Vortragsreihe und einem begleitendem, sowie vertiefendem Lesekreis dem Nationalsozialismus nähern.

Insbesondere die Herstellung und Reproduktion hegemonialer Körpernormen, die bestimmte "Körper" vom Schutz und den Privilegien der Mehrheitsgesellschaft ausschließen und zu Objekten struktureller und physischer Gewalt machen, sollen dabei ins Zentrum gerückt werden. So wurden etwa Menschen, welche als homosexuell, "Asoziale" oder "fremdvölkisch" erkannt und gekennzeichnet wurden zu Opfern eines mörderischen patriarchalen NS-Staates.

Auch im noch männerdominierten Feld der Holocaust- und Nationalsozialismusforschung etablierten sich mittlerweile feministische und queere Ansätze. Die durch dieses Engagement entstandenen theoretischen/praktischen Zugänge bieten heute für WissenschafterInnen und AktivistInnen wichtige Instrumente im Kampf gegen Diskriminierung und Unterdrückung. Vor allem intersektionale Ansätze, welche die Interdependenz verschiedener Diskriminierungs- und Unterdrückungsmechanismen sichtbar machen, ermöglichen eine breitgefächerte Kritik und eröffnen ein weites Feld möglicher disziplinäre und politischer Allianzen.

In der Vortragsreihe soll die enge Verknüpfung von theoretischer und praktischer politischer Arbeit widergespiegelt werden. Als Einstieg in die Vortragsreihe können sich Studierende mit den theoretischen Ansätzen feministischer Perspektiven zum Nationalsozialismus beschäftigen. In den darauffolgenden Einheiten sollen die Themen Körperbilder im Nationalsozialismus, sexualisierte Gewalt in den Konzentrationslager, die Diskriminierung und Asylierung "Krimineller" und "Asozialer", die Verfolgung Homosexueller, sowie der patriarchalen Verfasstheit des NS-Staats erörtert werden. Schließlich will die AG Geschlecht und Nationalsozialismus Aktivistinnen der Lagergemeinschaft Ravensbrück und des Baucamps Uckermark einladen und so dem Thema Erinnerungsarbeit Platz geben. (red)

Termine und Ortsangaben werden auf der Homepage des "Instituts für Internationale Entwicklung" der Universität Wien bekannt gegeben. Sowohl die Vorträge als auch der Lesekreis finden 14-tägig, alternierend statt.

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