Slowenien

Volksabstimmung gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften

6. Februar 2012, 12:17

Konservative Bügerinitiative konnte genügend Stimmen vorlegen: Über Abweichung vom traditionellen Familienbegriff soll im März entschieden werden

Ljubljana - In Slowenien will eine konservative Bürgerinitiative das neue Familiengesetzbuch, mit dem die Rechte von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ausgeweitet werden, mit einer Volksabstimmung stürzen. Die Initiative "Für Familie und für Kinderrechte" hat am Freitag im Parlament den Antrag für das Referendum eingereicht und die dafür erforderlichen 40.000 Unterschriften beigelegt. Das Referendum soll voraussichtlich im März stattfinden.

Katholische Kirche im Rücken

"Die Bedeutung der Mutterschaft und Vaterschaft in der slowenischen Gesetzgebung liegt nun in den Händen der Bürger", sagte der Vorsitzende der Zivilinitiative Ales Primc. Seiner Meinung nach müsse ein Familiengesetz, welches die Mütter und Väter nicht respektiert, zurückgewiesen werden. Für die Zivilinitiative, die von der slowenischen katholischen Kirche unterstützt wird, ist vor allem die neue Definition der Familie, die von der traditionellen Auffassung "Mutter-Vater-Kind" abweicht, inakzeptabel.

Sie findet, dass es für die Entwicklung eines Kindes das Beste sei "eine gute Mutter und einen guten Vater" zu haben. Die GegnerInnen wehren sich außerdem gegen die Möglichkeit für Homosexuelle, die leiblichen Kinder ihrer PartnerInnen adoptieren zu können.

Traditionelle Familie höherwertig

Der scheidende Familienminister Ivan Svetlik bedauerte es, dass die GegnerInnen des Familiengesetzbuches mit dem Referendum einigen Kindern das Recht auf eine sichere und sorgenfreie Kindheit nehmen wollen. Die GegnerInnen wollten das Referendum ausnützen, um Druck auf die freie Wahl der Familienform auszuüben, kritisierte der Minister. "Sie wollen Einelternfamilien, unverheiratete Familien, Pflege- und Regenbogenfamilien als minderwertig bezeichnen. Damit würde man die Hälfte der slowenischen Bevölkerung anprangern", sagte Svetlik laut slowenischer Nachrichtenagentur STA. Er betonte weiter, dass das Familiengesetz mehr Rechte und Schutz für Kinder und Familien bringe.

Neu-Formulierung entspricht UNO-Definition

Das Familiengesetzbuch, das von der scheidenden Mitte-Links-Regierung verabschiedet wurde, soll die bestehende Regelung aus dem Jahr 1976 aktualisieren. Es sieht viele Verbesserungen zum Schutz der Kinder vor, wie etwa das Verbot von körperlicher Bestrafung oder die Institution eines Kinder-Ombudsmannes. Umstritten sind nur einige Bestimmungen, insbesondere die neue Definition der Familie sowie die Stiefadoption für Homosexuelle.

Das neue Gesetzbuch definiert eine Familie als "eine Lebensgemeinschaft von Kindern mit einem oder beiden Eltern oder einem anderen Erwachsenem, wenn dieser für das Kind sorgt". Diese Formulierung entspricht einer UNO-Definition. Nach Schätzungen des Familienministeriums leben in Slowenien derzeit rund 100 Kinder in Regenbogenfamilien, die bisher nicht die gleichen Rechte wie die Kinder in traditionellen Familien hatten, etwa das Erbrecht nach der/m PartnerIn des leiblichen Elternteils.

Mehrheit für Reform

Das Parlament hat das Familiengesetzbuch im Juni 2011 trotz heftigen Widerstands der konservativen Opposition verabschiedet. Mit einer Klage vor dem Verfassungsgericht wollte das Parlament die Volksabstimmung unterbinden. Das Verfassungsgericht hat jedoch mit einer knappen Mehrheit das Referendum aus formellen Gründen erlaubt. Die öffentliche Meinung scheint dem neuen Familiengesetz zugeneigt zu sein. Jüngste Meinungsumfragen zeigen eine mehrheitliche Unterstützung für die neue Regelung. (APA)

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18 Postings
Julia123
01
Soviel zur direkten Demokratie...

...und die Mehrheit über die Rechte einer Minderheit abstimmt

mejer al kebir
00
Demokratie ist lt.Ihrer Definition wohl

wenn die Minderheit über die Mehrheit bestimmt.

glitsch
00
Die können höchtens auf niedrige Beteiligung hoffen

Ein Großteil der slowenischen Bevölkerung ist antiklerikal eingestellt. Viele bezeichnen sich explizit als Atheisten. Durch die Kollaboration mit den Nazis hat die katholische Kirche in Slowenien ihr Ansehen weitestgehend verspielt – ehemalige gläubige Katholiken sind zuhauf glühende Anhänger der Partisanen geworden. Wenn man in Slowenien unter Studenten sagt, man glaube an Gott, muss man damit rechnen beinhart und schallend laut ausgelacht zu werden. Beim dem Versuch Religionsunterricht an den Schulen einzuführen ist die r.k.K. vor etwa zwei Jahren am vehementen Widerstand der Bevölkerung gescheitert.

In Slowenien sind die Katholiken und ihre Ansichten in der Minderheit.

tignosa
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Wahnsinn! Mit Riesenschritten in den Rückschritt!

Chien de Pique
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?? Die Schritte passieren doch eher in die fortschrittliche Richtung; noch ist auch genau nichts passiert, außer dass die Initiative die sehr niedrige Schwelle von Unterschriften erreicht haben: in Österreich diskutieren (!) wir bei dem grob

Vierfachen der slowenischen Bevölkerungszahl eine von 640.000 für Volksinitiativen.
Die Schwelle für echte Volksinitiativen in Slowenien ist also offenbar nicht viel höher als die in Österreich für einfache nahezu folgenlose) Volksbegehren, 3/4 der Volksbegehren (vielfach Randthemen oder skurril
hätten die umgerechnete slowenische Schwelle auch geschafft (ohne den Anreiz, wirklich etwas bewegen zu können), das sagt also noch absolut nichts über die Meinung der Mehrheit aus. Die ist, wie Sie oben hätten lesen können, FÜR die Reform.
Erschütternd und deprimierend finde ich eher, dass Österreich offenbar ein weit weniger demokratisches Land ist als Slowenien, so kurze Zeit erst, nachdem dieses das kommunistische Regime abgeschüttelt hat.

Chien de Pique
00
Korrektur:

erreicht HAT.

tignosa
10
da ist was dran, "wir" sind nicht so weit weg davon

Österreich hat sich bos heute nicht dazu "durchringen" können, Homo- und Heterosexuelle gleichzustellen. Wenn ich mich zB als Hetera mit meinem Lebenspartner (den ich salopp schon mal als "meinen Mann" vorstelle) verpartnern möchte, geht das nicht. Wenn meine lesbische Kollegin ihre Freundin heiraten möchte, geht das auch nicht. Homosexuelle dürfen keine Kinder adoptieren, lediglich bei Pflegekindern ist man nicht mehr "so"- aber die können einem jederzeit wieder weggenommen werden.

manto bamminger
31
familie

ich persönlich sehe eine normale familie 8ja ich werde sie so bezeichnen) schon als das ideal an, am besten wäre ja die großfamilie, also da gibts überhaupt nix vergleichbares dazu.

wenn sich jetzt aber jemand bereit erklärt ein kind bei sich aufznehmen und es großzuziehen, ist das eine gute sache.

noirc80
11

begründung? deine meinung sei dir unbenommen, so lange du dafür aber keine argumente hast, sehe ich nicht, wieso hier menschen, die deiner meinung nach nicht "normal" sind, leben oder anderes unter familie (ja, ich nenne es so) verstehen benachteiligt werden sollten.

tignosa
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was ist schon normal... ?

byron sully
24

bleibt zu hoffen, daß die slowenInnen vernünftig genug sind, um diesen schritt rückwärts zu verhindern.

Chien de Pique
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Ich denke doch. Selbst in Österreich ist die Bevölkerung nach Umfragen hier ja weit aufgeschlossener als die Politik.

byron sully
00

kommt aber immer auch darauf an, welche seite stärker mobilisieren kann.

Chien de Pique
10

Da haben Sie leider Recht, das könnte hier Schwierigkeiten geben. Soweit ich weiß, gibt es ja in Slowenien auch keine nötige Mindestbeteiligung, das ist, auch wenn ich den dortigen niederschwelligen Zugang zu Volksabstimmungen an sich gut finde, hier uU ein echtes Problem.

byron sully
00

in summe gefällt mir das slowenische demokratiermodell ohnehin recht gut. keine derartige übersättigung mit volksabstimmungen wie in der schweiz, aber dennoch immer wieder bei wichtigen themen.

waniwiadawödua
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komisch,

dass gerade die katholische kirche immer so vehement gegen gleichgeschlechtliche partnerschaften auftritt.

Sigrun1
00

wer mag schon Konkurrenz?

HK-11
00

Priestermangel?

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