Allianz-Studie

Kaum Karrierekämpferinnen

3. Februar 2012, 17:53

Frauen haben sich auf relativ niedrigem Karriereniveau mit relativer Zufriedenheit eingelebt - Die Hürden und Hemmnisse sind lange bekannt, der Konzern will nun intern dagegenarbeiten

Neun von zehn berufstätigen Österreicherinnen würden sich eine Führungsposition in ihrem Unternehmen grundsätzlich zutrauen, aber nur vier Prozent haben dies tatsächlich geschafft. Angesichts fehlender Rahmenbedingungen für Karriere regiert berufliche Bescheidenheit: 66 Prozent der Frauen sind mit ihrem Job zufrieden und haben sich auch mit der Doppelbelastung BerufHaushalt ganz gut arrangiert. Dies ergab eine repräsentative Umfrage der Allianz Versicherung, die im Rahmen eines umfassenden "Diversity-Konzeptes" in den nächsten Jahren einen besonderen Schwerpunkt auf die Entwicklung ihrer Mitarbeiterinnen legen will.

"Für 42 Prozent der befragten Frauen hat Karriere einen ausgesprochen hohen Stellenwert", so der Initiator der Studie, Allianz-Personalchef Norbert Dörner (Bild). Die Mehrheit strebe derzeit dennoch keine Führungsrolle an - zum einen, weil die Familie dann zu kurz käme, zum anderen wegen unüberwindbarer firmeninterner Hürden. Allein schon aufgrund der demografischen Entwicklung könne es sich Österreichs Wirtschaft aber nicht leisten, auf dieses Potenzial zu verzichten, so Dörner.

Zufriedenheit mit ihrem Job haben die Frauen derzeit auf eher bescheidenem Niveau entwickelt, wie die Allianz-Studie zeigt. So steht bei 80 Prozent die gute Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes im Vordergrund, 75 Prozent loben ihre Kollegen, und 68 Prozent bewerten ihren Job als sicher. Gehalt und Karrierechancen finden sich hingegen am unteren Ende der Rangliste. Nach Schulnoten geben die Österreicherinnen ihrem Arbeitsplatz im Schnitt eine 2,2, womit sie nicht ganz das Zufriedenheitslevel der Männer erreichen. Banken, Versicherungen und andere Dienstleistungsunternehmen schneiden dabei deutlich besser ab als Industrie, Unterrichtswesen und Verwaltung. Frauen, die erst kurz im Unternehmen sind, zeigen insgesamt höhere Zufriedenheit als Langzeitarbeitnehmerinnen.

Patchwork im Leben

Vormittags am Arbeitsplatz, nachmittags bei der Familie - auch das kriegen die Frauen nach eigener Einschätzung ordentlich hin. 72 Prozent von insgesamt über 500 Befragten halten die Kombination von Geldverdienen und Haushalt für gut machbar. Selbst mit Kindern erweist sich die Situation bei den meisten Frauen als zufriedenstellend, für Freizeit bleibt dann freilich kaum mehr Spielraum. Im Vorteil sind dabei Teilzeitbeschäftigte; erwartungsgemäß bietet das Unterrichtswesen die besten, die Produktionswirtschaft die schlechtesten Bedingungen.

Drei von zehn Frauen nehmen an ihrem Arbeitsplatz deutliche Unterschiede in Sachen Gleichberechtigung wahr. Während diese im beruflichen Alltag - beispielsweise die Behandlung durch Vorgesetzte und Kollegen - noch relativ gut funktioniert, ortet man in vielen Fällen eine erhebliche Benachteiligung bei Gehalt, Aufstiegschancen und Übergabe von Verantwortung. Apropos Gehalt: Mit diesem ist laut Allianz-Umfrage fast jede zweite berufstätige Frau in Österreich unglücklich, insbesondere Vollzeitbeschäftigte in der Altersgruppe zwischen 40 und 49 Jahren. Besondere Unzufriedenheit herrscht in der Gastronomie, im Schulwesen und bei Produktionsbetrieben. Banken und Versicherungen wird hinsichtlich Entlohnung hingegen ein wesentlich besseres Zeugnis ausgestellt. Das neue Allianz-Konzept fokussiere individuelle Qualifizierungsprogramme, aktive Ermutigung und erheblich verbesserte Rahmenbedingungen für Frauen, die eine Führungsposition anstreben. (kbau, DER STANDARD, Printausgabe 4./5.2.2012)

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12 Postings
AlBundyFan
 
01
10.2.2012, 11:05
haha:Neun von zehn berufstätigen Österreicherinnen würden sich eine Führungsposition in ihrem Unternehmen grundsätzlich zutrauen

ich nahme dann mal an bei den männern sind es noch mehr.

diese 90% beeinhalten 80% menschen die ihre eigenen fähigkeiten total überschätzen und in einer führungsposition grandios scheitern würden.

Nexialist
01
ich als Mann würde mir auch eine Führungsposition zutrauen

sie wurde mir sogar schon angeboten, aber ich habe sie abgelehnt, weil ich befürchtete meine Lebensqualität zu verlieren (wegen der vielen Termine und menschlich schwierigen Entscheidungen)

da war mir meine Work-Life-Balance und Selbstachtung wichtiger...

man muß ja nicht zur Karriere gezwungen werden oder?

ralika
02

Also die Männer haben wir verheizt, die Frauen brauchen wir aber auch noch.

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03
Frauen sind offensichtlich nicht so blöd wie wir Männer und lassen sich von der Wirtschaft verheizen

Für uns ist das Leben ein Spiel, und wer am Ende die meisten Spielzeuge hat, hat gewonnen.

Frauen denken wohl eher daran, dass sich am Sterbebett keine wünscht, viel mehr gearbeitet (=weniger gelebt) zu haben.

Ein Mann
30

das können sie sich aber nur leisten, weil andere (männer) dafür ihre arbeit machen müssen.

manto bamminger
01

das stimmt nur sehr begrenzt

again and again
03
Also wenn wir nur mal die Frauen rechnen

die nur Teilzeit, garnicht oder in einfachen Jobs arbeiten und trotzdem gut leben, weil sie den Lebenstandard des Mannes teilen, dann das nicht so begrenzt sein.

josefa_z.
40
solange es keine quote gibt

und zwar verpflichtend, wird sich daran nichts ändern.

frauenförderpläne und ähnliches führen eben zu keinem job. und wenn ich in meinem betrieb bei den pseudo-programmen nicht mittu, heißt es halt: die frauen wollen nicht.

aber wozu mentoring etc. wenn die jobs dann letztlich wie ehedem intransparent und seilschaften (welcher art auch immer aber meist männlich) gemäß, besetzt werden?!

mlau
28

und warum muss da eine quote her?

und ja: initiative sollte auch von den frauen ausgehen. immer auf quote verlassen ist für mich ein zeichen der faulheit: ich brauch nichts tun weil die qoute wird mich schon hochhieven.

die ganzen frauenförderungen gehören komplett gestrichen. denn diejenigen die Leistung zeigen werden auch ohne qoute und förderung so weit kommen wie sie wollen.
keiner mag quotenfrauen, denn jeder weiss dass sie nur durch die qoute und nicht durch leistung dort sind, und die frauen die mit leistung vorangekommen sind müssen sich wegen denen auch noch ihre leistung anzweifeln lassen.

red15rose1096
11

Ich wünschte, wir würden keine Frauenquote brauchen.

Bis vor einigen Tagen war ich auch Gegner der Quote, aus denselben Gründen wie Sie. Denn ich dachte, dass die Qualitäten, nicht das Geschlecht des Bewerbers für die Wahl ausschlaggebend sei.
Doch leider gibt es noch sehr viele Menschen (auch Frauen, die es den anderen neidig sind) für die das Geschlecht schlussendlich der ausschlaggebende Grund für die Entscheidung ist. Viele sagen, Frauen sollten zurück zur Familie, die haben in Führungsetagen nichts zu suchen.
Ich dachte, dass es solche Ansichten nur mehr vereinzelt gibt, doch vor kurzem wurden mir die Augen geöffnet.

Hafniumcarbid
03
Aha.

Und vor "ein paar Tagen" bist du dann "zufällig" "bekehrt" worden, dass wir alle eine Frauenquote benötigen, und zwar ganz dringend.
Nun steht aber im Artikel, dass die Frauen von sich aus nicht in dem Ausmaß wie Männer bereit sind, für gute Jobs zu kämpfen.
Wieso soll man nun Frauen mit aller Gewalt in Jobs hieven, wo viele von ihnen eigentlich gar nicht hinwollen?
Die, die wirklich wollen, schaffens auch ohne "Spezialbehandlung".

red15rose1096
00

Da haben Sie einerseits recht, doch einige werden durch altmodische Ansichten gehindert, einen Job zu bekommen, der aber aufgrund der Qualitäten der Bewerberin absolut für sie gerechtfertigt ist.

Allerdings könnte man auch über Alternativen nachdenken. Denn wie Sie sagen, sollte man Unqualifizierten nur aufgrund deren Geschlechts auch keinen Job nachwerfen. Eine Prüfung der Bewerbung durch eine unabhängige Kommission wäre wünschenswert. (Doch leider würde diese wahrscheinlich ideologisch eingefärbt werden *hust*grün*hust* - wo gibt es heutzutage etwas Unabhängiges?)

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